Im Kino gesehen: „Jurassic World“

Als „Jurassic Park“ 1993 in unseren Kinos startete, war ich 16 Jahre alt. Und von dem Film, wie so ziemlich jeder Junge meines Alters, absolut begeistert. Heute bin ich 37 so gut wie 38 Jahre alt. Und von dem Film immer noch begeistert wie am ersten Tag. „Jurassic Park“ ist in meinen Augen ein Paradebeispiel für einen gelungen Blockbuster und hat auch heute nichts von seiner Faszination verloren. Die 1997 und 2001 entstandenen Fortsetzungen „Vergessene Welt: Jurassic Park“ und „Jurassic Park III“ können dem ersten Teil zwar nicht das Wasser reichen, werden meiner Meinung nach aber dennoch unter Wert gehandelt, bieten sie doch trotz ihrer zweifellos vorhandenen Mängel kurzweilige und spannende Unterhaltung. Und ja, das gilt auch und insbesondere für den in Filmliebhaberkreisen unbeliebten dritten Teil.

Seit gestern läuft mit „Jurassic World“ nun der vierte Film der Abenteuerreihe in unseren Kinos. Erstmals ohne die Veteranen Sam Neill und Jeff Goldblum, dafür mit dem derzeit (vollkommen zu recht) angesagten Chris Pratt. Statt zu essen, habe ich es mir gestern in der Mittagspause im Kino gemütlich gemacht. Und kam zwar hungrig, aber auch zutiefst zufrieden wieder zurück ins Büro …

Worum geht’s

Die grausamen Ereignisse gehören der Vergangenheit an, John Hammonds Traum ist wahr geworden: Seit zehn Jahren strömen täglich Zehntausende in den beliebten Dinosaurier-Themenpark Jurassic World und erfreuen sich an den ehemals ausgestorbenen Tieren. Um den schwindenden Gästezahlen entgegenzuwirken, kreieren die Forscher eine neue Attraktion, den Indominus Rex. Dieser entpuppt sich jedoch nicht nur als äußerst aggressiv, sondern auch als außergewöhnlich intelligent. Als dem Tier die Flucht aus seinem Gehege gelingt, bricht im Park das Chaos aus. Während Parkleiterin Claire (Bryce Dallas Howard) und Velociraptoren-Trainer Owen (Chris Pratt) versuchen, die Gäste in Sicherheit zu bringen, sieht der zwielichtige Hoskins (Vincent D’Onofrio) den richtigen Moment gekommen, um zu beweisen, dass Velociraptoren nicht bloß tödliche Tiere sind, sondern in den richtigen Händen auch eine perfekte Waffe darstellen können …

Meine Meinung

Ich mach’s kurz: „Jurassic World“ ist eine mehr als würdige Fortsetzung, die den dritten Teil spielend hinter sich lässt und sich zwar deutlich hinter (dem vermutlich unerreichbaren) „Jurassic Park“, aber knapp vor dessen unmittelbarer Fortsetzung „Vergessene Welt“ einordnet. Regisseur Colin Trevorrow verlässt sich auf die Stärken des Originals und bietet dem Publikum eine packende Hetzjagd mit größtenteils famosen Actionszenen und Effekten, begeht dabei aber glücklicherweise nicht den Fehler, sich in monotoner Daueraction zu verlieren. Wie schon in „Jurassic Park“ gibt es auch in „Jurassic World“ immer wieder Zeit zum Durchatmen, in der die Geschichte dezent vorangetrieben wird und neue, wenn auch meist vorhersehbare Erkenntnisse ans Licht kommen. Wer den ersten Teil gut kennt, darf sich zusätzlich auf zahlreiche Anspielungen freuen, die überall im Film darauf warten, vom aufmerksamen Zuschauer entdeckt zu werden. Und natürlich darf auch John Williams‘ tolles „Jurassic Park“-Theme nicht fehlen. Alleine für den Moment, in dem dieses Musikstück zum ersten Mal gespielt wird, lohnt sich das Eintrittsgeld.

Was „Jurassic World“ hingegen leider komplett fehlt, sind markante Figuren wie ein Dr. Alan Grant oder ein Dr. Ian Malcolm. Versteht mich bitte nicht falsch, Bryce Dallas Howard und Chris Pratt sind wie immer sympathisch und machen ihre Sache durchaus ordentlich, doch bleiben ihre Charaktere erschreckend blass, letztlich austauschbar und dementsprechend auch nicht lange in Erinnerung. Dasselbe gilt für die Filmmusik, die, vom Original-Theme abgesehen, keinerlei Wiedererkennungswert besitzt. Außerdem, und damit komme ich zu meinem letzten Kritikpunkt, wirkt das Finale dann doch etwas zu dick aufgetragen. Selbst für einen Film mit genetisch manipulierten Dinosauriern.

Mein Fazit

Spannender Abenteuerfilm mit tollen Effekten und packender Action, aber auch mit blassen Figuren und dadurch verschenkten Darstellern. Andererseits sind die wahren Stars ohnehin die Dinosaurier – und diese sind über alle Zweifel erhaben.

Meine Wertung: 8/10

STOPP! Bevor ihr aufhört zu lesen, möchte ich euch noch den Text „Jurassic Park (USA 1993) – Als die Computer laufen lernten“ des Filmblogs Duoscope ans Herz legen! Informativ und interessant geschrieben – wer sich auch nur ansatzweise für „Jurassic Park“, dessen Entstehung und dessen Auswirkungen interessiert, ist hier richtig!

Zum Schluss noch weitere Stimmen aus der deutschen Film-Blogosphäre:

Der Filmtipp
Filmfraß
Filmherum
Wessels-Filmkritik.com

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Ein kurzes Fazit zu … „Human Centipede – Der menschliche Tausendfüßler“

„Man geht nie Arsch zu Mund!“ heißt es in „Clerks II“. Wer erinnert sich nicht an die hitzige Diskussion zwischen Dante und Randal, der diese Einstellung erwartungsgemäß nicht teilen wollte. In dem psychopathischen Arzt Dr. Heiter (Dieter Laser) hätte Randal einen Verbündeten gefunden. Um einen menschlichen Tausendfüßler mit einem einzigen Verdauungstrakt zu schaffen, entführt dieser mehrere Menschen und näht sie in seinem Labor Arsch zu Mund aneinander. Während Katsuro (Akihiro Kitamura) als erstes Glied der Kette den Takt vorgibt, haben die US-Studentinnen Lindsay (Ashley C. Williams) und Jenny (Ashlynn Yennie) schon bald die Schnauze voll und mehr zu schlucken, als ihnen lieb ist …

Bevor ihr euch nun angewidert abwendet: Der angebliche Tabubruch „Human Centipede“ ist nur halb so eklig, wie ihr vielleicht vermutet. Die Darstellung des menschlichen Tausendfüßlers beschränkt sich (glücklicherweise) auf würgende Gesichter und sauber aneinander genähte Menschen, die an ihren Wunden medizinisch korrekt verbunden sind. Der Gore-Faktor ist gering, die Spannung allerdings auch, denn viel mehr, als dass die bedauernswerten Opfer auf dem Boden kriechen und sich gegenseitig füttern, passiert nicht. Erst im Finale, in dem zwei Polizisten das Geschehen bereichern, kommt ein wenig Schwung in die Geschichte.

Letztlich lebt der Film einzig und allein von seiner abartigen Idee, die auf den ersten Blick zwar ziemlich abgedreht wirkt, mit Blick auf die Gräueltaten und Menschenversuche echter „Ärzte“ jedoch keineswegs unmöglich erscheint. In Erinnerung bleiben auf jeden Fall der aus Kiel stammende Dieter Laser als psychopathischer Arzt und eine Szene, in der Dr. Heiter seinen Opfern exakt erklärt, was er mit ihnen plant. Diese Situation ist tatsächlich Terror pur.

Für einen Film in Spielfilmlänge ist das aber zu wenig …

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Willkommen in meiner Kindheit: „Kung Fury“ ist da!

Weil Adolf Hitler (Jorma Taccone) zahlreiche Polizisten durch den Telefonhörer hindurch erschossen hat, reist 80er-Jahre-Supercop Kung Fury (David Sandberg) in die Vergangenheit, um Hitler im Nazideutschland auszuschalten und so die Gegenwart zu retten. Leider schickt Superhacker Hackerman (Leopold Nilsson) Kung Fury mehrere Jahrhunderte zu weit zurück. Nun kann nur noch Donnergott Thor (Andreas Cahling) helfen …

Mal ehrlich: Die 80er waren (nicht nur) für Actionfilme eine tolle Zeit! Alles war bunt, noch cooler als die unverwundbaren Actionhelden waren höchstens deren Oneliner, und die teils völlig abstrusen Geschichten ergaben wenig bis gar keinen Sinn. Man denke nur an Filme wie „Dark Angel“ mit Dolph Lundgren oder „Dead Heat“ mit Treat Williams.

Regisseur und Hauptdarsteller David Sandberg hat nun alles, was ich (und offensichtlich viele andere Menschen) an den 80er liebe, in den über Kickstarter finanzierten und völlig durchgedrehten Kurzfilm „Kung Fury“ gepackt. Wer auch nur ansatzweise etwas mit den 80ern, speziell mit den Filmen und Videospielen dieser Zeit, anzufangen weiß, sollte sich diesen nicht entgehen lassen!

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=bS5P_LAqiVg]

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Ein kurzes Fazit zu … „Poltergeist“ (2015)

Neues Haus, neues Glück. Oder auch nicht. Kaum sind die Bowens in ihrem neuen Zuhause eingezogen, sehen sich Eric (Sam Rockwell), Amy (Rosemarie DeWitt) und ihre Kinder Kendra (Saxon Sharbino), Griffin (Kyle Catlett) sowie Nesthäkchen Madison (Kennedi Clements) mit übernatürlichen Phänomenen konfrontiert. Erst stehen nur Haare zu Berge, dann bewegen sich Gegenstände wie von Geisterhand selbst und schließlich wird Griffin von einem Baum angegriffen, während Madison in ihren Kleiderschrank gezogen wird und im Störbild des Fernsehers wieder auftaucht. Jetzt können nur noch das Team rund um die Wissenschaftlerin Dr. Brooke Powell (Jane Adams) und der paranormale TV-Moderator Carrigan Burke (Jared Harris) helfen …

Hach, „Poltergeist“. Das Original war nicht nur mein erster Gruselfilm, sondern zählt für mich auch heute noch zu den besten Werken dieses Genres. Und jetzt kommt’s: Obwohl ich das Original verehre und ein Remake als eher unnötig empfand, hat sich die 2015er-Version gestern ebenso in mein Herz gespielt wie das Original. Nicht zuletzt, weil Regisseur Gil Kenan („Monster House“) mich daran erinnert hat, dass Horrorfilme nicht zwingend düster und bierernst oder albern und überzogen sein müssen, sondern durchaus auch unbekümmert und einfach unterhaltsam sein dürfen. Am ehesten lässt sich der 2015er „Poltergeist“ mit der Fahrt in einer Gruselachterbahn vergleichen: Man weiß von Anfang an, dass niemandem etwas Böses geschieht, wird schnell ins Geschehen geworfen, erschreckt sich regelmäßig, zwischendurch wird’s kurzzeitig schnell, laut und bunt – und ehe man es sich versieht, ist die Fahrt auch schon vorbei.

Von einigen kleinen Abweichungen und Modernisierungen abgesehen, erzählt der Film dabei die Geschichte des Originals nach, strafft diese aber auf kurzweilige 93 Minuten. Da bleibt zwar kein großer Platz für etwaige Charakterentwicklungen, doch sind sämtliche Figuren ohnehin von Anfang an greifbar und äußerst sympathisch, so dass dies nicht negativ auffällt. Positiv fallen dafür der lockere Ton, die unbeschwerte Atmosphäre und die äußerst gelungenen Kamerafahrten auf, die Gil Kenan und sein Team auf die Leinwand gezaubert haben.

Was ich letztlich sagen möchte: Ich habe breit grinsend im Kino gesessen und mich dabei wieder wie ein Kind gefühlt, das zum ersten Mal einen harmlosen Gruselfilm wie z.B. „Gate – Die Unterirdischen“ sieht. Und für dieses Gefühl des unbekümmerten Grusels bekommt der 2015er „Poltergeist“ hiermit meine offizielle und ganz ganz dicke Empfehlung!

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Ein kurzes Fazit zu … „Tusk“

Auf der Suche nach schrägen Geschichten für seinen Podcast trifft der überhebliche Wallace (Justin Long) in Kanada auf den kauzigen Einsiedler Howard Howe (Michael Parks). Nach einem anfänglich netten Plausch entpuppt sich der charismatische Seebär jedoch als Serienkiller, der Menschen in sein Haus lockt, um sie dort zu betäuben und aus ihnen in seinem Keller ein menschliches Walross zu erschaffen. Während Howe mit seiner Operation an Wallace beginnt, machen sich Ally (Genesis Rodriguez) und Teddy (Haley Joel Osment) auf die Suche nach ihrem Freund. Unterstützt werden sie dabei von dem ehemaligen Polizisten Guy Lapointe (Johnny Depp), der Howe schon seit einer halben Ewigkeit auf der Spur ist …

Seine zahlreichen Kritiker können Kevin Smith („Clerks – Die Ladenhüter“, „Dogma“, „Red State“) vieles vorwerfen, nur eines nicht: Dass seine Filme gewöhnlich seien. Dies alleine ist allerdings noch lange kein Qualitätsmerkmal. Und so reiht sich auch die schwarzhumorige Horrorgroteske „Tusk“ in die lange Liste von Smith-Filmen ein, die das Publikum gewaltig spalten. Mit „Tusk“ macht Kevin Smith es selbst seinen Fans wahrlich nicht leicht. Die Figuren sind gewohnt schräg, dabei jedoch ungewöhnlich nervig und unsympathisch. Die Dialoge wirken aufgeblasen und unnötig in die Länge gezogen. Ehrlich gesagt hinterlässt die gesamte Inszenierung einen zuweilen arg holprigen Eindruck und lässt in ihrer Gänze kein echtes Konzept erkennen. Und doch fand ich den Film in all seiner Absurdität auf seine ganz spezielle Art unterhaltsam und faszinierend – auch wenn ich, spätestens beim Anblick des skurrilen Geschöpfes, nicht wusste, ob ich nun lachen oder mich kopfschüttelnd abwenden soll.

Fest steht, dass Kevin Smith sein Ding gnadenlos durchzieht und sich, zumindest Stand heute, nicht verbiegen lässt, nur um das Massenpublikum besser erreichen zu können. Dafür, und für das bitterböse Ende von „Tusk“, hat der Mann meinen Respekt.

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Ausgezeichnete Pinkelpause: „Der Mann, der zu viel musste“

Ich gebe es zu: Die Kieler Filmszene ist für mich eine große Unbekannte. Ehrlich gesagt wusste ich bis vor kurzem nicht mal, dass es in Kiel überhaupt so etwas wie eine Filmszene gibt. Heute bin ich klüger. Na gut, „klüger“ ist vielleicht etwas übertrieben. Nicht, dass ich die Kieler Filmszene heute wirklich kennen würde. Aber dank der Comic-Lese-Gruppe Projektix und deren „Krieg der Sterne“-Lesung weiß ich nun immerhin, dass solch eine Filmszene in Kiel existiert. Und dass Jessica Dahlke, die als Mitglied dieser Comic-Lese-Gruppe unter anderem Prinzessin Leia und R2-D2 verkörperte, ein Teil dieser Filmszene ist.

Wieso ich das hier alles schreibe? Weil Jessica zusammen mit ihrer im August 2014 ins Leben gerufenen Comedy-Gruppe The Flying Discman vor ein paar Tagen an dem Kurzfilmwettbewerb „Nur 48 Stunden“ teilgenommen hat – und sowohl den Jürgen-Prediger- als auch den Publikumspreis mit nach Hause nehmen durfte.

Da bleibt mir nur, Jessica und dem gesamten Team von The Flying Discman herzlich zu gratulieren. Und selbstverständlich euch den Gewinnerfilm zu zeigen.

In diesem Sinne: Viel Spaß mit
„The Flying Discman: Der Mann, der zu viel musste“

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=n_h1YAd_C_w]

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Gefangen in der Direct-to-Video-Belanglosigkeit: „Reclaim – Auf eigenes Risiko“

Ach, John Cusack, was ist bloß aus dir geworden. Es gab Zeiten, da spieltest du in tollen Filmen wie „Grosse Pointe Blank – Ein Mann, ein Mord“, „Being John Malkovich“ und „High Fidelity“ mit. Auch in „Weil es Dich gibt“, „Das Urteil – Jeder ist käuflich“ und „Zimmer 1408“ hast du mir richtig gut gefallen. Und mit „Con Air“ und „2012 – Das Ende der Welt“ hast du sogar zwei echte Blockbuster vorzuweisen. Und heute? Spielst du in Direct-to-Video-Premieren mal die Haupt- und immer öfter sogar nur eine Nebenrolle. Gut, das muss nicht zwangsläufig schlecht sein, schließlich gibt es durchaus DTV-Premieren, die sich als kleiner Geheimtipp entpuppen. Der ab sofort erhältliche Entführungsthriller „Reclaim – Auf eigenes Risiko“ gehört jedoch leider nicht dazu …

Worum geht’s

Da sie als Folgen eines tragischen Autounfalls keine eigenen Kinder bekommen können, beschließt das junge Paar Steven (Ryan Phillippe) und Shannon (Rachelle Lefevre), das haitianische Waisenmädchen Nina (Briana Roy) zu adoptieren. Um Nina abzuholen und die Adoption abzuschließen, reisen Steven und Shannon nach Puerto Rico. Leider befinden sich die für die Ausreise notwendigen Dokumente noch auf dem Postweg, weswegen die frischgebackene Familie von Büroleiterin Reigert (Jacki Weaver) vorerst in einem Hotel untergebracht wird. Als eines Morgens sowohl Nina als auch das Adoptionsbüro spurlos verschwunden sind, wird Steven und Shannon klar, dass sie einer professionellen Bande von Adoptionsbetrügern aufgesessen sind. Der für den Fall verantwortliche Detective (Luis Guzmán) macht dem Paar keine große Hoffnung, doch Steven und Shannon sind bereit, auf eigene Faust nach Nina zu suchen. Und wecken damit das Interesse des scheinbar unbeteiligten Benjamin (John Cusack) …

Meine Meinung

Skrupellose Menschenhändler, die verwaiste Kinder für ihre Zwecke missbrauchen. Verzweifelte Eltern, die bereit sind alles zu opfern. Was sich durchaus interessant und spannend liest, entpuppt sich als unspektakulärer und vorhersehbarer Thriller, der trotz seiner ernsten und durchaus wichtigen Thematik erschreckend oberflächlich und anspruchslos bleibt. Da die Zuschauer offenbar nicht zu stark gefordert oder gar belastet werden sollen, werden die interessantesten Fragen nur angerissen, aber niemals ernsthaft aufgegriffen. Dass so viele Paare in ihrer Verzweiflung auf dubiose Adoptionsangebote eingehen, ließe sich zum Beispiel hervorragend für eine Kritik am Adoptionssystem nutzen. Ebenso werden die psychologischen Folgen für das Waisenkind Nina beinahe komplett vernachlässigt. Dabei hätten insbesondere diese den Film deutlich aufwerten können, denn wie traumatisch es für ein Kind sein muss, unfreiwillig Teil solch einer Betrugsmasche zu sein und von Familie zu Familie gereicht zu werden, mag ich mir nicht ausmalen.

Statt sich mit solchen Fragen zu beschäftigen und der Geschichte die Tiefe zu verleihen, die der Thematik gerecht wird, konzentriert sich „Reclaim“ lieber auf die üblichen 08/15-Thriller-Momente. Da von Anfang an klar ist, wer hier seine Finger im Spiel hat, bleibt die Spannung dabei zwar größtenteils auf der Strecke, wirklich langweilig ist das Geschehen jedoch glücklicherweise auch nicht. Am Ende kommt gar ein wenig Action in Form einer längeren Verfolgungsjagd ins Spiel, die allerdings nicht nur unspektakulär inszeniert, sondern auch noch miserabel getrickst ist. Wie heißt es so schön: Der Wille war da.

Reclaim_Szene_2Ryan Phillippe („Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“, „Eiskalte Engel“) und Rachelle Lefevre („Twilight – Biss zum Morgengrauen“, „White House Down“) können als verzweifelte Adoptiveltern durchaus überzeugen, bleiben jedoch aufgrund des oberflächlichen Skripts eher unterfordert. Und ja, das gilt auch für Phillippe, den ich entgegen der allgemeinen Meinung durchaus für einen brauchbaren Darsteller halte. Wobei er mir in kleineren Rollen wie zum Beispiel in „Der Mandat“ doch deutlich besser gefällt. Und wie schlägt sich John Cusack? Nun, hat man die erste Szene mit ihm, in der er um Jahrzehnte gealtert und extrem heruntergekommen aussieht, erstmal verdaut, schlägt sich Cusack recht wacker, obgleich er schon ein wenig gelangweilt wirkt. Das Niveau eines Steven Seagal hat Cusack aber glücklicherweise noch längst nicht erreicht. Ich habe also durchaus noch Hoffnung für den Mann.

Mein Fazit

Unspektakulärer Thriller mit soliden Darstellern, der seiner durchaus interessanten Thematik nicht gerecht wird und nach dem Schauen schnell in Vergessenheit gerät.

Meine Wertung: 5/10

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Ein Actionfilm, geschaffen für die große Leinwand: „Mad Max: Fury Road“

Die drei „Mad Max“-Filme gehören ohne Zweifel zu den Actionklassikern. Nicht nur, weil sie dem damals noch unbekannten Mel Gibson die Türen in Hollywood öffneten, sondern insbesondere aufgrund der packenden Actionszenen und des immer wieder durchschimmernden Wahnsinns. Was Regisseur George Miller aus seinem doch arg beschränkten Budget herauskitzelte, war einfach fantastisch. Und ist es auch heute noch, obgleich ich finde, dass insbesondere der erste Teil mehr schlecht als recht gealtert ist und jeder der drei Filme so seine Längen hat. Exakt 30 Jahre nach „Mad Max: Jenseits der Donnerkuppel“ lässt Miller den knallharten Ex-Cop Max Rockatansky nun wieder auf das Publikum los. Und eines verrate ich euch gleich jetzt: Bei „Mad Max: Fury Road“ handelt es sich nicht um den peinlichen Versuch eines alternden Regisseurs, noch ein Mal auf einer längst vergangenen Erfolgswelle zu reiten. Nein, „Mad Max: Fury Road“ ist ein Weckruf für das moderne Actionkino und eine schallende Ohrfeige für Filme wie „Transformers: Ära des Untergangs“ und „Fast & Furious 7“!

Worum geht’s

„Wir sind keine Sachen!“ Weil sie sich nicht ihrem Schicksal ergeben und dem Tyrannen Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) nicht länger als Sexsklavinnen und Gebärmaschinen dienen wollen, lassen sich fünf junge Frauen (u.a. Rosie Huntington-Whiteley und Zoë Kravitz) von der Killerin Imperator Furiosa (Charlize Theron) in einem bewaffneten Tanklaster aus dessen Enklave schmuggeln. Doch Immortan Joe bemerkt den Verrat und nimmt gemeinsam mit seiner Armee die Verfolgung auf. Unfreiwillig an der Jagd beteiligt: Max Rockatansky (Tom Hardy), der kurz zuvor gefangen genommen wurde und nun dem jungen War Boy Nux (Nicholas Hoult) auf dessen Kühlergrill als menschlicher Blutbeutel dient …

Meine Meinung

Immer wieder lese ich die Frage, was „Mad Max: Fury Road“ denn nun eigentlich sei. Ein Remake? Eine Fortsetzung? Fragt ihr mich, ist die Antwort auf diese Frage eindeutig: ein Best of! Schöpfer George Miller hat nicht weniger getan, als sich von unnötigem Ballast zu trennen und all das, was die Fans an der Mad-Max-Reihe lieben, in einen einzigen Film zu packen. Herausgekommen ist dabei ein audiovisueller Overkill, den ich in dieser Konzentration noch nicht gesehen habe. Zugegeben, nüchtern betrachtet ist der Film letztlich nichts anderes als eine fast zweistündige Verfolgungsjagd. Aber was für eine! Während die monotone und beliebig wirkende Action in modernen Blockbustern wie den oben bereits genannten „Transformers: Ära des Untergangs“ und „Fast & Furious 7“ nach kurzer Zeit ermüdet, zeigt „Mad Max: Fury Road“ eindrucksvoll, wie packend endlos lange und ausurfernde Actionszenen doch sein können. Wieso die Action in diesem Film so gut funktioniert, ist schnell erklärt: Miller und sein Team haben weitestgehend auf CGI verzichtet und setzen stattdessen auf echte Sets und echte Stunts, was den beeindruckend choreografierten Actionszenen in jeder Sekunde anzusehen ist und ihnen eine ganz besondere Wucht verleiht. Angetrieben von einem donnernden Score (der übrigens so fantastisch ist, dass ich ihn gerade höre, während ich diese Zeilen schreibe), vollbringen die Stuntleute wahrlich Beeindruckendes und zeigen dem CGI-verseuchten Hollywood völlig zu recht den staubig-blutigen Mittelfinger. Dass sich die Action trotz ihrer Dominanz nicht wiederholt, sondern stets abwechslungsreich und kreativ bleibt, ist dabei das berühmte i-Tüpfelchen.

Hinzu kommt, dass es in jeder Szene etwas zu entdecken gibt. Den in den vorangegangenen drei Filmen immer wieder durchblitzenden Wahnsinn treibt Miller hier rücksichtslos auf die Spitze und pfeift dabei auf die Sehgewohnheiten des Mainstream-Publikums, so dass ich trotz der durchaus düsteren und hoffnungslosen Atmosphäre mehrmals grinsen und kichern musste. Der mit einer zum Flammenwerfer umgebauten E-Gitarre bewaffnete Doof Warrior (gespielt vom australischen Musiker iOTA), der die Jagd auf einem Wagen voller Lautsprecher begleitet, ist dabei nur das offensichtlichste Beispiel.

Auch wenn „Mad Max: Fury Road“ von seiner Action und der mehr als gelungenen Optik im Zusammenspiel mit dem grandiosen Soundtrack lebt, soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Film durchaus eine Geschichte zu erzählen hat. Wenn auch eine, die den titelgebenden Helden Max Rockatansky gar nicht gebraucht hätte. Nein, der eigentliche Star des Films ist Charlize Theron, die als nach Vergebung suchende Furiosa so gut wie jede Szene (insbesondere die seltenen ruhigen Momente) an sich reißt und den einsilbigen und oft nur Grunzlaute von sich gebenden Max zur Nebenfigur degradiert. Auf den Punkt gebracht, handelt „Mad Max: Fury Road“ von sechs starken Frauen, die sich in einer von Männern dominierten Welt ihre Selbstbestimmung zurück erkämpfen. Dass sie bei diesem Kampf zufällig auf einen Mann treffen, der die Frauen einen Stück ihres Weges begleitet und sie unterstützt, ohne sich zum Retter aufzuspielen, muss dabei ja kein Nachteil sein …

Mein Fazit

Selten war der Werbeslogan „Kino – dafür werden Filme gemacht!“ passender als hier: „Mad Max: Fury Road“ ist ein audiovisuelles Meisterwerk, ein Pflichtfilm für alle Actionfans und, steinigt mich ruhig, der bislang beste Teil der Reihe. Wenn eure Enkelkinder euch später fragen, wo ihr gewesen seid, als „Mad Max: Fury Road“ lief, sollte es nur eine Antwort geben: im Kino!

Meine Wertung: 9/10 (und einen Punkt Abzug gibt’s auch nur, weil ich mir sicher bin, dass der Film später im Heimkino längst nicht mehr so imposant wirken wird)

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„Fast & Furious 7“ mit realistischen Stunts? So hätte der Film ausgesehen!

Sofern ihr meine Review zu „Fast & Furious 7“ gelesen habt, wisst ihr, dass mir die völlig übertriebenen Actionszenen im Film definitiv zu weit gingen. Das folgende Video zeigt nun, wie der Film ausgesehen hätte, wären die Actionszenen realistisch ausgegangen.

Gut, „Fast & Furious 7“ wäre dann vermutlich nach maximal 30 Minuten vorbei gewesen. Aber hey, es wären lustige 30 Minuten geworden …

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=QwldwzlZCIQ]

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Sven Kietzke
Sven Kietzke
@svenkietzke@www.svenkietzke.de

Chroniken eines fotografierenden Filmnerds

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