Hochzeit von Lisa und Dannie

Fragt mich bitte nicht, wie es dazu gekommen ist, aber irgendwie hat es sich ergeben, dass ich dieses Jahr mehr Hochzeiten fotografieren darf, als ich bislang insgesamt fotografiert habe. Was mich natürlich außerordentlich freut. Zum einen, weil jede Hochzeit ihre ganz eigene Atmosphäre hat, sich immer tolle Motive finden lassen und ich bei jeder einzelnen Hochzeit unheimlich viel dazulerne. Und zum anderen, weil es ein unfassbar großes Kompliment ist, einen der wichtigsten Tage im Leben zweier Menschen fotografieren zu dürfen. Auch wenn man es mir nicht immer anmerkt: Ich bin jedem einzelnen Paar unheimlich dankbar dafür!

Nun aber zu Lisa und Dannie, mit denen ich meine diesjährige Hochzeitssaison eröffnen durfte. Nach der Trauung im Standesamt Kiel ging es für das Brautpaarshooting und die anschließende Feier zur Großen Grünen Schützengilde von 1412 e. V.. Eine unfassbar schöne Location! Mitten in Kiel und gleichzeitig mitten im Wald. Mit einem schönen Teich und einer sehr schicken Brücke – die wir eigentlich für das Shooting nutzen wollten, dann aber nicht betreten konnten, weil eine Gans darauf ihr Nest gebaut hatte. So ist sie, die Natur: fast so unberechenbar wie das Wetter. Fand das Probeshooting wenige Wochen vorher noch im Schnee bei eisiger Kälte statt, hatten wir zur Hochzeit strahlenden Sonnenschein und sommerliche Temperaturen, die uns ordentlich schwitzen ließen. Es dürfte für andere Hochzeiten schwer werden, diese Abwechslung zu toppen.

Danke Lisa und Dannie! Dafür, dass ich euch an diesem Tag begleiten durfte! Und selbstverständlich auch dafür, dass ich eine kleine Auswahl unserer Fotos hier zeigen darf!

Alles Gute für eure weitere Zukunft!

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Tabea – März 2018

Auch wenn ich mich wiederhole: Ich liebe es, Menschen zu fotografieren, die noch nie vor der Kamera standen. Zum einen, weil sie nicht direkt in einstudierte Posen verfallen, die ich ihnen erst noch mühsam austreiben muss. Und zum anderen, weil sie mangels Erfahrung mit anderen Fotografen keine große Erwartungshaltung an mich haben.

Wo ich gerade bei Erwartungen bin: Was die Ergebnisse eines Shootings angeht, sind meine relativ gering. Zugegeben, nicht bezogen auf die Qualität der Fotos. Wer mich kennt, weiß, dass ich mit meinen Fotos nur selten zufrieden bin und eigentlich immer Details entdecke, die ich hätte besser machen können bzw müssen. Nein, meine niedrigen Erwartungen beziehen sich auf die Anzahl der Ergebnisse. Um ehrlich zu sein, bin ich bereits dann zufrieden, wenn auch nur ein einziges Foto dabei ist, bei dem ich der Meinung bin, dass sich das Shooting für eben dieses eine Foto gelohnt hat.

Im Fall von Tabea, die ich Anfang März fotografieren durfte, ist dies das Foto mit der Nummer 1. Womit ich nicht sagen möchte, dass ich die anderen Fotos für misslungen halte (dann würde ich sie nicht veröffentlichen). Doch selbst wenn alle anderen Fotos nichts geworden wären, wäre das Shooting für mich nur aufgrund dieses Fotos dennoch ein Erfolg gewesen. Was zugegebenermaßen weniger an meinen fotografischen Fähigkeiten, sondern vielmehr an Tabea liegt – ihr Gesicht ist einfach wie geschaffen für diese Art von Foto!

Wie ist das bei euch? Legt ihr Wert darauf, dass bei einem Shooting so viele Fotos wie möglich entstehen? Oder seid auch ihr eher auf der Suche nach „diesem einen Foto“?

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Angeschaut: „The Foreigner“ (2017)

Puh, der Februar lief definitiv nicht nach Plan. So gut wie keine Filme geschaut, so gut wie keine Beiträge geschrieben – das hatte ich mir definitiv anders vorgestellt. Aber gut, ich möchte nicht jammern, denn zum einen habe ich nächste Woche (Oscar-)Urlaub, und zum anderen haben mir die wenigen Filme, die ich geschaut habe, dafür ausgesprochen gut gefallen. Einer meiner Februar-Filme war Martin Campbells Actionthriller „The Foreigner“, der mir meinen Glauben an Jackie Chan zurückgegeben hat, und um den es jetzt hier gehen soll …

Worum geht’s

Eigentlich möchte Restaurantbesitzer Quan (Jackie Chan) seiner Tochter Fan (Katie Leung) nur ein Kleid für den Abschlussball kaufen, als plötzlich eine Bombe explodiert. Fan stirbt, Quan überlebt schwer verletzt. Zu dem Anschlag bekennt sich eine bislang unbekannte Splittergruppe der seit Jahren inaktiven Terrororganisation UDI. Da ihm die Ermittlungen der Polizei zu lange dauern, wendet sich Quan an den Politiker Liam Hennessy (Pierce Brosnan). Hennessy, der früher selbst in UDI aktiv war, soll ihm die Namen der Terroristen verraten. Als Hennessy Quan abwimmelt, ahnt er noch nicht, wie weit dieser zu gehen bereit ist, um an die gewünschten Informationen zu gelangen …

Meine Meinung

Als ich den Trailer zu „The Foreigner“ sah, war mein erster Gedanke: vielversprechend! Und, oh Freude, ich wurde nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil, ich wurde sogar positiv überrascht!

Was im Trailer nach einem eher typischen Actionthriller aussieht, ist nämlich in Wirklichkeit ein eher ruhiger, sehr spannender und überraschend vielschichtiger Politthriller, bei dem die Action nur eine untergeordnete Rolle spielt. Zwar darf Jackie Chan auch in „The Foreigner“ austeilen, doch sind die Actionszenen eher rar gesät, dafür aber umso knackiger und erfreulich bodenständig inszeniert.

Statt sich auf die Action zu konzentrieren, legt Regisseur Martin Campbell („GoldenEye“, „Casino Royale“) viel Wert auf die Geschichte sowie die Figuren und deren Motivation. Und zeichnet dabei ein äußerst düsteres Bild. So ziemlich jede Figur hat ihre dunklen Geheimnisse und in irgendeiner Form Dreck am Stecken – selbst Jackie Chans Quan agiert egoistisch und zuweilen alles andere als sympathisch. Verschwörungen, Intrigen, Lügen und Verrat sorgen dafür, dass auch ohne Action keine Langeweile aufkommt und weckten in mir Erinnerungen an die guten alten Thriller der 90er-Jahre. Lang, lang ist’s her.

Die positivste Überraschung des Films aber ist Jackie Chan, vor dessen Leistung ich den Hut ziehe. Nicht nur, dass er mit Mitte 60 immer noch fitter ist als wohl die meisten Menschen mit Mitte 30, auch weiß er darstellerisch zu überzeugen und macht als gebrochener, verzweifelter Mann eine ausgezeichnete Figur. Zugegeben, den inhaltlich interessanteren Part hat der wie immer souverän auftretende Pierce Brosnan. Doch auch wenn dessen zwiespältige Figur für einige Überraschungen sorgt und mich hin und hergerissen zurück ließ, so hat mich Chans ungewohnt ernste Darstellung dennoch stärker beeindruckt.

Mein Fazit

Düsterer Politthriller mit zahlreichen Intrigen, cleveren Wendungen und kurzen, aber knackigen Actionszenen. Pierce Brosnan spielt gewohnt souverän, während Jackie Chan seine beste Leistung seit Jahren zeigt. Top!

Meine Wertung: 8/10

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Susan – Januar 2018

Ich lobe mich ja nur selten (und noch dazu äußerst ungern), aber meine Güte, war ich heute fleißig! Gleich drei Shootings habe ich bearbeitet – und auch wenn noch Fotos offen sind, so bin ich doch einen großen Schritt vorwärts gekommen. Wie heißt es so schön: Wenn es erst mal läuft, dann läuft’s. Und heute lief es richtig gut.

Und weil es so gut lief, kann ich euch nun endlich die Fotos von Susan zeigen. Auf Susans Instagram-Profil hatte ich schon seit Längerem ein Auge geworfen, aber bis ich eine Frau von mir aus ohne Anlass frage, ob ich sie fotografieren darf, vergehen … nun ja, Monate. Dementsprechend glücklich war ich, als Susan sich von sich aus bei mir meldete, und sich bereit erklärte, mich beim Testen einer neuen Kamera-/Objektivkombination zu unterstützen. Problem gelöst!

Hier nun eine kleine Auswahl der Ende Januar entstandenen Fotos. Ich hoffe, sie gefallen euch!

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Ihr entscheidet – ich schaue! #4

Gerade mal acht von euch haben an der letzten Abstimmung teilgenommen – Leute, jetzt mal ehrlich: Da geht doch mehr! Dieses Mal erwarte ich mindestens … neun abgegebene Stimmen! Sonst streike ich hier bald! ;P

Und dann habt ihr auch noch dafür gesorgt, dass ich mir den angeblich höchst durchwachsenen „Ghost in the Shell“ anschauen muss. Zum Glück bin ich keiner dieser oberflächlichen Kerle, die beim Anblick bzw. Gedanken an eine attraktive Frau wie Scarlett Johansson alles um sich herum vergessen. Daher möchte ich euch nun aus voller Überzeugung sagen: Mist, jetzt hab ich vergessen, was ich schreiben wollte …

Wie dem auch sei, hier sind die neuen Filme. Wie oben bereits geschrieben: Ich erwarte mindestens neun Stimmen!

Welcher Film darf's als nächstes sein?

  • Wonder Woman (2017) (43%, 6 Votes)
  • Planet der Affen: Survival (2017) (29%, 4 Votes)
  • Enemy (2013) (21%, 3 Votes)
  • Im Herzen der See (2015) (7%, 1 Votes)
  • Transformers: The Last Knight (2017) (0%, 0 Votes)

Bislang haben abgestimmt: 14

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Angeschaut: „10 Cloverfield Lane“ (2016)

Eine Kollegin im Urlaub, zwei Kolleginnen krank – und schon hieß es für 1 1/2 Wochen „Sven allein im Büro“. Der daraus resultierende Stress auf der Arbeit sorgte dafür, dass mir abends schlicht die Energie für Filme fehlte. Inzwischen sind die Kolleginnen von den Toten auferstanden, so dass nun bei mir so langsam wieder Ruhe einkehrt. Diese habe ich am Wochenende direkt genutzt, mir einen „freien“ Sonntag gegönnt und diesen mit den drei „Cloverfield“-Filmen verbracht. Wie mir der zweite Teil der (bislang nur lose zusammenhängenden) Reihe gefallen hat, erfahrt ihr … jetzt!

Worum geht’s

Nach einem schweren Autounfall wacht Michelle (Mary Elizabeth Winstead) im Bunker des mysteriösen Howard (John Goodman) auf. Dieser erklärt ihr, dass es einen Angriff gab, die Luft verseucht wurde und die Oberfläche voraussichtlich für Jahre nicht bewohnbar sei. Obwohl der ebenfalls im Bunker lebende Emmett (John Gallagher Jr.) Howards Geschichte bestätigt, bleibt Michelle skeptisch. Zumal Howard immer öfter zu aggressiven Ausbrüchen neigt …

Meine Meinung

Zwei Jahre lang habe ich es geschafft, alles zu meiden, was mit „10 Cloverfield Lane“ im Zusammenhang steht. Dementsprechend hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet. Und das war auch gut so, denn der Film lebt davon, dass man als Zuschauer nicht weiß, was als nächstes passiert und worauf die ganze Chose hinausläuft. Daher fällt es mir ehrlich gesagt auch schwer, nun über „10 Cloverfield Lane“ zu schreiben, denn ich möchte nichts verraten, was euren Spaß trüben könnte.

Vielleicht nur so viel: Die Atmosphäre ist herrlich bedrückend und der Film insgesamt von Anfang bis Ende spannend. Sauspannend. Außerdem sind die Darsteller grandios. Insbesondere der undurchsichtige John Goodman und die taffe Mary Elizabeth Winstead, die ich bereits in „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ und „The Thing“ in mein Herz geschlossen hatte und die meinen positiven Eindruck mit „10 Cloverfield Lane“ definitiv bestätigt hat. Und das Finale hat mir gar so gut gefallen, dass ich tatsächlich laut juchzend auf der Couch saß. Alleine beim Gedanken daran bekomme ich schon wieder ein fettes Grinsen im Gesicht – und Lust, den Film gleich noch mal zu schauen.

So, das muss als Empfehlung definitiv reichen. Um es noch mal ganz eindeutig zu formulieren: Schaut! Euch! Diesen! Film! An!

Mein Fazit

Extrem spannendes Kammerspiel mit tollen Darstellern und einem Finale, das mich laut jubeln ließ. Toll!

Meine Wertung: 9/10

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Kurz abgehakt: „Prometheus – Dunkle Zeichen“ (2012)

Bei einer Expedition entdecken die Archäologen Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) Hinweise auf den Ursprung der menschlichen Existenz. In der Hoffnung, dort die „Konstrukteure“ der Menschheit zu finden, reisen Shaw und Holloway gemeinsam mit mehreren Wissenschaftlern zu dem fremden Planeten LV-223. Auf dem Planeten gelandet, findet die Gruppe jedoch nur Hinweise auf eine untergegangene Zivilisation …

Das soll er also sein, der Anfang zur Vorgeschichte des unbestrittenen Science-Fiction-Klassikers „Alien“. Mal abgesehen davon, dass ich niemanden kenne, der nach dieser Vorgeschichte gefragt hätte, was hat Ridley Scott sich dabei bloß gedacht? Klar, die Optik stimmt. Und nach einem etwas zähen Einstieg wird der Film, trotz etwas konfuser Geschichte, auch tatsächlich spannend. Aber diese Figuren. Diese Figuren. Ich habe wahrlich nichts dagegen, wenn in Filmen mal dumm und/oder egoistisch gehandelt wird, aber hier wird der Bogen definitiv überspannt. Spätestens im Finale, in dem eine Person auf freiem Feld von einem heranrollenden Objekt getötet wird, weil besagte Person lieber geradeaus davon läuft, statt einfach mal zur Seite zu springen, wusste ich nicht mehr, ob ich mir gerade einen ernst gemeinten Science-Fiction-Film oder nicht doch eher eine Parodie anschaue.

Wirklich schade um die zweifellos vorhandenen guten Ansätze …

Meine Wertung: 5/10

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Ihr entscheidet – ich schaue! #3

Pünktlich um Mitternacht startet hiermit die dritte Runde von „Ihr entscheidet – ich schaue!“. Sofern es in den letzten zwei Stunden nicht plötzlich zu einer überraschenden Massenabstimmung gekommen ist, habt ihr euch dieses Mal für „10 Clovierfield Lane“ entschieden – was ich persönlich sehr begrüße, da der dritte Teil wohl demnächst bei Netflix starten soll und ich diesen dann direkt werde schauen können.

Außerdem sehe ich Mary Elizabeth Winstead seit „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ und „The Thing“ unheimlich gerne, weshalb ich mich gleich doppelt darüber freue, dass die Wahl auf diesen Film gefallen ist. Danke euch! 🙂

Hier nun direkt die nächsten Filme, aus denen ihr wählen dürft – wählt weise! 😉

Welcher Film darf's als nächstes sein?

  • Ghost in the Shell (2017) (63%, 5 Votes)
  • Enemy (2013) (25%, 2 Votes)
  • Im Herzen der See (2015) (13%, 1 Votes)
  • Sausage Party (2016) (0%, 0 Votes)
  • Die Mumie (2017) (0%, 0 Votes)

Bislang haben abgestimmt: 8

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Angeschaut: „Nocturnal Animals“ (2016)

Puh, das war knapp! Jeweils innerhalb von zwei Wochen möchte ich über den Film schreiben, den ihr für mich aussucht – und heute, am letzten Tag, habe ich es gerade noch so geschafft. Ja ja, ich weiß, ihr hattet euch gleich für zwei Filme entschieden. Den zweiten („Everest“) hole ich schnellstmöglich nach, versprochen. Zu meiner Verteidigung: Ich hatte, ungelogen, 1 1/2 Wochen lang mit starken Dauerkopfschmerzen zu kämpfen. Und ja, ich geb’s zu: In dieser Zeit wollte ich keine Filme schauen, die ich noch nicht kenne.

So, genug gejammert und verteidigt, los geht’s mit meiner (überdurchschnittlich umfangreichen) Review zu „Nocturnal Animals“!

Worum geht’s

Überraschend erhält Susan (Amy Adams) Post von ihrem Ex-Mann Edward (Jake Gyllenhaal), zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Das Paket enthält Edwards ersten Roman „Nocturnal Animals“, welchen er Susan gewidmet hat und deshalb wünscht, dass sie ihn zuerst liest.

Bereits nach den ersten Seiten ist Susan von der brutalen Geschichte fasziniert. In dieser werden Tony (ebenfalls Jake Gyllenhaal), seine Frau Laura (Isla Fisher) und deren Tochter India (Ellie Bamber) während einer nächtlichen Fahrt von dem psychopathischen Ray (Aaron Taylor-Johnson) und dessen Freunden von der Straße gedrängt. Tony wird von den Männern in der Wüste ausgesetzt, die Frauen verschleppt. Am nächsten Tag finden Tony und der raubeinige Polizist Bobby Andes (Michael Shannon) ihre Leichen …

Während sie den Roman liest, erinnert Susan sich daran, wieso sie sich damals für Edward entschied, ihn dann aber später für einen anderen Mann verließ. Nach und nach wird ihr klar, dass die in „Nocturnal Animals“ erzählte Geschichte eine größere, sehr persönliche Bedeutung hat …

Meine Meinung

Wow, was für ein Film. Wobei, eigentlich sind es gleich zwei Filme in einem. Aufgeteilt in drei Ebenen. Klingt verwirrend, ist es aber nicht.

Den größten Teil des Films nimmt die Handlung des Romans „Nocturnal Animals“ ein. Dieser lässt sich am ehesten als klassischer Rape-and-Revenge-Stoff bezeichnen, auch wenn das schreckliche Verbrechen (zum Glück) nicht gezeigt wird. Die hier gezeigte Welt ist brutal, staubig, schmutzig – und voller Gefühle. Verzweiflung, Wut und Trauer sind ständige Begleiter des Geschehens.

Im Gegensatz dazu steht die (reale) Welt von Susan, die schon beinahe klinisch sauber und ohne jegliche Emotionen ist. Hier bleibt alles oberflächlich, nichts ist von echter Bedeutung. Wobei dies nur für die erste Ebene, die Gegenwart gilt. Durch Susans Erinnerungen an ihre Vergangenheit mit Edward, der zweiten Ebene, wird klar, dass auch sie mal ein anderes Leben kannte, dieses aber aufgab, weil es ihren Ansprüchen nicht genügte.

Anfangs scheinen beide Welten voneinander unabhängig zu sein, doch mit zunehmender Laufzeit wird klar, dass beide eine ähnliche Geschichte erzählen. Und unheimlich viel Spielraum für eigene Interpretationen lassen. Nein, „Nocturnal Animals“ ist kein Film zum Gucken und Abhaken. Vielmehr lädt der Film dazu ein, sich über zahlreiche Szenen Gedanken zu machen. Insbesondere über das Ende, dem ich gleich noch einen eigenen Absatz widme. Ganz wichtig: Diesen Absatz solltet ihr nur lesen, wenn ihr den Film geschaut habt!

„Ich glaube, du solltest über etwas anderes schreiben, als über dich selbst.“ rät Susan Edward an einer Stelle, woraufhin dieser erwidert „Niemand schreibt über was anderes als sich selbst.“. Spätestens nach diesem Dialog dürfte jedem klar sein, dass all die Gefühle, die Tony in dem Roman durchlebt, ein Spiegelbild der Gefühle sind, die Edward nach der Trennung von Susan verarbeiten musste. Die Verzweiflung ob des überraschenden Verlusts. Die Wut auf den Mann, der ihm alles genommen hat. Aber auch die Vorwürfe an sich selbst, für das, was ihm wichtig war, nicht genug gekämpft und dadurch versagt zu haben. Und natürlich auch die Selbstzweifel, als Mensch, und insbesondere als Mann, nicht gut genug zu sein.

„Ist das alles, was du mit deinem Leben vor hast? War’s das hier? Das ist es, oder was?“ fragt Susan Edward in derselben Szene. Und offenbart damit endgültig, dass Edward für sie nicht (mehr) gut genug ist. Gleich mehrfach wird Edward, insbesondere von Susans Mutter, als Schwächling bezeichnet, der Susan nicht genug bieten kann, was letztlich auch zur Trennung führt. Doch ist Edward wirklich schwach, nur weil er nicht nach dem strebt, was die Gesellschaft uns allen vorlebt? Die Gesellschaftskritik ist hier unübersehbar, zumal Susans Welt an Oberflächlichkeit nicht zu überbieten ist. Egal ob iPhone, Kollegin oder Partner, was nicht mehr hundertprozentig funktioniert, wird ohne zu zögern direkt ausgetauscht. Schöne heile Welt. Oder?

Die Welt in Edwards Roman „Nocturnal Animals“ hingegen zeigt ein anderes Bild. Hier wird nicht aufgegeben, sobald es mal nicht nach Plan läuft. Menschen werden nicht einfach fallengelassen, sondern unterstützen sich gegenseitig. Und leben ihre Werte, auch wenn diese moralisch fragwürdig bis abstoßend sind und dies gleich mehrfach Konsequenzen nach sich zieht. Ja, die Welt in „Nocturnal Animals“ ist rau, ungemütlich und bedrückend – aber sie ist ehrlich. Auf brutalste Art und Weise.

Beide Geschichten sind optisch eine Augenweide und auf ihre eigene Art spannend erzählt, zumal bis zum Ende hin offen bleibt, worauf das jeweilige Geschehen hinaus läuft und wie es für die Figuren endet.

Womit ich direkt zu den Darstellern komme – wobei ich gar nicht weiß, wen ich zuerst positiv erwähnen soll. Während Michael Shannon als knallharter Cop gewohnt souverän agiert, darf Aaron Taylor-Johnson eindrucksvoll beweisen, dass er weit mehr Talent in sich trägt, als ihm allgemein zugetraut wird. Seine Darstellung des psychopathischen Kriminellen ist abstoßend und faszinierend zugleich. Dass Amy Adams und Jake Gyllenhaal zu den Besten ihres Fachs gehören, ist kein großes Geheimnis. Dennoch möchte ich auch diese beiden positiv erwähnen, wobei mich insbesondere Adams kühle Art mal wieder extrem begeistert hat. Wie der von ihr gespielten Susan nach und nach klar wird, was aus ihr geworden ist, ist einfach beeindruckend gespielt.

Abschließend möchte ich noch den simplen, aber extrem eingängigen Score loben, den ich seit Sonntagabend hoch und runter höre. Es ist lange her, dass eine Filmmusik dies bei mir ausgelöst hat. Toll!

Das Ende - meine Interpretation

Am Ende hat Susan den Roman gelesen und möchte sich mit Edward in einem Restaurant treffen. Sie wartet – doch Edward erscheint nicht. Der Film endet.

Es gibt mehrere Theorien zu diesem Ende. Die wohl populärste ist die, dass der Roman eine Racheaktion von Edward ist, um Susan die Trennung von damals heimzuzahlen. Und sie dort im Restaurant hoffnungsvoll warten zu lassen, aber nicht zu erscheinen, ist der Abschluss dieser Rache.

Eine weitere Theorie lautet, dass der Roman als Abschiedsbrief zu verstehen ist und Edward nicht erscheint, weil er sich das Leben genommen hat. So wie auch Tony im Roman am Ende stirbt.

Ich werfe noch mal eine dritte Möglichkeit in den Raum: Meiner Meinung nach schreibt Edward den Roman, um Susan zu beweisen, dass sie sich in ihm geirrt hat. Zwar konnte er ihre Erwartungen damals nicht erfüllen, doch war er trotz aller Zweifel, auch der eigenen, stark genug, sich selbst treu zu bleiben, was letztlich zu diesem fesselnden, emotionsgeladenen Roman geführt hat. Dennoch ist Edward ein gebrochener, zutiefst verletzter Mann, der die Trennung nie überwunden hat. Deshalb bleibt er schlussendlich auch dem Treffen fern. Allerdings nicht, um Susan bewusst zu verletzen, sondern um zu verdeutlichen, dass der Mann, den Susan verlassen hat, damals innerlich gestorben ist. Und niemals zurückkehren wird.

Was haltet ihr von dieser Theorie?

[Einklappen]

Mein Fazit

Faszinierende Mischung aus Rape-and-Revenge-Thriller und Beziehungsdrama, die mit tollen Darstellern, gelungener Gesellschaftskritik und einem unglaublich großen Interpretationsspielraum punktet. Ich bin begeistert!

Meine Wertung: 9/10

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Media Monday #344

Neue Woche, neuer Media Monday. Und auch dieses Mal bin ich wieder (pünktlich) mit dabei, womit ich tatsächlich den kompletten Januar durchgehalten habe. Nur noch 11 weitere Monate und ich habe mindestens einen meiner Vorsätze für 2018 durchgezogen …

1. Die Oscar-Nominierungen sind raus. Ich für meinen Teil freue mich auf die Oscar-Verleihung, weil diese traditionell den Beginn einer Urlaubswoche für mich bedeutet. Jetzt muss ich nur noch zusehen, dass ich den einen oder anderen der nominierten Filme bis dahin geschaut bekomme. Andererseits kenne ich „Get Out“ – vielleicht reicht das ja schon … 😉

2. Nachdem ich die Auflösung/den Twist von „Identität – Identity“ kenne, reizt mich der Film/die Serie so überhaupt nicht mehr, denn die Auflösung ist zwar durchaus originell, entwertet meiner Meinung nach aber die Figuren. Außerdem kommt die Auflösung viel zu früh, was mir die Spannung schon damals im Kino ruiniert hat.

3. Könnte es nicht bitte viel mehr Filme geben wie etwa „Happy Deathday“? Ich persönlich finde nämlich, dass sympathische Gute-Laune-Horrorkomödien mit einem gewissen Grundniveau viel zu selten das Licht der Welt erblicken.

4. Mit ____ habe ich mal wieder zu einem wirklich außergewöhnlichen Buch gegriffen, denn ____. Was soll ich sagen: Ich habe leider seit Ewigkeiten kein außergewöhnliches Buch mehr gelesen … 🙁

5. Eine „ältere“ Serie zu beginnen, von der es bereits X Staffeln gibt, ist für mich seit Jahren Standard. Serien von Anfang an zu verfolgen, ist bei mir hingegen eher die Ausnahme. Mal schauen, vielleicht fange ich irgendwann sogar noch mit „Game Of Thrones“ an. Oder mit „Breaking Bad“. Oder mit „Lost“. Oder mit …

6. Wenn schon alles adaptiert wird, wieso gibt es dann noch keine Umsetzung zu F. Paul Wilsons Handyman-Jack-Reihe? Schließlich schreit dieser Antiheld förmlich danach, auf die große Leinwand gebracht zu werden.

7. Zuletzt habe ich „Nocturnal Animals“ geschaut und das waren sehr intensive zwei Stunden, weil mich der Film in zahlreichen Momenten an mein eigenes Leben erinnert hat. Eigentlich wollte ich direkt danach noch einen zweiten Film schauen, aber dieser muss nun erst mal warten …

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Sven Kietzke
Sven Kietzke
@svenkietzke@www.svenkietzke.de

Chroniken eines fotografierenden Filmnerds

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