Eigentlich begann dieser Text mit einem Loblied auf mein neues Netbook und die fantastische Möglichkeit, Reviews ab sofort direkt im Kino zwischen zwei Filmen schreiben zu können – doch ein zu frĂŒh herausgezogener USB-Stick (sozusagen ein Stickus interruptus) sorgte zu Hause dafĂŒr, dass dieser im Kino verfasste Text im Datennirvana verschwand. Bitte keine Kommentare. Lacht mich ruhig im Stillen aus, aber bitte keine Kommentare …
Worum geht’s
Da der Film inkl. der ersten Fassung meiner Review schon viel zu viel Zeit meines Lebens beansprucht hat (der intelligente Leser ahnt an dieser Stelle bereits, was ich von dem Film halte), fasse ich mich kurz: Johann (Armin Mueller-Stahl) und Elisabeth (Iris Berben) Buddenbrooks Kinder Antonie (Jessica Schwarz), Christian (August Diehl) und Thomas (Mark Waschke) sollen die GeschĂ€fte der Kaufmannsfamilie ĂŒbernehmen, den Stammbaum sichern und den ihnen vorbestimmten Weg gehen. Doch die gesellschaftlichen ZwĂ€nge zerrĂŒtten nach und nach die Familie und fĂŒhren unweigerlich zu deren Untergang …
Meine Meinung
Was hĂ€tte aus „Buddenbrooks“ fĂŒr ein Film werden können. Gesellschaftskritik, GefĂŒhle, SehnsĂŒchte, Dramatik – es ist wirklich alles vorhanden, was einen guten Film ausmacht. Nur leider schafft es nichts davon auf die Leinwand. Viel zu hektisch springt Regisseur Heinrich Breloer von Szene zu Szene bzw. von Lebensabschnitt zu Lebensabschnitt und verwehrt dem Publikum so die Chance, sich auf die Figuren einzulassen und mit ihnen mitzufĂŒhlen. Mitunter sorgen diese SprĂŒnge sogar dafĂŒr, dass man sich als Zuschauer fragt, was genau die Charaktere eigentlich gerade treiben. Und wann. Und wieso. Und mit wem. NatĂŒrlich fragt man sich das nur, sofern man ĂŒberhaupt wach bleibt – was gar nicht so einfach ist, denn die Geschichte wurde ungefĂ€hr so emotionsgeladen wie eine Jahresabschlussbilanz inszeniert. Immerhin sorgen die zahlreichen Gewitter (die wohl als Hinweise gedacht sind, damit auch der letzte Honk kapiert, dass gerade mal wieder etwas ganz schrecklich Böses passiert) dafĂŒr, dass man regelmĂ€Ăig aufgeweckt wird.
Wirklich schade um die guten Darsteller, die ihre Rollen durchgehend glaubhaft meistern. Und auch ĂŒber die Optik des Films lĂ€sst sich nichts negatives berichten. StĂ€dte, GebĂ€ude, Kleidung – alles passend (soweit ich als Laie das beurteilen kann) und wunderschön anzusehen. Dies gilt ĂŒbrigens auch fĂŒr Jessica Schwarz, die als einzige Darstellerin wĂ€hrend der mehrere Jahrzehnte umfassenden Geschichte nicht zu altern scheint …
Mein Fazit
Trotz zahlreicher ZeitsprĂŒnge ĂŒberlanges Familiendrama, das viel zu erzĂ€hlen hat, es aber nicht schafft, die einzelnen Schicksale auf das Publikum zu ĂŒbertragen. Selten wurde der Fall einer Familie langweiliger und trockener inszeniert …
Meine Wertung: 3/10
Beim Trailer bin ich fast aus den Latschen gekippt. Die Farbgestaltung im Film und die Effekte mĂŒssen ja unter aller Sau sein.
Sorry, ich fand den Film gut. Und zwar nicht nur filmisch (Kamera, Szenenbild, KostĂŒme), sondern auch schauspielerisch und auch von der HandlungsfĂŒhrung.
Du hast sicherlich Recht: Einige Male springt Breloer recht unvermittelt zwischen einzelnen HandlungsstrĂ€ngen hin und her. Doch wie soll man solch ein Mammutwerk anders in den Griff bekommen? Ich konnte dem Verlauf jedenfalls problemlos folgen und fand die meisten „SprĂŒnge“ sogar recht elegant gelöst.
Sicherlich ist diese Buddenbrooks-Verfilmung nicht frei von SchwÀchen, doch allemal besser als das Gros, welches in den LichtspielhÀusern dieser Tage anlÀuft.
Hey, du brauchst dich doch nicht dafĂŒr entschuldigen, dass dir der Film gefallen hat! Soweit kommt’s noch! đ
Freut mich, dass dir der Film gefallen hat. Und das meine ich ganz ehrlich. Ich hingegen trauere immer noch der Zeit hinterher, die ich im Kino „verschwendet“ habe … so ist’s halt mit den GeschmĂ€ckern. đ