Gehört: „61 Stunden“ von Lee Child

Jack Reacher strandet während eines Schneesturms in der Kleinstadt Bolton in South Dakota. Pech für ihn, Glück für die örtliche Polizei. Diese ist nämlich gerade damit beschäftigt, die Zeugin eines Drogendeals vor dem Attentäter des skrupellosen Drogenbarons Plato zu beschützen – und Reachers Fähigkeiten kann die Polizei sehr gut gebrauchen …

Für letzten Freitag war ein großer Schneesturm angekündigt – beste Voraussetzungen, um mit dem Hörbuch „61 Stunden“ zu beginnen. Immerhin muss Reacher sich in diesem nicht nur mit brutalen Gegnern, sondern auch mit einem fiesen Schneesturm herumschlagen. Während die Schneekatastrophe in der Realität, zumindest hier in Kiel, komplett ausblieb, sorgt das Wetter in „61 Stunden“ für eine herrlich frostige Atmosphäre und zahlreiche spannende Situationen. Situationen, in denen selbst Reacher immer wieder an seine Grenzen getrieben wird. Körperlich, aber auch emotional. Denn der sonst so menschenscheue Reacher schließt dieses Mal fast so etwas wie Freundschaften – was zwangsläufig eine entsprechende Fallhöhe mit sich bringt.

Nach dem actionreichen „Underground“ geht es in „61 Stunden“ wieder deutlich ruhiger zur Sache. Ruhiger, aber keineswegs langweilig. „61 Stunden“ ist mehr Krimi als Actionthriller, und die Reacher-typischen Gewaltausbrüche gibt’s im Grunde „nur“ im Finale. Das macht aber gar nichts, da die neuen Figuren allesamt interessant und sympathisch sind, die Story spannende Haken schlägt und der eine oder andere Moment mich tatsächlich mit einem Kloß im Hals zurückließ.

Außerdem muss ich einen Satz aus meiner letzten Review korrigieren. Dort schrieb ich, dass Jack-Reacher-Romane stets nach demselben Muster ablaufen, aber ob ihr es glaubt oder nicht: Reacher hat in „61 Stunden“ keinen Sex. Ja, so habe ich am Ende des Romans auch geguckt. Vermutlich gab’s das Szenario einfach nicht her. Es ist halt wirklich kalt in Bolton …

Wie dem auch sei: Ich bin einmal mehr sehr zufrieden. Auf diesem Niveau darf’s gerne weitergehen.

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Gehört: „Underground“ von Lee Child

Jack Reacher sitzt gerade in der New Yorker U-Bahn, als ihm eine sichtlich nervöse Frau auffällt. Da er eine Selbstmord-Attentäterin vermutet, spricht er die Frau an, welche daraufhin eine Waffe zieht und sich erschießt. Als sich nicht nur die Polizei, sondern auch das FBI für die Tote interessiert, wird Reachers Neugier geweckt. Die Spuren führen ihn zu dem Kongress-Abgeordneten John Sansom – und zu der verführerischen Lila Hoth …

Da mir die Zeit zwischen den „Reacher“-Staffeln zu lang ist, habe ich letztes Jahr begonnen, die Jack-Reacher-Romane von Lee Child zu lesen. Oder zu hören. Je nach Lust und Laune. Inzwischen bin ich bei Roman Nummer 13 angelangt, der mir einmal mehr verdammt gut gefallen hat. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle kurz erwähnen, dass ich den unmittelbaren Vorgänger „Outlaw“ für ziemlich … seltsam halte. Die Story des 12. Romans ist verworren und unnötig umständlich erzählt, seitenlang passiert gefühlt gar nichts und das Ende empfand ich als erschreckend unbefriedigend. In „Underground“ findet Lee Child zum Glück wieder zu seiner alten Form zurück. Die Geschichte ist von der ersten Seite an interessant und spannend, die Wendungen sind allesamt nachvollziehbar, die Action macht Spaß und das Finale ist brutal, roh und passt perfekt zu Reachers Art, für Gerechtigkeit zu sorgen.

Zugegeben, innovativ ist hier nichts. Letztlich laufen die Jack-Reacher-Romane stets nach demselben Muster ab: Reacher wird (meist zufällig) in etwas hineingezogen, beginnt zu ermitteln, kommt einer größeren Sache auf die Spur, schläft mit einer attraktiven Frau und rettet den Tag. Mehr isses im Grunde nicht. Aber hey, ich geb’s zu: Manchmal brauche ich auch nicht mehr als das. Und „Underground“ liefert diesbezüglich perfekt ab.

Wenn es etwas gibt, was ich tatsächlich zu bemängeln habe, dann ist das der Sprecher des deutschen Hörbuchs. Ich werde mit Frank Schaffs eher monotonen Art einfach nicht warm. Insbesondere in den Dialogen habe ich teilweise arge Probleme nachzuvollziehen, welche Figur jetzt gerade spricht. Das hat Michael Schwarzmaier in den ersten Hörbüchern deutlich besser hinbekommen.

Egal, jetzt freue ich mich auf „61 Stunden“. Ich muss nur noch entscheiden, ob ich den lesen oder hören möchte …

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Sven Kietzke
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Chroniken eines fotografierenden Filmnerds

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