Die Regeln der Gewalt

Hand aufs Herz: Wer kennt den Schauspieler Joseph Gordon-Levitt? Niemand? Ah, doch immerhin einer. Und da noch einer. Sehr schön. Denn dieser junge Mann verdient es, gekannt zu werden. Stand er in „10 Dinge, die ich an dir hasse“ noch in Heath Ledgers Schatten, bewies er 2005 mit „Brick“ eindrucksvoll, dass er Filme auch problemlos alleine tragen kann und weit mehr ist, als einer dieser zahlreichen gesichtslosen Jungdarsteller. In „Die Regeln der Gewalt“ beweist Gordon-Levitt erneut seine Klasse. Und wie für „Brick“ wird er auch für „Die Regeln der Gewalt“ nicht die Anerkennung erhalten, die er verdient.

Worum geht’s

Chris Pratt (Joseph Gordon-Levitt) stand einst vor einer großen Sportlerkarriere, doch ein selbstverschuldeter Autounfall zerstörte seine Pläne. Zwei Freunde starben, seine Freundin verlor ihr Bein und meidet ihn seitdem. Chris selbst leidet seit dem Unfall nicht nur an Schuldgefühlen, sondern auch an unkontrollierten Gefühlsausbrüchen und dem Verlust seines Kurzzeitgedächtnisses. Von seinen Eltern missverstanden, steht ihm als einziger Freund sein blinder Mitbewohner Lewis (Jeff Daniels) zur Seite. Eines Tages lernt Chris in einer Kneipe Gary (Matthew Goode) kennen und findet sich schon bald in dessen Freundeskreis wieder. Was Chris nicht ahnt: Gary plant einen Banküberfall und benötigt Chris, um diesen durchzuführen…

Meine Meinung

Es ist traurig, dass Filme mit interessanten Charakteren oft unbemerkt an uns vorbeiziehen. „Die Regeln der Gewalt“ ist einer dieser Filme. Der von Schuldgefühlen geplagte Anti-Held Chris, der sein Leben nicht im Griff hat, in extremen Bedingungen jedoch über sich hinaus wächst, verdient ein größeres Publikum. Dies liegt vorallem an Joseph Gordon-Levitt, der den Schmerz und die Hoffnungslosigkeit des Protagonisten ebenso perfekt verkörpert wie den Tatendrang, wenn es um das Leben seines Freundes geht. Der trotz seiner Sehbehinderung stets optimistische Lewis wird von Jeff Daniels hervorragend verkörpert. Noch ein Schauspieler, der (noch) nicht die Bekanntheit erlangt hat, die er verdient.

Leider bietet „Die Regeln der Gewalt“ auch Anlass zur Kritik. Die Mischung aus Drama und Thriller wirkt ein wenig unausgegoren und lässt ein gelungenes Timing vermissen. Die erste Stunde stellt eine reine Charakterstudie dar. Eine Studie über einen Menschen, der alles verloren hat und verzweifelt versucht, wieder Anschluss am Leben zu finden. Erst in den letzten 30 Minuten kommt mit Beginn des Überfalls Spannung auf. Diese Mischung dürfte sicherlich nicht jedem Zuschauer schmecken.

Sehr bedauerlich ist zudem, dass einige interessante Handlungsstränge nicht weiter ausgeführt und teilweise sogar komplett fallengelassen werden. Besonders Chris Verhältnis zu seiner neuen Liebe Luvlee wird sträflichst vernachlässigt. Hier wäre wesentlich mehr möglich gewesen.

Mein Fazit

„Die Regeln der Gewalt“ ist trotz seiner Schwächen eine sehenswerte Mischung aus Drama und Thriller. Dies verdankt der Film größtenteils seinen hervorragenden Hauptdarstellern. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Charakterstudie überwiegt und der Überfall lediglich einen kleinen Teil einnimmt.

Meine Wertung: 7/10

Weitere Meinungen aus der Blogosphäre:

CeReality

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Filme, die seit gestern auf meinem Kinoplan stehen

Es gibt Filme, mit denen ich einfach nicht warm werde. Hierzu gehören eindeutig deutsche Komödien. Während meiner gestrigen Marathonkinositzung (Reviews folgen) jedoch schafften es gleich zwei deutsche Komödien, mein Interesse zu wecken.

Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken

Der Teaser besteht lediglich aus einem kleinen Dialog, geführt von Benno Führmann und Jessica Schwarz:

„Ich gebe zu, ich war bei meiner Sekretärin und es ist zu einer Situation gekommen, in der wir uns unserer Kleidung entledigt haben. Aber, und das ist die gute Nachricht, ich habe keine Erektion bekommen, weil ich an dich gedacht habe.“
„Du hast keine Erektion bekommen, weil du an mich gedacht hast? Und wenn du eine Erektion bekommst, an wen denkst du dann?“

Es geht doch nichts über das typische Kommunikationsproblem zwischen Frau und Mann. Die offizielle Seite des Films (derzeit im Aufbau) findet ihr hier oder hier.

Der zweite Film im Bunde hört auf den grandiosen Titel

Pornorama oder die Bekenntnisse der mannstollen Näherin Rita Brauchts

Eine Komödie über den deutschen Aufklärungsfilm? Da bin ich doch dabei! Aufgeklärt werdet ihr auf dieser Seite.

Keine deutsche Komödie, sondern ein US-Horrorfilm:

30 Days of Night

David Slade, Regisseur des gelungenen Hard Candy, schickt Josh Hartnett in den Kampf gegen Vampire. Und das im einsamen Alaska während einer 30-tägigen Dunkelheit. Wenn der fertige Film nur halb so atmosphärisch wie der Trailer ausfällt, steht uns da etwas ganz Großes bevor. Wer sich davon selbst überzeugen möchte: Bitte.

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Death Sentence – Todesurteil

Mal unter uns: Jeder hat sich doch schon einmal gewünscht, dem Trottel, der in der letzten Reihe die Hand vor den Projektor hält und sich dabei lustig vorkommt, selbige einfach abzuhacken. Oder das Pärchen, das sich an der Kasse über die laufenden Filme informiert und die Schlange länger und länger werden lässt, mit einer Kinozeitschrift zu erschlagen. Ja, ich weiß, Selbstjustiz ist böse und gehört sich nicht. Aber manchmal…

Worum geht’s

Nick Hume (Kevin Bacon) kann sich glücklich schätzen. Er hat eine wundervolle Frau, zwei tolle Söhne und einen guten Job. Kurz gesagt: Ein perfektes Leben. Dieses Leben ändert sich schlagartig, als Nicks ältester Sohn vor seinen Augen von einer Gang brutal ermordet wird. Nick kann den Täter zwar erkennen, aber da er der einzige Zeuge ist, geht der Staatsanwalt von keinen guten Chancen für eine lebenslängliche Verurteilung aus. Maximal drei bis vier Jahre würden durch einen Deal mit dem Verteidiger machbar sein. Enttäuscht zieht Nick seine Aussage zurück, folgt dem Mörder seines Sohnes und tötet ihn. Damit löst er eine Kettenreaktion der Gewalt aus, die bald auch seine Familie erreicht…

Meine Meinung

Damit eines gleich zu Beginn geklärt ist: Auf eine Wertung der Selbstjustizthematik werde ich verzichten. Wer mit einer bestimmten Thematik in Filmen nichts anfangen kann, der möge solche Filme bitte einfach meiden. Danke.

Nick Humes Verwandlung vom liebenden Familienvater zum gnadenlosen Racheengel profitiert deutlich von seinem Hauptdarsteller und kann nur als gelungen bezeichnet werden. Dass Kevin Bacon schauspielern kann, ist wahrlich nichts Neues, insofern überrascht es nicht, dass er auch diese Rolle perfekt meistert. Sei es die Hilflosigkeit beim Zusammenbruch nach seinem ersten Mord, die Verzweiflung gegenüber seiner Frau oder die Wut beim Aufbruch zur finalen Abrechnung, Bacon weiß jederzeit zu überzeugen.

Leider bekommen die restlichen Darsteller nicht die Chance, ihre Möglichkeiten ebenfalls auszuschöpfen. Von Nick Hume abgesehen, bleiben die Charaktere oberflächlich und uninteressant. Die Ehefrau liebt ihren Mann, komme was wolle. Die Gang-Mitglieder sind böse, komme was wolle. Und das System, in Person von Staatsanwalt und Polizei, ist unfähig, komme was wolle. Lediglich dem jüngsten Sohn wird ein wenig Tiefe verliehen. So befürchtet er, seine Eltern hätten lieber ihn als seinen Bruder verloren. Allerdings wird dieser Zweig nicht konsequent verfolgt und verliert dadurch an Bedeutung.

Dafür überzeugt der Rest des Films umso mehr. Die Atmosphäre ist so düster wie trostlos und das stimmige Timing lässt Spannung, Bedrohung und Gewalt kontinuierlich anwachsen. Die Action wurde zum Glück nicht auf schick getrimmt, sondern so realistisch wie möglich inszeniert. Schusswunden hinterlassen deutliche Spuren. Im günstigsten Fall sind Einschusslöcher die Folge, im ungünstigsten Fall abgetrennte Körperteile. Kevin Bacons Rachefeldzug ist gnadenlos. Nein, in Kinderhände gehört dieser Film sicher nicht. Erwachsene hingegen erfreuen sich an einem der besten Showdowns der letzten Jahre.

Mein Fazit

„Death Sentence“ ist ein schnörkelloser Rache-Thriller der alten Schule. Hart, brutal, ungeschönt und ehrlich. Die Action wurde toll inszeniert und Kevin Bacon liefert als wütender Rächer eine hervorragende Performance ab. Das Vergnügen wird lediglich von den eindimensionalen Charakteren ein wenig getrübt, ansonsten kann der Film voll überzeugen.

Meine Wertung: 8/10

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Equilibrium

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Zimmer 1408

Es gibt Filme, die mir tatsächlich Angst einflößen. Angst vor dem fertigen Produkt. Denn auch wenn ich es eigentlich besser wissen sollte, gebe ich mich oft meiner Vorfreude hin und werde dann bitterlich enttäuscht. Besonders Stephen-King-Verfilmungen neigen dazu, mich extrem neugierig zu machen und dann enttäuscht im Kinositz fallen zu lassen. „Zimmer 1408“ stellt zum Glück eine gelungene Abwechslung dar.

Worum geht’s

Der Autor Mike Enslin (John Cusack) hat sich auf paranormale Ereignisse spezialisiert. Um Inhalte für sein neues Buch zu finden, übernachtet er in Hotels, die eine unheimliche Vergangenheit haben und in denen es angeblich spuken soll. Selbst glauben tut er an diese Phänomene jedoch nicht. Eines Tages erhält er eine Postkarte aus dem Dolphin, einem Hotel in New York. Die Karte enthält keine Details, sondern lediglich eine Aufforderung, nicht im Zimmer 1408 einzuchecken. Enslin recherchiert und findet heraus, dass noch kein Besucher länger als 60 Minuten in diesem Zimmer überlebt haben soll. Entgegen dem Ratschlag des Managers Gerald Olin (Samuel L. Jackson) bezieht Enslin Zimmer 1408. Ein Fehler…

Meine Meinung

Ein Film, der größtenteils in nur einem Zimmer spielt? Ein Film, der größtenteils in nur einem Zimmer spielt und von nur einem Darsteller getragen wird? Kann das funktionieren? Ja, es kann. Und zwar ganz hervorragend. John Cusack spielt den Skeptiker Enslin gewohnt sympathisch-zynisch und versteht es, den Zuschauer für sich einzunehmen. Wenn sich seine Skepsis langsam in Angst und später in Verzweiflung wandelt, ist dies für den Zuschauer nicht nur nachvollziehbar, sondern praktisch spürbar. Vorallem die kurzen Szenen mit Enslins Tochter bieten eine Intensität, wie ich sie in modernen Gruselfilmen viel zu oft vermisse.

Ein großes Lob gebührt auch Regisseur Mikael Håfström, der „Zimmer 1408“ nicht zu einem modernen, vor Special Effects überlaufenen Film hat werden lassen, sondern sich auf die alten Tugenden des Gruselfilms verlassen hat. Auf die Atmosphäre. Auf das Wegbrechen der Sicherheit an einem scheinbar sicheren Ort. Auf die Angst vor der Isolation und der daraus resultierenden Hoffnungslosigkeit. Und auf das Charisma seines Darstellers. Natürlich gibt es auch in „Zimmer 1408“ einige Effekte zu bewundern, doch wurden diese dezent und jederzeit passend integriert. Dies gilt auch für die seltenen Schockeffekte, die sich niemals in den Vordergrund drängen, sondern lediglich unterstützend wirken.

Möchte man dem Film unbedingt einen Vorwurf machen, sollte man darauf hinweisen, dass er sich im zweiten Drittel einen kurzen, wirklich kurzen Durchhänger leistet. Von diesen geschätzten 7 2/3 Minuten abgesehen, gibt es nichts zu beanstanden.

Mein Fazit

„Zimmer 1408“ stellt in vielerlei Hinsicht die gelungene Rückkehr des altmodischen Gruselfilms dar. Statt auf Blut setzt der Film auf Atmosphäre. Statt auf Schockeffekte auf die Angst und Verzweiflung des Protagonisten. Es wurden bereits viele Gruselromane von Stephen King verfilmt, „Zimmer 1408“ gehört zu den Besten.

Meine Wertung: 9/10

Weitere Meinungen aus der Blogosphäre:

Marcus kleine Filmseite

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Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich

Würdet ihr auf die Idee kommen, eine Tiefkühlpizza mit Kaviar zu vergleichen? Nein? Ich auch nicht…

Würdet ihr auf die Idee kommen, einen Trabant mit einem Ferrari zu vergleichen? Nein? Ich auch nicht…

Würdet ihr auf die Idee kommen, ein Zelt mit einer Villa zu vergleichen? Nein? Ich auch nicht…

Würdet ihr auf die Idee kommen, „Transformers“ mit „Psycho“ zu vergleichen? Nein? Ich auch nicht…

Und genau letzteres prangert Renington Steele von F5 in seinem Artikel Es ist doch nur Unterhaltung an. Seiner Ansicht nach seien beide Werke „im Sinne der Unterhaltung gleichwertig“ und müssten sich „eine Gleichbehandlung in der Kritik gefallen lassen“.

Was soll ich dazu sagen bzw. schreiben, außer halt: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich!

In diesem Sinne: Schaltet euer Hirn ruhig ab und zu mal ab, senkt dann und wann eure Ansprüche und lasst euch einfach nur unterhalten! Und lasst euch nicht einreden, dass daran etwas verwerflich sei! Erst recht nicht von Menschen, die Filme nicht mehr schauen, sondern sie nur noch analysieren…

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Ratatouille

Endlich ist er in Deutschland angekommen: Pixars neuester Animationsstreich „Ratatouille“ (ich hasse es, dieses Wort zu schreiben). Offiziell startet er zwar erst am 03.10.2007, doch als treuer Besucher der Sneak kam ich bereits einen Monat früher in den Genuss des neuesten Pixar-Films.

Worum geht’s

Der junge Remy vereint alle Eigenschaften eines guten Kochs in sich. Er besitzt eine feine Nase, hat ein Gespür für guten Geschmack, verfügt über Improvisationstalent und liebt es, seinen Gästen exklusive Gerichte zuzubereiten. Da gibt es nur ein kleines Problem: Remy ist eine Ratte. Als er im Restaurant seines verstorbenen Idols Gusteau eine Suppe verfeinert, wird er entdeckt und soll vom Küchenjungen Linguini „entsorgt“ werden. Dieser erkennt jedoch das Talent der Ratte und lässt ihn am Leben. Schon bald stehen Linguini und Remy, versteckt unter Linguinis Küchenhaube, gemeinsam in der Küche, argwöhnisch beobachtet vom Küchenchef Skinner…

Meine Meinung

Respekt! 12 Jahre lang schafft Pixar es nun bereits, den hohen Ansprüchen gerecht zu werden und überdurchschnittliche Animationsfilme auf die Leinwand zu zaubern. Auch „Ratatouille“ reiht sich nahtlos in diese Riege ein. Um genau zu sein nimmt er gemeinsam mit „Die Unglaublichen“ sogar den ersten Platz ein.

Die Geschichte von Remy, der trotz aller widrigen Umstände seiner Bestimmung folgt und an sich glaubt, wird warmherzig erzählt, ohne in den Kitsch abzudriften. Die Moral, die der Film dabei aufzeigt, ist offensichtlich. Jedoch wird sie niemals mit erhobenem Zeigefinger vermittelt, sondern bleibt jederzeit der Geschichte und den Charakteren untergeordnet.

Auch zu schmunzeln und zu lachen gibt es mehr als genug. Seien es die liebenswerten Charaktere wie z.B. Remys jeglichen Müll fressenden Bruder, die weniger liebenswerten Charaktere wie z.B. der misstrauische Küchenchef Skinner oder die zahlreichen originellen Einfälle wie z.B. Remys Art, Linguini in der Küche unter die Arme zu greifen, es gibt jederzeit einen Grund zu schmunzeln oder lachen.

Schlussendlich weiß auch die technische Seite vollends zu begeistern. Dass die Animationen, man achte besonders auf das Wasser und das Fell der Ratten, nahezu perfekt sind, ist man von Pixar inzwischen ja bereits gewohnt. Bei „Ratatouille“ gesellt sich zur tollen Optik jedoch auch noch eine grandiose Klangkulisse hinzu. Wenn Remy vor menschlichen Jägern flieht, beben die Kinositze, als würde man sich in einem Actionfilm befinden. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich bereits darauf freue, den Film im „Heimkino“, in dem Surround-Klänge meist besser zur Geltung kommen, genießen zu dürfen.

Mein Fazit

„Ratatouille“ ist ein perfekter Animationsspaß für Jung und Alt, ein Film für die ganze Familie. Warmherzig und lustig überträgt er seine Botschaft an uns, ohne sie uns aufzuzwängen: Hab Vertrauen. In dich. In deine Familie. In deine Freunde.

Wertung: 10/10

Weitere Meinungen aus der Blogosphäre:

CeReality

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Geiz ist geil, nervt aber auch!

Inspiriert durch konnas Artikel über den aktuellen DVD-Wahnsinn, nutze ich diese Gelegenheit, um mir meinen Frust über ein ähnliches Thema von der Seele zu schreiben: Der Preissituation von DVDs, HD DVDs und Blu-ray Discs. Lustigerweise habe ich mit den Preisen gar kein Problem. Vielmehr habe ich ein Problem mit dem ewigen Gejammer über die angeblich viel zu hohen Preise.

Unternehmen wir eine kurze Reise zurück in die Vergangenheit.

Als ich mit dem Sammeln von Filmen begann, gab es noch die DM. Als Medium hatten sich VHS-Tapes etabliert. Für die Jüngeren unter uns: Das sind Videobänder. Große, unhandliche Videobänder, die man manuell spulen muss und die nach mehrmaliger Nutzung an Qualität verlieren. Für diese Bänder musste ich damals zwischen 30,- und 40,- DM zahlen. Und da war nur der Film drauf. Nur in deutscher Sprache. Maximal in Dolby Surround abgemischt. Ohne Extras.

Dann kam die DVD. Die regulären Preise für DVDs lagen zu Beginn zwischen 50,- und 60,- DM pro Film. Für Serien musste man pro Staffel sogar 250,- DM auf den Tisch legen. Ja, richtig gelesen: 250,- DM. Und das taten wir, damit meine ich mich und alle anderen, die bereits seit Jahren DVDs sammeln, gerne, denn wir bekamen etwas für unser Geld. Eine bessere Bildqualität. Eine bessere Tonqualität. Mehrere Sprachen. Extras (die man sich ab einer gewissen Anzahl an Filmen zwar nie anschaut, aber was soll’s). Und vorallem: Keine Abnutzungserscheinungen.

Schaue ich mir die aktuellen Preise von DVDs an, stelle ich fest, dass selbst für Neuerscheinungen in den seltensten Fällen mehr als 20,- Euro bezahlt werden müssen. Serien bekommt man meist für 50,- Euro pro Staffel (denkt an die 250,- DM!). Wartet man ein paar Wochen ab, beginnt ein rapider Preisverfall. Selbst Top-Filme und Special Editions bekommt man nach kurzer Zeit für unter 10,- Euro hinterher geschmissen, während Serien für 30,- Euro pro Staffel verramscht werden.

Ich weiß, geiz ist angeblich geil, aber mal ehrlich: Wie günstig sollen DVDs denn noch werden? Ich meine mal unter uns: Wir reden hier über Luxusgüter. Niemand benötigt DVDs zum Überleben. Okay, ich vielleicht schon, aber sonst wirklich niemand! Jeder Kneipenbesuch ist teurer – und der ist nach ein paar Stunden vorbei, während man sich einen einmal gekauften Film auch mehrmals anschauen kann.

Spaßig wird es, wenn trotz der günstigen Preise nicht nur über die Kosten, sondern auch noch über die Qualität gejammert wird. Denn die muss natürlich dennoch extrem hoch ausfallen, ganz klar. Nur bezahlen möchte niemand dafür.

Noch schlimmer wird es, wenn man die Diskussionen zu den beiden neuen Medien HD DVD und Blu-ray Disc verfolgt. Natürlich möchte jeder die bestmögliche Bild- und Tonqualität genießen, aber dafür 25,- bis 30,- Euro pro Film ausgeben? Niemals! Recht habt ihr, liebe Verweigerer: Wo kämen wir denn auch hin, wenn qualitativ hochwertigere Produkte mehr kosten würden als im Vergleich schlechtere Produkte.

Nicht, dass ich jetzt falsch verstanden werde: Ich bin nicht der Meinung, dass 30,- Euro wenig sind. Aber man darf nie vergessen, was man dafür bekommt. Und man muss abschätzen, ob einem das Gebotene den Preis wert ist. Auch ich habe mir Grenzen gesetzt: Mehr als 25,- Euro pro Film auf einem HD-Medium wird nur in absoluten Ausnahmefällen ausgegeben. Kostet ein Film mehr, wird einfach gewartet, bis er den Preis erreicht hat, den ich bereit bin, für das Produkt auszugeben. Ganz still und leise gewartet. Ohne zu jammern.

Wieso können das nicht einfach alle Menschen so handhaben?

Und wann ist eigentlich das Preis-/Leistungsbewusstsein verloren gegangen? Vor oder nach der Geiz-ist-geil-Werbung?

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John Rambo beweist im neuen Teaser erneut sein Talent

You know what you are.
What you’re made of.
War is in your blood.
When you’re pushed…killing is as easy as breathing.

Was der frisch erschienene Teaser in 1 Minute und 17 Sekunden an Action, Gewalt und Blut zeigt, bekommt man bei den meisten Actionfilmen neueren Datums in deren gesamter Laufzeit nicht zu sehen. Ich bin sehr gespannt auf den fertigen Film – und frage mich nach wie vor, wie die FSK darauf reagieren wird…

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28 Weeks Later

Bevor ich mit der eigentlichen Review beginne, muss ich zwei Fragen loswerden, die mir schwer auf dem Herzen liegen:

1. Wieso bezeichnen so viele Zuschauer „28 Weeks Later“ und den Vorgänger „28 Days Later“ als Zombiefilme, obwohl in beiden Filmen kein einziger Zombie auftaucht?

2. Wieso müssen so viele Zuschauer blutige Szenen mit einem unpassenden Gröhlen oder einem pseudo-coolen Spruch wie „So muss das sein!“ quittieren?

Für Antworten bin sehr dankbar. Und nun:

Worum geht’s

Als die Seuche in England ausbricht, können sich Donald Harris (Robert Carlyle) und seine Frau Alice (Catherine McCormack) in ein fremdes Haus retten. Als die Infizierten in das Haus eindringen, lässt Donald seine Frau in Panik zurück und flieht. 28 Wochen später scheint die Seuche besiegt. Die Infizierten sind allesamt verhungert und die Wiederbesiedlung Londons hat begonnen. Unter den Heimkehrern befinden sich auch Donalds Kinder Tammy (Imogen Poots) und Andy (Mackintosh Muggleton). Als die beiden vom Tod ihrer Mutter erfahren, brechen sie aus der Sicherheitszone aus, um Fotos aus ihrem alten Haus zu holen. Dort treffen sie auf Alice, die den Angriff vor 28 Wochen unbeschadet überlebt zu haben scheint. Militär-Medizinerin Scarlet (Rose Byrne) findet heraus, dass Alice infiziert ist, das Virus bei ihr jedoch nicht ausbricht. Allerdings bedeutet das nicht, dass sie es nicht auf Andere übertragen kann…

Meine Meinung

Schade. Wirklich sehr schade. Danny Boyles Vorgänger aus dem Jahr 2002 gefällt mir richtig gut, doch bei „28 Weeks Later“ will der Funke nicht überspringen. Dabei beginnt der Film sehr vielversprechend. Die Eröffnungssequenz reicht zwar nicht an Zack Snyders Dawn-Of-The-Dead-Remake heran, ist aber dennoch packend inszeniert und erzeugt einen ordentlichen Riss in der sonst so heilen Familienwelt. Die Bilder vom ausgestorbenen London schaffen eine düstere Atmosphäre und der nicht zu vermeidende Ausbruch der Seuche sorgt für die nötige Verzweiflung aller Beteiligten. So versucht das Militär zu Beginn noch, nur die Infizierten zu liquidieren, doch bereits kurze Zeit später folgt die Freigabe, auf alles zu schießen, was sich bewegt. Auch wenn der Film einige Ungereimtheiten aufweist, z.B. wird Alices Quarantänezimmer trotz ihres Gefahrenpotenzials nicht bewacht, weiß der Film bis zu diesem Zeitpunkt durchaus zu gefallen.

Was auf die gelungene erste Hälfte folgt, ist die Flucht der wenigen Überlebenden aus dem tödlichen London. Die Flucht vor den Infizierten und die Flucht vor dem Militär, das Befehl hat, alles auszulöschen, was auf zwei Beinen steht. Dass diese Flucht es nicht geschafft hat, mich zu packen, liegt zum größten Teil daran, dass alle Charaktere so dermaßen blass und oberflächlich gezeichnet sind, dass ich keine Beziehung zu ihnen aufbauen konnte. Oder anders formuliert: Es war mir egal, wer hops geht und wer nicht. Hinzu kommt, dass die Flucht, von dem blutigen Einsatz eines Helikopters abgesehen, nichts Neues zu bieten hat. Dies gilt auch für das Ende, welches der aufmerksame Zuschauer bereits nach 15 Minuten erahnen kann.

Bei der Inszenierung bleibt Regisseur Juan Carlos Fresnadillo, dessen hoch gelobtes Werk „Intacto“ ich schon seit Monaten hier liegen, aber immer noch nicht gesehen habe, dem Stil Danny Boyles treu. Grobe Bilder, verwackelte Aufnahmen und schnell geschnittene Actionszenen dominieren den Film. Besonders letzteres passt zwar zum Stil, lässt es aber manchmal an Übersicht fehlen. Ein Lob gebührt der musikalischen Untermalung des Films, die hervorragend zur jeweiligen Situation passt und die Atmosphäre perfekt unterstützt.

Mein Fazit

„28 Weeks Later“ ist beileibe kein schlechter Film, lässt aber die Unabhängigkeit des Vorgängers vermissen und kommt über den Status einer uninspirierten Fortsetzung nicht hinaus. Neben einigen Logikschwächen sind es vorallem die flachen Charaktere, die eine bessere Wertung verhindern.

Wertung: 6/10

Weitere Meinungen aus der Blogosphäre:

CeReality
Equilibrium
From Beyond
Kais Trashcorner
Marcus kleine Filmseite

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Sven Kietzke
Sven Kietzke
@svenkietzke@www.svenkietzke.de

Chroniken eines fotografierenden Filmnerds

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