Gehört: „Wespennest“ von Lee Child

Als Jack Reacher an einer Hotelbar zufällig mitbekommt, wie ein betrunkener Arzt seiner Patientin Eleanor Duncan die Hilfe verweigert, schreitet er wie selbstverständlich ein und fährt den Doc zum Haus der Frau. Dort angekommen, stellt sich heraus, dass Eleanor von ihrem Mann Seth geschlagen wird. Also tut Reacher das einzig Richtige: Er macht Seth in einem Restaurant ausfindig und bricht ihm mit den Worten „Und, wie gefällt DIR das?“ die Nase. Dummerweise ist Seth der Sohn einer so einflussreichen wie skrupellosen Familie, die den gesamten Ort kontrolliert – und nun auf Rache aus ist …

Erst neulich habe ich mich mit meinem besten Freund über das Thema Selbstjustiz unterhalten. Wir waren uns beide einig, dass sie im wahren Leben nichts zu suchen hat, in fiktionalen Werken aber verdammt viel Spaß bereiten kann. Und so ist es auch in „Wespennest“, dem 15. Jack-Reacher-Roman von Lee Child. Wenn Reacher dem Frauenschläger Seth gleich zu Beginn die Nase bricht, dann ist das vielleicht nicht besonders kultiviert, aber genau die Reaktion, auf die ich gehofft hatte. Und selbstverständlich nur der Anfang, denn der Duncan-Clan hat noch ganz andere Leichen im Keller. Wortwörtlich. Nach und nach findet Reacher heraus, dass die Familie ihre Nachbarn nicht nur wirtschaftlich unterdrückt, sondern auch in extrem düstere Machenschaften verstrickt ist. Und räumt gnadenlos auf.

„Wespennest“ setzt dabei noch mehr als sonst auf Action und Selbstjustiz. Wie kaltblütig Reacher seine Gegner hier dezimiert, ist schon fast beängstigend. Aber halt auch extrem unterhaltsam. Zumal spätestens zum Ende hin klar wird, dass die Schurken ihr Schicksal mehr als verdient haben. Die Abgründe, die im Lauf der Geschichte enthüllt werden, sind wahrlich nichts für schwache Nerven. Aber wir wissen es alle: Je düsterer das Verbrechen, umso befriedigender die Vergeltung.

Kurz gesagt: Auch der 15. Jack-Reacher-Roman hat mir wieder viel Freude bereitet. Vielleicht etwas zu viel Selbstjustiz und etwas zu wenig Thriller. Zumindest für einen Roman. Als Film würde die Geschichte vermutlich noch einen Tick besser funktionieren. Oh ja, das wäre was. „Wespennest“ als Kinofilm mit Alan Ritchson als Reacher. Oh, ich wäre so was von am Start!

Kommentieren | Permalink zum Beitrag

Gehört: „61 Stunden“ von Lee Child

Jack Reacher strandet während eines Schneesturms in der Kleinstadt Bolton in South Dakota. Pech für ihn, Glück für die örtliche Polizei. Diese ist nämlich gerade damit beschäftigt, die Zeugin eines Drogendeals vor dem Attentäter des skrupellosen Drogenbarons Plato zu beschützen – und Reachers Fähigkeiten kann die Polizei sehr gut gebrauchen …

Für letzten Freitag war ein großer Schneesturm angekündigt – beste Voraussetzungen, um mit dem Hörbuch „61 Stunden“ zu beginnen. Immerhin muss Reacher sich in diesem nicht nur mit brutalen Gegnern, sondern auch mit einem fiesen Schneesturm herumschlagen. Während die Schneekatastrophe in der Realität, zumindest hier in Kiel, komplett ausblieb, sorgt das Wetter in „61 Stunden“ für eine herrlich frostige Atmosphäre und zahlreiche spannende Situationen. Situationen, in denen selbst Reacher immer wieder an seine Grenzen getrieben wird. Körperlich, aber auch emotional. Denn der sonst so menschenscheue Reacher schließt dieses Mal fast so etwas wie Freundschaften – was zwangsläufig eine entsprechende Fallhöhe mit sich bringt.

Nach dem actionreichen „Underground“ geht es in „61 Stunden“ wieder deutlich ruhiger zur Sache. Ruhiger, aber keineswegs langweilig. „61 Stunden“ ist mehr Krimi als Actionthriller, und die Reacher-typischen Gewaltausbrüche gibt’s im Grunde „nur“ im Finale. Das macht aber gar nichts, da die neuen Figuren allesamt interessant und sympathisch sind, die Story spannende Haken schlägt und der eine oder andere Moment mich tatsächlich mit einem Kloß im Hals zurückließ.

Außerdem muss ich einen Satz aus meiner letzten Review korrigieren. Dort schrieb ich, dass Jack-Reacher-Romane stets nach demselben Muster ablaufen, aber ob ihr es glaubt oder nicht: Reacher hat in „61 Stunden“ keinen Sex. Ja, so habe ich am Ende des Romans auch geguckt. Vermutlich gab’s das Szenario einfach nicht her. Es ist halt wirklich kalt in Bolton …

Wie dem auch sei: Ich bin einmal mehr sehr zufrieden. Auf diesem Niveau darf’s gerne weitergehen.

Kommentieren | Permalink zum Beitrag

Gehört: „Underground“ von Lee Child

Jack Reacher sitzt gerade in der New Yorker U-Bahn, als ihm eine sichtlich nervöse Frau auffällt. Da er eine Selbstmord-Attentäterin vermutet, spricht er die Frau an, welche daraufhin eine Waffe zieht und sich erschießt. Als sich nicht nur die Polizei, sondern auch das FBI für die Tote interessiert, wird Reachers Neugier geweckt. Die Spuren führen ihn zu dem Kongress-Abgeordneten John Sansom – und zu der verführerischen Lila Hoth …

Da mir die Zeit zwischen den „Reacher“-Staffeln zu lang ist, habe ich letztes Jahr begonnen, die Jack-Reacher-Romane von Lee Child zu lesen. Oder zu hören. Je nach Lust und Laune. Inzwischen bin ich bei Roman Nummer 13 angelangt, der mir einmal mehr verdammt gut gefallen hat. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle kurz erwähnen, dass ich den unmittelbaren Vorgänger „Outlaw“ für ziemlich … seltsam halte. Die Story des 12. Romans ist verworren und unnötig umständlich erzählt, seitenlang passiert gefühlt gar nichts und das Ende empfand ich als erschreckend unbefriedigend. In „Underground“ findet Lee Child zum Glück wieder zu seiner alten Form zurück. Die Geschichte ist von der ersten Seite an interessant und spannend, die Wendungen sind allesamt nachvollziehbar, die Action macht Spaß und das Finale ist brutal, roh und passt perfekt zu Reachers Art, für Gerechtigkeit zu sorgen.

Zugegeben, innovativ ist hier nichts. Letztlich laufen die Jack-Reacher-Romane stets nach demselben Muster ab: Reacher wird (meist zufällig) in etwas hineingezogen, beginnt zu ermitteln, kommt einer größeren Sache auf die Spur, schläft mit einer attraktiven Frau und rettet den Tag. Mehr isses im Grunde nicht. Aber hey, ich geb’s zu: Manchmal brauche ich auch nicht mehr als das. Und „Underground“ liefert diesbezüglich perfekt ab.

Wenn es etwas gibt, was ich tatsächlich zu bemängeln habe, dann ist das der Sprecher des deutschen Hörbuchs. Ich werde mit Frank Schaffs eher monotonen Art einfach nicht warm. Insbesondere in den Dialogen habe ich teilweise arge Probleme nachzuvollziehen, welche Figur jetzt gerade spricht. Das hat Michael Schwarzmaier in den ersten Hörbüchern deutlich besser hinbekommen.

Egal, jetzt freue ich mich auf „61 Stunden“. Ich muss nur noch entscheiden, ob ich den lesen oder hören möchte …

Kommentieren | Permalink zum Beitrag

Sven Kietzke
Sven Kietzke
@svenkietzke@www.svenkietzke.de

Chroniken eines fotografierenden Filmnerds

1.241 Beiträge
1 Folgende(r)

Kategorien

Archiv

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner