1946 wurden in Texarkana mehrere Menschen brutal ermordet. Der Täter, von der Presse Phantom-Killer getauft, hatte es auf Liebespaare abgesehen und konnte, trotz immenser Bemühungen durch die Behörden, nie identifiziert und demzufolge auch nie gefasst werden. 1976 nutzte Regisseur Charles B. Pierce diese realen Geschehnisse für seinen Film „Der Umleger“ („The Town That Dreaded Sundown“), den die Bewohner von Texarkana wohl nicht ausschließlich positiv aufnahmen. Dennoch findet in Texarkana seit einiger Zeit eine jährliche Open-Air-Vorführung des Films statt – womit wir bei Alfonso Gomez-Rejons Slasher „Warte, bis es dunkel wird“ angekommen sind, der derzeit in unseren Kinos läuft.
Worum geht’s
Weil ihnen der Film „Der Umleger“ nicht gefällt, beschließen Jami (Addison Timlin) und Corey (Spencer Treat Clark) die Open-Air-Vorführung zu verlassen und sich stattdessen im Wald ein wenig näherzukommen. Dort wird das junge Paar von einem Unbekannten angegriffen. Der optisch dem Phantom-Killer ähnelnde Mann ermordet Corey, lässt Jami jedoch am Leben, damit diese den Behörden eine mysteriöse Botschaft überbringen kann. Während die Polizei unter der Leitung des Spezialermittlers Lone Wolf Morales (Anthony Anderson) im Dunkeln tappt, schlägt der Mörder erneut und erneut zu. Da der Täter dem Muster der 1976er Verfilmung folgt, vermutet Jami einen Zusammenhang zwischen den Morden und dem Film „Der Umleger“. Und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln …
Meine Meinung
Hut ab! Die Macher von „Warte, bis es dunkel wird“ verknüpfen geschickt Realität und Fiktion und erschaffen hieraus einen blutig-atmosphärischen Slasher, der das Rad zwar nicht komplett neu erfindet, sich jedoch einen Platz deutlich über dem Durchschnitt sichert. Dass eine reale Mordserie und der daraus entstandene Film als Vorlage für eine fiktive Mordserie dienen, ist meines Wissens nach einzigartig. Zumindest habe ich solch eine Konstellation vor „Warte, bis es dunkel wird“ nicht gesehen. Mit dem Hintergrundwissen, dass die ersten Morde tatsächlich stattgefunden haben, erzeugt der Film eine ganz eigene Spannung und Atmosphäre. Hierzu trägt auch die über alle Zweifel erhabene Optik bei, die es schafft, dank schräger Kamerawinkel und eines extremen Weichzeichners einen ganz eigenen Stil zu entwickeln. Einen Stil, der gleichzeitig modern wirkt, aber auch als Verbeugung vor den Filmen der 70er angesehen werden kann und extrem stimmig ausfällt.
Weit weniger originell sind die Morde ausgearbeitet, was jedoch nicht zuletzt der filmischen Vorlage und somit der Geschichte geschuldet ist. Dafür fallen die Taten für eine 16er-Freigabe überraschend explizit aus – glücklicherweise ohne dabei comichaft überzeichnet zu wirken, so dass der Film auch in diesen Momenten seine ernste Stimmung nicht verliert.
Leider, und damit komme ich zum einzigen, dafür aber auch gravierenden Schwachpunkt von „Warte, bis es dunkel wird“ haben die Macher bei der finalen Auflösung etwas zu viel gewollt. Selten lagen „Ich hab’s von Anfang an gewusst!“ und „Bitte? Was für ein Mist!“ so eng beieinander. Wirklich schade, da der Film eine Auflösung dieser Art weder nötig gehabt hätte noch verdient hat.
Mein Fazit
Atmosphärisch überzeugender sowie optisch hervorragender Slasher mit interessanter Geschichte – und einer extrem hanebüchenen Auflösung.
Meine Wertung: 7/10
Bereits seit dem 13. Mai ist der Polizei-Thriller „Cold War“ auf Blu-ray und DVD verfügbar – und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir ein entsprechendes Rezensionsexemplar schon seit April vorliegt, ich den Film aber erst zeitlich nicht geschafft und danach schlicht vergessen habe. Würde ich mein Blog beruflich betreiben, wäre ich wohl schon lange pleite, doch zum Glück schreibe ich hier aus reinem Spaß an der Freude. Peinlich ist mir meine mangelhafte Organisation dennoch. Wie dem auch sei, viel wichtiger ist, dass ich „Cold War“ nun endlich gesehen habe. Und dass der Film absolut sehenswert ist!
135,- Dollar. Das ist der Betrag, den ich im Rahmen der Kickstarter-Kampagne beigesteuert habe, um die Privatdetektivin Veronica Mars nach ihrem ungerechtfertigten Serien-Aus ins Kino zu bringen. 194,6 Kilometer. Das ist die Entfernung, die meine (glücklicherweise von Veronica ebenfalls begeisterte) bessere Hälfte und ich gestern zurückgelegt haben, um den Film auf der großen Leinwand zu sehen. Ob sich Investition und Fahrt gelohnt haben, erfahrt ihr … ach, was soll’s: Ja verdammt, es hat sich gelohnt!
Meine Meinung
Das bedeutet allerdings keinesfalls, dass „Veronica Mars“ nur für Fans genießbar wäre. Auch Neueinsteiger dürften mit der sympathischen Hauptfigur ihren Spaß haben. Zugegeben, der Mord an ihrer ehemaligen Klassenkameradin gehört nicht zu Veronicas stärksten Fällen, stellt aber ein solides, wenn auch nicht sonderlich spannendes Wer-hat’s-warum-getan-Rätsel-dar. Nichts zum Nägel kaufen, aber auch nichts zum Einschlafen. Viel wichtiger als des Rätsels Lösung ist ohnehin der Weg dorthin. Und dieser ist einmal mehr geprägt von Veronicas Spürsinn, gewitzten Ermittlungsmethoden nah an der Grenze der Legalität (und auch darüber hinaus) und natürlich zahlreichen bissigen Dialogen gepaart mit sarkastischer Schlagfertigkeit. Nein, um diese kurzweilige Kombination aus Krimi und Komödie genießen zu können, muss man glücklicherweise weder ein langjähriger Fan der Serie noch ein Fan speziell von Kristen Bell sein.
Dieser sollte man jedoch sein, um den Film als Gesamtwerk und Fanservice würdigen zu können. Denn „Veronica Mars“ enthält so viele Gastauftritte, Anspielungen und Insiderwitze, dass man ihn vermutlich mehrmals sehen muss, um nichts zu verpassen. Von der Kickstarter-Finanzierung des Films über die leider nie gedrehte vierte Staffel bis hin zu Anspielungen auf Kristen Bells Schwangerschaft wurde so ziemlich alles in den Film gepackt, was irgendwie sinnvoll (oder auch weniger sinnvoll) verwendet werden konnte. Hinzu gesellen sich zahlreiche, teilweise nur wenige Sekunden lange Gastauftritte, bei denen es, so viel sei verraten, nicht verkehrt ist, sich mit Kristens Familienverhältnissen auszukennen. Als Fan sitzt man dabei freudestrahlend in seinem Kinosessel und kichert von Minute zu Minute zufriedener in sich hinein, während Außenstehende sich vermutlich fragen dürften, ob die letzten Sekunden irgendeine tiefere Bedeutung hatten.
Bei aller Euphorie als Fan muss allerdings selbst ich zugeben, dass der Film zuweilen ein wenig überladen wirkt. So sehr es mich auch freut, dass versucht wurde, so viele Serienfiguren wie möglich in dem Film unterzubringen, so wenig kann ich leugnen, dass deren Auftritte teilweise den Eindruck hinterlassen, als wären die Figuren nur der Vollständigkeit halber dabei. Und einige offen bleibende Handlungsstränge jenseits des Mordfalls erwecken durchaus den Eindruck, als würde hier schon auf einen weiteren Film oder gar eine neue Serienstaffel hingearbeitet werden. Aber sei’s drum, dem Spaß am Film tut dies keinen echten Abbruch.
Schon wieder habe ich mit meinem Filmtipp richtig gelegen! Ich denke, so langsam sollte ich über eine Karriere bei AstroTV nachdenken. Zumindest als Hellseher für Sneak-Previews hätte ich gute Chancen auf treffsichere Zukunftsaussagen. Nur ob ich davon leben könnte? Ich tue mich gerade etwas schwer damit, den Markt leichtgläubiger Kinogänger, die bereit wären, Geld für meine Vorhersagen auszugeben, realistisch einzuschätzen. Vielleicht bleibe ich doch lieber bei meinem jetzigen Job. Und konzentriere mich nun auf meine Review zu „Non-Stop“ …
Meine Meinung
Auch wenn die Auflösung ein wenig hanebüchen daherkommt (keine Angst: so absurd wie in „Flight Plan“ wird es glücklicherweise zu keiner Zeit), überzeugt „Non-Stop“ mit seinem interessanten Ausgangspunkt, einer von Anfang bis Ende äußerst straffen Inszenierung und geschickt platzierten falschen Fährten. Und natürlich mit Liam Neeson, der den mürrischen Einzelgänger inzwischen aus dem Effeff beherrscht, in den wenigen Actionszenen körperlich nach wie vor eine gute Figur macht und schlicht eine coole Sau ist, die das Publikum mit nur einem störrischen Blick zum Schmunzeln bringt. Schmunzeln dürft ihr in „Non-Stop“ übrigens öfter, denn trotz der durchaus ernsten Thematik nimmt sich der Film erfreulicherweise nur so ernst wie absolut nötig und lockert das Geschehen immer mal wieder mit ironischen Situationen und flapsigen Dialogen auf.
All dies macht aus „Non-Stop“ einen zwar nicht anspruchsvollen, dafür aber umso sympathischeren und extrem kurzweiligen Gute-Laune-Thriller, irgendwo zwischen „Taken“, „Flight Plan“ und „Snakes On A Plane“. Damit ist „Non-Stop“ genau das Richtige für einen entspannten und befriedigenden Filmabend nach Feierabend. Wirklich bedauerlich ist eigentlich nur, dass am Ende zwei, drei Handlungslücken offen bleiben und Julianne Moore in ihrer Rolle trotz Verdachtsmomente und persönlichem Schicksal ein wenig verschenkt wirkt …
Achtung, wichtige Warnung: Aufgrund akuter Müdigkeit zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Review kann der nun folgende Text Spuren von zusammenhanglosen Sätzen und wirrem Geschreibsel enthalten. Ich bitte dies zu entschulddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd … bin wach! Bin wach!
Meine Meinung
Die gute Nachricht: An Chris Pine scheitert der Film definitiv nicht. Pines Darstellung ist engagiert, zuweilen überraschend vielschichtig und empfiehlt ihn durchaus für zukünftige Jack-Ryan-Abenteuer. Dasselbe gilt für Kevin Costner, der als väterlicher Mentor mit Rat und Tat zur Seite steht – wenn’s darauf ankommt, auch mit dem Gewehr im Anschlag. Auch Keira Knightley weiß (nicht nur optisch) zu gefallen, obgleich ihre Entwicklung von Jack Ryans misstrauischer Freundin hin zum unverzichtbaren Teammitglied arg unglaubwürdig und zuweilen unfreiwillig komisch wirkt. Doch das ist immer noch besser als Kenneth Branagh, der als russischer Bösewicht zwar solide aufspielt, jedoch zum reinen Abziehbild alter Feindbilder verkommt.
Und damit sind wir auch schon bei dem Grundproblem des Films angekommen: Er bietet nur altbekannte Kost. Und was noch schlimmer ist: Er verpackt diese nicht mal sonderlich gut. Die durchaus nicht uninteressante Geschichte wird pflichtbewusst, aber überraschungs- und leider auch recht spannungsarm vorangetrieben. Jacks Einbruch in Cherevins EDV-System, während selbiger von Cathy beim Abendessen abgelenkt wird, gehört sicherlich zu den besseren Momenten, lädt den genreerprobten Zuschauer aber auch nicht gerade zum Fingernägelkauen ein. Und die wenigen Actionszenen in Form kurzer Prügeleien, Schießereien und Verfolgungsjagden sind zwar solide inszeniert, zeigen aber auch nichts, was man nicht anderswo schon spektakulärer und vor allem packender gesehen hat.
Ab dem 10.12. wartet mit dem kanadischen Thriller „Cold Blooded“ die nach dem Horrorklassiker „
Wünscht ihr euch auch manchmal die Zeiten zurück, in denen Actionfilme einfach nur Filme voller Action waren? Mit Helden, so einsilbig wie simpel gestrickt? Und Storys, die für die Handlungen der Figuren wenig bis gar keine Bedeutung hatten? Dann freut euch auf morgen, denn am Donnerstag startet Courtney Solomons Actionfilm „Getaway“ mit Ethan Hawke und Selena Gomez in unseren Kinos. Aber vergesst nicht, eure Ansprüche zu senken und euer Gehirn an der Kinokasse abzugeben. Denn eines ist klar: Wer in diesem Film
Eigentlich hatte ich mir für die Sneak letzten Dienstag den Actioner „Escape Plan“ mit Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger gewünscht, doch erwartungsgemäß ließ sich das Team vom CinemaxX von meinem Wunsch nicht beeindrucken und zeigte ohne Rücksicht auf meine Gefühle einen anderen Film. In diesem Fall bin ich allerdings regelrecht froh, denn der stattdessen gezeigte Home-Invasion-Thriller „You’re Next“, von dem ich bis zu jenem Zeitpunkt lediglich den Trailer kannte, gehört für mich zu den bislang positivsten Überraschungen des Kinojahres 2013. Wieso, erfahrt ihr in der folgenden Review …
Knapp vier Monate ist es nun bereits her, dass Pascal Laugiers („Martyrs“) US-Debüt „The Tall Man“ bei uns auf DVD und Blu-ray erschienen ist. Beinahe genau so lange lag die DVD des Films neben meinem Fernseher und wartete darauf, von mir gesehen zu werden. Das Warten ist vorbei …
Meine Meinung
Nein, ein Mystery- oder gar Horrorthriller ist „The Tall Man“ nicht. Vielmehr ist der Film ein äußerst sozialkritisches Drama im trügerischen Gewand eines Mysterythrillers. Und genau das könnte den einen oder anderen Zuschauer enttäuschen. Denn so unheimlich und spannend die erste Hälfte auch sein mag, die zweite ist es nicht. Um ehrlich zu sein, ist die zweite Hälfte sogar recht vorhersehbar. So vorhersehbar, dass ich bereits kurz nach dem Storytwist exakt vorhersagen konnte, was mit den Kindern passiert ist. Trotz dieser Vorhersehbarkeit ist die zweite Hälfte jedoch keineswegs langweilig, sondern durchaus interessant und packend. Denn obwohl alle für die Geschichte des Films relevanten Fragen beantwortet werden, lässt der Film zahlreiche moralische Fragen offen und das Publikum mit eben diesen, teils sehr unbequemen offenen Fragen zurück. Fragen, über die sich wunderbar diskutieren lassen und die noch lange nach dem Ende des Films nachwirken.
Ich weiß genau, was ihr bei der Überschrift gedacht habt: Oh nein, Sven hat wieder einen seiner sinnlosen Trash-Filme geschaut! Ich jedoch sage: Lasst euch von dem selten dämlichen deutschen Untertitel nicht täuschen oder gar von dem Film abhalten – erst recht nicht, wenn ihr wie ich Fans von Hai-Thrillern seid! Der Film ist nämlich weitaus besser, als der deutsche Titel vermuten lässt …
Meine Meinung
Zu diesen Einschränkungen zählen die unterdurchschnittlichen Effekte. Während die Welle zu Beginn noch ganz ansehnlich getrickst ist, sieht man den Haien und insbesondere der Abschlussszene die Herkunft aus dem Computer nur allzu deutlich an. Doch bevor hier nun ein falscher Eindruck entsteht: Effekte wie in „Mega Shark vs. Giant Octopus“ oder „Sharktopus“ habt ihr nicht zu befürchten! Nein, die CGI erinnert eher an „Deep Blue Sea“, wobei sie mir in „Bait“ teilweise sogar einen Tick besser gefallen hat.
Davon abgesehen macht der Film vieles richtig. Die Mischung aus Hai-Horror und Katastrophenthriller ist mal etwas anderes und wurde äußerst flott inszeniert. In gerade mal 93 Minuten reißt Regisseur Kimble Rendall („Cut“) so ziemlich alles an, was diese beiden Genres zu bieten haben und vermischt geschickt spannende, blutige und manchmal auch durchaus tragische Situationen. Und obwohl dabei kaum Zeit für die Charaktere bleibt, schafft es der Film, innerhalb kürzester Zeit Sympathieträger zu formen, denen man das Überleben nicht nur gönnt, sondern sogar wünscht. Zumal sich die Figuren keineswegs so dämlich anstellen, wie man es von vielen Filmen dieser Art gewohnt ist, sondern, den Umständen entsprechend, ungewohnt clever und besonnen agieren.