2007 schlüpfte der bekennende Comic-Fan Nicolas Cage in die brennende Lederkluft des teuflischen Kopfgeldjägers Ghost Rider. Doch eine zu konventionelle und letztlich zu harmlose Inszenierung ließen den durchaus unterhaltsamen Film bei Kritikern und Publikum durchfallen. 2011 nahm sich das durch “Crank” und “Gamer” bekannt gewordene Gespann Neveldine/Taylor einer Fortsetzung an, an die wohl niemand so recht geglaubt hatte. Und wenn ich den fertigen Film rückwirkend betrachte: Die auch niemand wirklich gebraucht hat. Zumindest nicht in dieser Form …
Worum geht’s
Aus Angst vor seinen eigenen Kräften hat sich Johnny Blaze (Nicolas Cage) in Osteuropa zurückgezogen. Dennoch kann der Priester Moreau (Idris Elba) ihn ausfindig machen. Moreau benötigt Johnnys Hilfe, um den Jungen Danny (Fergus Riordan) zu finden und zu beschützen. Dieser befindet sich gemeinsam mit seiner Mutter Nadya (Violante Placido) auf der Flucht vor dem Teufel (Ciarán Hinds), der ein ganz persönliches Interesse an Danny hat …
Meine Meinung
Die Regisseure Mark Neveldine und Brian Taylor wollten bei der Fortsetzung vieles anders machen. Nun, das haben sie geschafft. Nur leider bedeutet anders nicht automatisch auch besser. Mark Steven Johnsons Erstling ist vielleicht etwas zahm und irgendwie auch belanglos, aber dennoch unterhaltsam. Die Fortsetzung ist einfach nur laut. Und zwischen den lauten Stellen gähnend langweilig.
Zugegeben, die Effekte haben sich deutlich verbessert. Endlich sieht der Ghost Rider bedrohlich und nicht mehr wie ein Plastikskelett mit viel zu breiter Lederjacke aus. Und ja, die Actionszenen können auch überzeugen. Sofern man mit der für Neveldine und Taylor typischen Hektik leben kann. Der Film lief gerade mal fünf Minuten, als ich ernsthaft mit dem Gedanken spielte, den Blu-ray-Player wegen eintretender Kopfschmerzen abzuschalten. Hat man sich jedoch erst mal an die wilden Kamerafahrten gewöhnt, kann man mit der Action eine Menge Spaß haben. Zumal diese erfreulich abwechslungsreich ausfällt und der Rider sich neben seinem Motorrad auch andere Fahrzeuge zu eigen macht, um den Bösewichtern entgegen zu treten.
Leider sind damit auch schon alle positiven Merkmale des Films genannt. Die Szenen zwischen der Action, und davon gibt es so einige, tendieren irgendwo zwischen langweilig und lächerlich. Langweilig, weil die Figuren niemals an Kontur gewinnen und die Geschichte vollkommen ausgelutscht ist, so dass in keiner Minute Spannung aufkommen will. Und lächerlich, weil die Darsteller entweder völlig desinteressiert wirken oder wie Nicolas Cage dem Overacting frönen. Diesbezüglich hat der Vorgänger mit Eva Mendes, Sam Elliott und Peter Fonda weit mehr zu bieten. Da können auch die (wirklich kurzen) Kurzauftritte von Anthony Head und Christopher Lambert nichts retten.
Erschwerend kommt noch der typische Neveldine/Taylor-Humor hinzu, der zwar gut zu “Crank” passt, jedoch schon bei “Gamer” störte und auch bei “Ghost Rider: Spirit of Vengeance” eher deplatziert wirkt.
Mein Fazit
Misslungene Fortsetzung des unter Wert gehandelten “Ghost Rider”, die lediglich mit besseren Effekten und stellenweise netter Action punkten kann. Über Geschichte, Darsteller und Humor sollte hingegen lieber der Mantel des Schweigens ausgebreitet werden …
Meine Wertung: 4/10
Da Jason-Bourne-Darsteller Matt Damon ohne seinen Stamm-Regisseur Paul Greengrass kein Interesse an einem weiteren Kapitel der Agentenreihe hatte, die Serie aber viel zu erfolgreich war, um sie einfach einzustampfen, musste eine Lösung her. Diese zeigt sich nun in Form eines Bourne-Films ohne Jason Bourne, Doch kann das funktionieren?
Und damit bin ich auch schon beim ersten Kritikpunkt: Im Vergleich zu Bournes Suche, die aufgrund der Ungewissheit stets interessant war, wirkt Cross’ Einsatz einfach nur beliebig. Von Anfang an ist klar worum es geht. Hier warten keine Überraschungen und keine Aha-Momente auf den Zuschauer. Das macht den Film zwar nicht unbedingt uninteressant, aber … nun ja, beliebig (man verzeihe mir die Wortwiederholung, aber ein passenderes will mir partout nicht einfallen). Da helfen auch stiefmütterlich eingestreute moralische Bedenken nichts.
Doch ich will nicht zu viel meckern, denn “Das Bourne Vermächtnis” (und ja, ich weiß, dass da eigentlich ein Bindestrich hingehört, aber hey, der Titel beinhaltet nun mal ein Deppenleerzeichen) macht auch vieles richtig. Die Story ist zwar nicht besonders innovativ, fügt sich aber nahtlos ins Bourne-Universum ein. Dass die neuen Charaktere nicht im Hauruck-Verfahren eingeführt werden, sondern sich viel Zeit dafür genommen wird, rechne ich den Machern ebenfalls positiv an. Und die Action, nicht ganz so unruhig wie in den Bourne-Filmen mit Jason Bourne, kann ebenfalls überzeugen – auch wenn die finale Jagd auf den Motorrädern gerne etwas kürzer hätte ausfallen dürfen und der Rutsch auf dem Treppenvorsprung nun wirklich arg überzogen wirkt.
CinemaxX Kiel. 15 Uhr. Ich sitze im Kino. Links neben mir eine kleine 3er-Gruppe. Rechts neben mir eine junge Dame. CinemaxX Kiel. 17 Uhr. Der Film ist vorbei. Die 3er-Gruppe steht auf, setzt sich in Bewegung und während sie an mir und meiner Sitznachbarin vorbeigeht, höre ich ein “Boah, jetzt waren wir wirklich nur vier Personen im Kino!”.
Meine Meinung
Woran das Remake letztlich scheitert, und das tut es, sind dann auch nicht die inhaltlichen Änderungen. Vielmehr sind es die leider extrem blassen Figuren und die nach kurzer Zeit ermüdende Daueraction. Diese ist zwar technisch perfekt und erstaunlich übersichtlich inszeniert, kann aber dennoch zu keiner Zeit wirklich fesseln und wirkt bereits nach kurzer Zeit erschreckend monoton. Dies gilt übrigens für den gesamten Rhythmus des Films, den man kurz mit “zwei Minuten reden, 10 Minuten Action, zwei Minuten reden, 10 Minuten Action” beschreiben könnte. Ein wenig mehr Charaktertiefe und Hintergrundinformationen hätten dem Film definitiv gut zu Gesicht gestanden.