Im Kino gesehen: „Jack Ryan: Shadow Recruit“

Achtung, wichtige Warnung: Aufgrund akuter Müdigkeit zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Review kann der nun folgende Text Spuren von zusammenhanglosen Sätzen und wirrem Geschreibsel enthalten. Ich bitte dies zu entschulddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd ddd … bin wach! Bin wach!

Worum geht’s

Der 11. September 2001 hat viele Leben verändert. So auch das von Jack Ryan (Chris Pine), der sich als Reaktion auf die Anschläge den Marines anschließt, statt sein Studium zu beenden. In Afghanistan wird Jack jedoch so schwer verletzt, dass seine Karriere ein jähes Ende findet. Während die angehende Ärztin Cathy Muller (Keira Knightley) alles daran setzt, Jacks körperliche Gesundheit wieder herzustellen, tritt CIA-Agent Thomas Harper (Kevin Costner) an Jack heran und rekrutiert ihn als CIA-Analyst. 10 Jahre später arbeitet Jack undercover an der Wall Street. Dort entdeckt er verdächtige Geldströme, die zu dem russischen Oligarchen Viktor Cherevin (Kenneth Branagh) führen. Harper schickt Jack nach Russland, um die Hintergründe aufzudecken. Doch kaum in Moskau angekommen, wird auf Jack ein Mordanschlag verübt. Mit Hilfe von Harper und Cathy findet Jack heraus, dass Cherevin einen Anschlag plant, der Amerikas Wirtschaft ruinieren könnte …

Meine Meinung

Es wird Zeit für eine Beichte: Obwohl „Jagd auf Roter Oktober“ seit mindestens einem Jahrzehnt in meinem Filmregal steht, habe ich den Film bis heute nicht gesehen. Und trotz ihres guten Rufes sind sowohl „Die Stunde der Patrioten“ als auch „Das Kartell“ in meinem Gedächtnis eher der Kategorie „ganz okay“ zugeordnet. Wirklich begeistern konnte mich bislang lediglich „Der Anschlag“, dessen zweite Hälfte ich zu meinen fesselndsten Kinomomenten zähle. Und ja, ich finde es immer noch schade, dass Ben Affleck den gewieften Analysten nur ein einziges Mal verkörpern durfte. Steinigt mich doch!

Treu nach dem Motto „Reboot tut gut!“ darf sich ab heute stattdessen Chris Pine in einem Neuanfang der Serie beweisen. Nun müssen Reboots einer Filmreihe prinzipiell weiß Gott nichts Schlechtes sein. Wenn sie unterhaltsam sind, alte Gewohnheiten abschütteln und der bereits bekannten Geschichte neue Facetten hinzufügen können, warum nicht? Doch um es gleich vorweg zu nehmen: Trotz guter Besetzung kann Kenneth Branaghs „Jack Ryan: Shadow Recruit“ die Hoffnung auf einen würdigen Neuanfang nur teilweise erfüllen.

Die gute Nachricht: An Chris Pine scheitert der Film definitiv nicht. Pines Darstellung ist engagiert, zuweilen überraschend vielschichtig und empfiehlt ihn durchaus für zukünftige Jack-Ryan-Abenteuer. Dasselbe gilt für Kevin Costner, der als väterlicher Mentor mit Rat und Tat zur Seite steht – wenn’s darauf ankommt, auch mit dem Gewehr im Anschlag. Auch Keira Knightley weiß (nicht nur optisch) zu gefallen, obgleich ihre Entwicklung von Jack Ryans misstrauischer Freundin hin zum unverzichtbaren Teammitglied arg unglaubwürdig und zuweilen unfreiwillig komisch wirkt. Doch das ist immer noch besser als Kenneth Branagh, der als russischer Bösewicht zwar solide aufspielt, jedoch zum reinen Abziehbild alter Feindbilder verkommt.

Und damit sind wir auch schon bei dem Grundproblem des Films angekommen: Er bietet nur altbekannte Kost. Und was noch schlimmer ist: Er verpackt diese nicht mal sonderlich gut. Die durchaus nicht uninteressante Geschichte wird pflichtbewusst, aber überraschungs- und leider auch recht spannungsarm vorangetrieben. Jacks Einbruch in Cherevins EDV-System, während selbiger von Cathy beim Abendessen abgelenkt wird, gehört sicherlich zu den besseren Momenten, lädt den genreerprobten Zuschauer aber auch nicht gerade zum Fingernägelkauen ein. Und die wenigen Actionszenen in Form kurzer Prügeleien, Schießereien und Verfolgungsjagden sind zwar solide inszeniert, zeigen aber auch nichts, was man nicht anderswo schon spektakulärer und vor allem packender gesehen hat.

Hinzu gesellen sich unnötige Logiklöcher, die keinen Analysten benötigen, um sie zu erkennen. Wieso Jack Ryan nach seiner Ankunft in Russland nicht zügig erschossen, sondern erst durch halb Moskau bis in sein Hotel kutschiert wird, gehört mit Blick auf den löcherigen Masterplan da noch zu den harmloseren Fragen.

Mein Fazit

Solider Agententhriller ohne echte Höhepunkte, dessen einfallslose Inszenierung enttäuscht, während die Besetzung durchaus Lust auf mehr macht.

Meine Wertung: 6/10

Im Heimkino gesehen: I Declare War

Ursprünglich sollte diese Review bereits letzte Woche erscheinen, doch eine erkältungsbedingte Auszeit (nicht selbst verschuldet) und das Retro-Rollenspiel „Legend Of Grimrock“ (sehr wohl selbst verschuldet) haben meinen Zeitplan ordentlich durcheinander gewürfelt. Umso glücklicher bin ich, dass ich diese Zeilen dennoch vor dem Release des Films fertigstellen konnte, damit ihr morgen guten Gewissens den Filmhändler eures Vertrauens aufsuchen könnt …

Worum geht’s

Wer von einem Schuss getroffen wird, muss bis 10 zählen. Wer von einer Granate getroffen wird, nach Hause gehen. Und das Team, das die gegnerische Flagge in die Hände bekommt, gewinnt. Willkommen im Krieg!

Nach der Schule treffen sich mehrere Kinder, um im Wald eine Variante des aus Videospielen bekannten Capture The Flag zu spielen. Dieses Mal verspricht das Spiel besonders spannend zu werden, denn in dem taktisch spielenden Quinn (Aidan Gouveia) hat der bislang ungeschlagene P.K. (Gage Munroe) einen außergewöhnlich cleveren Gegner gefunden.

Als der aufbrausende Jamie (Michael Friend) Quinn aus dem Spiel wirft, das Kommando über dessen Team übernimmt und P.K.s besten Freund Paul (Siam Yu) als Geisel nimmt, droht das Spiel jedoch zu eskalieren …

Meine Meinung

Tja, das kommt davon, wenn man seine Kinder ständig dazu drängt, nicht nur am Computer, sondern auch mal an der frischen Luft zu spielen. Mit Stöcken, Farbbomben und der eigenen Phantasie bewaffnet, lassen die Kinder derselbigen freien Lauf und verwandeln einen beschaulichen Wald in einen Kriegsschauplatz. Aus Stöcken werden Gewehre und Panzerfäuste, aus Farbbomben tödliche Granaten und aus Klassenkameraden erbitterte Feinde. Ja, es ist nur ein Spiel. Aber in der Phantasie der Kinder wird aus dem Spiel tödlicher Ernst. Da Regisseur Jason Lapeyre in den Gefechten realistisch aussehende Waffenmodelle sowie die dazu passende Klangkulisse und Pyrotechnik einsetzt, fühlt man sich auch als Zuschauer recht bald in einen echten Kriegsfilm versetzt, der zwar größtenteils ohne Blut auskommt (glücklicherweise!), inhaltlich aber durchaus an die großen Vorbilder erinnert. Und so dreht sich auch bei „I Declare War“ letztlich alles um Freundschaft, Vertrauen, Verrat, Ehre, Moral und um die spannende Frage, welchen Charakter ein Mensch in Extremsituationen offenbart.

Demzufolge setzt Jason Lapeyre weniger auf Action und stärker auf die Charaktere und deren Beziehung zueinander. Wie in der Welt der Erwachsenen gibt es auch hier Anführer, Verräter und Mitläufer, von denen glücklicherweise keiner zum reinen Helden oder puren Schurken stilisiert wird. Selbst die scheinbaren Sympathieträger offenbaren mit zunehmender Laufzeit eklatante Charakterschwächen, so wie die vermeintlichen Arschlochkinder immer mal wieder Sympathiepunkte sammeln. Die Bedeutung von Freundschaft, das Verlangen nach Freundschaft sowie das Ausnutzen dieses Verlangens werden ebenso thematisiert wie die erste Liebe, Eifersucht und die Frage, ob der Glaube einem im Leben wirklich weiterhilft. Dass dies mit pubertären Figuren funktioniert und der Film nicht zur unfreiwillig komischen Angelegenheit gerät, ist den gelungenen Dialogen und insbesondere den zwar größtenteils unbekannten, aber toll spielenden Jungdarstellern zu verdanken, die mich allesamt äußerst positiv überrascht haben.

Wie so oft bei Filmen mit Kindern, lässt sich jedoch auch bei „I Declare War“ nicht leugnen, dass die Figuren stellenweise etwas zu erwachsen und berechnend agieren. Und dass dem Film im letzten Drittel ein wenig die Puste auszugehen droht, bleibt ebenfalls als schaler Beigeschmack in Erinnerung. Dennoch ist Regisseur Jason Lapeyre ein außergewöhnlicher Film gelungen, der seine Fans hoffentlich finden wird. Verdient hätte er es allemal.

Mein Fazit

Ungewöhnliche Mischung aus Jugenddrama und Kriegsfilm, die mit interessanten Figuren, gelungenen Dialogen und tollen Darstellern überzeugt.

Meine Wertung: 8/10

Im Kino gesehen: Getaway

Wünscht ihr euch auch manchmal die Zeiten zurück, in denen Actionfilme einfach nur Filme voller Action waren? Mit Helden, so einsilbig wie simpel gestrickt? Und Storys, die für die Handlungen der Figuren wenig bis gar keine Bedeutung hatten? Dann freut euch auf morgen, denn am Donnerstag startet Courtney Solomons Actionfilm „Getaway“ mit Ethan Hawke und Selena Gomez in unseren Kinos. Aber vergesst nicht, eure Ansprüche zu senken und euer Gehirn an der Kinokasse abzugeben. Denn eines ist klar: Wer in diesem Film bremst denkt, verliert!

Worum geht’s

Halsbrecherisch rast der ehemalige Rennfahrer Brent Magna (Ethan Hawke) mit einem gestohlenen Shelby GT500 Super Snake Mustang durch Bulgariens Hauptstadt Sofia und hinterlässt sowohl auf als auch neben der Straße eine Schneise der Verwüstung. Um sich vor der Polizei zu verstecken, sucht Brent in einem Parkhaus Schutz, wo er alsbald von einer jungen Frau (Selena Gomez) überfallen wird. Diese entpuppt sich als Eigentümerin des Autos, welches sie von dem Dieb zurückverlangt. Doch Brent kann ihr das Fahrzeug nicht aushändigen. Ein Unbekannter hat ihn erst vor wenigen Stunden angerufen, zu diesem Fahrzeugt geführt und verlangt seitdem die selbstmörderischen und scheinbar zusammenhanglosen Fahrten von ihm. Und er hat ein Druckmittel, Brents Frau Leanne (Rebecca Budig). Weigert Brent sich, die Aufgaben zu erfüllen, muss Leanne sterben …

Meine Meinung

Ein mysteriöser Schurke, eine scheinbar ausweglose Situation, ein cooles Auto und ein wortkarger Held wider Willen – das sind durchaus Zutaten, aus denen sich richtig feine Actionthriller zaubern lassen. Zutaten, die in diesem Fall leider nur selten sinnvoll eingesetzt werden. Darum mache ich es kurz: „Getaway“ ist eine tolle Auto-Stunt-Demo. Aber auch nicht mehr.

Über die Story des Films sollte man zu keinem, zu wirklich keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise nachdenken. Unrealistische Figuren, konstruierte (freundlich ausgedrückt) und nicht nachvollziehbare Handlungsstränge, nichtssagende Dialoge und zahlreiche Logiklöcher laden dazu ein, den Film nach allen Regeln der Kunst zu zerreißen. Dazu passt hervorragend, dass sowohl Ethan Hawke als auch Selena Gomez mimisch auf Sparflamme laufen und man sich durchaus fragen muss, was genau die beiden wohl dazu bewogen hat, in diesem Film mitzuwirken.

Nein, wenn man ehrlich ist, hat der Film nur eine einzige Existenzberechtigung: seine zahlreichen Stunts. Diese kommen erfreulicherweise komplett ohne CGI aus und beweisen eindrucksvoll, wozu eine gute Stunt-Crew in der Lage ist. Was hier an Verfolgungsjagden und Verkehrsunfällen geboten wird, ist durchaus imposant. Leider ähneln sich die einzelnen Situationen mit zunehmender Laufzeit recht stark, so dass im Verlauf des Film eine Übersättigung und daraus folgend eine Ermüdung stattfindet. Erschwerend kommt noch eine (im Kontext des Film bewusst) billig gehaltene Optik mit unerhört vielen und schnellen Schnitten hinzu, die einerseits Tempo erzeugen, andererseits die gut inszenierte Action zuweilen jedoch nur noch erahnen lassen. Und ich finde fast nichts schlimmer, als im Kino zu sitzen und zu denken „Diese Actionszene wäre bestimmt cool gewesen. Wenn man nur mehr von ihr gesehen hätte.“.

Mein Fazit

Ein Film ohne Sinn und Verstand voller imposanter, handgemachter Stunts. Wer schnelle Autos und noch schnellere Action mag, wird daran Gefallen finden. Allen anderen dürfte „Getaway“ auf Dauer zu eintönig oder schlicht zu dumm sein.

Meine Wertung: 4/10

Im Heimkino gesehen: Ein MordsTeam

Hände hoch, wer Omar Sy kennt! Ja, das sind erwartungsgemäß recht viele. Und nun Hände hoch, wer Omar Sy nur kennt, weil der Film „Ziemlich beste Freunde“ 2012 in aller Munde war! Fast genau so viele. Dachte ich es mir doch. Kein Wunder, dass auf Poster und Cover von „Ein MordsTeam“ der Schriftzug „Nach ZIEMLICH BESTE FREUNDE die neue Komödie mit Omar Sy“ prangt. Anders hätte es diese durchschnittliche Buddy-Komödie wohl auch nie zu größerer Bekanntheit geschafft …

Worum geht’s

Ousmane Diakhité (Omar Sy) arbeitet als Polizist im Betrugsdezernat des heruntergekommenen Pariser Vororts Bobigny. Während seiner Ermittlungen gegen einen illegalen Glücksspielring stößt er zufällig auf eine Frauenleiche, die sich als Ehefrau eines schwerreichen Industriellen entpuppt. Der Fall wird dem versnobten und karrierefixierten Pariser Kriminalkommissar François Monge (Laurent Lafitte) übergeben, der keinen Hehl daraus macht, dass er auf die Hilfe der örtlichen Polizei nicht angewiesen ist. Doch Ousmane sieht zwischen den beiden Fällen einen Zusammenhang und sorgt mit seinem losen Mundwerk dafür, dass er François als Partner zugeteilt wird. Mehr schlecht als recht nehmen die beiden ungleichen Männer die Ermittlungen auf …

Meine Meinung

Viel Neues ist den Machern von „Ein MordsTeam“ nicht gerade eingefallen. Gar nichts Neues, um genau zu sein. Der Film ist eine von Anfang bis Ende überraschungsarme Buddy-Komödie, die zwar niemandem weh tut, ja sogar recht kurzweilig ist und auf mittlerem Niveau zu unterhalten weiß, aber auch nicht länger als eine halbe Stunde in Erinnerung bleibt. Das Zusammenspiel der Figuren ist okay, die Story zweckmäßig und die wenigen Actionszenen sind durchaus solide inszeniert. Wirklich enttäuschend ist eigentlich nur, dass die Macher komplett nach amerikanischem Vorbild vorgegangen sind und weder einen eigenen Humor noch einen landesspezifischen Stil gefunden haben. Mal ehrlich, wenn ich eine amerikanische Buddy-Komödie sehen möchte, schaue ich mir eine der unzähligen amerikanischen Buddy-Komödien an. Und keine französische Buddy-Komödie, die so tut, als wäre sie eine amerikanische Buddy-Komödie.

Der Hauptgrund, sich „Ein MordsTeam“ anzuschauen, ist aber ohnehin Sympathieträger Omar Sy. Dieser wärmt seine beliebte Rolle aus „Ziemlich beste Freunde“ wieder auf und ergänzt sie um eine gehörige Portion Axel Foley. Originalität darf man also auch bei der Hauptfigur nicht erwarten, wobei Omar Sy seine Sache als Axel-Foley-Kopie durchaus gut macht – auch wenn Eddie Murphy als dauerquasselnder Cop selbstverständlich unerreicht bleibt. Laurent Lafitte hingegen bleibt als unfreiwilliger Partner überraschend blass, was ebenso für alle anderen Beteiligten gilt, so dass man bei „Ein MordsTeam“ durchaus von einer Omar-Sy-One-Man-Show sprechen kann.

Abschließend sei noch erwähnt, dass nicht nur Ousmanes so loses wie schnelles Mundwerk, sondern gleich mehrere Szenen eine starke Ähnlichkeit zu „Beverly Hills Cop“ erkennen lassen. Wenn Ousmane zum Beispiel eine Besprechung des französischen Arbeitgeberverbandes sprengt, sieht man förmlich Eddie Murphy vor sich. Und dank des Axel-F-Klingeltons und einer Diskussion um den besten Film-Polizisten, bei der Axel Foley natürlich Ousmanes Favorit ist, wird auch dem letzten Zuschauer mit dem Holzhammer eingehämmert, dass der 80er-Jahre-Klassiker hier als (über)großes Vorbild diente und Eigenständigkeit bei der Produktion wohl nur eine untergeordnete Rolle spielte.

Mein Fazit

Nicht unsympathische, aber leider unspektakuläre Buddy-Komödie ohne eigene Ideen, die auch ein gut aufgelegter Omar Sy nicht über das Mittelmaß hinaus retten kann.

Meine Wertung: 5/10

Im Kino gesehen: Riddick – Überleben ist seine Rache

Für die meisten Zuschauer ist Vin Diesel untrennbar mit seiner Rolle als Dominic Toretto in der „Fast & Furious“-Reihe verbunden. Für mich jedoch wird Vin Diesel stets Richard B. Riddick sein. Dementsprechend erfreut war ich, als bekannt wurde, dass Diesel trotz des bei Kritikern und Zuschauern durchgefallenen „Riddick – Chroniken eines Kriegers“ erneut in die Rolle des scheinbar eiskalten Furyaners schlüpfen würde. Ob meine Vorfreude gerechtfertigt war, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest …

Worum geht’s

Von den Necromongern verraten, wird Riddick (Vin Diesel) auf einem so trostlosen wie gefährlichen Planeten scheinbar tot zurückgelassen. Doch Riddicks Überlebenswille ist stark wie eh und je, was alsbald zahlreiche Kreaturen zu spüren bekommen, die sich selbst an der Spitze der Nahrungskette wähnen, von Riddick jedoch zügig nach unten durchgereicht werden. Als Riddick auf einen verlassenen Außenposten stößt, sieht er seine Chance gekommen, dem unwirtlichen Planeten zu entfliehen. In der Hoffnung, Kopfgeldjäger anzulocken und dann mit deren Schiff zu verschwinden, sendet Riddick ein Notsignal aus. Kurze Zeit später erscheinen tatsächlich zwei Teams, die es auf die Belohnung abgesehen haben. Doch Riddick bleibt nicht viel Zeit. Ein starker Regen naht – und mit ihm eine tödliche Gefahr …

Meine Meinung

Der Überraschungshit „Pitch Black – Planet der Finsternis“ ist eine dreckige Mischung aus Science-Fiction, Action und Horror. Nicht besonders originell, aber spannend inszeniert und mit einem der coolsten Antihelden aller Zeiten gesegnet. Die vier Jahre später entstandene Fortsetzung „Riddick – Chroniken eines Kriegers“ versuchte das Universum rund um die Hauptfigur weiter auszubauen und setzte auf fantastische Schauwerte, scheiterte nach Meinung vieler jedoch an einer eher holperig erzählten Story. Mit „Riddick – Überleben ist seine Rache“ geht es nun wieder zurück zum Ursprung. Sowohl inhaltlich als auch optisch.

Sieht man von den ersten 30 Minuten ab, in denen Riddick sich in der neuen Welt zurecht- und seine animalischen Instinkte wiederfinden muss, wiederholt Regisseur und Drehbuchautor David Twohy das Konzept des Erstlings schon beinahe sklavisch. Eine mehr oder weniger zusammengewürfelte Gruppe, ein tödlicher Planet, düstere Atmosphäre, gefährliche Aliens – und mittendrin ein zynischer Riddick. Das ist zwar nicht besonders originell, wirkt dafür jedoch umso ehrlicher, da Twohy und Diesel den Fans letztlich exakt das geben, was sie sich nach „Riddick – Chroniken eines Kriegers“ gewünscht hatten.

Dass es dennoch nicht zum ganz großen (B-Movie-)Wurf reicht, liegt nicht an den teils unterdurchschnittlichen Effekten. Auch nicht an den unnötigen Längen, die sich insbesondere im Mittelteil negativ bemerkbar machen. Und auch nicht an den Dialogen, die sich teilweise nur mit viel gutem Willen als solche bezeichnen lassen. Nein, es liegt schlicht und einfach an den fehlenden Riddick-Momenten. Momente, die so dämlich und gleichzeitig so cool sind, dass sie in Erinnerung bleiben. Zwar gibt es auch dieses Mal wieder den einen oder anderen trockenen Oneliner, doch die „Qualität“ der Sprüche aus den Vorgängern wird leider zu keiner Zeit erreicht.

Unterhaltsam ist der Film aber allemal. Nicht zuletzt dank der toll designten Kreaturen und David Twohys gutem Gespür für knackig inszenierte Actionszenen im Science-Fiction-Gewand. Ein weiterer Teil darf also gerne kommen. Dann aber bitte wieder mit etwas mehr Inhalt und erinnerungswürdigeren Einzelszenen.

Mein Fazit

Trotz seiner unübersehbaren Schwächen ist „Riddick – Überleben ist seine Rache“ ein unterhaltsamer Science-Fiction-Action-Horror-Mix, der die meisten Fans der Vorgänger zufrieden stellen dürfte.

Meine Wertung: 7/10

Im Kino gesehen: The World’s End

2004 ließ Regisseur Edgar Wright die Freunde Simon Pegg und Nick Frost in „Shaun Of The Dead“ gegen Zombies antreten, 2007 folgte mit „Hot Fuzz“ der Kampf gegen schwer bewaffnete Kleinstädter. Mit „The World’s End“ legt das Dreiergespann nun den Abschluss der sogenannten „Blut und Eiscreme“-Trilogie vor. Die Erwartungen der Fan-Gemeinde waren riesig – und auch wenn diese nicht vollends erfüllt werden, haben Wright, Pegg und Frost einmal mehr einen herrlich schrägen und unterhaltsamen Film abgeliefert …

Worum geht’s

Als Jugendliche versuchten sich Gary King und seine Freunde an der „Goldenen Meile“, einer in Newton Haven legendären Kneipentour, die durch zwölf Pubs bis ins World’s End führt. Und scheiterten. 20 Jahre später trommelt Gary (Simon Pegg) seine Freunde von damals (Nick Frost, Paddy Considine, Martin Freeman und Eddie Marsan) wieder zusammen, um diese unerledigte Angelegenheit ein für alle Mal abzuschließen. In Newton Haven angekommen, müssen die fünf Musketiere erkennen, dass die Stadt noch langweiliger geworden ist, als sie sie ohnehin in Erinnerung hatten. Nicht nur die Pubs sehen sich erschreckend ähnlich, auch die Einwohner verhalten sich nahezu emotionslos. Als Gary sich auf dem Klo mit einem Jugendlichen anlegt, was in einer gewalttätigen Auseinandersetzung mündet, kommt er einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur …

Meine Meinung

„The World’s End“ beginnt exakt so, wie ich es mir gewünscht hatte: Mit sympathischen Figuren, pointierten Dialogen und einer Prise Gesellschaftskritik. Die Einführung sowie die Wiedervereinigung der Figuren ist extrem witzig geraten und steckt voller schnippischer Dialoge, die man beim ersten Mal vermutlich gar nicht alle richtig zu würdigen weiß. Die Ankunft im Heimatort gerät zu einer Abrechnung mit der Globalisierung und der daraus resultierenden fehlenden Individualität. Dass sämtliche Pubs inzwischen so weit „verstarbuckt“ wurden, dass sie sich nicht mehr voneinander unterscheiden lassen und sich wie ein Ei dem anderen gleichen, wird hier grandios eingefangen und sorgt abermals für jede Menge Schmunzler. Und in den etwas leiseren Momenten des Films wird den Figuren beinahe beiläufig Tiefe verliehen, indem längst vergessen geglaubte Erinnerungen aus der Vergangenheit ans Tageslicht gebracht werden. So weit, so gelungen.

Leider verliert sich der Film ein wenig in sich selbst, je mehr die eigentliche Handlung an Fahrt aufnimmt. Zwar bereitet es weiterhin Spaß, der aus „Die Frauen von Stepford“, „Die Körperfresser kommen“ und „Das Dorf der Verdammten“ zusammengesetzten Geschichte zu folgen, doch regen einige Szene auch zum kräftigen Kopfschütteln an. Insbesondere Garys Verhalten lässt zeitweise jeglichen gesunden Menschenverstand vermissen, auch wenn versucht wird, dem Zuschauer die hinter seinen Taten stehende Logik aus Garys Sicht zu erklären. Und die finale Auseinandersetzung mit der für die Ereignisse verantwortlichen Macht ist so schräg, dass ich selbst heute, zwei Tage nach dem Kinobesuch, nicht weiß, was ich davon halten soll. Dennoch überzeugt auch die zweite Hälfte des Films, wenn auch mit Abstrichen, durch nette Seitenhiebe, zum Beispiel auf den anhaltenden Jugendwahn, ein flammendes Plädoyer für das Recht auf Fehler sowie den wohl gelungensten Cornetto-Auftritt der Trilogie.

Mein Fazit

Auch wenn „The World’s End“ nicht ganz die Klasse seiner Vorgänger erreicht, stellt der Film einen gelungenen Abschluss der „Blut und Eiscreme“-Trilogie dar. Für Fans des Wright-Pegg-Frost-Trios ohnehin ein Pflichttitel!

Meine Wertung: 7/10

Im Kino gesehen: Fast & Furious 6

Ich war nie ein besonders großer Fan der „Fast & Furious“-Reihe – bis „Fast & Furious Five“ kam, der mich dank seiner spannenden Heist-Story und den Actionszenen jenseits der Straße vollends überzeugen konnte. Hinzu kam der geradezu geniale Cliffhanger, der sich im Abspann zeigte und die Vorfreude auf den sechsten Teil in die Höhe trieb. Und genau an diesen schließt nun „Fast & Furious 6“ an …

Worum geht’s

Nach dem geglückten Coup in Rio de Janeiro haben Dom (Vin Diesel) und seine Crew finanziell ausgesorgt, werden jedoch nach wie vor polizeilich gesucht. Gemeinsam mit seiner neuen Freundin Elena (Elsa Pataky) sowie Brian (Paul Walker) und Mia (Jordana Brewster), die inzwischen Eltern geworden sind, lebt Dom fernab der Heimat in einem luxuriösen Anwesen. Überraschend taucht FBI-Agent Hobbs (Dwayne Johnson) auf und bittet Dom um Hilfe. Der skrupellose Owen Shaw (Luke Evans) hat mit seiner schwer bewaffneten Crew bereits mehrere Waffenteile gestohlen und plant den Bau und Verkauf einer Technobombe. Doch was für Dom viel bedeutender ist: Seine für tot erklärte große Liebe Letty (Michelle Rodriguez) ist quicklebendig. Und arbeitet für Shaw …

Meine Meinung

Meine Güte, was hat sich die „Fast & Furious“-Reihe entwickelt. Von der prolligen Tuningaction zum Heist-Movie zum überbordenden Actionfilm, in dem alle Register des modernen Actionkinos gezogen werden und kein Stein auf dem anderen bleibt. Die solide und mit zahlreichen Anspielungen versehene Story kann zwar nicht mit der überraschend cleveren Geschichte von „Fast & Furious Five“ mithalten, ist glücklicherweise aber auch kein Totalausfall. In Sachen Action steckt „Fast & Furious 6“ den bereits nicht gerade ruhigen Vorgänger hingegen locker in die Tasche und legt die Latte für den Nachfolger schon fast zu hoch. Autorennen, Amokfahrten mit einem Panzer, aufzuhaltende Frachtflugzeuge, zahlreiche Schusswechsel sowie toll choreografierte Kampfszenen lassen die Herzen der Actionfans vollkommen zu recht höher schlagen. Zumal ein Großteil der Action tatsächlich handgemacht zu sein scheint und Computereffekte nur selten als solche zu erkennen sind.

Störend wirkt lediglich, dass für die Glaubwürdigkeit inzwischen gar kein Platz mehr zu sein scheint, was sich insbesondere in den zahlreichen Sprungszenen zeigt. Einmal lasse ich es mir ja noch gefallen, wenn eine Person von Fahrzeug A auf Fahrzeug B hüpft, doch bei „Fast & Furious 6“ wird so oft und in den unmöglichsten Situationen gesprungen, dass selbst Bugs Bunny vor Neid erblassen würde. Mir ist klar, dass die Reihe noch nie für realistische Actionszenen stand, doch was hier gezeigt wird, geht definitiv einen Schritt zu weit. Wer den Film gesehen hat, wird verstehen, was ich meine. Zur Entlastung des Films sei gesagt, dass „Fast & Furious 6“ sich selbst ohnehin nicht sonderlich ernstnimmt und das Geschehen immer wieder durch selbstironische und teils schlicht absurde Momente aufgelockert wird.

Auch die Chemie zwischen den inzwischen liebgewonnen Figuren stimmt nach wie vor, so dass man sich als Zuschauer erneut auf zahlreiche Sticheleien, tumbe Machosprüche und mal mehr, mal weniger gelungene Oneliner freuen darf. Also auf genau das, was einen „Fast & Furious“-Film neben der Action seit jeher auszeichnet. Und wenn der Film dann nach extrem kurzweiligen 130 Minuten Hans Todesszene aus „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“ nutzt, um den Gegenspieler für „Fast & Furious 7“ zu präsentieren, ist sie wieder da, diese stille Vorfreude auf das nächste „Fast & Furious“-Abenteuer …

Mein Fazit

„Fast & Furious 6“ ist ein schneller & furioser (originell, gell?) Actionfilm mit sympathischen Figuren und coolen Sprüchen, der bewusst ironisch daherkommt, auf jeglichen Anspruch verzichtet – und nicht zuletzt genau dadurch prächtig unterhält.

Meine Wertung: 8/10

Weitere Meinungen aus der deutschen Film-Blogosphäre:

ChristiansFoyer.de

Im Heimkino gesehen: The Collection – The Collector 2

Mit „The Collector“ schuf Regisseur Marcus Dunstan einen Genrebeitrag, der zwar nicht frei von Schwächen war, als Gesamtwerk jedoch blendend unterhielt und geradezu nach einer Fortsetzung schrie. Diese ist nun in Form von „The Collection – The Collector 2“ erhältlich und stellt, so heißt es zumindest, das Mittelstück einer geplanten Trilogie dar. Ob „The Collection“ ein würdiger Nachfolger geworden oder dem „größer, lauter, blutiger“-Wahn zum Opfer gefallen ist, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest …

Worum geht’s

Die junge Elena (Emma Fitzpatrick) entdeckt in einer Diskothek eine Kiste, aus der panisches Klopfen ertönt. Durch das Öffnen der Kiste befreit Elena jedoch nicht nur den darin eingesperrten Arkin (Josh Stewart), sondern löst gleichzeitig eine tödliche Kettenreaktion aus, der sämtliche Diskothekenbesucher zum Opfer fallen. Während Arkin sich nur knapp und schwer verletzt retten kann, wird Elena von dem Collector entführt. Kaum im Krankenhaus angekommen und versorgt, erhält Arkin Besuch von Lucello (Lee Tergesen), Elenas Leibwächter. Lucello hat den Auftrag, Elena mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu finden und hofft, dass Arkin, der als einziger aus der Gefangenschaft des Collectors entkommen konnte, ihm und einer Handvoll Söldner den Weg zu dessen Versteck weisen kann. Arkin willigt ein und führt die stark bewaffneten Männer zu einem seit Jahren verlassenen Gebäudekomplex. Doch der Collector ist auf seine ungebetenen Gäste gut vorbereitet …

Meine Meinung

Ich mache es kurz: „The Collection“ IST dem „größer, lauter, blutiger“-Wahn zum Opfer gefallen. Bereits die Eröffnungssequenz, in der die Besucher einer Diskothek von einer an der Decke angebrachten Mähdrescherkonstruktion zerhackstückelt und in einem riesigen Stahlkäfig zerquetscht werden, pfeift offenkundig auf jegliche Logik oder Glaubwürdigkeit und ist so dermaßen übertrieben (wenn nicht gar dämlich), dass sich der Film danach nur noch schwer ernstnehmen lässt. Von der düsteren Atmosphäre oder gar Spannung des packenden Katz-und-Maus-Spiels des Vorgängers ist bereits nach wenigen Minuten nichts mehr zu spüren. Stattdessen folgt die Fortsetzung dem „Saw“-Prinzip der letzten Teile und präsentiert zahlreiche Fallen, denen die Beteiligten nach und nach aufs Blutigste zum Opfer fallen. Die Gewaltschraube wurde hierbei im Vergleich zum Vorgänger nochmals angezogen, doch verpufft die Wirkung aufgrund der überzogenen Darstellung (und der durchschnittlichen CGI-Effekte) meist komplett. Einige Szenen wirken zuweilen sogar unfreiwillig komisch, so dass ich „The Collector“ insgesamt dennoch als den härteren der beiden Filme bezeichnen würde.

Die inszenatorische Klasse des Vorgängers blitzt nur noch in seltenen Momenten durch, etwa wenn Arkin und der Collector sich bei ständig ausfallendem Licht im selben Raum aufhalten, Arkin die ausgestellten „Kunstwerke“ des Collectors entdeckt oder dem Collector im feurigen Finale, in dem „The Collection“ mehr Actionfilm als Thriller ist, gegenüber steht. In diesen toll gefilmten, aber leider viel zu seltenen Momenten weiß der Film durchaus zu fesseln – auch wenn die Spannung des Vorgängers leider zu keiner Zeit erreicht wird.

Mein Fazit

„Mehr Blut, mehr Gekröse. Ein nettes Gemetzel, das erwartet die Fangemeinde!“ fasste Randy in „Scream 2“ die Regeln für eine Fortsetzung zusammen. Und genau daran haben sich die Macher gehalten. Zu schade, dass dabei Atmosphäre, Spannung und Glaubwürdigkeit auf der Strecke geblieben sind.

Meine Wertung: 5/10

Im Heimkino gesehen: Dredd

Erinnert ihr euch noch an das Jahr 1995? 1995 war das Jahr, in dem Sylvester Stallone sich als Judge Dredd versuchte. Und scheiterte. Als Big-Budget-Trash betrachtet, ist Danny Cannons Comicverfilmung zwar durchaus unterhaltsam, doch der düsteren Vorlage wird der Film kaum gerecht. Zu weichgespült, zu bemüht auf cool getrimmt, mit einem äußerst nervigen Rob Schneider als Sidekick – und dann auch noch ein Judge Dredd, der die meiste Zeit des Films ohne Helm agiert. Nein, das war nicht der Film, den sich die Fans erhofft hatten. Ob der 2012 von Regisseur Pete Travis inszenierte „Dredd“ mit Karl Urban in der Hauptrolle besser abschneidet, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest …

Worum geht’s

In nicht allzu ferner Zukunft ist die Erde nahezu unbewohnbar. Die Menschen leben zusammengepfercht in der riesigen Metropole Mega City One, in der Gewalt und Verbrechen an der Tagesordnung stehen. In diesem Chaos versuchen die Judges, die sowohl Richter als auch Vollstrecker sind, die Gesellschaft weitestgehend aufrecht zu erhalten. Als drei gehäutete Männer von dem oberen Stockwerk eines riesigen Apartmentblocks auf die Straße geworfen werden, sind der gefürchtete Judge Dredd (Karl Urban) und die junge Rekrutin Anderson (Olivia Thirlby) als erste am Tatort. Sie finden heraus, dass der Apartmentblock mitsamt seiner Gangs von der ehemaligen Prostituierten Ma-Ma (Lena Headey) übernommen wurde und nun als Drogenlabor dient. Dredd und Anderson beschließen, dem Treiben Ma-Mas ein Ende zu setzen. Diese zögert nicht lange, riegelt das Gebäude ab und formiert ihre aus Gangmitgliedern bestehende Armee. Ein gnadenloser Kampf ums Überleben beginnt …

Meine Meinung

Na bitte, es geht doch. „Dredd“ ist genau der kompromisslose Actionfilm geworden, den uns die Macher versprochen haben. Hart, brutal, düster, ohne alberne Sprüche und ohne nervige Sidekicks. Zwar lässt Dredd auch hier den einen oder anderen trockenen Oneliner vom Stapel, doch wirken diese niemals aufgesetzt oder unpassend, sondern ergeben sich stets aus der jeweiligen Situation. Während Stallones Dredd nicht selten unter einer unfreiwilligen Komik litt, ist Urbans Darstellung weitaus ernster und dürfte damit genau dem gnadenlosen und einsilbigen Vollstrecker entsprechen, den sich die Fans gewünscht haben. Es war eine gute Entscheidung, nichts über Dredds Vergangenheit oder gar Privatleben zu erzählen, sondern ausschließlich seine Taten für sich sprechen zu lassen. Dredd ist das Gesetz. Punkt. Für die Menschlichkeit ist die von Olivia Thirlby sympathisch dargestellte Rekrutin Anderson zuständig, deren Zukunft als Judge von Dredds Beurteilung abhängig ist und die dennoch an ihren Prinzipien festhält, selbst wenn sie damit das Gesetz brechen muss. Lena Headey hingegen ist als Ma-Ma das personifizierte Verbrechen. Kalt, gnadenlos und nur auf den eigenen Machterhalt ausgerichtet, hält Ma-Ma die Fäden in der Hand, bleibt dabei jedoch leider etwas zu blass, um einen wirklich abstoßenden Eindruck zu hinterlassen.

Sah der 95er „Judge Dredd“ noch vergleichsweise billig aus, so ist „Dredd“ eine optischer Augenschmaus. Das Design des Films ist schlicht hervorragend, wobei insbesondere die Szenen in Erinnerung bleiben, in denen die Wahrnehmung der Figuren durch die Droge Slo-Mo verzerrt ist. Die weichgezeichneten und knallbunten Szenen stellen einen starken Kontrast zu dem ansonsten düsteren und schmutzigen Look des Films dar und bieten zudem einige der besten 3D-Effekte der letzten Monate. Die zahlreichen Actionszenen sind gut und vor allem äußerst brutal inszeniert, haben allerdings außer Schießereien nicht viel zu bieten, was auf Dauer dann doch etwas monoton wirkt. Auf ein spektakuläres Action-Highlight muss man ebenso verzichten wie auf eine originelle Handlung oder einen stetig steigenden Spannungsbogen. Vielmehr wirkt der Film wie ein Videospiel, in dem sich der Held Level für Level durch dieselben Gegnerscharen kämpft, bis er dann dem Endgegner gegenüber steht. Prinzipiell ist dagegen nichts einzuwenden, doch hätte ich mir hierbei ein wenig mehr Abwechslung gewünscht.

Bild und Ton der Blu-ray

Kurz und knapp: An dem Bild gibt es nichts auszusetzen, so dass sowohl die dreckige Realität als auch die vom Drogenkonsum verzerrte Wahrnehmung hervorragend zur Geltung kommt. Und auch der Ton weiß größtenteils zu überzeugen. Der Raumklang wird in den Actionszenen gut genutzt und die Bässe unterstützen das Geschehen, dass es eine wahre Freude ist. Oder eine Strafe, je nachdem, ob ihr den Film als Zuschauer erlebt – oder als Nachbar des Zuschauers unfreiwillig miterleben müsst. Lediglich die Dialoge hätten gerne etwas lauter ausfallen dürfen. So kommt man nicht drum herum, regelmäßig die Lautstärke zu variieren, um alles zu verstehen und gleichzeitig die Nachbarn nicht zu sehr zu ärgern.

Mein Fazit

Erfreulich harte Comicverfilmung in grandioser Optik, der ein wenig Abwechslung in der Handlung und in den Actionszenen nicht geschadet hätte. Nichtsdestoweniger ein äußerst kurzweiliger Film, der sowohl Action- als auch Comicfans zufriedenstellen wird.

Meine Wertung: 7/10

Im Heimkino gesehen: Jonah Hex

Bereits die Entstehung der Comicverfilmung „Jonah Hex“ lässt Böses erahnen. Ursprünglich waren die Drehbuchautoren Mark Neveldine und Brian Taylor („Crank“) als Regisseure vorgesehen, doch „künstlerische Differenzen“ sorgten dafür, dass stattdessen Jimmy Hayward („Horton hört ein Hu „) das Ruder in die Hand nahm. Es überrascht nur wenig, dass der abgedrehte Film nicht den Vorstellungen entsprach. Es kam zum Nachdreh, in Folge dessen der Film mehrfach umgeschnitten wurde. Letztlich blieben lediglich 81 Minuten übrig. Beziehungsweise 73, zieht man den Abspann ab. 73 Minuten, in denen so ziemlich alles falsch gemacht wurde, was falsch gemacht werden kann …

Worum geht’s

Aus Rache für den Tod seines Sohnes ließ Quentin Turnbull (John Malkovich) die Familie von Jonah Hex (Josh Brolin) vor dessen Augen verbrennen, entstellte sein Gesicht und ließ ihn tödlich verwundet zurück. Indianer retteten Jonah das Leben und gaben ihm dadurch eine Chance auf Rache. Diese sollte sich jedoch nie erfüllen, da Turnbull bei einem Brand ums Leben kam, ehe Jonah ihn ausfindig machen konnte. Seitdem stillt dieser seinen Durst nach Rache als gnadenloser Kopfgeldjäger. Unerwartet erhält Jonah einen Auftrag von Präsident Grant (Aidan Quinn): Eine Hightech-Waffe wurde gestohlen und soll gegen das noch junge Amerika eingesetzt werden. Und zwar von dem Mann, der einst Jonahs Familie tötete und angeblich unter den Toten weilt: Quentin Turnbull …

Meine Meinung

Lasst mich zuerst über die positiven Eigenschaften des Films berichten: „Jonah Hex“ ist bis in die kleinste Nebenrolle überraschend gut besetzt. Josh Brolin spielt den Antihelden erhofft kaltschnäuzig, John Malkovich ist als Bösewicht bekanntlich immer eine Freude und Megan Fox erwartungsgemäß nett anzuschauen (auch wenn ich besser gleich dazuschreibe, dass es insgesamt nur wenig von ihr zu sehen gibt). Michael Fassbender darf als fieser Handlanger allen ein wenig die Show stehlen und in weiteren (wenn oft auch sehr kleinen) Rollen gibt’s dann noch Aidan Quinn, Michael Shannon, Wes Bentley und Jeffrey Dean Morgan zu sehen. Ja, die Darsteller können sich wirklich sehen lassen. Leider waren sie es damit dann auch, die positiven Eigenschaften.

Der Rest ist gefühlt irgendwo zwischen einer Enttäuschung und einer mittleren Katastrophe angesiedelt. Die Figuren sind flacher als ein Bierdeckel, verfügen über so gut wie keine Hintergrundgeschichte und bleiben daher komplett uninteressant. Die Action ist zwar solide inszeniert, beinhaltet jedoch nicht eine einzige Szene, die länger als 30 Sekunden in Erinnerung bleibt. Und die Effekte bewegen sich irgendwo zwischen „ach ja, ganz nett“ und „och nö, sieht das künstlich aus“. Am schlimmsten wiegt jedoch, dass die Geschichte absolut hanebüchen ist und über keinen stimmigen Erzählrhythmus verfügt. Die Handlung springt unkoordiniert von A nach B und zurück, ergibt zu keiner Zeit wirklich Sinn, wirkt nie wie ein großes Ganzes und hinterlässt den Eindruck, als hätten die Beteiligten mitten im Dreh vergessen, worum es in dem Film eigentlich geht. Was bleibt, ist nicht viel mehr als ein zusammengestückeltes Flickwerk, dessen wahres Potenzial sich nur noch mit ganz viel Phantasie erahnen lässt …

Mein Fazit

Gute Darsteller und ein Film, der nicht mehr als die untere Mittelmäßigkeit zu bieten hat und dessen roter Faden während der Dreharbeiten offenbar nach wenigen Minuten verloren ging und nie wieder gefunden wurde.

Meine Wertung: 3/10

Fediverse

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