Superman Returns

19 Jahre nach seinem letzten Kinoauftritt lässt Bryan Singer, selbst bekennender Superman-Fan, den amerikanischsten aller Superhelden wieder durch die Kinosäle fliegen. Im Gegensatz zu Nolans „Batman Begins“ setzt Singer dabei jedoch nicht auf eine Neuinterpretation des Comics, sondern liefert mit „Superman Returns“ eine direkte Fortsetzung zu „Superman II“ – und um die wichtigste Frage gleich zu Beginn zu beantworten: Für Fans der ersten beiden Superman-Filme konnte es keine bessere Entscheidung geben!

Inhalt

Clark Kent/Superman (Brandon Routh) kehrt nach fünf Jahren der Ahnenforschung zur Erde zurück und muss feststellen, dass sich sein Umfeld während seiner Abwesenheit verändert hat: Lois Lane (Kate Bosworth) ist inzwischen Mutter eines fünfjährigen Sohnes und mit Richard White (James Marsden), dem Neffen des Chefredakteurs Perry White (Frank Langella), verlobt. Zusätzlich soll ihr der Pulitzer-Preis verliehen werden – für ihre Story „Warum die Welt Superman nicht braucht“. Während Clark versucht, sich an die neuen Umstände zu gewöhnen, brütet sein Erzfeind Lex Luthor (Kevin Spacey) einen Plan aus, der ihm reichlich Land und Geld bescheren soll. Da zur Durchführung dieses Plans Milliarden Unschuldiger sterben müssten, soll sich schon bald herausstellen, dass die Welt Superman durchaus benötigt…

Kritik

Ebenso wie Bryan Singer bin auch ich ein Fan der ersten beiden Superman-Filme – und als solcher ist „Superman Returns“ für mich eine kleine Offenbarung: Singer hat es geschafft, Superman zu einem modernen Auftritt zu verhelfen, ohne die Stimmung der Vorgänger aus den Augen zu verlieren. Der Film beginnt mit dem aus den Vorgängern bekannten Vorspann (inkl. der Originalmusik von John Williams) und endet mit dem Superman-typischen Flug um die Erde (inkl. dem Lächeln in die Kamera)- und dazwischen erzählt Singer auf wunderbar altmodische Art eine mit modernsten Mitteln inszenierte Geschichte um Liebe, Freundschaft und Pflichtbewusstsein.

Wer ein für die heutige Zeit typisches Actionfeuerwerk erwartet, wird den Kinosaal wohlmöglich enttäuscht verlassen: Auch wenn es einige wirklich fantastische und auf technisch höchstem Niveau befindliche Actionszenen, unter anderem einen grandios gefilmten Flugzeugabsturz, zu bewundern gibt, legt Singer den Schwerpunkt eindeutig auf den Charakter Clark/Superman und dessen Beziehung zu Lois. Langeweile kommt dennoch zu keinem Zeitpunkt auf, da Singer der Spagat zwischen ruhigen und actionreichen Szenen hervorragend gelungen ist und sich zudem ein dezenter Humor durch den gesamten Film zieht, welcher zum häufigen Schmunzeln einlädt.

Auch zu der Wahl der Schauspieler kann man Singer nur gratulieren: Brandon Routh weist nicht nur eine enorme Ähnlichkeit zu dem jungen Christopher Reeve auf, sondern überzeugt auch darstellertechnisch auf voller Linie, während Kate Bosworth auf den ersten Blick zwar etwas zu jung für ihre Rolle wirkt, sie aber dennoch mit Leben zu füllen weiß. Heimlicher Star des Films ist jedoch eindeutig Kevin Spacey: Zu jeder Sekunde merkt man ihm den Spaß an, den er bei der Darstellung des Lex Luthor hatte. Gene Hackman, Luthor-Darsteller der Vorgänger, dürfte stolz auf ihn sein…

Kritikpunkte sucht man bei „Superman Returns“ vergeblich – bis auf eine Kleinigkeit: Da der Film fünf Jahre nach den Geschehnissen des zweiten Teils ansetzt, müsste er sich zeitlich um und bei Mitte der Achtziger bewegen, spielt jedoch stattdessen in der heutigen Zeit. Aber wer achtet bei 150 Minuten toller Kinounterhaltung schon auf solche Details? 😉

Fazit

Bryan Singer hat es wieder einmal geschafft: Wie bereits bei „X-Men“ verließ ich auch diesen Film mit nur einem einzigen Gedanken: Mehr! Wem die alten Superman-Filme gefallen, darf sich „Superman Returns“ auf keinen Fall entgehen lassen – alle anderen sollten sich darüber im Klaren sein, dass der Film zwar eine moderne Optik aufweist, ansonsten jedoch eher altmodisch inszeniert ist. Wer sich daran nicht stört, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren…

Wertung 9/10

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Zum Ausziehen verführt

Bevor ich mit meiner Review zu „Zum Ausziehen verführt“ beginne, möchte ich zwei Warnungen aussprechen:

1. Dieser Text enthält Spoiler! Wer sich also die unglaubliche Spannung dieses Meisterwerkes erhalten möchte, sollte sofort zum Fazit springen.

2. Der Film ist mies! Und mit „mies“ meine ich: Mies! Also schaut ihn euch am Besten gar nicht erst an (es reicht, dass ich meine Lebenszeit damit verschwendet habe).

Inhalt & Kritik zugleich:

Tripp (Matthew McConaughey) ist Mitte 30 und wohnt immer noch bei seinen Eltern (Kathy Bates, Terry Bradshaw). Da es viel zu einfach wäre, einfach mit dem Sohnemann zu reden, engagieren diese die attraktive hüstel Paula (Sarah Jessica Parker), welche Tripp dazu bringen soll, sich in ihn zu verlieben, um somit seinen Auszug zu erwirken – wozu auch ihn einfach rauswerfen, wenn man vorher doch noch anständig mit seinen Gefühlen spielen kann?!

Wer jetzt denkt „Lass mich raten: Das entwickelt sich doch bestimmt zu so einer typisch-einfallslosen 08/15-Liebeskomödie, in der sich das Mädel im Laufe ihres Jobs in den Jungen verliebt, dieser die Wahrheit herausfindet und dann beleidigte Leberwurst spielt, oder?“, dem kann ich nur voller Entsetzen erwidern: Ja, aber es ist noch viel schlimmer!

Natürlich steuert der Film unausweichlich auf das zuckersüße Happy End zu, doch bis es zu dem erlösenden Finale kommt, muss man noch die 90 Minuten dazwischen überstehen. Da ich die belanglosen Abschnitte des Films bereits mehr oder weniger erfolgreich verdrängt habe, beschränke ich mich auf die „Highlights“: So darf man sich z.B. über eine hirn- und humorlose, und zudem dreist bei „Verrückt nach Mary“ geklaute, Reanimation eines Vogels amüsieren. Besonders lustig soll wohl auch die Idee sein, dass Tripp, der aufgrund eines Schicksalsschlages mit sich selbst im Unreinen ist, von den friedlichsten Tieren (z.B. einem Streifenhörnchen, einem Delphin sowie einer kichernden!!! Eidechse) angefallen wird, da die Natur es natürlich nicht gutheißen kann, dass jemand an sich und seinem Leben zweifelt – dass „lustig“ und „dämlich“ zwei verschiedene Eigenschaften sind, hätte man den Drehbuchautoren aber auch wirklich mal sagen können!

Von solch schwachsinnigen Einfällen abgesehen, folgt der Film dem typischen Schema: Tripp und Paula verlieben sich, Tripp findet die Wahrheit heraus, Tripp und Paula streiten sich, Tripp und Paula versöhnen sich, Ende – und wenn Tripp dann an eben diesem Ende erneut auf einen Delphin trifft, dieser ihn nun aber aufgrund seines Einklangs mit sich selbst verspielt anschmust, kann man gar nicht so viel essen, wie man brechen möchte…

Immerhin kann man dem Film nicht vorwerfen, dass die Chemie zwischen Sarah Jessica (Schatten)Parker und Matthew McConaughey nicht stimmen würde: Das würde nämlich voraussetzen, dass es eine Chemie zwischen den beiden geben würde – und die gibt es nicht! McConaughey spielt gewohnt souverän und darf, sehr zur Freude des weiblichen Publikums, seinen durchtrainierten Körper das eine oder andere Mal in die Kamera halten. S.J. Parker hingegen hat offensichtlich noch nicht begriffen, dass „Sex and the City“ abgesetzt wurde und sie somit keine Daseinsberechtigung mehr hat…

Fazit

Einfallslose Liebeskomödie ohne Witz und Charme, dafür aber mit reichlich dämlich-albernen Ideen, die dem Film alles andere als gut tun. Mein Tip: Lieber zum wiederholten Male „Wie werde ich ihn los in 10 Tagen“ oder „Hitch – Der Date Doktor“ schauen!

Wertung: 2/10

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Trennung mit Hindernissen

Ebenso wie es inkonsequente Menschen gibt, die nicht wissen, was sie wollen, gibt es auch inkonsequente Filme, deren Unentschlossenheit einem praktisch ins Gesicht springt – und wir alle wissen, wie sich Inkonsequenz und Unentschlossenheit auf das Gesamtbild auswirken, egal ob bei Mensch oder Film…

Inhalt

Nach zwei Jahren Beziehung stehen Brooke (Jennifer Aniston) und Gary (Vince Vaughn) vor dem Aus: Während Brooke sich von Gary vernachlässigt und nicht ernst genommen fühlt, hat Gary das Gefühl, Brookes Ansprüchen nicht gerecht und von ihr ständig kritisiert zu werden. Da beide in ihre gemeinsame Wohnung investiert haben und keiner von beiden bereit ist auszuziehen, teilen Brooke und Gary die Wohnung auf, was situationsbedingt zahlreiche Komplikationen nach sich zieht – zumal keiner von beiden die Trennung wirklich möchte…

Kritik

Wie lustig und makaber man einen Film über ein sich trennendes Paar inszenieren kann, vermochte Danny DeVito 1989 in „Der Rosenkrieg“ eindrucksvoll zu beweisen. Wer nun hofft, eine moderne Variante dieser schwarzen Komödie zu sehen, dürfte maßlos enttäuscht werden: Unentschlossen wechselt „Trennung mit Hindernissen“ zwischen Komödie und Beziehungsdrama hin und her, ohne in einem der beiden Bereiche überzeugen zu können.

Zwar gibt es durchaus Gelegenheiten zum Lachen, köstlich ist z.B. die aus dem Trailer bereits bekannte Szene, in der Brooke versucht, Gary mit einem attraktiven Mann eifersüchtig zu machen, dieser sich aber mehr für Gary und Videospiele als für sein Date mit Brooke interessiert, doch kommen solche Szenen leider viel zu selten vor, als dass sie den Film tragen könnten.

Ebenso verhält es sich mit den ruhigen Szenen: Wer bereits eine Trennung hinter sich hat, weiß, dass man sich oft wünscht, Dinge in einer Beziehung gesagt oder getan zu haben, von denen man weiß, dass man sie hätte sagen oder tun sollen. Im Film die Fehler zu zeigen, die wir selbst tagtäglich erneut machen, mag zwar realistisch sein, ist aber aufgrund eben dieser Alltäglichkeit nicht mitreißend genug, um dem Film die nötige Tragik zu geben.

Auf Darstellerseite gibt es hingegen nicht viel auszusetzen: Jennifer Aniston und Vince Vaughn spielen zwar nicht so, als würden sie es auf den Oscar abgesehen haben, erfüllen die Figuren aber mit genug Leben, um wenigstens kurzzeitig mitzubangen, ob sie sich nun versöhnen oder nicht. Als Nebenfigur begeistert vorallem Jon Favreau als Garys schräger und leicht psychopathisch wirkender Freund Johnny O, während Justin Long in seiner Rolle als homosexueller Christopher einfach nur jedes noch so dumme Klischee abarbeitet und förmlich danach schreit, mit einer Rakete im Hintern, dieses Vergnügen gönnen wir ihm, auf den Mond geschossen zu werden.

Fazit

Weder Fisch noch Fleisch, überzeugt „Trennung mit Hindernissen“ weder als Komödie noch als Beziehungsdrama und rettet sich lediglich durch eine Handvoll gelungener Szenen, die allerdings auch nicht verhindern können, dass der Film spätestens beim nächsten eigenen Streit vergessen ist…

Wertung: 4/10

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Action Jackson

Ach, was waren die Achtziger doch für herrliche Zeiten: Während ein Actionheld sich heutzutage mit Problemen wie Gefühlen, Gewissensbissen und der grammatikalisch korrekten Nutzung der Landessprache herumärgern muss, hatten es die Helden der Achtziger doch um einiges einfacher: Neben einem von der Haarspitze bis zu den Fußnägeln durchtrainierten Körper (in diesem Fall der von Carl „ich durfte mal Silvester Stallone ordentlich auf die Omme hauen“ Weathers) benötigten sie lediglich ein paar coole Sprüche, um dem Bösewicht das Fürchten zu lehren und das Publikum in Verzückung zu versetzen. Und hiermit herzlich willkommen in der Welt von „Action Jackson“, einer Welt, in der Drogensüchtige (nervig, aber attraktiv: Vanity) innerhalb weniger Tage clean werden, Ehefrauen (nervig, aber attraktiv: Sharon Stone) noch ohne Konsequenzen ermordet und sich halbtot geprügelte Muskelmänner mittels lässiger Oneliner in Sekunden aufpeppeln konnten, um dem Zuschauer zu beweisen, dass ein gestählter Körper ein gutes Drehbuch (suspendierter Cop legt sich mit einem kriminellen Industriellen an – Respekt!) durchaus zu ersetzen weiß. Doch so doof der Film auch ist, so unterhaltsam ist er auch, zumal er sich niemals ernst nimmt und somit vielen Actionfilmen einiges voraus hat…

Wertung: 7/10

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Das Ende – Assault On Precinct 13 (2005)

So unfair kann das Leben sein: Da traut sich endlich mal wieder ein Regisseur, einen reinrassigen und harten Actionfilm zu drehen und was passiert? Richtig: Es kommt zu keiner Kinoauswertung! Dabei hat Jean-François Richets Remake des John Carpenter-Klassikers alles, was ein guter Actionfilm benötigt: Eine zwar alte, aber dennoch interessante Ausgangssituation (kleiner Haufen wild zusammengewürfelter Personen muss sich in einem abgeriegelten Gebäude gegen einen waffen- und zahlenmäßig überlegenen Gegner behaupten), gute Darsteller (u.a. Ethan Hawke, Laurence Fishburne, Gabriel Burne) sowie kompromisslose und hervorragend inszenierte Action – wieso der Film es nicht in die Kinos geschafft hat, ist mir ein echtes Rätsel!

Freunde des altmodischen Actionfilms sollten sich diese Perle nicht entgehen lassen – es lohnt sich!

Wertung: 8/10

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Hügel der blutigen Augen (1977)

Nachdem mich Alexandre Ajas Interpretation des Stoffes Anfang des Jahres restlos begeisterte, war es nur eine Frage der Zeit, bis Wes Cravens Original in meinem DVD-Player landen sollte – doch was um Himmels Willen ist das? Okay, für seine Synchronisation kann der Film nichts, aber selbst wenn ich gnädig darüber hinweg sehe, dass in der deutschen Fassung aus radioaktiv verseuchten Rednecks mal eben Außerirdische!!! gemacht wurden, die Jagd auf eine in der Wüste festsitzende Familie (das kommt halt davon, wenn man einem Kaninchen ausweicht, anstatt es einfach zu überfahren) machen, bleibt der Film aufgrund gähnender Langeweile eine einzige Enttäuschung. Dass der Film es schafft, alle Faktoren eines guten Films (Komik in Form lustiger Frisuren, Horror in Form grauenhafter Schnurrbärte & Sex in Form gewagter Hot Pants – bei Männern) zu vereinen, rettet ihn leider auch nicht…

Wertung: 2/10

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Wer früher stirbt ist länger tot

Kinder, wie die Zeit vergeht: Schon wieder ist ein Monat um und das Kieler CinemaxX lud erneut zur Sneak-Preview. Sorgte der letzte Sneak-Film aufgrund des unbekannten Films noch für ein verwirrtes Publikum, regierte diesmal eine Mischung aus Verwirrung, Hilflosigkeit und purem Spaß den Kinosaal. Gezeigt wurde „Wer früher stirbt ist länger tot“, eine bayerische Mischung aus Komödie und Drama, selbstredend im bayerischen Dialekt, was bei uns Fischköppen nicht gerade zum Verständnis beitrug. Doch wollte ich nach den ersten 10 Minuten, schon alleine seiner Herkunft wegen – schließlich hat Bayern den Stoiber hervorgebracht, noch einen zünftigen 2er-Verriss zum Besten geben, zog mich der Film mit zunehmender Laufzeit tiefer und tiefer in seinen Bann, bis ich den Kinosaal letztlich mit einem breiten Grinsen und vollends zufrieden verließ.

Worum geht’s: Der 11-jährige Sebastian gibt sich die Schuld für den Tod seiner bei der Geburt verstorbenen Mutter. Um nicht als Mörder im Fegefeuer zu landen, sucht er nun nach einer Möglichkeit die Unsterblichkeit zu erlangen, wodurch er und seine Mitmenschen von einem Unheil ins nächste (oder vielleicht doch ins Glück?) geführt werden…

Mehr zu verraten wäre ein Verbrechen, lebt der Film doch besonders von seinen skurrilen Einfällen und den aberwitzigen Situationen. Wer sich an trockenem und makaberem Humor erfreuen kann und wissen möchte, wie die Reanimation eines Kaninchens, bei Vollmond erwachende Moorleichen, ein Fegefeuertribunal und Telefonanrufe aus dem Jenseits in diese Geschichte passen, kommt um einen Kinobesuch nicht herum. Der Einfallsreichtum der Macher scheint sich von Minute zu Minute zu steigern, wodurch dem Film das Kunststück gelingt, sein Publikum mit zunehmender Laufzeit besser und besser zu unterhalten, um zum Ende hin, jedoch ohne seiner Linie untreu zu werden, noch einen erwachsenen Unterton zu finden.

Die Schauspieler sind zumindest mir bislang völlig unbekannt gewesen, machen ihre Sache aber sehr gut, allen voran Markus Krojer als Sebastian, dem man die Rolle des von Alpträumen und Vorwürfen geplagten Kindes ohne Zweifel abnimmt. Ebenso passend wie gut: Fritz Karl als Sebastians überforderter Vater, Jule Ronstedt als Sebastians attraktive Lehrerin Veronika und Jürgen Tonkel als Radiomoderator Alfred.

Fazit: Wer sich von dem bayerischen Dialekt nicht abschrecken lässt, bekommt mit „Wer früher stirbt ist länger tot“ eine herrlich skurrile Komödie geliefert, deren Einfallsreichtum weit über dem typischer deutscher Komödien anzusiedeln ist.

Wertung: 8/10

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Hui Buh

Manche Leute sagen, es gibt Gespenster.
Manche sagen, es gibt keine Gespenster.
Ich aber sage, Hui Buh ist…eine Computeranimation, die so seelenlos daherkommt, dass sich jedes echte Gespenst beleidigt abwenden dürfte.

Worum geht’s: Am Freitag den 13. im Jahr 1399 wird Ritter Balduin (Michael „Bully“ Herbig) von einem Blitz getroffen und aufgrund seiner unehrlichen Lebensart dazu verdammt, fortan als Schlossgespenst Hui Buh im Schloss Burgeck sein Unwesen zu treiben. 500 Jahre später bezieht König Julius der 111. (Christoph Maria Herbst) das Schloss, um dort Gräfin Leonora zu Etepetete (Heike Makatsch) zu heiraten. Der Versuch Hui Buhs, den neuen Burgherrn zu vertreiben, endet darin, dass Julius Hui Buhs Spuklizenz vernichtet, woraufhin dieser binnen zwei Tagen die Geisterprüfung wiederholen muss, um nicht in der gefürchteten Seelensuppe zu enden. Da Julius‘ Reichtümer im Laufe der Jahre für die Instandhaltung Burgecks aufgebraucht wurden und Hui Buh der einzige ist, der das Versteck des geheimen königlichen Schatzes kennt, muss Julius dem so gar nicht gruseligen Geist unter die Arme greifen – und bekommt unerwartete Hilfe von Leonoras hübscher Zofe Konstanzia (Ellenie Salvo González)…

Klären wir zunächst das Wichtigste: Mit den Hörspielkassetten hat dieser Kinofilm ungefähr so viel gemeinsam wie Steven Seagal mit einem Charakterdarsteller – doch leider überzeugt der Film auch nicht als eigenständiges Werk: Von einer Handvoll recht gelungener Szenen, meistens in Verbindung mit Christoph Maria Herbst, einmal abgesehen, bietet der Film nur typisch deutschen und vorhersehbaren Slapstick, über den man vielleicht 1899 noch lachen konnte, der aber in der heutigen Zeit selbst für einen Kinderfilm schlicht und einfach überholt wirkt. Hinzu kommt, dass das Gespenst Hui Buh zwar recht ansehnlich animiert ist, aber dennoch niemals die Grimassen eines realen Bully ersetzen kann, was einem als Zuschauer durch Bullys Auftritt zu Beginn des Filmes schmerzlich vor Augen geführt wird. Wieso Bully das Gespenst nicht den gesamten Film über verkörpert hat, alle anderen Geister werden auch mittels Maske dargestellt, sondern stattdessen auf klinisch wirkende CGI-Effekte gesetzt wurde, ist mir ein echtes Rätsel und lässt sich wohl nur mit mangelnder Zeit oder einer zu hohen Gagenforderung begründen.

Christoph Maria Herbst hingegen stellt für den Film einen echten Gewinn dar: Seine Mimik und Gestik sind wie wie gewohnt erstklassig und dürfen somit getrost als die humoristischen Höhepunkte des Filmes bezeichnet werden. Heike Makatsch bleibt in ihrer Rolle als intrigante Gräfin erschreckend blass, während der den Schlossverwalter spielende Hans Clarin (welcher im Hörspiel Hui Buh spricht und nach Abschluss der Dreharbeiten verstarb) eine souveräne Vorstellung abgibt. Ebenso souverän spielt auch Ellenie Salvo González, welche eindeutig als optisches Highlight des Films bezeichnet werden darf und ledigen Männern durchaus einen Grund liefert, sich Hui Buh, natürlich unter einem anderen Vorwand, im Kino anzuschauen.

Fazit: Belanglose Kinderunterhaltung, die ihr Potential zu keiner Minute entfaltet und sich zu sehr auf das Zugpferd „Bully“ verlässt.

Wertung: 4/10

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The Fast And The Furious: Tokyo Drift

Nach „The Fast And The Furious“ und „2 Fast 2 Furious“ folgt nun mit „The Fast And The Furious: Tokyo Drift“ der dritte Teil der besonders beim jüngeren Publikum recht beliebten Raser- und Tuningreihe – und im Gegensatz zum Großteil der Weltbevölkerung gefällt mir jeder neue Teil ein bischen besser.

Worum geht’s: Der 17-Jährige Sean gerät an seiner Schule mit einem Football-Spieler aneinander, was in einem desaströsen Rennen endet. Um Sean vor dem Jugendgefängnis zu bewahren, wird er nach Tokyo zu seinem Vater geschickt. Entgegen der Vorgabe seines Vaters nie wieder in ein Auto zu steigen, landet Sean sofort in der dortigen Drift-Szene, verliebt sich ausgerechnet in die Freundin des Yakuza-Jünglings „DK“ und hat bald weitaus größere Probleme als das Jugendgefängnis…

Auch wenn die Story alles andere als originell oder komplex ausfällt, erfüllt sie dennoch ihren Zweck, denn dieser besteht ausschließlich darin, die Zeit zwischen den grandiosen Rennszenen zu überbrücken – und diese haben es wahrlich in sich: Ist das Eröffnungsrennen in den Staaten (quer durch eine sich im Bau befindliche Wohnanlage – toll choreographiert) noch ein typisches Wer-fährt-am-schnellsten-Rennen, geht es bei den Drift-Rennen in Tokyo darum, wer sein Fahrzeug unbeschadet (wer schon einmal „Need For Speed Underground“ gespielt hat, weiß, wie viel Zeit man durch auch nur kleine Kollisionen beim Driften verliert) durch die engen Parcours führen kann. Dementsprechend fallen auch die Rennen aus: Wenn in Zeitlupe zentimetergenau mit Höchstgeschwindigkeit an Wänden vorbei- oder durch eine Parkdeckauffahrt hindurchgedriftet wird, hat das einfach nur Stil und Klasse. Und wenn Sean mit seiner Herzdame (bzw. umgekehrt, da sie fährt) zu ruhigen Klängen im Konvoi eine vom Mondlicht ausgeleuchtete Bergstrasse hinabdriftet, kommt tatsächlich ein wenig Romantik auf.

Ebenso unterhaltsam wie die Rennen ist auch Seans Training: Da er zu Beginn vom Driften ungefähr so viel versteht wie George W. Bush von der Politik, muss er sich erstmal durch zahlreiche Übungsfahrten quälen, was mir sehr gut gefallen hat, da es doch ziemlich unglaubwürdig (so man denn bei solch einem Film überhaupt auf Realismus achten darf) gewirkt hätte, hätte er diesen Fahrstil binnen zwei Stunden erlernt.

Leider kann des Rest des Films die Qualität der Actionszenen nicht halten: Die Charaktere sind ebenso wie die Story alles andere als oscarreif und entspringen dem typischen Schema: Der rebellierende Außenseiter, der durch und durch fiese Möchtegernyakuza, dessen hübsche Freundin (natürlich früher auch eine Außenseiterin), der farbige neue Kumpel – von kleinen Ausnahmen (z.B. sieht Sean zu Beginn unbeteiligt zu wie ein anderer Außenseiter schikaniert wird) einmal abgesehen, bleiben alle Figuren seelenlose Abziehbilder ohne Ecken und Kanten. Und wenn Sean, um das große Finale einzuläuten, ohne Probleme zum Yakuza-Boss (DKs Onkel) geht und ihm vorschlägt, die Probleme doch einfach durch ein Rennen zu lösen, weiß man nicht, ob man weinen, lachen, oder am besten weinend lachen soll…

Das größte Problem des Films liegt jedoch in der Wahl der Darsteller: So lässig Lucas Black als Sean auch daherkommt, wer ist bitte auf die Idee gekommen, einen wie 30 aussehenden 23-Jährigen für die Rolle eines 17-Jährigen zu casten? Am besten stellt man sich während des gesamten Films einfach vor, dass alle Beteiligten fünf Jahre älter sind als im Film angegeben: Für den Film spielt das Alter eh keine Rolle und man muss sich nicht ständig fragen, woher die Teenager eigentlich ihre ganze Lebenserfahrung haben – bei mir hat dieser kleine Trick wundervoll funktioniert… 😉

Trotz dieser Kritikpunkte kann ich „Tokyo Drift“ jedem ans Herz legen, dem die Vorgänger gefallen haben und der die Fähigkeit besitzt, sein Gehirn an der Kinokasse abzugeben bzw. sich mittels legaler Drogen in einen Zustand zu versetzen, der es ihm ermöglicht, die Fahrszenen in voller Pracht mitzuerleben, während der Rest ausgeblendet wird.

Wertung: 7/10

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Pirates Of The Caribbean – Fluch der Karibik 2

Nachdem 2003 wohl niemand so recht an den Erfolg eines Piratenfilms geglaubt hatte, mussten sich alle Skeptiker von „Fluch der Karibik“ eines Besseren belehren lassen: Der Film wurde ein kommerzieller Erfolg und öffnete damit die Türen zu der Fortsetzung der als Trilogie angelegten Reihe.

Auch diesmal bekommt es Jack Sparrow (Johnny Depp) mit einem handfesten Fluch zu tun: Um Captain seiner geliebten Black Pearl zu werden, ging Jack vor Jahren einen Handel mit Davy Jones (Bill Nighy) ein, welcher nun seinen Preis einfordert: Jacks Seele. Um seinem Schicksal zu entgehen, begibt sich Jack mit seiner Crew auf die Suche nach einer Kiste, deren Inhalt der Legende nach die Rettung versprechen könnte.
Zeitgleich werden Elizabeth (Keira Knightley) und Will (Orlando Bloom) an dem Tag ihrer geplanten Trauung von Cutler Beckett (Tom Hollander) gefangen genommen. Um ihre Begnadigung zu erwirken, sollen die beiden ihm Jacks magischen Kompass beschaffen, welcher wiederrum im direkten Zusammenhang mit der von Jack gesuchten Kiste steht…

Die Zeichen stehen gut für Jacks zweites Abenteuer: Mit Johnny Depp, Orlando Bloom, Keira Knightley, Bill Nighy, Jonathan Pryce und Stellan Skarsgård hervorragend besetzt und unter der piratenerprobten Regie Gore Verbinskis geführt, verwies „Fluch der Karibik 2“ in den USA alle anderen Filme auf die hinteren Plätze und stellte neue Blockbuster-Rekorde auf – die Wahrscheinlichkeit, dass ihm dieses Kunststück auch in anderen Ländern gelingt, dürfte auch ohne magische Kristallkugel als sehr hoch eingeschätzt werden.

Die Fortsetzung verlässt sich auf die Tugenden seines Vorgängers und bietet eine gelungene Mischung aus skurrilen Charakteren, witzigen Dialogen, Slapstickeinlagen, tollen Actionszenen, schönen Effekten und einer interessanten Geschichte. Leider gelingt es Verbinski nicht, die Waage dieser Zutaten konstant zu halten: Während Anfang und Ende des Films schneller verfliegen als man „Aye Captain“ sagen kann, haben sich im Mittelteil leider einige Längen eingeschlichen, die dem Film einiges an Fahrt kosten. Statt auf eine Laufzeit von 2 ½ Stunden zu setzen, hätte man den einen oder anderen Handlungsstrang durchaus ein wenig kürzen und den Film dadurch straffen können.

Desweiteren nehmen die Slapstickeinlagen zuweilen etwas überhand: So lustig Johnny Depps Spiel als Jack auch anzusehen ist, irgendwann hat man sich daran satt gesehen, zumal seine Art in manchen Szenen zu aufgesetzt und dadurch unpassend wirkt.

Die Effekte hingegen sind einmal mehr vom Feinsten und machen deutlich, wie weit fortgeschritten die CGI-Entwicklung inzwischen ist: Das Gesicht von Davy Jones ist ebenso wie sein Kraken hervorragend animiert, lediglich seine Crew lässt zuweilen ein paar kleine Schwächen erkennen, welche aber wirklich nur bei genauerem Hinschauen auffallen.

Fazit: Wer an dem ersten Teil der Piratenmär Gefallen findet, wird sich auch im zweiten Teil sofort wohl fühlen. Sieht man von einigen Längen im Mittelteil sowie von den teils ausufernden Slapstickeinlagen ab, bekommt man einen durch und durch unterhaltsamen Sommer-Blockbuster geboten, der Lust auf den dritten Teil macht. Ob man sich an der Tatsache stört, dass „Fluch der Karibik 2“ kein abgeschlossener Film ist, sondern stattdessen ähnlich wie „Matrix: Reloaded“ mit einem Cliffhanger endet und man nun ein Jahr lang auf das Ende der Geschichte warten muss, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Wertung: 7/10

P.S.: Wie bereits in „Fluch der Karibik“ wartet auch im zweiten Teil ein besonderes Schmankerl auf all diejenigen, die sich den Abspann bis zum Ende anschauen…

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Sven Kietzke
Sven Kietzke
@svenkietzke@www.svenkietzke.de

Chroniken eines fotografierenden Filmnerds

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