Shrek der Dritte

Vor lauter Enttäuschung (oder sollte ich sagen Wut?) fehlen mir glatt die Worte für eine gelungene Einleitung. Also geht’s direkt an die eigentliche Review, dann hab ich’s wenigstens hinter mir…

Worum geht’s

Der König von Weit Weit Weg liegt im Sterben. Die Krone übernehmen soll Shrek, der sich jedoch so gar nicht als zukünftigen König sieht. Deshalb begibt er sich mit Esel und dem gestiefelten Kater auf die Suche nach dem in Vergessenheit geratenen Artie, einem Jüngling, der königliches Blut in sich trägt. Doch kaum ist Shrek abgereist, übernimmt Prinz Charming mit einer Horde Märchenschurken das Königreich, sieht er doch endlich seine Chance gekommen, selbst König zu werden. Kann Shrek Artie finden und Weit Weit Weg retten?

Meine Meinung

Wie der geneigte Leser meinen ersten beiden Sätzen vielleicht bereits entnommen hat: Ich bin sauer! Stand „Shrek“ noch für zynischen und sarkastischen Humor, ist der Oger im dritten Teil endgültig zu einer reinen Kinderattraktion mit harmlosem Humor und politisch korrekten Aussagen verkommen. Endlich trifft der Spruch „Früher war alles besser“ mal ins Schwarze: Früher wurde sich mit Märchenbüchern der Hintern abgewischt, Bären-Mamas landeten als Bettvorleger auf dem Boden und verwaiste Vogeleier als Spiegeleier in der Bratpfanne. Heute gibt es stattdessen harmlose Slapstick-Einlagen, einen Rollentausch zwischen Esel und Kater sowie Ansprachen, die an das Gute im Menschen bzw. in der Märchenfigur appellieren – spätestens an dieser Stelle hätte der alte Shrek sich vermutlich selbst von seinem Leiden erlöst.

Technisch wurde der Film perfekt umgesetzt: Die Animationen sehen wie immer klasse aus, die Musikauswahl wurde einmal mehr hervorragend getroffen und die (deutschen) Synchronsprecher gehen mit hörbarer Freude ans Werk.

Mein Fazit

„Shrek der Dritte“ hat abgesehen von der Optik nichts mehr mit dem Erstling gemeinsam und reiht sich nahtlos in die inzwischen viel zu lange Reihe belangloser Animationsfilme ein. Für Kinder mag der Film ganz unterhaltsam sein, doch für Fans des grünen Ogers ist dieser Film ein äußerst schmerzhafter Schlag ins Gesicht.

Wertung 4/10

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Stirb Langsam 4.0

Bei dem Namen John McClane dürften jedem Action-Fan die Augen leuchten, begründete er doch 1988 die Geburt einer neuen Art von Helden. Dominierten bis zu seinem ersten Einsatz noch unkaputtbare Muskelberge wie Schwarzenegger und Stallone das Genre, konnte sich Bruce Willis als Held wider Willen, der jederzeit einen zynischen Spruch parat hatte, wohltuend von der Masse absetzen. Dem Überraschungserfolg folgten 1990 und 1995 zwei äußerst erfolgreiche (von nun an folgt kein „folg“ mehr, versprochen) Fortsetzungen, dann wurde es ruhig um McClane – bis heute.

Worum geht’s

Mal wieder bzw. noch immer hat John McClane Stress mit den Frauen: Diesmal ist es seine Tochter Lucy (Mary Elizabeth Winstead), die auf ihren Vater sauer ist, weil er ihren Nicht-Freund während einer Knutscherei unsanft aus dem Auto gezogen hat. Noch bevor McClane die Wogen glätten kann, erreicht ihn ein Funkspruch seines Vorgesetzten, mit der Bitte, für das FBI den Hacker Matt Farrell (Justin Long) aus seiner Wohnung in die Zentrale zu chauffieren. Was niemand ahnt: Farrell half unwissentlich dem Cyber-Terroristen Thomas Gabriel (Timothy Olyphant) bei dessen just gestartetem Angriff auf die digitale Infrastruktur des Landes und steht nun auf der Abschussliste der Terroristen – und schon bald ist McClane wieder zur falschen Zeit am falschen Ort…

Meine Meinung

Es gab viele Bedenken zum vierten Teil der Stirb-Langsam-Serie: Len Wiseman („Underworld“) wurde als Regisseur für nicht würdig erachtet und die Tatsache, dass der Film auf ein PG-13 (sprich weniger Gewalt und Schimpfworte) ausgelegt wurde, trieb vielen Menschen Falten auf die Stirn. Um es mit McClanes Worten zu sagen: Alles Bullshit, ihr Sesselfurzer!

Natürlich hat die Serie sich weiterentwickelt, doch bereits die erste Konfrontation zwischen McClane und dem Killerkommando zeigt genau das, was man von einem Film der Stirb-Langsam-Reihe erwartet: Wilde Schießereien, harte Stunts und coole Oneliner. Wiseman hat die Action zum Glück herrlich altmodisch inszeniert, lediglich eine Kampfjet-Szene macht deutlich, dass wir uns im Jahre 2007 befinden und dürfte dem Einen oder Anderen schwer im Magen liegen. Von dieser einen Szene (ich persönlich hätte sie mir wesentlich schlimmer vorgestellt) abgesehen, gibt es in dem Film alles, was das Old-School-Action-Herz begehrt: Schießereien, Prügeleien, Verfolgungsjagden – und alles ohne große CGI-Effekte.

In all dieser Action läuft Bruce Willis einmal mehr zur Höchstform auf: Trotz seines Alters nimmt man ihm den Action-Helden zu jeder Minute ab, niemals lässt er Zweifel daran aufkommen, der Rolle nicht mehr gewachsen zu sein. Zu seiner körperlichen Präsenz gesellen sich die für McClane typischen Sprüche sowie eine Mimik, die schon fast alleine den Kinobesuch rechtfertigt.

Justin Long als Computerfreak ist entgegen aller Befürchtungen kein nervender Sidekick, sondern die Schnittstelle zwischen dem altmodischen McClane und der heutigen Zeit sowie die Quelle einiger äußerst gelungener Gags (Stichwort „Action-Figur“ oder „Airbag“).

Timothy Olyphant kann erwartungsgemäß nicht mit Alan Rickman oder Jeremy Irons (mein persönlicher Lieblingsschurke) mithalten, passt aber perfekt zu seiner Rolle als kriminelles Computergenie.

Wo viel Licht ist, da ist meistens auch irgendwo (zumindest ein wenig) Schatten. Neben der oben bereits angesprochenen Jet-Szene ist dies in diesem Fall der nicht besonders stark ausgeprägte Spannungsbogen. Der Film wird dank zahlreicher Actionszenen zwar niemals langweilig, aber wirklich spannend geraten ist er auch nicht. Vielleicht liegt das auch einfach nur daran, dass man im Endeffekt ja eh weiß, wie der Film endet…oder doch nicht?

Mein Fazit

Ich fasse es so kurz wie möglich zusammen: Len Wiseman hat es geschafft! Und damit meine ich nicht, mich als Stirb-Langsam-Fan zu verprellen, sondern die Serie in die heutige Zeit gerettet zu haben, ohne sie zu verraten. Es gibt Action wie in der Achtzigern, Sprüche wie in den Neunzigern und einen Helden, der definitiv noch nicht zu alt für den Scheiß ist! Für Action-Fans im Allgemeinen und Stirb-Langsam-Fans im Speziellen ein absolutes Muss!

Wertung 8/10

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Ocean’s 13

2007 ist das Jahr der dritten Teile: Der Spinnen-Mann darf wieder spinnen, der Fluch der Karibik wieder fluchen, Shrek wieder ershreken und Danny Ocean darf wieder…nun, Danny Ocean sein, denn mal ehrlich: Um mehr geht es in der Ocean-Reihe nach dem gelungenen „Ocean’s 11“ eigentlich nicht.

Worum geht’s

Reuben (Elliott Gould) liegt im Koma: Von dem skrupellosen Willie Bank (Al Pacino) hereingelegt und um die Partnerschaft eines neuen Casinos gebracht, bricht Danny Oceans (George Clooney) naiver Freund noch auf der Baustelle zusammen. Doch eines hat Banks unterschätzt: Wer sich mit einem von Dannys Freunden anlegt, der bekommt es mit allen zu tun. Und so machen sich Danny und seine Mitstreiter (u.a. Brad Pitt, Matt Damon und Don Cheadle) daran, eine Möglichkeit auszuarbeiten, um die große Eröffnung des neuen Casinos für Bank unvergesslich werden zu lassen. Doch dazu benötigen sie die Hilfe ihres alten Erzfeindes Terry Benedict (Andy Garcia)…

Meine Meinung

Ich sage es ganz offen: Meiner Meinung nach geht Danny Ocean so langsam die Puste aus (ist ja auch nicht mehr der Jüngste). Begeisterte der erste Teil noch durch einen genialen Coup samt zahlreicher Finten, galt bereits im zweiten Teil das Hauptaugenmerk den attraktiven Hauptdarstellern (sehr zur Freude des weiblichen Publikums). Im dritten Teil sollte alles wieder besser werden und der Coup wieder im Vordergrund stehen. Dies tut (eigentlich tut man ja nicht tun tun, ich weiß) er zwar auch, aber leider ist der Plan, es Bank heimzuzahlen, weder spektakulär noch spannend, so dass ich bereits nach 45 Minuten mit müden Augen auf die Uhr blickte (in der Nachmittagsvorstellung wohlgemerkt). Zwar gilt es wieder, einige Hindernisse zu überwinden, doch sind die entsprechenden Lösungen viel zu einfach, als dass sie die Crew vor große Herausforderungen stellen und die Zuschauer mitfiebern lassen würden.

Dass der Film dennoch einigermaßen unterhaltsam bleibt, verdankt er abermals den Darstellern: Das eingespielte Team rund um George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon hatte beim Dreh sichtlich Spaß, was sich durchaus positiv auf den Zuschauer überträgt. Wie bereits im zweiten Teil gibt es wieder zahlreiche Anspielungen aus der Realität, die allerdings nicht jedem sofort als solche auffallen dürften. Ich für meinen Teil konnte mir das eine oder andere Schmunzeln jedenfalls nicht verkneifen.

Etwas aufgesetzt hingegen wirkt der Nebenplot in Mexiko rund um eine Plastikfabrik: Dass die Arbeitsbedingungen dort nicht zu den besten der Welt zählen, sollte jedem klar sein, dessen IQ über der Zimmertemperatur liegt. Wieso Steven Soderbergh uns dies mit der Holzhammermethode klarzumachen versucht, wird wohl auf ewig sein Geheimnis bleiben.

Mein Fazit

„Ocean’s 13“ ist eine nur bedingt unterhaltsame Gauner-Komödie, die ohne ihre gut aufgelegten Stars vermutlich direkt auf DVD erscheinen würde. Zwar hat der Film durchaus seine Momente, doch reichen diese nicht aus, um über die volle Laufzeit zu unterhalten. Um es mit den Worten meines besten Freundes zu sagen: Kann man mal gucken.

Wertung: 6/10

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Hostel: Teil 2

Ja okay, ich geb’s zu: Obwohl geschnitten, habe ich mir „Hostel: Teil 2“ im Kino angeschaut. Nennt mich inkonsequent. Nennt mich einen Verräter an die Filmkunst. Aber wisst ihr was: Ich bereue keine Sekunde meines Vergehens, sondern bin sogar froh, dass ich mich entgegen meiner Vorsätze dazu überwunden habe.
Sicherlich sind die Kürzungen ärgerlich, doch muss man fairerweise sagen, dass diese so geschickt platziert wurden, dass der Film dennoch genießbar bleibt und die Schnitte nur den Zuschauern auffallen dürften, die sich vorher über die fehlenden Szenen informiert haben.

Worum geht’s

Für Geld kann man alles kaufen, auch das Recht, andere Menschen zu foltern und zu töten. Diese Erfahrung musste der junge Amerikaner Paxton (Jay Hernandez) machen, kurz bevor er der Folterkammer entkommen konnte. Während er bei seiner Ex-Freundin untertaucht, werden bereits die nächsten Opfer nach Bratislava gelockt. Kaum im Hostel angekommen, werden die drei Freundinnen Beth (Lauren German), Whitney (Bijou Phillips) und Lorna (Heather Matarazzo) per moderner Kommunikation an die Meistbietenden versteigert. Den Zuschlag erhalten der selbstsichere Todd (Richard Burgi) und der an sich zweifelnde Stuart (Roger Bart), welche sich unverzüglich nach Bratislava begeben, um ihre Ware in Empfang zu nehmen…

Meine Meinung

Vorweg sollte ich sagen, dass ich entgegen der allgemeinen Meinung „Hostel“ für einen äußerst gelungenen Film halte und die Aufregung um die im Film dargestellte Gewalt nicht teilen kann. Besonders die sich langsam aufbauende Bedrohung sowie der durch Paxtons Gefangennahme bedingte Stilbruch zur Mitte des Films haben es mir angetan.

„Hostel: Teil 2“ stellt eine konsequente Weiterentwicklung seines Vorgängers dar und baut auf dessen Stärken auf, ohne ihn lediglich zu kopieren.

Beschäftigte sich „Hostel“ in den ersten 45 Minuten noch hauptsächlich mit den Opfern, bleiben die weiblichen Ziele diesmal recht blass. Dafür wird in der Fortsetzung näher auf die beiden Käufer und deren Beweggründe, sich der Organisation anzuschließen, eingegangen. Selbstverständlich darf man keine ausgefeilte Charakterstudie erwarten, doch bekommen wir es diesmal nicht mit namen- und gesichtslosen Killern zu tun: Während sich der Eine beweisen möchte, dass er ein echter Mann ist, versucht der Andere lediglich, seinem tristen Familienleben zu entkommen. Wie bereits in „8MM“ verstärken die niederen Beweggründe der an sich geistig gesunden Kunden die Abscheu vor der Tat erheblich.

Außerdem erfahren wir mehr über die hinter dem Angebot stehende Organisation, welche die Sicherheitsvorkehrungen nach Paxtons Flucht drastisch erhöht hat und Menschenleben inzwischen meistbietend versteigert, statt sie per Festpreis anzubieten. Die Versteigerungen der Mädchen wurden makaber inszeniert und sind meiner Meinung nach wirkungsvoller als die Folterungen an sich, zeigen sie doch deutlich, wie unbekümmert die unterschiedlichen Interessenten mit dem Leben Anderer umgehen.

Über die Folterungen selbst kann ich leider wenig schreiben, sind sie in der deutschen Fassung doch so gut wie nicht vorhanden und höchstens im Ansatz zu bewundern. Allerdings ändert dies nichts an der trostlosen und beklemmenden Atmosphäre, welche die Fortsetzung abermals auszeichnet. Auch ohne graphische Gewalt wird der Grundton des Films gekonnt vermittelt, so dass man sich fragen muss, ob die in der Originalfassung enthaltene Gewalt überhaupt nötig gewesen wäre.

Über die Darsteller lässt sich weder Positives noch Negatives berichten: Von ein oder zwei Statisten abgesehen (niemals direkt in die Kamera schauen, herrje) leisten sich die Darsteller keine Schwächen, qualifizieren sich aber auch nicht gerade für die nächste Oscar-Verleihung. So oder so nimmt man jedem seine Rolle ab, und nur darauf kommt es letzten Endes an.

Mein Fazit

Wer sich für „Hostel“ als zu zart besaitet entpuppte oder mit der ruhigen Inszenierung nichts anzufangen wusste, der sollte von „Hostel: Teil 2“ die Finger lassen: Zu ähnlich sind sich die Filme, als dass man mit der Fortsetzung jemanden bekehren könnte. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass sich jeder, der in dem Vorgänger einen gelungenen Genre-Beitrag sieht, bedenkenlos die Fortsetzung zu Gemüte führen darf. Ob man mit den Kürzungen leben kann oder auf eine ungeschnitte DVD-Veröffentlichung warten sollte, muss indes jeder mit sich selbst vereinbaren.

Wertung: 8/10

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Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis

2004 schufen Edgar Wright und Simon Pegg mit „Shaun Of The Dead“ eine fast perfekte Mischung aus Horrorfilm, Komödie und Hommage, der man jederzeit den Respekt vor den großen Vorbildern ansah.
2007 widmen sich Wright und Pegg, abermals unterstützt durch Nick Frost und Bill Nighy, dem Actionthriller – und wieder gelingt ihnen eine fast perfekte Symbiose, die speziell Filmfans begeistern dürfte.

Worum geht’s

Nicholas Angel (Simon Pegg) ist ein guter Cop – zu gut für seine Kollegen, lässt er sie doch regelmäßig wie unfähige Stümper aussehen. Als Beförderung getarnt, wird Angel von seinen Vorgesetzen in den beschaulichen Ort Sandford versetzt, in dem die größte Herausforderung darin besteht, einen ausgebüxten Schwan einzufangen.
Von dem Actionfilmliebhaber und Kollegen Danny (Nick Frost) genervt, ergibt sich Angel seinem Schicksal, doch wird seine Spürnase nach einem tödlichen Autounfall schnell wieder erweckt: Wieso gibt es am Unfallort keine Bremsspuren? Wieso ist die Verbrechensrate in Sandford so niedrig, die Unfallrate aber gleichzeitig so hoch? Und was hat der dubiose Supermarktinhaber Simon Skinner (Timothy Dalton) damit zu tun?

Meine Meinung

Wie bereits bei „Shaun Of The Dead“ merkt man Wright und Pegg an, dass sie zu den Filmliebhabern zählen und ihre Vorbilder nicht durch den Kakao ziehen, sondern sie unterhaltsam würdigen wollen: Flache Gags wie bei „Hot Shots“ oder „Scary Movie“ (sicherlich auch unterhaltsam, aber auf ein anderes Publikum ausgerichtet) sind hier Mangelware. Stattdessen gibt es unterschwelligen Humor und unzählige Zitate, die weniger auf große Lacher ausgelegt sind, dafür aber für ein dauerhaftes Grinsen sorgen, so man denn für diese Art des Humors empfänglich ist.

Leider hat das Gespann Wright/Pegg nicht nur die positiven Ansätze von „Shaun Of The Dead“ übernommen: Wie bereits in der Zombie-Komödie erliegen die beiden auch bei „Hot Fuzz“ zum Ende hin wieder den großen Vorbildern. Was beim Erstling die Belagerung der Kneipe ist, ist diesmal das Finale im ehemals ruhigen Sandford. Gefühlte 30 Minuten lang und äußerst hektisch geschnitten, müssen sich Wright und Pegg die Frage gefallen lassen, ob der Showdown (inkl. Schießerei, Verfolgungsjagd und Faustkampf) in dieser Form nötig gewesen oder ob weniger nicht mehr gewesen wäre.

Nichts desto trotz bereitet der Film eine ziemliche Freude, zumal man den Darstellern allesamt ihren Spaß anmerkt. Vorallem Simon Pegg (als knallharter Polizist ohne Freunde herrlich gegen den Strich besetzt) und Nick Frost (welchem ich durchaus zutraue, die im Film gezeigte DVD-Sammlung auch privat zu besitzen) geben den von ihnen dargestellten Charakteren eine Tiefe, wie man sie in einer Komödie nicht unbedingt vermutet. Grandios besetzt wurde auch Timothy Dalton als schmieriger Geschäftsmann, dessen „zweideutige“ Sprüche für mich zu den Highlights des Films zählen.

Wer sich übrigens fragen sollte, wieso die FSK dem Film eine Freigabe ab 16 erteilt hat, dem sei gesagt, dass der Killer mit seinen Opfern nicht gerade zimperlich umgeht und das Blut mehr als nur einmal spritzt.

Mein Fazit

Wer „Shaun Of The Dead“ mag, der wird auch an „Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis“ (was für ein selten dämlicher Untertitel) Gefallen finden. Gut aufgelegte Darsteller und spaßige Running Gags sorgen für einen unterhaltsamen Kinoabend, der lediglich durch das ausufernde Finale getrübt wird. Insgesamt betrachtet ist „Hot Fuzz“ zwar dezent schwächer als sein Vorgänger, liegt aber dennoch weit über dem Durchschnitt.

Wertung: 8/10

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Postal: Deutscher Trailer veröffentlicht

Ich gebe es zu: Ich habe das Computerspiel „Postal“ nie gespielt. Insofern kann ich nicht beurteilen (btw. interessiert es mich auch nicht), ob Bolls Film, abgesehen vom Titel, noch irgendwas mit dem Spiel gemeinsam hat.

Ich gebe außerdem zu: „House Of The Dead“ finde ich auf seine dümmliche und stümperhafte Art nach wie vor extremst unterhaltsam und gilt für mich als Inbegriff des Trash-Films.

Und ja, ich weiß: Den Postal-Trailer gibt es bereits seit ein paar Tagen im Netz, aber aus unerfindlichen Gründen habe ich ihn leider heute erst entdeckt – und kann mir einen kurzen Kommentar nicht verkneifen:

Wenn der Film nur halb so trashig, dämlich und selbstironisch wie der Trailer wird, ziehe ich meinen nicht vorhandenen Hut vor Uwe Boll!

Für alle, die jetzt neugierig geworden sind: Hier könnt ihr den Trailer bestaunen, der Filmstart ist für den 04.10.2007 angedacht. Aber behauptet nicht, ich hätte euch nicht gewarnt…

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In einsamer Mission (1997)

Aus welchem Film stammt die folgende Szene: Eine Gruppe Terroristen dringt in ein Militär-/Regierungsgebäude ein, entwendet einen gefährlichen Kampfstoff und verliert dabei durch Aufplatzen eines der Behälter einen ihrer Kameraden.

Richtig: „The Rock – Fels der Entscheidung“

Weiter geht’s, auf welchem Film beruht die folgende Handlung: Eine Gruppe Terroristen kapert ein Flugzeug und eine Hand voll Elitesoldaten soll mittels Stealth-Flugzeug unbemerkt an Bord gebracht werden um die Terroristen auszuschalten, verliert aber durch eine Panne ihren Anführer, so dass ein unfreiwilliger Held die Leitung übernehmen muss.

Schon wieder richtig: „Einsame Entscheidung“

Aller guten Dinge sind drei: In welcher Filmreihe heißt der Bösewicht „Gruber“?

Perfekt: „Stirb Langsam“

Abschließende Frage: Was kommt dabei heraus, wenn sich drittklassige Produzenten mit drittklassigen Drehbuchautoren und drittklassigen Schauspielern zusammenschließen?

Genau: Ein Michael-Dudikoff-Film!

Der Film besteht von der ersten bis zur letzten Minute ausschließlich aus abgekupferten Szenen – man beachte bei der Dreistigkeit, dass „In einsamer Mission“ 1997, also gerade mal 1 Jahr nach den jeweiligen Vorbildern entstanden ist. Dazu kommt eine aus einem weiteren C-Film geklaute Allerweltsmusik, wobei mir der dazugehörige Name momentan leider (bzw. zum Glück) nicht einfallen will.

Die Darsteller sind ebenfalls ein Totalausfall: Zwar darf man sich über ein Wiedersehen mit Larry Poindexter freuen, doch tröstet auch das nicht darüber hinweg, dass hier mal wieder jede Rolle fehlbesetzt wurde, die man fehlbesetzen konnte. Über die Nebendarsteller lasse ich mich gar nicht erst aus, sondern konzentriere mich direkt auf die beiden Haupt“darsteller“:
Richard Norton kann zwar ordentlich austeilen, zum Oberbösewicht fehlen ihm aber schlicht und einfach Charisma und schauspielerische Begabung. In den guten alten Jackie-Chan-Filmen wurde er zwar auch oft eingesetzt, aber die hat ja auch nie jemand ernst nehmen sollen.
Kommen wir zu Michael Dudikoff, der den ganzen Film mit Pausbäckchen und weit aufgerissen Augen bestreitet. Das soll vielleicht entsetzt oder wütend wirken, erinnert mich jedoch eher an einen überfütterten Hamster, der gerade beinahe in einer Tasse Kaffee ertrunken wäre. Ganz abgesehen davon, dass ich nicht weiß, wer ihm die Rolle eines Wissenschaftlers abkaufen soll…

Das Einzige, was den Film erträglich macht, sind die handwerklich solide Inszenierung sowie die Actionszenen. Diese sind zwar weder besonders zahlreich noch besonders spektakulär, sehen aber um Längen besser aus als jeder aktuelle Seagal-Film (was zugegeben auch nicht besonders schwer ist).

Das Schlimmste an „In einsamer Mission“ ist, dass er trotz allem zu den besseren Dudikoff-Filmen gehört: Wer einmal „Crash Dive“ gesehen hat, weiß, was ich meine. Und dabei fing es damals mit „American Fighter“ und „Avenging Force“ so gut an…

Wertung: 5/10 (nach Dudikoff-Maßstäben)

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Das perfekte Verbrechen

Im Schatten diverser Sommer-Blockbuster startete „Das perfekte Verbrechen“ eher unbemerkt in den deutschen Kinos: Sich gegen verfluchte Piraten oder Superspinner behaupten zu müssen, dürfte allerdings auch keine leichte Aufgabe sein.

Worum geht’s

Der hoch intelligente Ted Crawford (Anthony Hopkins) findet heraus, dass seine Frau ihn betrügt. Jeder andere Mann würde mit seiner Frau reden, sie ggf. verlassen, doch da es sich hierbei um einen Thriller handelt, schießt Crawford ihr kaltblütig in den Kopf. Statt die Tat zu vertuschen oder die Flucht zu ergreifen, wartet er neben seiner schwer verletzten Frau auf die Polizei, lässt sich widerstandslos verhaften und gibt noch am selben Abend ein Geständnis ab.
Der scheinbar wasserdichte Fall wird dem aufstrebenden Junganwalt Willy Beachum (Ryan Gosling) übergeben, doch bereits die Vorverhandlung wartet mit einer Überraschung auf: Der Angeklagte plädiert auf „Nicht schuldig“ und besteht darauf, sich vor Gericht selbst zu verteidigen. Zu spät erkennt Beachum, dass er nur ein weiteres Teil eines raffinierten Plans ist…

Meine Meinung

Auch wenn ich es eigentlich nicht machen sollte, beginne ich diesmal mit dem großen Kritikpunkt des Films: Seiner Vorhersehbarkeit. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich inzwischen zu viele Filme im Allgemeinen bzw. zu viele Justizfilme im Speziellen gesehen habe, aber überraschen konnte mich der Film an nur einer Stelle – und das vermutlich auch nur, weil ich mir über diese Stelle keine Gedanken gemacht hatte. Der gesamte Plan Crawfords war mir spätestens im Gerichtssaal klar, so dass sich die Spannung eigentlich nur noch darauf bezog, ob er damit durchkommen und wann bzw. ob Beachum ihn durchschauen würde.

Ansonsten macht der Film alles richtig, wobei die Dialoge zwischen dem arrogant-siegessicheren Crawford und dem immer nervöser werdenden Beachum naturgemäß die Highlights darstellen.

Neben den Szenen vor Gericht und den Thriller-Elementen behandelt Regisseur Gregory Hoblit (Zwielicht, Das Tribunal) die für dieses Genre typischen Moralfragen wie z.B. das Fälschen von Beweisen und präsentiert dem Zuschauer als Nebenplot eine kleine Liebesgeschichte. Diese mag auf den Einen oder Anderen vielleicht aufgesetzt wirken, doch ist sie notwendig, um Beachums Antrieb sowie seine Charakterwandlung vom auf die Karriere bedachten zum an die Gerechtigkeit glaubenden Anwalt anzustoßen.

Bezogen auf die Schauspieler lässt sich nichts Negatives von der Front berichten: Anthony Hopkins spielt zwar nur eine weitere Variation seiner Paraderolle, findet daran aber sichtlich Gefallen. Äußerst positiv überrascht wurde ich von Ryan Gosling, der seinen Charakter mit mehr Leben und vorallem Sympathie füllt, als ich es ihm zugetraut hätte. David Strathairn tritt leider nur als sympathische Nebenfigur auf, während Rosamund Pike erneut gut aussehen darf (und diese Aufgabe auch ohne große Probleme zu bewältigen weiß).

Mein Fazit

Gregory Hoblit bezeichnet seinen Film zu Recht als „Popcorn-Thriller mit Hirn“: Das Rad wird mit „Das perfekte Verbrechen“ zwar nicht neu erfunden, doch weiß der Film von Anfang bis Ende zu unterhalten und dürfte besonders Justizfilm-Einsteigern gefallen.

Wertung: 7/10

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Die Töchter des chinesischen Gärtners

Normalerweise sollte ich um diese Uhrzeit längst schlafen, doch heute muss ich mir vorher noch meinen Frust von der Seele schreiben, damit der Verdrängungsprozess sofort beginnen und der Film sich gar nicht erst in meinem Gedächtnis einbrennen kann.

Worum geht’s (Kurzfassung aus Rücksicht auf meine Leser – obwohl: Viel mehr passiert eigentlich auch nicht)

Junge Frau macht ein Praktikum bei einem chinesischen Botanik-Professor – Junge Frau und Tochter des Professors verlieben sich ineinander – Junge Frau beschließt, den Sohn des Professors zu heiraten, um der Tochter nahe zu sein – Liebe der jungen Frauen endet tragisch

Meine Meinung

Herrje, hier stimmt aber auch wirklich gar nichts: Die Charaktere sind in simples „gut“ und „abgrundtief-böse“ unterteilt, die Schauspieler agieren auf dem Niveau einer Kindergarten-Theatertruppe und die Dialoge lassen darauf schließen, dass der verantwortliche Schreiberling seine Texte noch mit Wachsmalstiften verfasst.

Hinzu kommt eine unvorstellbar dilettantische Inszenierung: Bei manchen/vielen/den meisten Szenen fragt man sich, wozu man diese nun eigentlich durchleiden musste, da sie weder die Geschichte vorantreiben noch sonst irgendwie von Bedeutung sind. Oft beschleicht einen das Gefühl, es handele sich bei „Die Töchter des chinesischen Gärtners“ ursprünglich um einen Kurzfilm, der lediglich sinnlos gestreckt wurde, um einen abendfüllenden Spielfilm zu kreieren. Und als sei dies noch nicht schlimm genug, wirken die seltenen bedeutenden Szenen so lächerlich, dass sie weder zum Nachdenken oder Trauern, sondern höchstens zum Lachen animieren.

Um dem Stil treu zu bleiben, können zu schlechter Letzt auch weder die Landschaftsaufnahmen (was hätte man für tolle Bilder in dem Garten einfangen können) noch der nervige 08/15-Score überzeugen.

Mein Fazit

„Homosexualität ist eine Krankheit – Ich bin die Medizin“

Dies scheint uns der Film in jeder überlangen Minute sagen zu wollen. Nicht, dass es sich hierbei um die Aussage des Films handeln würde: Es ist nur einfach so, dass man sich nach diesem Film wünscht, es würde die gleichgeschlechtliche Liebe nicht geben, nur um künftig von solchen Filmen verschont zu bleiben. Wie man es richtig macht, zeigt Ang Lee eindrucksvoll mit „Brokeback Mountain“.

Wertung: 1/10

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Lucky # Slevin

Das Leben ist unfair: Durchschnittliche Filme wie „The Reaping – Die Boten der Apokalypse“ oder „The Hills Have Eyes 2“ schaffen es ins Kino, ja selbst solchen Gurken wie „Fantastic Movie“ oder „Pathfinder – Die Fährte des Kriegers“ ist eine Kinoauswertung vergönnt. Und dann gibt es Filme, die definitiv ins Kino gehören, aber aus was für Gründen auch immer direkt auf Video erscheinen – „Lucky # Slevin“ ist einer dieser tragischen Fälle.

Normalerweise hätten schon die Darsteller zu einer Kinoauswertung führen müssen, ist der Film doch mit Josh Hartnett, Bruce Willis, Lucy Liu, Morgan Freeman, Ben Kingsley und Stanley Tucci hervorragend besetzt. Sei es wie es ist: Manche Dinge muss nicht nicht verstehen, es reicht, sie zu akzeptieren.

Worum geht’s:

Slevin (Josh Hartnett) hat gerade kein Glück: Seinen Job sowie seine Wohnung hat er verloren und noch dazu seine Freundin beim alten Rein-Raus-Spiel erwischt. Also besucht er seinen Freund Nick, wird jedoch bereits auf dem Weg dorthin überfallen und seiner Brieftasche beraubt. Kaum in Nicks Wohnung angekommen und mit der süßen Nachbarin Lindsey (Lucy Liu) angebandelt, wird Slevin von zwei Geldeintreibern für seinen verschuldeten Freund gehalten und zum einflussreichen Gangsterboss „Der Boss“ (Morgan Freeman) gebracht. Um seine (bzw. Nicks) Schulden zu begleichen, soll Slevin den Sohn des verfeindeten Gangsterbosses „Der Rabbi“ (Ben Kingsley) töten. Da er seine Identität nicht beweisen kann, muss sich Slevin auf die Forderung einlassen und gerät damit zwischen die Fronten zweier mächtiger Verbrechersyndikate. Schon bald haben auch der Cop Brikowski (Stanley Tucci) und der Profikiller Mr. Goodkat (Bruce Willis) ein Auge auf Slevin geworfen…

Meine Meinung:

Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, den Film so zu beschreiben, dass es ihm gerecht wird, ohne gleichzeitig zu viel von der Geschichte zu verraten: „Lucky # Slevin“ lebt von seinen Wendungen, und zwar auf erzählerischer wie auch auf inszenatorischer Ebene. Geht der Film bis zur ersten Stunde noch als schwarzhumorige Verwechslungskomödie durch, erfolgt ohne Vorwarnung ein eiskalter Stilbruch (achtet auch auf die Musik!), der den Film als knallharten Thriller zu seinem Ende führt. Einige Wendungen kann der aufmerksame Zuschauer zwar recht früh erahnen, doch gibt es genug Charaktere und Twists, deren Auflösung sich nicht vorhersehen lassen.

Was den Film neben seinen Wendungen noch auszeichnet, sind die hervorragenden Dialoge, die durchaus Erinnerungen an „Pulp Fiction“ wecken, ohne dabei wie ein billiger Abklatsch zu wirken. Besonders Slevins Gespräche mit Lindsey, den Handlangern vom „Boss“ und dem „Boss“ selbst sind zum Brüllen komisch geraten, ohne den Film dabei ins Lächerliche zu ziehen. Ein großes Kompliment geht an dieser Stelle an die Synchronisation, die bei „Lucky # Slevin“ hervorragend funktioniert.

Über die Schauspieler muss man nicht viele Worte verlieren: Josh Hartnett spielt erfolgreich gegen sein Netter-Junge-von-nebenan-Image an, Lucy Liu ist einfach nur zum Knuddeln und Bruce Willis beweist mal wieder, dass er nach wie vor der coolste Hollywood-Star ist (besonders in den Szenen, die es leider nicht in den Film geschafft haben, aber als Deleted Scenes auf der DVD anwählbar sind). Der restliche Cast spielt auf seinem gewohnt hohen Niveau und sorgt dafür, dass die Wahl der Darsteller rundum als gelungen bezeichnet werden kann.

Es bleibt also die Frage offen, wieso es diese Perle nicht in die Kinos geschafft hat – eine zufriedenstellende Antwort wird es wohl nie geben. Ich hoffe, dass „Lucky # Slevin“ zumindest auf DVD die Beachtung erfährt, die er verdient.

Wertung: 10/10

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Sven Kietzke
Sven Kietzke
@svenkietzke@www.svenkietzke.de

Chroniken eines fotografierenden Filmnerds

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