Death Sentence – Todesurteil

Mal unter uns: Jeder hat sich doch schon einmal gewünscht, dem Trottel, der in der letzten Reihe die Hand vor den Projektor hält und sich dabei lustig vorkommt, selbige einfach abzuhacken. Oder das Pärchen, das sich an der Kasse über die laufenden Filme informiert und die Schlange länger und länger werden lässt, mit einer Kinozeitschrift zu erschlagen. Ja, ich weiß, Selbstjustiz ist böse und gehört sich nicht. Aber manchmal…

Worum geht’s

Nick Hume (Kevin Bacon) kann sich glücklich schätzen. Er hat eine wundervolle Frau, zwei tolle Söhne und einen guten Job. Kurz gesagt: Ein perfektes Leben. Dieses Leben ändert sich schlagartig, als Nicks ältester Sohn vor seinen Augen von einer Gang brutal ermordet wird. Nick kann den Täter zwar erkennen, aber da er der einzige Zeuge ist, geht der Staatsanwalt von keinen guten Chancen für eine lebenslängliche Verurteilung aus. Maximal drei bis vier Jahre würden durch einen Deal mit dem Verteidiger machbar sein. Enttäuscht zieht Nick seine Aussage zurück, folgt dem Mörder seines Sohnes und tötet ihn. Damit löst er eine Kettenreaktion der Gewalt aus, die bald auch seine Familie erreicht…

Meine Meinung

Damit eines gleich zu Beginn geklärt ist: Auf eine Wertung der Selbstjustizthematik werde ich verzichten. Wer mit einer bestimmten Thematik in Filmen nichts anfangen kann, der möge solche Filme bitte einfach meiden. Danke.

Nick Humes Verwandlung vom liebenden Familienvater zum gnadenlosen Racheengel profitiert deutlich von seinem Hauptdarsteller und kann nur als gelungen bezeichnet werden. Dass Kevin Bacon schauspielern kann, ist wahrlich nichts Neues, insofern überrascht es nicht, dass er auch diese Rolle perfekt meistert. Sei es die Hilflosigkeit beim Zusammenbruch nach seinem ersten Mord, die Verzweiflung gegenüber seiner Frau oder die Wut beim Aufbruch zur finalen Abrechnung, Bacon weiß jederzeit zu überzeugen.

Leider bekommen die restlichen Darsteller nicht die Chance, ihre Möglichkeiten ebenfalls auszuschöpfen. Von Nick Hume abgesehen, bleiben die Charaktere oberflächlich und uninteressant. Die Ehefrau liebt ihren Mann, komme was wolle. Die Gang-Mitglieder sind böse, komme was wolle. Und das System, in Person von Staatsanwalt und Polizei, ist unfähig, komme was wolle. Lediglich dem jüngsten Sohn wird ein wenig Tiefe verliehen. So befürchtet er, seine Eltern hätten lieber ihn als seinen Bruder verloren. Allerdings wird dieser Zweig nicht konsequent verfolgt und verliert dadurch an Bedeutung.

Dafür überzeugt der Rest des Films umso mehr. Die Atmosphäre ist so düster wie trostlos und das stimmige Timing lässt Spannung, Bedrohung und Gewalt kontinuierlich anwachsen. Die Action wurde zum Glück nicht auf schick getrimmt, sondern so realistisch wie möglich inszeniert. Schusswunden hinterlassen deutliche Spuren. Im günstigsten Fall sind Einschusslöcher die Folge, im ungünstigsten Fall abgetrennte Körperteile. Kevin Bacons Rachefeldzug ist gnadenlos. Nein, in Kinderhände gehört dieser Film sicher nicht. Erwachsene hingegen erfreuen sich an einem der besten Showdowns der letzten Jahre.

Mein Fazit

„Death Sentence“ ist ein schnörkelloser Rache-Thriller der alten Schule. Hart, brutal, ungeschönt und ehrlich. Die Action wurde toll inszeniert und Kevin Bacon liefert als wütender Rächer eine hervorragende Performance ab. Das Vergnügen wird lediglich von den eindimensionalen Charakteren ein wenig getrübt, ansonsten kann der Film voll überzeugen.

Meine Wertung: 8/10

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Equilibrium

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Zimmer 1408

Es gibt Filme, die mir tatsächlich Angst einflößen. Angst vor dem fertigen Produkt. Denn auch wenn ich es eigentlich besser wissen sollte, gebe ich mich oft meiner Vorfreude hin und werde dann bitterlich enttäuscht. Besonders Stephen-King-Verfilmungen neigen dazu, mich extrem neugierig zu machen und dann enttäuscht im Kinositz fallen zu lassen. „Zimmer 1408“ stellt zum Glück eine gelungene Abwechslung dar.

Worum geht’s

Der Autor Mike Enslin (John Cusack) hat sich auf paranormale Ereignisse spezialisiert. Um Inhalte für sein neues Buch zu finden, übernachtet er in Hotels, die eine unheimliche Vergangenheit haben und in denen es angeblich spuken soll. Selbst glauben tut er an diese Phänomene jedoch nicht. Eines Tages erhält er eine Postkarte aus dem Dolphin, einem Hotel in New York. Die Karte enthält keine Details, sondern lediglich eine Aufforderung, nicht im Zimmer 1408 einzuchecken. Enslin recherchiert und findet heraus, dass noch kein Besucher länger als 60 Minuten in diesem Zimmer überlebt haben soll. Entgegen dem Ratschlag des Managers Gerald Olin (Samuel L. Jackson) bezieht Enslin Zimmer 1408. Ein Fehler…

Meine Meinung

Ein Film, der größtenteils in nur einem Zimmer spielt? Ein Film, der größtenteils in nur einem Zimmer spielt und von nur einem Darsteller getragen wird? Kann das funktionieren? Ja, es kann. Und zwar ganz hervorragend. John Cusack spielt den Skeptiker Enslin gewohnt sympathisch-zynisch und versteht es, den Zuschauer für sich einzunehmen. Wenn sich seine Skepsis langsam in Angst und später in Verzweiflung wandelt, ist dies für den Zuschauer nicht nur nachvollziehbar, sondern praktisch spürbar. Vorallem die kurzen Szenen mit Enslins Tochter bieten eine Intensität, wie ich sie in modernen Gruselfilmen viel zu oft vermisse.

Ein großes Lob gebührt auch Regisseur Mikael Håfström, der „Zimmer 1408“ nicht zu einem modernen, vor Special Effects überlaufenen Film hat werden lassen, sondern sich auf die alten Tugenden des Gruselfilms verlassen hat. Auf die Atmosphäre. Auf das Wegbrechen der Sicherheit an einem scheinbar sicheren Ort. Auf die Angst vor der Isolation und der daraus resultierenden Hoffnungslosigkeit. Und auf das Charisma seines Darstellers. Natürlich gibt es auch in „Zimmer 1408“ einige Effekte zu bewundern, doch wurden diese dezent und jederzeit passend integriert. Dies gilt auch für die seltenen Schockeffekte, die sich niemals in den Vordergrund drängen, sondern lediglich unterstützend wirken.

Möchte man dem Film unbedingt einen Vorwurf machen, sollte man darauf hinweisen, dass er sich im zweiten Drittel einen kurzen, wirklich kurzen Durchhänger leistet. Von diesen geschätzten 7 2/3 Minuten abgesehen, gibt es nichts zu beanstanden.

Mein Fazit

„Zimmer 1408“ stellt in vielerlei Hinsicht die gelungene Rückkehr des altmodischen Gruselfilms dar. Statt auf Blut setzt der Film auf Atmosphäre. Statt auf Schockeffekte auf die Angst und Verzweiflung des Protagonisten. Es wurden bereits viele Gruselromane von Stephen King verfilmt, „Zimmer 1408“ gehört zu den Besten.

Meine Wertung: 9/10

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Marcus kleine Filmseite

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Ratatouille

Endlich ist er in Deutschland angekommen: Pixars neuester Animationsstreich „Ratatouille“ (ich hasse es, dieses Wort zu schreiben). Offiziell startet er zwar erst am 03.10.2007, doch als treuer Besucher der Sneak kam ich bereits einen Monat früher in den Genuss des neuesten Pixar-Films.

Worum geht’s

Der junge Remy vereint alle Eigenschaften eines guten Kochs in sich. Er besitzt eine feine Nase, hat ein Gespür für guten Geschmack, verfügt über Improvisationstalent und liebt es, seinen Gästen exklusive Gerichte zuzubereiten. Da gibt es nur ein kleines Problem: Remy ist eine Ratte. Als er im Restaurant seines verstorbenen Idols Gusteau eine Suppe verfeinert, wird er entdeckt und soll vom Küchenjungen Linguini „entsorgt“ werden. Dieser erkennt jedoch das Talent der Ratte und lässt ihn am Leben. Schon bald stehen Linguini und Remy, versteckt unter Linguinis Küchenhaube, gemeinsam in der Küche, argwöhnisch beobachtet vom Küchenchef Skinner…

Meine Meinung

Respekt! 12 Jahre lang schafft Pixar es nun bereits, den hohen Ansprüchen gerecht zu werden und überdurchschnittliche Animationsfilme auf die Leinwand zu zaubern. Auch „Ratatouille“ reiht sich nahtlos in diese Riege ein. Um genau zu sein nimmt er gemeinsam mit „Die Unglaublichen“ sogar den ersten Platz ein.

Die Geschichte von Remy, der trotz aller widrigen Umstände seiner Bestimmung folgt und an sich glaubt, wird warmherzig erzählt, ohne in den Kitsch abzudriften. Die Moral, die der Film dabei aufzeigt, ist offensichtlich. Jedoch wird sie niemals mit erhobenem Zeigefinger vermittelt, sondern bleibt jederzeit der Geschichte und den Charakteren untergeordnet.

Auch zu schmunzeln und zu lachen gibt es mehr als genug. Seien es die liebenswerten Charaktere wie z.B. Remys jeglichen Müll fressenden Bruder, die weniger liebenswerten Charaktere wie z.B. der misstrauische Küchenchef Skinner oder die zahlreichen originellen Einfälle wie z.B. Remys Art, Linguini in der Küche unter die Arme zu greifen, es gibt jederzeit einen Grund zu schmunzeln oder lachen.

Schlussendlich weiß auch die technische Seite vollends zu begeistern. Dass die Animationen, man achte besonders auf das Wasser und das Fell der Ratten, nahezu perfekt sind, ist man von Pixar inzwischen ja bereits gewohnt. Bei „Ratatouille“ gesellt sich zur tollen Optik jedoch auch noch eine grandiose Klangkulisse hinzu. Wenn Remy vor menschlichen Jägern flieht, beben die Kinositze, als würde man sich in einem Actionfilm befinden. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich bereits darauf freue, den Film im „Heimkino“, in dem Surround-Klänge meist besser zur Geltung kommen, genießen zu dürfen.

Mein Fazit

„Ratatouille“ ist ein perfekter Animationsspaß für Jung und Alt, ein Film für die ganze Familie. Warmherzig und lustig überträgt er seine Botschaft an uns, ohne sie uns aufzuzwängen: Hab Vertrauen. In dich. In deine Familie. In deine Freunde.

Wertung: 10/10

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CeReality

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John Rambo beweist im neuen Teaser erneut sein Talent

You know what you are.
What you’re made of.
War is in your blood.
When you’re pushed…killing is as easy as breathing.

Was der frisch erschienene Teaser in 1 Minute und 17 Sekunden an Action, Gewalt und Blut zeigt, bekommt man bei den meisten Actionfilmen neueren Datums in deren gesamter Laufzeit nicht zu sehen. Ich bin sehr gespannt auf den fertigen Film – und frage mich nach wie vor, wie die FSK darauf reagieren wird…

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28 Weeks Later

Bevor ich mit der eigentlichen Review beginne, muss ich zwei Fragen loswerden, die mir schwer auf dem Herzen liegen:

1. Wieso bezeichnen so viele Zuschauer „28 Weeks Later“ und den Vorgänger „28 Days Later“ als Zombiefilme, obwohl in beiden Filmen kein einziger Zombie auftaucht?

2. Wieso müssen so viele Zuschauer blutige Szenen mit einem unpassenden Gröhlen oder einem pseudo-coolen Spruch wie „So muss das sein!“ quittieren?

Für Antworten bin sehr dankbar. Und nun:

Worum geht’s

Als die Seuche in England ausbricht, können sich Donald Harris (Robert Carlyle) und seine Frau Alice (Catherine McCormack) in ein fremdes Haus retten. Als die Infizierten in das Haus eindringen, lässt Donald seine Frau in Panik zurück und flieht. 28 Wochen später scheint die Seuche besiegt. Die Infizierten sind allesamt verhungert und die Wiederbesiedlung Londons hat begonnen. Unter den Heimkehrern befinden sich auch Donalds Kinder Tammy (Imogen Poots) und Andy (Mackintosh Muggleton). Als die beiden vom Tod ihrer Mutter erfahren, brechen sie aus der Sicherheitszone aus, um Fotos aus ihrem alten Haus zu holen. Dort treffen sie auf Alice, die den Angriff vor 28 Wochen unbeschadet überlebt zu haben scheint. Militär-Medizinerin Scarlet (Rose Byrne) findet heraus, dass Alice infiziert ist, das Virus bei ihr jedoch nicht ausbricht. Allerdings bedeutet das nicht, dass sie es nicht auf Andere übertragen kann…

Meine Meinung

Schade. Wirklich sehr schade. Danny Boyles Vorgänger aus dem Jahr 2002 gefällt mir richtig gut, doch bei „28 Weeks Later“ will der Funke nicht überspringen. Dabei beginnt der Film sehr vielversprechend. Die Eröffnungssequenz reicht zwar nicht an Zack Snyders Dawn-Of-The-Dead-Remake heran, ist aber dennoch packend inszeniert und erzeugt einen ordentlichen Riss in der sonst so heilen Familienwelt. Die Bilder vom ausgestorbenen London schaffen eine düstere Atmosphäre und der nicht zu vermeidende Ausbruch der Seuche sorgt für die nötige Verzweiflung aller Beteiligten. So versucht das Militär zu Beginn noch, nur die Infizierten zu liquidieren, doch bereits kurze Zeit später folgt die Freigabe, auf alles zu schießen, was sich bewegt. Auch wenn der Film einige Ungereimtheiten aufweist, z.B. wird Alices Quarantänezimmer trotz ihres Gefahrenpotenzials nicht bewacht, weiß der Film bis zu diesem Zeitpunkt durchaus zu gefallen.

Was auf die gelungene erste Hälfte folgt, ist die Flucht der wenigen Überlebenden aus dem tödlichen London. Die Flucht vor den Infizierten und die Flucht vor dem Militär, das Befehl hat, alles auszulöschen, was auf zwei Beinen steht. Dass diese Flucht es nicht geschafft hat, mich zu packen, liegt zum größten Teil daran, dass alle Charaktere so dermaßen blass und oberflächlich gezeichnet sind, dass ich keine Beziehung zu ihnen aufbauen konnte. Oder anders formuliert: Es war mir egal, wer hops geht und wer nicht. Hinzu kommt, dass die Flucht, von dem blutigen Einsatz eines Helikopters abgesehen, nichts Neues zu bieten hat. Dies gilt auch für das Ende, welches der aufmerksame Zuschauer bereits nach 15 Minuten erahnen kann.

Bei der Inszenierung bleibt Regisseur Juan Carlos Fresnadillo, dessen hoch gelobtes Werk „Intacto“ ich schon seit Monaten hier liegen, aber immer noch nicht gesehen habe, dem Stil Danny Boyles treu. Grobe Bilder, verwackelte Aufnahmen und schnell geschnittene Actionszenen dominieren den Film. Besonders letzteres passt zwar zum Stil, lässt es aber manchmal an Übersicht fehlen. Ein Lob gebührt der musikalischen Untermalung des Films, die hervorragend zur jeweiligen Situation passt und die Atmosphäre perfekt unterstützt.

Mein Fazit

„28 Weeks Later“ ist beileibe kein schlechter Film, lässt aber die Unabhängigkeit des Vorgängers vermissen und kommt über den Status einer uninspirierten Fortsetzung nicht hinaus. Neben einigen Logikschwächen sind es vorallem die flachen Charaktere, die eine bessere Wertung verhindern.

Wertung: 6/10

Weitere Meinungen aus der Blogosphäre:

CeReality
Equilibrium
From Beyond
Kais Trashcorner
Marcus kleine Filmseite

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Zeugin der Anklage (1957)

Erneut verdanke ich arte (erwähnte ich bereits, dass dieser Sender sich zu meinem Lieblingssender entwickelt?) einen interessanten Filmabend. Diesmal kam ich in den Genuss des Billy-Wilder-Klassiker „Zeugin der Anklage“, ein Film, den ich schon lange gesehen haben wollte, bislang aber leider immer verpasst oder übersehen hatte.

Worum geht’s

Der mittellose Leonard Vole (Tyrone Power) soll eine reiche Witwe ermordet haben, um so an deren Erbe zu gelangen. Der Angeklagte jedoch bestreitet die Tat und behauptet, von dem Testament nichts gewusst zu haben. Die Verteidigung dieses schier aussichtslosen Falls übernimmt der frisch aus dem Krankenhaus entlassene Anwalt Sir Wilfrid Robarts (Charles Laughton). Dieser hat nicht nur mit den Fakten des Falls, sondern auch mit seiner überbesorgten Krankenpflegerin (Elsa Lanchester) zu kämpfen. Als einzigen brauchbaren Entlastungszeugen könnte Sir Roberts Voles Frau Christine (Marlene Dietrich) aufrufen, doch diese wird überraschend als Zeugin der Anklage aufgerufen. Der Fall scheint endgültig verloren…

Meine Meinung

Wow, wow und nochmal wow. Es ist wahrlich eine Schande, dass ich mir diesen Film erst gestern angeschaut habe, denn hier stimmt einfach alles: Eine trotz der ernsten Thematik humorvolle, aber niemals alberne Inszenierung. Eine clevere, aber niemals komplizierte Story. Ein überraschendes, aber keineswegs unglaubwürdig wirkendes Finale. Dazu noch eine Handvoll hervorragender Schauspieler – das ist der Stoff, aus dem Klassiker gemacht sind!

50 Minuten vergehen, bis der Startschuss zur Gerichtsverhandlung fällt. In diesen 50 Minuten lernen wir den Verteidiger Sir Robarts kennen, einen Zyniker, wie er im Buche steht. Bereits in den ersten 10 Minuten musste ich ob der Dialoge zwischen ihm und seiner Pflegerin öfter lachen als im gesamten „Scary Movie 4“. Ja, er ist wahrlich ein Arsch, aber einer, der es schafft, die Sympathien auf seine Seite zu ziehen (womit er sich von mir unterscheidet: Ich bin einfach nur ein Arsch 😉 ). Ganz im Gegensatz dazu wird der Angeklagte als freundlicher und höflicher Zeitgenosse vorgestellt. In Rückblenden erfahren wir aus seinen Erzählungen, wie er die Ermordete kennen lernte und was bis zu und an dem verhängnisvollen Tag geschah. Auch dies wurde äußerst witzig und locker inszeniert, so dass man bis zum Beginn der Verhandlung durchaus von einer Komödie sprechen kann.

Dies soll sich jedoch mit Verhandlungsbeginn ändern: Zwar behält der Film seinen lockeren Unterton, widmet sich nun aber intensiv den Zeugenaussagen und den Kreuzverhören der beiden Anwälte. Um die Spannung nicht zu rauben, verzichte ich auf weitere Details. Vertraut mir einfach, wenn ich sage, dass längst nicht jeder mit offenen Karten spielt und es im Verlauf der Verhandlung (und darüber hinaus) zu einigen Überraschungen kommt.

Neben Charles Laughton und Tyrone Power brilliert vorallem Marlene Dietrich als undurchsichtige Ehefrau des Angeklagten. Diese Frau erfüllt jeden Raum mit solch einer Kälte, das einem Angst und Bange wird. Elsa Lanchester hingegen spielt ihre Rolle als Pflegerin liebenswert-schrullig (was mich ein wenig an ihren Auftritt als Miss Marbles in dem grandiosen „Eine Leiche zum Dessert“ erinnerte), was sowohl die männlichen wie auch die weiblichen Charaktere im starken Kontrast zueinander stehen lässt.

Mein Fazit

Zusammen mit „Die 12 Geschworenen“ bildet „Zeugin der Anklage“ die vorläufige Spitze des Gerichtsfilms. Wer sich auch nur ansatzweise für dieses Genre interessiert, kommt um dieses Meisterwerk, das zu Recht Klassikerstatus genießt, nicht herum.

Wertung: 10/10

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Fist Of Legend

Es gibt sie noch, jene seltenen Tage, an denen es sich lohnt, den Fernseher einzuschalten und sich einfach dem TV-Programm hinzugeben. Oder aber den Rekorder zu entstauben, um sich ihm zu einem späteren Zeitpunkt hingeben zu können. So lief auf arte (der Sender entwickelt sich mehr und mehr zu meinem Lieblingssender) am Donnerstag der mir bisher unbekannte Jet-Li-Eastern „Fist Of Legend“, den ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte.

Worum geht’s

Der Film stellt ein Remake des Bruce-Lee-Klassikers „Todesgrüße aus Shanghai“ dar: Als der junge Chinese Chen Zhen (Jet Li) vom Tod seines Meisters erfährt, begibt er sich sofort zurück in seine Heimat. Dort findet er heraus, dass sein Meister vergiftet wurde und kommt einem Komplott des japanischen Militärs auf die Spur…

Meine Meinung

Die Story gewinnt weiß Gott keinen Originalitätspreis, weiß aber dennoch wesentlich besser zu überzeugen als aktuelle Produktionen vom Schlag (geniales Wortspiel, ich weiß) eines „Revenge Of The Warrior“. Neben der Mördersuche gibt es noch einen Subplot, der sich dem Rassismus und der unerwünschten Liebe zwischen Chen und einer Japanerin widmet. Allerdings wird dieser Subplot nur kurz angerissen, das Hauptaugenmerk liegt eindeutig auf der Suche nach dem Mörder und den daraus resultierenden Kämpfen. Und diese haben es wahrlich in sich. Jet Li kämpft in einer Geschwindigkeit, die für das menschliche Auge schon nicht mehr zu erfassen ist. Die Kämpfe sind allesamt eine Wucht und wurden grandios inszeniert. Positiv anzumerken ist, dass Li nicht gegen typisches Fallobst antritt, sondern ihm ebenbürtige Gegner mit Kampferfahrung an die Seite bzw. vor die Fäuste gestellt wurden. So etwas ist in Kampfsportfilmen leider längst nicht gang und gäbe.

Dennoch wollte der Funke bei mir nicht so recht überspringen. Zum einen liegt das an der teils grenzdebilen Synchronisation (ich weiß, dafür kann der Film eigentlich nichts) und zum anderen an dem Big-Boss-Obergegner. Dessen schier übermenschliche Kräfte ziehen den Film dann doch etwas zu sehr ins Lächerliche. Besonders schade daran ist, dass die vorherigen Kämpfe durch die Bank hart und (in Grenzen) realistisch ausfallen, während der Endkampf zu einer Art Cartoon verkommt und nach ein paar Minuten zu langweilen beginnt. Ein nicht ganz so überzogener Endgegner hätte dem Film wesentlich besser gestanden. In dieser Form stellt der Endkampf einen kleinen Stilbruch dar, der absolut vermeidbar gewesen wäre.

Mein Fazit

Grandiose Kämpfe, grandioser Jet Li in Höchstform. Aufgrund der genannten Kritikpunkte reicht es für „Fist Of Legend“ dennoch leider nicht für einen Siegertitel. Aber eine gute Platzierung in den Top 10 der besten Eastern ist ja auch etwas Feines.

Meine Wertung: 7/10

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Kurz und knapp: Chucky’s Baby

Auch wenn Chucky und Tiffany im Vorgänger getötet wurden, lebt die Frucht ihrer Liebe in Form von Glen weiter. Dieser fristet ein trostloses Dasein als Freak in einem Wanderzirkus. Doch eines Tages sieht er im Fernsehen einen Drehbericht über den neuesten Chucky-Film und erkennt in den „Hauptdarstellern“ seine Eltern wieder. Also begibt er sich nach Hollywood und erweckt Chucky und Tiffany erneut zum Leben. Diese begeben sich sofort auf die Suche nach passenden Körpern. Fündig werden sie bei Jennifer Tilly und Redman…

Nach dem äußerst gelungenen vierten Teil konnte es eigentlich nur bergab gehen. Und das tut es mit „Chucky’s Baby“ auch. Es fängt schon beim Titel an: Deppenapostroph, ich hör dir tapsen. Wann hat sich bloß eingebürgert, vor jedem „s“ ein Apostroph zu setzen, und sei es noch so falsch? Egal, denn über die Qualität des Film’s sagt da’s ja zum Glück nicht’s au’s. Obwohl: In diesem Fall schon.

Kennt ihr den Unterschied zwischen „gut gemeint“ und „gut gemacht“? Falls nicht, schaut euch einfach „Chucky’s Baby“ an, dann kennt ihr ihn. Im Endeffekt enthält der Film alle Zutaten, die auch „Chucky und seine Braut“ auszeichnen, doch irgendwie will das alles hier nicht zusammenpassen. Der Film wirkt wie ein großes Puzzle, dessen einzelne Teile einfach nicht ineinander greifen wollen.

Die Anspielungen auf andere Filme (u.a. „Halloween“, „Psycho“ und „Glen Or Glenda“) wirken aufgesetzt und das Hollywood-Setting wird nicht im Geringsten ausgenutzt. Dass es besser geht, hat Wes Craven in seinem letzten Nightmare-Film bewiesen.

Außerdem begehen die Macher den großen Fehler, die einzige sympathische Figur des Films sterben zu lassen. Und als wäre es nicht schon schlimm genug, dass es keine Figur gibt, der man die Daumen drücken möchte, wurde mit Glen ein so dermaßen nervender Charakter eingeführt, dass sich mir die Nackenhaare kräuseln.

Dennoch ist der Film besser als der langweilige dritte Teil. Dies verdankt er zum einen den gelungenen Todesszenen und zum anderen einer gut aufgelegten Jennifer Tilly, die mit sichtlicher Freude und einer gesunden Selbstironie mit ihrem Image in Hollywood spielt.

Trotzdem: Besonders wenn man zuvor den vierten Teil gesehen hat, enttäuscht „Chucky’s Baby“ auf ganzer Linie. Mehr als eine 5/10 ist mir der Film definitiv nicht wert.

Und somit habe ich es geschafft: Fünf Filme am Stück, lediglich unterbrochen von der jeweiligen Review. Und ich kann euch sagen: Das war doch anstrengender als ich dachte! Und weil das so anstrengend war, gehe ich jetzt auch ins Bett – morgen mache ich das Gleiche dann mit der James-Bond-Reihe… 😉

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Kurz und knapp: Chucky und seine Braut

Zwei Jahre nach den Ereignissen des dritten Teils bringt Chuckys Ex-Freundin Tiffany (Jennifer Tilly) die von der Polizei beschlagnahmte Puppe in ihren Besitz. Mit Hilfe des Buches „Voodoo für Dummies“ holt sie ihren ehemaligen Geliebten zurück ins Leben. Chucky zeigt sich auf seine Art erkenntlich, tötet Tiffany und transferiert ihre Seele in den Körper einer weiblichen Puppe. Um wieder menschliche Gestalt annehmen zu können, benötigen die beiden ein Medaillon, das Herz von Damballa, welches zusammen mit Chuckys menschlichen Überresten begraben wurde. Doch um dorthin zu gelangen, benötigen Chucky und Tiffany die Hilfe des jungen Pärchens Jesse (Nick Stabile) und Jade (Katherine Heigl)…

Hei, was für eine Gaudi! Nicht ohne Grund ist „Chucky und seine Braut“ meine Lieblingsepisode der Serie. Nehmen sich die ersten drei Teile noch weitestgehend ernst, steht beim vierten Teil der Spaß an erster Stelle. Wie so oft gilt: Willst du etwas besser machen, brauchst du die richtige Frau an deiner Seite. Und Tiffany ist das Beste, was der Chucky-Reihe passieren konnte. Die Dialoge zwischen ihr und Chucky sind ebenso makaber wie die originellen Todesarten, welche zwar wesentlich blutiger als in den Vorgängern ausfallen, aufgrund der humorvollen Inszenierung aber dennoch eher zum Lachen als zum Gruseln animieren. Spätestens wenn Chucky und Tiffany sich ihren Gelüsten, und damit meine ich nicht das Töten, hingeben, weiß auch der letzte Zuschauer, dass die Macher den Film nicht als harten Horrorschocker verstanden wissen wollen.

Als I-Tüpfelchen gibt es unzählige Anspielungen auf andere Horrorfilme (u.a. gibt es Verweise auf „Hellraiser“, „Freitag, der 13.“ und „A Nightmare On Elm Street“) sowie auf die eigene Serie. So antwortet Chucky auf die Frage, wie das alles geschehen konnte „Das ist eine lange Geschichte. Wäre dies ein Film, bräuchte man bestimmt drei oder vier Teile, um das alles zu erzählen.“. Anspruchslos, aber witzig.

Die Tricktechniker durften sich erneut austoben und leisten wieder einmal hervorragende Arbeit. Die Mimik der Puppen wurde nochmal verfeinert und die Ergebnisse des blutigen Treibens dem Jahrzehnt angepasst.

„Chucky und seine Braut“ unterscheidet sich immens von den Vorgängern, läutet eine neue Ära der Reihe ein und setzt sich mit wohl verdienten 9/10 Punkten an die Spitze. Solch eine Frischzellenkur würde auch anderen Horrorreihen mehr als gut tun.

Inzwischen haben wir 0:20 Uhr und ich beginne müde zu werden. Werde ich auch den letzten Teil im Rahmen meines Chucky-Marathons schaffen? Schauen wir mal…

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Kurz und knapp: Chucky 3

So, das war also der dritte Teil des biestigen Rotschopfs. Ich konnte mich nur noch daran erinnern, dass er in einer Militärschule spielt und eine attraktive Hauptdarstellerin zu bieten hat. Nachdem ich ihn eben frisch gesehen habe, weiß ich auch wieder, wieso das alles ist, woran ich mich erinnern konnte…

8 Jahre sind seit den letzten Geschehnissen vergangen. Andy hat sich im Laufe der Jahre zu einem ausgewachsenen Teenager entwickelt und besucht inzwischen eine Militärschule. Als es auf dem Gelände zu rätselhaften Unfällen mit Todesfolge kommt, weiß Andy, dass Chucky ihm erneut auf den Fersen ist…

„Chucky 3“ versucht gar nicht erst, eine Erklärungen dafür zu liefern, wieso der Serienmörder wieder unter den Lebenden weilt. Es ist halt einfach so, warum auch immer. Statt sich lange mit einer Vorgeschichte aufzuhalten, wird die Story unmittelbar nach dem Eröffnungsmord an die Militärschule verlegt. Prinzipiell ist das ja auch gut so und entspricht dem Stil der Vorgänger, doch leider ist das blutige Treiben dort trotz der kurzen Laufzeit so dermaßen langatmig inszeniert, dass man unweigerlich alle fünf Minuten auf die Uhr schaut. Erschwerend kommt hinzu, dass die Morde allesamt reichlich unspektakulär ausfallen. Ich würde sogar so weit gehen, sie als langweilig zu bezeichnen. Und von dem nervigen schwarzen Jungen fange ich lieber gar nicht erst an.

Immerhin befinden sich die Effekte auch im dritten Teil auf einem hohen Niveau. Und dank der oben bereits erwähnten attraktiven Darstellerin gibt es nicht nur etwas fürs männliche Auge, sondern auch die eine oder andere humorvolle Szene.

Insgesamt ist das aber deutlich zu wenig, weswegen der Film nur eine wohlwollende 4/10 erhält. Und damit kann er sich glücklich schätzen.

Drei Filme geschafft, zwei noch zu bewältigen. Weiter geht’s…

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Sven Kietzke
Sven Kietzke
@svenkietzke@www.svenkietzke.de

Chroniken eines fotografierenden Filmnerds

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