Im Kino gesehen: Ruinen

Zuerst das Buch lesen und dann den Film schauen? Oder zuerst den Film schauen und dann das Buch lesen? Wie sollte man aus taktischen Gründen vorgehen? Ich habe nun schon mehrfach beide Varianten getestet und komme zu folgendem Ergebnis: Weder noch, sondern entweder oder! Denn egal womit ich anfing, ich war vom zweiten Medium meistens enttäuscht. Selbst wenn das zweite Medium eigentlich alles richtig macht …

Worum geht’s

Die vier Freunde Jeff (Jonathan Tucker), Eric (Shawn Ashmore), Amy (Jena Malone) und Stacy (Laura Ramsey) verbringen einen gemeinsamen Urlaub in Mexiko. Am Pool lernen sie Mathias (Joe Anderson) kennen, dessen Bruder Heinrich zusammen mit einer jungen Frau zu einer geheimen Grabungsstätte aufgebrochen ist. Gemeinsam mit dem Griechen Dimitri (Dimitri Baveas) wollen sie ihren letzten Urlaubstag nutzen, um Heinrich und dem verborgenen Maya-Tempel einen Besuch abzustatten. Kaum angekommen, wird die Gruppe von Mayas umstellt. Schon bald ist klar: Wer die Ruinen einmal betritt, darf sie nicht wieder verlassen. Und die Mayas sind dabei noch die kleinsten aller Sorgen …

Meine Meinung

Sehr schön. Endlich mal wieder ein Horrorfilm fernab des typischen 08/15-Teenie-Horrors. Nicht dass ich etwas gegen schöne junge Menschen (speziell schöne junge Menschen mit Brüsten) hätte, die vor einem sadistischen Killer flüchten, aber ab und zu dürfen es auch gerne mal schöne junge Menschen sein, die vor etwas anderem flüchten. Oder auch gar nicht flüchten, wie in diesem Fall.

Wer das Buch „Dickicht“ kennt, weiß größtenteils, was ihn erwartet. Der Film weicht zwar in einigen Details ab und vertauscht z.B. das Schicksal der Charaktere, bleibt der Vorlage aber größtenteils treu, was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass Autor Scott Smith sich nicht nur für den Roman, sondern auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Und so kommt der Zuschauer auch im Kino in den Genuss eines atmosphärischen Überlebenskampfes, der nicht mit unappetitlichen Szenen wie z.B. einer ziemlich unprofessionellen Beinamputation geizt.

Ob bei diesem Überlebenskampf auch Spannung aufkommt, dürfte hauptsächlich davon abhängig sein, ob der Zuschauer die Vorlage gelesen hat oder nicht. Ich selbst bereue es, den Roman erst vor wenigen Wochen verschlungen zu haben, da die einzelnen Szenen ihre Wirkung so nicht mehr voll entfalten konnten und die Überraschungsmomente sowie die Aha-Erlebnisse zwangsläufig ausblieben. Als „unbeleckter“ Zuschauer ohne jegliche Vorkenntnisse hätte ich das Kino vermutlich voller Begeisterung verlassen.

Umso mehr habe ich mich dafür über den „Feind“ gefreut, der wirklich hervorragend designt wurde und jederzeit extrem bedrohlich wirkt. Dachte ich beim Lesen des Romans noch, dass einzelne Szenen in Bild und Ton lächerlich wirken könnten, so waren es gerade diese, die mir im Kino am besten gefielen und trotz aller Vorkenntnisse die eine oder andere Gänsehaut verursachten.

Mein Fazit

Atmosphärischer Horrorfilm mit unverbrauchtem Szenario, der trotz seiner 16er-Freigabe erstaunlich hart zu Werke geht und eine willkommene Abwechslung zum sonstigen Horror-Einheitsbrei darstellt.

Meine Wertung: 7/10

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Demnächst im Kino: The Fighters

the_fighters_poster „Wer will denn sowas noch sehen?“ sagte mein Sitznachbar während des Trailers zu seiner Begleitung.
„Ich.“ dachte ich, während ich gleichzeitig vor Scham in meinem Kinositz versank.

Ich gebe es zu: Ich liebe diese typischen 80er-Jahre-Kampfsportfilme. Ein Junge kommt auf eine neue Schule, verliebt sich in das hübscheste Mädchen, wird von deren Freund vermöbelt (oder zumindest blamiert), trainiert verbissen und zeigt dem pösen Purschen am Ende, was eine Harke ist. So einfach kann eine Konfliktlösung sein.

In dem am 14.08.2008 startenden „The Fighters“ (dessen Originaltitel „Never Back Down“ mich irgendwie an „No Retreat, No Surrender“, sprich „Karate Tiger“ erinnert) heißt dieser Junge Jake (Sean Faris). Sein Schwarm Baja (Amber Heard). Deren prügelnder Freund Ryan (Cam Gigandet). Und der Trainer, der Jake aus seinem Formtief reißt, Jean (Djimon Hounsou). Mehr muss man vermutlich nicht wissen.

Das Ganze schaut wie eine Mischung aus „American Karate Tiger“ und „Fight Club“ aus, mit gezieltem Blick auf das jüngere Publikum. Aber das stört mich nicht im Geringsten, denn in den 80ern war ich schließlich auch noch ein Kind. Und irgendwie bin ich das auch heute noch.

Der Trailer lässt auf einen flotten Kampfsportfilm im Stil der guten alten Zeit hoffen. Also einfältig und oberflächlich. Genau so, wie ich es mag. In diesem Sinne: Ich freu mich drauf!

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Im Kino gesehen: Funny Games U.S.

Wider Erwarten lief das 1:1-Remake des damals wie heute kontrovers diskutierten „Funny Games“ doch noch im CinemaxX Kiel an. Da ich das Original noch nicht kannte bzw. kenne, war dies eine gute Gelegenheit, sich endlich ein eigenes Bild zu machen …

Worum geht’s

Er sieht aus wie der nette Junge von nebenan. Und so denkt sich Ann (Naomi Watts) nichts dabei, als Peter (Brady Corbet) vor ihrer Tür steht und sie höflich um ein paar Eier bittet. Auch als Paul (Michael Pitt) hinzukommt, ahnt Ann noch nicht, was die folgende Nacht bringen wird. Erst als die beiden jungen Männer sich weigern zu gehen, Anns Mann George (Tim Roth) mit einem Golfschläger außer Gefecht setzen und das Paar zusammen mit dem kleinen Georgie (Devon Gearhart) ins Wohnzimmer bringen, begreift Ann, dass ihre Familie Teil eines makaberen Spiels geworden ist. „Wir wetten, dass ihr morgen früh kaputt sein werdet.“ Das Spiel beginnt …

Meine Meinung

Hmmm … hmmm … kennt ihr das Wort „Zwickmühle“? In der stecke ich nämlich gerade. Grund dafür ist weniger der Film, sondern vielmehr der Regisseur. Während ich diese Zeilen tippe, neige ich dazu, den Film für die Äußerungen seines Regisseurs bestrafen zu wollen. Ist das fair? Eigentlich nicht. Denn der Film ist wirklich sehenswert. Ich sag euch was: Ich komme später darauf zurück.

Das Grauen kommt auf leisen Sohlen. Und das ist wörtlich zu nehmen, denn abgesehen vom Vorspann wird auf Musik fast vollständig verzichtet. Dadurch wirkt das Geschehen unheimlich beklemmend und trostlos, was eine hervorragende Atmosphäre erzeugt. So man denn gewillt ist, sich darauf einzulassen. Denn über eines sollte man sich im Klaren sein: Einen actionreichen Thriller darf man nicht erwarten. Auch auf Blut muss der interessierte Zuschauer trotz der 18er-Freigabe verzichten. Die Gewalt wird ausnahmslos ausgeblendet und nur über die Gesichter der Darsteller zum Publikum transportiert. Und diese machen ihre Sache wirklich gut, wobei besonders Naomi Watts und Michael Pitt zu erwähnen sind.

So weit so gut. Als spannender Thriller würde der Film zweifellos funktionieren. Doch Regisseur Michael Haneke geht es nicht darum, einen spannenden Film abzuliefern. Er möchte dem Publikum einen Spiegel vorhalten und auf den Konsum von Gewalt in Medien hinweisen. Also lässt er Paul ab und an mit dem Zuschauer reden. „Sie sind doch auf ihrer Seite, oder?“ fragt dieser grinsend in die Kamera. Ja, natürlich bin ich das. Doch selbst wenn nicht, wäre auch das okay. Denn das ist nur ein Film. Ein Film, lieber Herr Haneke.

„Ich sage immer, dass jeder, der sich diesen Film bis zum Schluss anschaut, ihn offensichtlich nötig gehabt hat.“

„Hollywood manipuliert doch ständig. Schauen Sie sich doch den Film „Air Force One“ an. Das ist reine amerikanische Polit-Propaganda. Aber es ist so verkauft worden, dass wir es gar nicht merken. Und das halte ich für sehr gefährlich.“

„Ich weiß nur, dass wir heute in einer Gesellschaft leben, in der wir Gewalt wahrnehmen, wie wir einen warmen Sommerwind wahrnehmen. Kaum etwas schockiert noch, kaum etwas bringt uns zum Nachdenken.“

Drei Zitate aus einem Stern-Interview. Ganz abgesehen davon, dass der Patriotismus in „Air Force One“ nun wirklich nicht zu übersehen war, kann jeder geistig normale Mensch zwischen gespielter und realer Gewalt unterscheiden. Und, das ist meine ganz persönliche Meinung, der Mensch braucht Gewalt und Horror. Denn trotz unserer Entwicklung haben wir eines nie verloren: Unsere niederen Instinkte. Und aus diesem Grund schauen wir Action- und Horrorfilme, die Gewalt zur Unterhaltung einsetzen. Um diese Instinkte zu befriedigen. Ist das verwerflich? Nein. Ist das primitiv? Vielleicht. Ist das menschlich? Ja.

Mein Fazit

Als Thriller durchaus sehenswert, sofern man sich für ruhige Filme begeistern kann. Als Aussage jedoch ist „Funny Games U.S.“ viel zu oberflächlich, um ihn ernst nehmen zu können …

Meine Wertung: 6/10

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Daheim gesehen: Skinwalkers

Filme, die bei uns Direct-To-Video erscheinen, waren lange Zeit nicht mehr als schlecht gemachte B- oder C-Filme.  Mit Grausen denke ich dabei an Machwerke wie „Octopus“ oder „Crocodile“, die man sich höchstens gemeinsam mit Freunden und einer gehörigen Portion Alkohol an einem Trash-Abend anschauen kann. Doch heutzutage kann man, ähnlich wie beim Überraschungsei, Glück haben und einen … gut gemachten B- oder C-Film erwischen. Ob „Skinwalkers“ sich zu dieser Gattung zählen darf, erfahrt ihr hier und jetzt!

Die Story … check!

Blöd, aber nicht zu blöd. Zweckmäßig, aber nicht langweilig. Größere Anforderungen sollte man an solch einen Film nicht stellen. Und „Skinwalkers“ erfüllt sie: Zwei verfeindete Werwolfclans (die einen stubenrein und gut, die anderen verfressen und böse), eine Prophezeiung von einem auserwählten Kind, das den Krieg beenden wird und eine von alledem nichts ahnende Mutter, die zwischen die Fronten gerät und eine größere Rolle spielt, als ihr anfangs bewusst ist. Wenn ich es mir recht überlege, ist die Story für einen B-Film schon beinahe zu komplex …

Die Effekte und die Action … check!

Einen Knaller im Stil von „Underworld“ darf man beim Einlegen der DVD nicht erwarten. Auch wenn der Film sich redlich bemüht, sieht man ihm sein geringes Budget jederzeit deutlich an. Weder die Verwandlungen noch die Masken, die mich eher an „Der Wolfsmensch“ als an einen modernen Werwolfsfilm erinnerten, können ihre Herkunft leugnen. Immerhin wurden die Actionszenen, meist mit Handfeuerwaffen ausgetragen, stylisch und flott inszeniert – auch wenn sie des öfteren unfreiwillig komisch wirken. So erinnert die erste Schießerei, in der sich die vermeintlich friedlichen Kleinstadtbewohner als erstaunlich waffenkundig outen, mehr als nur dezent an das Finale von „Hot Fuzz“ …

Die Schauspieler … check!

Große Namen sind zwar nicht vertreten, aber mit Jason Behr („The Grudge – Der Fluch“, „Roswell“) und vorallem Elias Koteas („God’s Army“, „Collateral Damage“, „Shooter“) sind die wichtigsten männlichen Charaktere recht ansprechend besetzt. Besonders Koteas nimmt man seine Rolle des tragischen Helden jederzeit ab, während Behr hauptsächlich gut aussehen und sein Talent nur in wenigen Szenen durchblitzen lassen darf.

Die Schauspielerinnen (in B-Filmen auch Babes genannt) … check!

Hierzu erspare ich mir ausufernde Kommentare und verweise auf:

Ex-Lara Rhona Mitra („Boston Legal“, „Shooter“ und aktuell „Doomsday“)
DoA-Schnuckelchen Sarah Carter („Dead Or Alive“, „Shark“)
DoA-Schnuckelchen II Natassia Malthe („Dead Or Alive“, „Elektra“)

Sehen alle drei hervorragend aus und können auch zweckmäßig bis gut schauspielern. Glaube ich zumindest … erwähnte ich schon, dass alle drei hervorragend aussehen?

Mein Fazit

„Skinwalkers“ bietet eine gelungene Mischung aus Action und Horror für den kleinen Hunger zwischendurch. Besonders angetan bin ich davon, dass Regisseur James Isaac nicht davor zurückschreckt, Sympathieträger über die Klinge (bzw. in diesem Fall über die Klaue) springen zu lassen. Und das unter für einen B-Film emotional außergewöhnlich ausgefeilten Rahmenbedingungen. Ganz ehrlich: Ich wäre einer Fortsetzung gegenüber nicht abgeneigt. Und das nicht nur wegen der Mädels!

Meine Wertung: 6/10

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Der kleine Unterschied im Kino: Sex And The City

sexandthecity_poster Vor kurzem fand im Kieler CinemaxX eine Lady’s Night für „Sex And The City“ statt. Und was sich dort abspielte, war durchaus faszinierend: Ein Foyer voller Frauen, aufgestylt, als würden sie bei Dieter Bohlen oder Olli Kahn vorsprechen wollen. Die Luft schwanger von Parfüm und anderen Düften, die weder ort- noch erklärbar waren. Und ein Lärmpegel, den selbst ein bekannter österreichischer Hobbymaler nicht hätte brechen können. Seit diesem Erlebnis habe ich von meinem einstigen Traum, eines Tages der letzte Mann auf Erden unter zahlreichen Frauen zu sein, deutlichen Abstand genommen …

Worum geht’s (in absoluter Kurzfassung)

Carrie (Sarah Jessica Parker) ist noch immer glücklich mit ihrem Mr. Big (Chris Noth) liiert. Als die beiden eine neue Wohnung beziehen möchten, kommt auch das Thema „Zukunft“ zur Sprache und so beschließen die beiden, endlich zu heiraten. Eine unbedachte Äußerung der von ihrem Mann frisch betrogenen Miranda (Cynthia Nixon) sorgt dafür, dass Mr. Big kalte Füße bekommt. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf …

Meine Meinung

Obwohl ich nichts gegen typische „Frauenserien“ habe, ich bin bekennender „Grey’s Anatomy“-Gucker, ist das Phänomen „Sex And The City“ irgendwie an mir vorbeigegangen. Also war der gestrige Kinobesuch mein erster Ausflug in die Welt von Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda. Und er wird wohl auch mein einziger bleiben.

sexandthecity_1 Angeblich sollen Männer durch „Sex And The City“ lernen können, wie die Frau von heute tickt, doch schon Sarah Jessica Parkers erster Anblick löste bei mir erhebliche Zweifel aus: Möchte die moderne Frau wirklich eine Blume auf der Schulter tragen, so groß, dass ein ganzer Bienenschwarm darin eine Orgie feiern könnte? In den folgenden 140 Minuten gesellten sich noch weitere Fragen hinzu: Ist es erstrebenswert, sein Geld für geliehene Designer-Handtaschen auszugeben? Müssen Frauen in den Vierzigern zu jeder Gelegenheit kreischen wie eine 14-Jährige beim Besuch eines Tokio-Hotel-Konzerts? Und stellt ein begehbarer Kleiderschrank wirklich den Himmel auf Erden dar?

Neben der Aussage, dass Frauen anscheinend nichts weiter sein wollen als freiwillige Marketing-Opfer, war ich besonders von dem Humor des Films fasziniert – zumal ja bekannt ist, dass Frauen diesbezüglich wesentlich anspruchsvoller sind als wir Männer. So ist der beste Witz dann auch eindeutig Carries Kommentar zum von Steve Jobs hoch gelobten und laut Werbung außerordentlich intuitiven iPhone: „Keine Ahnung wie das funktioniert.“ Ein wirklich schöner Seitenhieb. Lachen musste an dieser Stelle nur ich. Dafür wurde laut gegrölt, als Charlotte sich in die Hosen machte. Groß. Während ich mich in dieser Szene wie gewohnt zusammenriss, jahrelang wiederkehrende Vorwürfe nach dem Motto „Ihr Männer lacht doch auch nur über den primitivsten Scheiß!“ zeigen halt doch irgendwann ihre Wirkung, kringelten sich die Frauen in ihren Sitzen. Und da war er wieder, dieser kleine Unterschied. Hätte ich eine der anwesenden Frauen auf diese Szene angesprochen und sie gefragt, wieso diese jetzt lustig sei, eine vergleichbare Szene in „Scary Movie 37“ aber nicht, ich wette, sie hätte mit „Das ist etwas völlig anderes!“ geantwortet.

sexandthecity_2 Wo wir gerade bei Unterschieden sind: Während wir Männer uns mit einer angezogenen!!! Megan Fox zufrieden geben, die sich über eine geöffnete Motorhaube beugt (und selbst dafür noch Schelte bekommen), wird bei „Sex And The City“ aus den Vollen geschöpft und ein nackter Adonis in Zeitlupe beim Duschen gezeigt. Selbstverständlich inklusive eines Blickes auf das Körperteil der weiblichen Begierde. Wer glaubt, dass wir Männer bei einer in Zeitlupe nackt duschenden Megan Fox ebenso seufzen und stöhnen dürften wie das weibliche Publikum in der besagten Szene, der möge jetzt sprechen. Oder für immer schweigen.

Was bleibt, ist die Gewissheit, dass Frauen im Grunde nicht minder primitiv sind als wir Männer: Gebt ihnen 2 1/2 Stunden auf Zelluloid gebannte Klischees (bei Frust wird wahlweise eingekauft, gegessen oder die Frisur geändert) und sie sind ebenso glücklich wie wir beim Betrachten des nächsten Actionstreifens. Der kleine Unterschied: Wir müssen uns dafür rechtfertigen. Sie sich nicht.

Mein Fazit

Durchschnittliche Romantikkomödie, die ihre TV-Herkunft entweder nicht verbergen kann oder nicht verbergen möchte,  mit sich wiederholenden Witzen nervt (ein rammelnder Hund ist schon beim zweiten Mal nicht mehr lustig) und nur in den ruhigen und emotionalen Szenen zu überzeugen weiß.  Im Endeffekt also nichts, was auf die große Leinwand gehört. Für Fans allerdings vermutlich ebenso eine Offenbarung wie für mich der erste (und hoffentlich auch nächste) Akte-X-Kinofilm …

Meine Wertung: 5/10 (Frauen dürfen an die 5 gerne noch eine Gucci-0 dran hängen)

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Im Kino gesehen: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Ich muss zugeben, dass ich „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ bereits in der Preview am 21.05. gesehen habe. Schuld an dieser späten Review ist keineswegs meine Faulheit oder das schöne Wetter, sondern vielmehr die Tatsache, dass ich über das Gesehene ein wenig nachdenken und vor der Review noch einmal die ersten drei Teile schauen wollte.

Worum geht’s

1957. Area 51. Ein US-Konvoi verschafft sich gewaltsam Zutritt, die vermeintlichen Amerikaner entpuppen sich als Russen auf der Suche nach einem Artefakt. Ihr Gefangener: Dr. Henry Jones Jr. (Harrison Ford), besser bekannt als Indiana Jones. Indy kann den Russen zwar durch eine halsbrecherische Aktion entkommen, das Artefakt muss er ihnen aber überlassen. Wieder an seiner Universität angekommen, erfährt Indy von dem jungen Mutt Williams (Shia LaBeouf), dass die Russen auf der Suche nach der geheimnisvollen Stadt Akator sind, von der sie sich grenzenlose Macht erhoffen …

Meine Meinung

Bevor ich zum neuesten Indiana-Jones-Streich komme, muss ich noch ein paar Worte zu den ersten drei Teilen verlieren. Keine Angst: Wirklich nur ein paar! Ich mag die alten Indy-Filme. Ich mag sie sogar sehr. Aber ich kann euch nicht erklären, wieso ich sie eigentlich so sehr mag. Versuche ich die Filme objektiv zu betrachten, blicke ich auf drei Abenteuerfilme mit gradliniger Story zurück, mit denen ich kein Aha-Erlebnis verbinde. Vielmehr sind es die vielen Kleinigkeiten, die sich zu einem Ganzen, einem Großen summieren. Und damit komme ich auch schon zu „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“.

Als ich das Kino verließ, war ich ein wenig unschlüssig, was ich von dem neuen Indy halten sollte. Doch je mehr ich darüber nachdenke und je mehr ich mein modernes, Highlight-geprägtes Sehverhalten abstreife, umso besser gefällt er mir. Wie die alten Teile bietet auch der vierte Indy keine Aha-Erlebnisse, bei denen ich dachte „Genau dafür wurde das Kino erfunden!“.  Aber das macht gar nichts, denn stattdessen kann er mit der gewohnten Mischung aus Abenteuer, (überzogener) Action und Humor aufwarten. Und die funktioniert auch im Jahr 2008 immer noch perfekt. So vergingen die zwei Stunden im Kino wie im Flug, ganz im Gegensatz zu dem Dauergrinsen, das ich dank zahlreicher Anspielungen und Querverweise nicht aus meinem Gesicht verbannen konnte. So kommt zum Beispiel eine Schlange zu einem grandiosen Auftritt und darf Harrison Ford seiner Han-Solo-Rolle aus „Star Wars“ huldigen. Großartig!

Eines muss allerdings klipp und klar gesagt werden: Indy ist mit der Zeit gegangen. Damit meine ich keineswegs die Inszenierung, die passt sich nämlich perfekt der alten Teile an, sondern vielmehr die Story um den Kristallschädel und die Stadt Akator. Wer sich nicht damit abfinden kann, dass der Film in den Fünfzigern spielt, in einer Zeit, in der Alien-Hysterie Hochkonjunktur hatte, und Indiana-Jones-Filme lediglich mit religiösen Artefakten in Verbindung bringt bzw. bringen möchte, wird mit dem Film ein Problem haben.

Ebenfalls ein Problem haben werden diejenigen, die auf Realismus in Actionszenen wert legen. Allerdings kreide ich die Tatsache, dass Dr. Henry Jones Jr. mehr Glück als John Rambo in Birma hat, dem Film nicht an:  Dass Realismus in einem Indy-Film nicht viel zu suchen hat und oft durch Glück ersetzt wird, ist hinlänglich bekannt und gehört einfach dazu. Man erinnere sich nur an die Schlauchboot-Szene in „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ …

Harrison Ford, gealtert, aber keineswegs alt, spielt seine Paraderolle mit sichtlicher Freude und empfiehlt sich durchaus für ein oder zwei weitere Fortsetzungen. Und dann bitte wieder im Zusammenspiel mit Shia LaBeouf – der im Internet aus mir nicht verständlichen Gründen gehasst wird wie kein zweiter. Okay, durch Uwe Boll wird er eventuell getoppt, aber das war es dann auch. Sei es drum: Die Chemie zwischen Ford und LaBeouf stimmt ebenso wie die zwischen Ford und Karen Allen, die in die Rolle der Marion Ravenwood zurückkehren durfte. Ein wenig blass bleiben hingegen Cate Blanchett als Indys Gegenspielerin Irina Spalko, John Hurt als Professor Oxley und vorallem Ray Winstone als Indys Freund Mac. Schade, denn bei diesen Schauspielern wäre sicherlich mehr Tiefe drin gewesen.

Die musikalische Untermalung von John Williams tendiert zwischen „ganz nett“ (das neue Theme) und „Gänsehaut pur“ (die alten Themes, bevorzugt das der Bundeslade). Neue Akzente setzen kann er mit diesem Score leider nicht.

Mein Fazit

Herrlich altmodischer Film, der wie die vorherigen Teile ohne echte Höhepunkte auskommt (steinigt mich für diese Aussage ruhig), dafür aber von Anfang bis Ende auf einem erfreulich hohen Niveau unterhält. Derzeit genießt der Film zwar noch den Ruf, nicht so recht zu den alten Teilen passen zu wollen, aber ich denke, diesen Ruf wird er noch abstreifen. Ein Film, der mit der Zeit reift.

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Akte X: Jenseits der Wahrheit – neuer Trailer und neue Stimme

Tja, leider ist der Kampf Völz vs. Fox nicht so ausgegangen, wie ich es mir erhofft hatte: Mulder hat eine neue Stimme bekommen. Und zwar Johannes Berenz, den die meisten vermutlich mit Ben Affleck in Verbindung bringen dürften.

Wie sich das ganze anhört, könnt ihr bei der Zeitung unseres Vertrauens im neuen Trailer bewundern:

Klick mich

Schlecht klingt Mulder zwar nicht, aber Völz wäre mir dann doch wesentlich lieber gewesen.

Wer den, meiner Meinung nach hervorragend gelungenen, Trailer in besserer Qualität und vorallem in der Originalsprache erleben möchte, möge sich bitte für Tor 1, 2 oder 3 entscheiden:

480p
720p
1080p

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Daheim gesehen: The Contract

Ich mag John Cusack. Und ich mag Morgan Freeman. Und Survival-Thriller mag ich erst recht. Also müsste ich einen Survival-Thriller mit John Cusack und Morgan Freeman in den Hauptrollen doch eigentlich lieben, richtig? Falsch …

Worum geht’s

Profikiller Frank Carden (Morgan Freeman) wird in einen Autounfall verwickelt und landet im Krankenhaus. Zu seinem Unglück wird die örtliche Polizei ihrem schlechten Ruf nicht gerecht, findet seine wahre Identität heraus und beschließt, ihn dem FBI zu übergeben. Doch Franks Kollegen starten einen Befreiungsversuch, in dessen Verlauf Frank mitsamt des Wagens in einen Fluss stürzt. Aufgesammelt wird er von Ray (John Cusack) und dessen Sohn Chris (Jamie Anderson), die in den Wäldern gerade zum Camping aufbrechen wollten. Obwohl Frank ihn vor ihren Verfolgern warnt, beschließt Ray, den Profikiller nicht laufen zu lassen, sondern ihn den Behörden zu übergeben …

Meine Meinung

Schade. Wirklich sehr sehr schade. Der Film hätte wirklich Potential gehabt. Er hätte uns ein spannendes Psychoduell zwischen Freeman und Cusack bieten können. Und eine spannende Katz-und-Maus-Jagd durch die Wälder. Und eine spannende Verschwörungsgeschichte rund um Franks Auftrag samt des dazugehörigen Auftraggebers. Doch „The Contract“ liefert nicht einmal eines davon. Sicher, alles wird irgendwie angedeutet, aber nichts wird konsequent bis zum Ende geführt. Die Dialoge zwischen Frank und Ray liegen irgendwo zwischen „ganz nett“ und „absolut belanglos“, was besonders bei zwei großartigen Schauspielern wie Freeman und Cusack auf ganzer Linie enttäuscht. Die Actionszenen im Wald wurden zwar solide inszeniert (von dem Hubschrauberabsturz abgesehen, der wirkte auf mich eher lächerlich), sind aber keineswegs packend und zudem zu rar gesät, um den Actionfan bei der Stange zu halten. Bleibt noch Franks Auftrag und die dazugehörige Verschwörung, von der der Zuschauer leider nur erfährt, dass es sie gibt, nicht aber, wieso es sie gibt, was sich hinter ihr verbirgt und wer noch alles an ihr beteiligt ist.

Aber vielleicht ist das auch alles so gewollt, um dem Film einen realistischen Touch zu verleihen: Über Verschwörungen wird man niemals alles erfahren, ein Lehrer wird auch in Ausnahmesituationen niemals zum Ersatz-Rambo mutieren und zu oscarverdächtigen Dialogen wird es in solch einer Situation im wahren Leben vermutlich auch nie kommen. Zu schade, dass die Realität und der Unterhaltungsfaktor oft so weit voneinander entfernt liegen.

Bevor ich hier falsch verstanden werde: „The Contract“ ist beileibe kein schlechter Film geworden. Freeman und Cusack spielen ebenso solide wie die Nebendarsteller und als Gesamtwerk betrachtet bleibt der Film interessant genug, dass man nicht nach der Fernbedienung schielt, um dem Treiben vorzeitig ein Ende zu bereiten. Allerdings ist er gemessen an dem, was alles möglich gewesen wäre, eine herbe Enttäuschung.

Mein Fazit

Mittelmäßiger Survival-Thriller, der zu viel Potential verschenkt und sich nahtlos in die Reihe der „Kann-man-mal-gucken-muss-man-aber-nicht-Filme“ einreiht. Fans dürfen durchaus einen Blick riskieren, sollten aber nicht zu viel erwarten.

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The X-Files: I Want To Believe – seit heute gibt’s den Trailer auch in hübsch!

Und zwar bei IGN. Im Endeffekt handelt es sich dabei zwar nur um eine leicht aufgebohrte Variante des abgefilmten Trailers, aber dennoch steigert es die Vorfreude auf den zweiten Akte-X-Kinofilm nicht unerheblich, Mulder und Scully in entsprechender Qualität auf dem Bildschirm zu sehen.

Wenn mir jetzt noch jemand verraten kann, wo ich meine FBI-Jacke gelassen habe, wäre ich fast glücklich … und nein: Sie liegt weder auf dem Dachboden noch im Keller! *grummel*

P.S.: Meine beiden Scream-Masken vermisse ich übrigens auch … Hilfe!!!

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Im Kino gesehen: [Rec]

Genau 10 Jahre ist es jetzt her, dass mit „The Last Broadcast“ der erste als Dokumentation getarnte Spielfilm das Licht der Welt erblickte (man korrigiere mich bitte, sollte es davor schon einen Film in diesem Stil gegeben haben). Trotz des Erfolges des ein Jahr später folgenden „Blair Witch Project“ blieben weitere Filme in diesem Stil Mangelware. Bis heute. Bewies „Cloverfield“ bereits eindrucksvoll, dass große Monster noch viel größer wirken können, wenn nur die Perspektive stimmt, sollen nun mit „Diary Of The Dead“, „[Rec]“ und dem bald folgenden US-Remake „Quarantine“ die Zombies noch grauenvoller wirken, als sie es ohnehin schon tun …

Worum geht’s

Die spanische Moderatorin Ángela (schnuckelig: Manuela Velasco) und ihr Kameramann Pablo recherchieren für die Sendung „Während Sie schlafen“. Thema der Sendung: Die Feuerwehr. Als die beiden Feuerwehrmänner Manu (Ferran Terraza) und Álex (David Vert) zu einem Einsatz ausrücken, sehen Ángela und Pablo den bislang eher langweiligen Bericht gerettet und begleiten die beiden. Im betroffenen Mietshaus angekommen, erfahren sie von den Anwohnern, dass aus einer Wohnung der oberen Etage grauenvolle Schreie zu vernehmen waren. Als sie zusammen mit zwei Polizisten die Wohnung betreten, werden sie von einer blutverschmierten Frau angegriffen, die einem der Polizisten eine lebensgefährliche Bisswunde zufügt. Um Hilfe zu holen, wollen sie das Haus verlassen, doch die Umweltbehörde ist inzwischen eingetroffen und hat das Haus samt aller Insassen unter Quarantäne gestellt …

Meine Meinung

Eines vorweg: Ich mag Filme im Dokumentationsstil. Sowohl „Blair Witch Project“ als auch „Cloverfield“ („The Last Broadcast“ lasse ich mal außen vor, da ich den Film nur zu Hause und nicht im Kino gesehen habe, was einen Vergleich der Wirkung unmöglich macht) konnten mich fesseln und durch ihren eigenwilligen Stil begeistern. „[Rec]“ hat dies leider nicht geschafft. Und das, obwohl die Ausgangslage wirklich gelungen und durchaus beklemmend ist: Ein großes Haus und ein Dutzend Eingeschlossener, die alle nur darauf warten, gebissen und selbst zum Untoten zu werden – Zombieherz, was willst du mehr?

Nun, zum Beispiel interessante bzw. sympathische Charaktere: Die Moderatorin sieht zwar unglaublich süß aus, aber viel mehr als gut aussehen, in der Gegend stehen und schreien tut sie nicht. Und das nervt. Eigentlich (und uneigentlich auch) fällt mir als Sympathieträger lediglich Manu ein, alle anderen Charaktere bleiben so blass wie der Joker im Mondlicht. Schlechte Voraussetzungen, um mit den Figuren mitzufiebern.

Hinzu kommt, dass der Film unnötige Längen aufweist. Ist der erste Angriff überstanden, zieht sich die Mitte schier endlos hin. Erst im letzten Drittel nimmt der Film wieder Fahrt auf und zieht die Spannung an. Und das enorm. Die letzten 15 Minuten gehören zum Intensivsten, was ich in den letzten Monaten in einem Horrorfilm erleben durfte. Außerdem nimmt die Geschichte am Ende eine interessante Wendung, die sicherlich nicht jedem gefallen wird, mir aber sehr zugesagt hat.

Die Schauspieler machen ihre Sache gut, empfehlen sich aber nicht unbedingt für den Oscar. Auch die Synchronisation, bei solchen Filmen die Achillesverse, geht in Ordnung, wobei ich annehme, dass der Film im Original wesentlich authentischer wirkt.

Mein Fazit

Durchschnittlicher Horrorfilm in Dokumentationsoptik, der mit einem tollen Finale punkten kann, bis dahin aber zu viel Potential verschenkt. Vielleicht schafft das US-Remake es ja, die Schwachstellen auszubügeln (nein, ich bin niemand, der Remakes verteufelt).

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Sven Kietzke
Sven Kietzke
@svenkietzke@www.svenkietzke.de

Chroniken eines fotografierenden Filmnerds

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