Kurzreview: Der Ja-Sager

der_ja-sager_plakat Worum geht’s

Seit seine Ex-Frau ihn verlassen hat, igelt Carl Allen (Jim Carrey) sich in seiner Wohnung ein und lässt das Leben an sich vorbeiziehen. Um nicht auch noch seinen besten Freund Peter (Bradley Cooper) zu vergraulen, nimmt Carl an einem Seminar teil, das ihn zurück ins Leben führen soll. Ab sofort muss er zu jeder sich ihm bietenden Gelegenheit „Ja“ sagen, was ihm die chaotischsten Situationen beschert …

Meine Meinung

Zu sagen, dass diese Komödie nicht originell ist, wäre noch geschmeichelt. Aber das macht nichts, denn dank teils absurd-witziger Ideen und gut aufgelegter Darsteller wird „Der Ja-Sager“ trotz der von Anfang bis Ende vorhersehbaren Geschichte nie langweilig. Während Jim Carrey wie in besten „Der Dummschwätzer“-Zeiten über die Leinwand blödelt, überzeugt vor allem Zooey Deschanel als schrullige und absolut liebenswerte Love Interest. Sehr schön, dass die Chemie zwischen ihr und Carrey nicht nur in den lustigen, sondern auch in den ruhigen Momenten stimmt.

Mein Fazit

Nette Komödie für zwischendurch nach allzu bekanntem Muster, die mit zwei sympathischen Hauptdarstellern punkten kann. Kein Hit, aber genau das Richtige für einen anspruchslos-unterhaltsamen Filmabend.

Meine Wertung: 6/10

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Mini-Review: Effi Briest

effi_briest_plakat Worum geht’s

Preußen, spätes 19. Jahrhundert. Die siebzehnjährige Effi Briest (Julia Jentsch) heiratet auf Wunsch ihrer Eltern den fast 20 Jahre älteren Geert von Instetten (Sebastian Koch). Glück findet sie jedoch in einer Affäre mit dem lebensfrohen Major von Crampas (Misel Maticevic). Eine Affäre mit Folgen …

Meine Meinung

Der Film beginnt bedrückend und optisch höchst atmosphärisch. Die gesellschaftlichen Zwänge und ihre Auswirkungen auf die jungen Effi fesseln und berühren. Doch je länger der Film lief und je weiter die Handlung voran schritt, umso mehr verlor ich das Interesse an dem Schicksal der Figuren. Zu unsympathisch sind sie gezeichnet, zu belanglos sind ihre Erlebnisse inszeniert. Lediglich das Ende, welches von Theodor Fontanes Roman abweicht, konnte mich wieder überzeugen. Erstaunlich, wie viel Symbolik im Anzünden einer Zigarette stecken kann …

Mein Fazit

Solide inszenierte Romanverfilmung mit guten Darstellern und gelungenen Anfangs- und Schlussminuten, die mich im Mittelteil jedoch nicht zu überzeugen wusste.

Meine Wertung: 5/10

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Im Kino gesehen: 96 Hours

Als Fan handgemachter Actionfilme hat man es heutzutage nicht leicht. Sicherlich, es kracht im Kino an allen Ecken und Enden, aber auch wenn Filme wie “Transporter 3” durchaus unterhalten, so sind sie doch zu überzogen, um vollends überzeugen zu können. Und gibt es mal einen Film, der mit “realistischer” Action zu punkten weiß, dann ist er wie der letzte Bond-Auftritt so verwackelt und schnell geschnitten, dass man davon wenig bis gar nichts sieht. Doch immer dann, wenn man glaubt, dass altmodische Actionkino sei tot, kommt ein Film daher, der die Hoffnung wieder aufkeimen lässt …

Worum geht’s

Ex-Agent Bryan Mills (Liam Neeson) hat seinen Job an den Nagel gehängt, um mehr Zeit mit seiner Tochter Kim (Maggie Grace) verbringen zu können. Als diese mit einer Freundin nach Paris reisen möchte, hat Bryan zwar Bedenken, willigt aber auf Drängen seiner Ex-Frau Lenore (Famke Janssen) ein. Kaum in der Pariser Wohnung angekommen, dringen Unbekannte ein und entführen die beiden Mädchen. Bryan, der in diesem Moment zufällig gerade mit seiner Tochter telefoniert, hat für die Entführer nur wenige Worte übrig:

“Ich weiß nicht, wer Sie sind. Ich weiß nicht, was Sie wollen. Falls Sie auf Lösegeld aus sind, kann ich Ihnen versichern, ich habe kein Geld. Aber was ich habe, sind ganz besondere Fähigkeiten. Fähigkeiten, die ich mir im Laufe einer langen Karriere angeeignet habe. Fähigkeiten, durch die ich für Typen wie Sie zum Albtraum werde. Wenn Sie meine Tochter jetzt frei lassen, ist die Sache erledigt. Aber wenn nicht, werde ich Sie jagen. Ich werde Sie aufspüren. Und ich werde Sie töten.”

 Meine Meinung

Wer nach dem höchst atmosphärischen Trailer einen typischen Entführungsthriller erwartet, dürfte im Kino eine Überraschung erleben. Nach einer kurzen Einführung, in der ganz nebenbei klargestellt wird, dass mit Liam Neesons Charakter nicht zu spaßen ist, entpuppt sich “96 Hours” schnell als harter Actionfilm im Stil der 80er-Jahre. Im Endeffekt ist “Taken”, so der wesentlich bessere Originaltitel, ein “Phantom Kommando” ohne den übertriebenen Humor und ohne großkalibrige Waffen.

“Erkennst du mich nicht? Wir haben vorgestern telefoniert. Ich sagte doch, ich würde dich finden.”

Jack Bauer wäre stolz auf Bryan Mills. Nicht nur, dass beide ihre Töchter Kim genannt haben (ein Zufall?), beide sind ähnlich kompromisslos bei der Wahl ihrer Mittel, wenn es darum geht, einen geliebten Menschen zu befreien. Und so foltert und tötet Liam Neeson sich durch die Pariser Unterwelt, dass es eine Wonne ist. Die Folterszenen werden sicherlich dem einen oder anderen Zuschauer sauer aufstoßen, doch passen sie perfekt zu Neesons Charakter, der seine Tochter über alles liebt und bereit ist, für ihr Leben jegliche Grenzen zu überschreiten.

“Ich glaube dir. Aber das wird dich auch nicht retten.”

Kommen wir zum wichtigsten Punkt eines Actionfilms: Der Action. Von einer Verfolgungsjagd abgesehen, dominieren Schießereien und vor allem zahlreiche Handgemenge den Film. Letzte sind auf Effektivität und nicht auf Stil ausgelegt. Die Gegner werden schnell und direkt ausgeschaltet, lediglich im Finale gibt es einen längeren Kampf zu bewundern. Doch egal ob kurz oder lang, alle Kämpfe sind hervorragend choreografiert und in ihrer brutalen Direktheit wunderschön anzusehen. Und dank der im Vergleich zu anderen modernen Actionfilmen relativ ruhigen Kameraführung kann man ihnen sogar folgen. Zwar wackelt es auch in “96 Hours” ein wenig und auch der eine oder andere schnelle Schnitt ist auszumachen, doch hält sich dies stets im Rahmen, so dass die Übersicht nicht darunter leidet.

Zu den Darstellern lässt sich nur sagen, dass “96 Hours” durch und durch eine Liam-Neeson-One-Man-Show ist. Der Film lebt von seiner Wut, seiner Entschlossenheit und seiner Präsenz. Und wieder einmal wurde mir beim Schauen schmerzlich bewusst, dass Neeson viel zu selten auf der Leinwand zu sehen ist. Alle anderen Darsteller fallen weder positiv noch negativ auf, sind aber auch zu selten auf der Leinwand, um auftrumpfen oder versagen zu können.

Mein Fazit

Herrlich altmodischer Actionfilm, bei dem sowohl die minimalistische Alibistory als auch die harten und kompromisslosen Actionszenen an die guten alten 80er erinnern. Bitte mehr davon!

Meine Wertung: 9/10

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Im Kino gesehen: Er steht einfach nicht auf dich!

er_steht_einfach_nicht_auf_dich_plakat Eine Frau. Ein Mann. Ein Date. Es könnte alles so einfach sein. Dass es das nicht ist, beweist der hohe Anteil an Singles in unserer Gesellschaft. Gefühle wollen rechtzeitig erkannt, Zeichen korrekt gedeutet und Entscheidungen im richtigen Moment getroffen werden. Das menschliche Fehlverhalten lauert überall und jederzeit auf seinen großen Auftritt. Sowohl inner- als auch außerhalb einer Beziehung. Willkommen in der Welt von “Er steht einfach nicht auf dich!”.

Worum geht’s

Gigi (Ginnifer Goodwin) ist ständig auf der Suche nach ihrem Traummann. Aktuell schwärmt sie für den Makler Conor (Kevin Connolly), doch dieser ist bereits in seine beste Freundin Anna (Scarlett Johansson) verliebt. Diese hat sich allerdings gerade Hals über Kopf in ihre charmante Supermarkt-Bekanntschaft Ben (Bradley Cooper) verguckt. Zu blöd, dass dieser unglücklich mit seiner Jugendliebe Janine (Jennifer Connelly) verheiratet ist. Zum Glück steht Neil (Ben Affleck) seinem Freund Ben in dessen Gefühlschaos zu Seite. Und das, obwohl Neil gerade eigene Sorgen hat: Langzeitfreundin Beth (Jennifer Aniston) hat sich von ihm getrennt, weil er partout nicht heiraten möchte. Derweil verzweifelt Annas Freundin Mary (Drew Barrymore) an den modernen Kommunikationswegen, die für sie nichts weiter sind, als unterschiedliche Möglichkeiten, einen Korb zu bekommen. Und dann ist da noch Conors Freund Alex (Justin Long), der selbst zwar keine Gefühle zulässt, die Zeichen anderer Menschen jedoch perfekt zu deuten weiß und Gigi nach ihrer Conor-Pleite mit Rat und Tat zur Seite steht …

er_steht_einfach_nicht_auf_dich_szene_1 Meine Meinung

Wie ihr anhand der obigen Zusammenfassung erkennen könnt, erzählt “Er steht einfach nicht auf dich!” die Geschichten verschiedener Charaktere, die mal mehr, mal weniger miteinander in Verbindung stehen. Mit diesen Geschichten deckt der Film so ziemlich jedes Beziehungsproblem ab, das der moderne Alltag zu bieten hat: Es gibt die stets optimistische Single-Frau, die sich trotz zahlreicher Rückschläge ihre Hoffnung bewahrt. Den guten Freund, der in seine beste Freundin verliebt ist. Die junge Romantikerin, die einen verheirateten Mann liebt. Den verheirateten Mann, der sich nicht zwischen seiner Frau und seiner Geliebten entscheiden kann. Die sich selbst etwas vormachende Ehefrau, die das Ende ihrer Beziehung nicht wahrhaben möchte. Das eigentlich glückliche Paar, das an den gesellschaftlichen Erwartungen zerbricht. Die junge Frau, die mit den modernen Flirtritualen überfordert ist. Und den jungen Mann, der vor lauter Frauen seine große Liebe zu übersehen droht.

Eine Menge Stoff für einen einzigen Film. Und so verwundert es auch nicht, dass die Qualität des Gezeigten stark variiert. Während mir einige Figuren im Lauf des Films richtig ans Herz wuchsen, blieben andere erschreckend blass und eindimensional. Nicht etwa, weil die schauspielerische Leistung fehlt oder die jeweilige Geschichte nicht über genügend Potenzial verfügt, sondern weil den Figuren nicht genug Zeit auf der Leinwand vergönnt ist, um die Charaktere und damit auch den jeweiligen Handlungsstrang mit Leben zu füllen.

er_steht_einfach_nicht_auf_dich_szene_2 Die einzelnen Episoden erzählen erwartungsgemäß keine neuen Geschichten, können dank der äußerst namhaften Darsteller aber dennoch gut unterhalten. Mal komisch und mal traurig, versetzen sie den Zuschauer gleichfalls in optimistische wie in nachdenkliche Stimmung. Und sie alle tragen dieselbe Botschaft in sich: Hör in Beziehungsfragen nicht auf deine Familie, hör nicht auf deine Freunde, hör nicht auf die Gesellschaft – hör nur auf dein Herz. Denn es gibt keine Regeln, kein Patentrezept zum Glücklich sein. Bedauerlich, dass der Film diese Aussage durch ein unnötig kitschiges Ende ad absurdum führt.

Mein Fazit

Solide Beziehungskomödie mit sympathischen Darstellern, die in ihren besten Momenten gleichermaßen das Herz anspricht wie zum Nachdenken anregt und in ihren schlechtesten Momenten immerhin noch passabel, wenn auch nicht originell unterhält.

Meine Wertung: 6/10

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Im Kino gesehen: Freitag der 13. (2009)

Da soll mal jemand behaupten, ich würde mich nicht anständig auf meine Kinobesuche vorbereiten: Eine Woche vor dem Start des "Freitag der 13."-Remakes habe ich mir zwecks Auffrischung sämtliche Vorgänger angeschaut – und wieder einmal festgestellt, dass ich die Verehrung des Originals aus dem Jahr 1980 in keinster Weise nachvollziehen kann. Ob mir das Remake besser gefällt als das Original, klärt der folgende Text.

Worum geht’s

Nachdem Jason Voorhees als Kind scheinbar im Crystal Lake ertrank, nahm seine Mutter blutige Rache und tötete die ihrer Meinung nach verantwortlichen Betreuer. Die letzte Überlebende schaffte es schließlich, Pamela Voorhees in einem Kampf auf Leben und Tod den Kopf abzuschlagen und den Horror zu beenden.
Dass Jason entgegen des offiziellen Berichts noch lebt, muss 29 Jahre später eine Gruppe Jugendlicher auf schmerzhafte Weise erfahren, als sie während eines Campingausflugs von dem Einsiedler brutal massakriert wird. Unter den offiziell als vermisst Geltenden befindet sich auch Clays (Jared Padalecki) Schwester Whitney (Amanda Righetti). Während Clay den Bereich rund um den Crystal Lake nach seiner Schwester absucht, trifft er auf Jenna (Danielle Panabaker) und deren Freunde, die in der elterlichen Waldhütte von Jennas Freund Trent (Travis Van Winkle) ein Wochenende voller Spaß, Sex und Drogen genießen wollen. Doch Jason hat für die Gruppe andere Pläne …

Meine Meinung

Auch wenn mich die Fans des Originals dafür hassen werden: Ich finde den 80er Freitag langweilig. Von Anfang bis Ende. Dasselbe gilt für Teil zwei und drei. Beim vierten Teil gefallen zumindest die letzten 15 Minuten, der fünfte ist dann schon wieder nicht der Rede wert. Ab dem sechsten Teil wird es dann endlich unterhaltsam, was nicht zuletzt daran liegt, dass Jason nun endlich (offiziell) als Untoter durch die Gegend stapfen darf und die Reihe mehr und mehr Selbstironie beweist. So viel zu meiner grundsätzlichen Einstellung gegenüber Jason.

Doch wie schlägt sich das Remake im Vergleich zum Original? Besser. Aber immer noch nicht gut. Die Neuinterpretation entpuppt sich als eine Zusammenfassung der ersten vier Teile, bügelt zahlreiche Schwächen aus, leistet sich dafür aber auch einige neue.

Der Anfang des Films ist wirklich toll gelungen. In einer optisch wie atmosphärisch hervorragend gefilmten Zusammenfassung werden die groben Geschehnisse des ersten Teils erzählt. Für Fans eine schöne Sache, für Neueinsteiger unter Umständen ein wenig verwirrend. Unmittelbar danach wird die erste Gruppe Jugendlicher eingeführt – und ebenso schnell auf brutalste Art von der Leinwand geschnetzelt. Nach geschätzten 20 Minuten erscheint der Titel des Films und die eigentliche Geschichte beginnt. Ein grandioser Anfang, der Lust auf mehr macht. Doch leider kann der Film diese Qualität nicht halten.

War die erste Gruppe Jugendlicher auf ihre spezielle Art durchaus sympathisch, besteht die zweite Gruppe, von Clay und Jenna abgesehen, ausschließlich aus unsympathischen Vollpfosten. Zugegeben, aus unsympathischen Vollpfosten mit teilweise schönen Brüsten, aber aus unsympathischen Vollpfosten. Ich weiß sehr wohl, dass die Jugendlichen in den Freitag-Filmen noch nie für ihren Intellekt berühmt waren, aber für einen Neuanfang der Serie hätte ich mir dann doch ein wenig mehr als reines Machetenfutter, dessen Leben sich anscheinend ausschließlich um Sex und Drogen dreht, gewünscht. Zumal die ständigen Zoten der Figuren nach einiger Zeit zu nerven beginnen.

Dass trotz der belanglosen bis unsympathischen Figuren keine Langeweile aufkommt, verdankt der Film seinem erfreulich hohen Tempo. Irgendwer wird garantiert immer gerade irgendwo gejagt oder getötet. Die Morde sind zwar nicht unbedingt originell, dafür aber erstaunlich direkt. Hier wird nicht lange gespielt, das Opfer wird erfasst und erlegt. Der Blutfaktor stimmt, nur die Bedrohlichkeit, die von Jason eigentlich ausgehen sollte, will sich nicht so recht einstellen. Den Terror aus dem Prolog, in dem eines des Opfer mit ansehen muss, wie dessen Freundin bei lebendigem Leib verbrennt, erreicht der Film leider kein zweites Mal. Lediglich eine Szene, in der ein Opfer aus dem Fenster schaut und Jason darüber steht, erzeugte bei mir jenes mulmige Gefühl, das ich mir für den gesamten Film gewünscht hätte. Sehr bedauerlich ist auch, dass das Finale so schnell abgespult wird, als hätten die Macher plötzlich gemerkt, dass sie schon fünf Minuten über ihrer angepeilten Laufzeit liegen. Da wäre definitiv mehr drin gewesen.

Trotz dieser Schwächen ist “Freitag der 13.” ein grundsolider Slasher und beinhaltet alles, was zu einem anständigen Jason-Film gehört: Sex, Alkohol, Drogen, viele Opfer, noch mehr Brüste und jede Menge Kunstblut. Slasher- und Jason-Fans dürfen durchaus zufrieden sein.

Mein Fazit

Größtenteils gelungenes Remake, welches das Original hinter sich lässt, jedoch nicht die Klasse des ebenfalls von Marcus Nispel inszenierten “The Texas Chainsaw Massacre” erreicht.

Meine Wertung: 6/10

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Kurz und knapp: Sieben Leben

Man nehme einen stets mit trauriger Dackelmiene umher stapfenden Mann mit geheimnisvoller Vergangenheit (Will Smith), mehrere vom Leben arg gebeutelte Menschen guten Charakters (u.a. Rosario Dawson und Woody Harrelson) und einen undurchsichtigen Plan, der irgendwie mit der traurigen Dackelmiene, der geheimnisvollen Vergangenheit und den gebeutelten Menschen in Verbindung steht – und schon ist er fertig, der neue Film von „Das Streben nach Glück“-Tränenfilm-Regisseur Gabriele Muccino.

Auch wenn sich das zugegeben ein wenig abwertend liest, ist „Sieben Leben“ ein größtenteils durchaus anschaubares Drama um Schuld und Sühne, das jedoch durch die teils nicht nachvollziehbaren Handlungen der Hauptfigur und das arg auf die Tränendrüse ausgerichtete Ende abgewertet wird.

Will Smith spielt solide, agiert manchmal jedoch eine Spur zu betroffen. Uneingeschränkt überzeugen dafür die wie immer tolle Rosario Dawson als todkranke Herzpatientin und vorallem der viel zu selten auf der Leinwand zu sehende Barry Pepper als bester Freund der mysteriösen Hauptfigur.

Kann man mal gucken. Muss man aber nicht.

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Im Kino gesehen: Kurzer Prozess – Righteous Kill

Kurzer ProzessAl Pacino. Robert De Niro. Namen, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Oder sagen wir lieber: Namen, die einem vor einigen Jahren das Wasser um Mund zusammenlaufen ließen. Schaut man sich die letzten Projekte der beiden einstigen Leinwandgötter an, scheint ihre große Ära vorbei zu sein. Ob ein gemeinsamer Auftritt Erinnerungen an ihre glorreiche Vergangenheit weckt?

Worum geht’s?

Turk (Robert De Niro) und Rooster (Al Pacino) arbeiten seit Jahren gemeinsam bei der Polizei und verhalten sich ihrem Partner gegenüber selbst in zweifelhaften Situationen stets loyal. Als ein Killer anfängt, Kriminelle zu töten, die gerichtlich nicht zu belangen sind, übernehmen die beiden zusammen mit Det. Ted Riley (Donnie Wahlberg) und Det. Simon Perez (John Leguizamo) den Fall. Schon bald verdichten sich die Hinweise, dass ein Polizist der Serienkiller ist. Und alle Indizien deuten auf Turk hin …

Meine Meinung

Womit fange ich bloß an. Mit der Geschichte, die zwar durchaus über interessante Ansätze verfügt, aber so träge inszeniert wurde, dass keinerlei Spannung aufkommen möchte? Oder mit Pacino und De Niro, die so müde und lustlos wirken, als wüssten sie selbst, dass ihre große Zeit vorbei ist? Ich glaube, ich fange mit der Geschichte an:

Al Pacino, Robert De NiroEine Mischung aus Thriller und Drama über Polizisten, die einen Serienkiller jagen, der aus den eigenen Reihen zu kommen scheint, nur Kriminelle tötet und dadurch bei der Bevölkerung nicht ausschließlich auf Ablehnung stößt. Ein Film über Polizisten, die seit Jahren befreundet sind und dennoch gegeneinander ermitteln müssen. Freundschaft, Vertrauen, Loyalität, Moral – es hätte alles so schön werden können. Doch Regisseur Jon Avnet versteht es nicht, diese Zutaten zu nutzen, um einen spannenden Film zu schaffen. Oder zumindest einen interessanten Film. Die Geschichte plätschert zäh und vorhersehbar vor sich hin und hält den Zuschauer gerade genug bei der Stange, dass dieser nicht einschläft. Egal ob als Thriller oder als Drama, über’s Mittelmaß kommt “Kurzer Prozess” dank fehlender Spannungskurve und oberflächlicher Charakterisierung nicht hinaus.

Kurzer ProzessOffensichtlich haben das auch Al Pacino und Robert De Niro gemerkt. Anders lässt sich ihr Auftritt nämlich schon fast nicht mehr erklären. Demotiviert wirkend schleppen sie sich durch’s Bild, blicken müde in die Kamera und erwecken den Anschein, als hätten sie diesen Film nur gedreht, um die Rentenkasse ein wenig zu füllen. In seltenen Momenten blitz zwar ein wenig Schauspielkunst auf, aber von zwei Darstellern dieses Kalibers hätte man wesentlich mehr erwarten dürfen. Immerhin kommen die soliden (und durchaus prominenten) Nebendarsteller Carla Gugino, Donnie Wahlberg, John Leguizamo und Brian Dennehy dadurch nicht in die Verlegenheit, sich mit Pacino und De Niro messen lassen zu müssen.

Mein Fazit

„Kurzer Prozess – Righteous Kill“ ist eine lediglich durchschnittliche Mischung aus Thriller und Drama, dessen große Namen weit mehr versprechen, als der Film tatsächlich halten kann. Nicht wirklich schlecht, aber dennoch eine Enttäuschung.

Meine Wertung: 5/10

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Im Kino gesehen: Australia

Eigentlich wollte ich diese Review bereits am Wochenende geschrieben haben, doch ein EDV-Problem sorgte dafür, dass ich bis heute keinen voll funktionsfähigen Rechner hatte. Wie sagt der Hafenarbeiter in "Ghostbusters 2" so treffend, als die Titanic einläuft: Lieber spät als nie.

Worum geht’s

Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs reist die englische Adelige Lady Sarah Ashley (Nicole Kidman) nach Australien, um sich dort mit ihrem Mann auszusprechen. Doch statt auf einem gepflegten Anwesen trifft sie auf einer völlig heruntergekommenen Ranch ein – und findet dort die Leiche ihres angeblich von Aborigines ermordeten Mannes. Um die Rinderfarm zu retten, beschließt Lady Ashley, die Viehherde mit Hilfe des raubeinigen Drover (Hugh Jackman) und der übrig gebliebenen Angestellten zusammenzutreiben und zu verkaufen. Dies ruft den Rinderbaron King Carney (Bryan Brown) auf den Plan, der sich sein Monopol nicht so einfach nehmen lassen möchte …

Meine Meinung

Ohne lange um den heißen Brei herum zu reden: "Australia" ist trotz einiger Schwächen und einer Laufzeit von 165 Minuten einer der kurzweiligsten und unterhaltsamsten Filme, die ich 2008 sehen durfte. Und er ist definitiv ganz anders, als das, was ich nach dem Trailer erwartet hatte. Gerechnet hatte ich nämlich mit einer eher ernsten Mischung aus Abenteuerfilm und Romanze – und nicht damit, mir mehrmals vor Lachen die Tränen aus dem Gesicht wischen zu müssen. Besonders in der ersten Hälfte weist "Australia" so derart viele köstliche Szenen auf, dass es eine wahre Wonne ist. Zumal diese Szenen teils so ironisch und zynisch sind, dass einem das Lachen fast im Halse stecken bleibt. Zur Mitte tritt der Humor dann in den Hintergrund und weicht der Romanze zwischen Lady Ashley und Drover. Ohne in allzu großen Kitsch abzudriften, entwickelt sich aus der anfänglichen Abneigung eine Liebe, die gleichermaßen auf Respekt und Leidenschaft beruht.

Bis zu diesem Moment hätte ich dem Film die höchste aller möglichen Wertungen gegeben. Doch leider kann Regisseur Baz Luhrmann die Qualität im letzten Drittel nicht halten und verliert bei den Themen Beziehungskrise, Rassismus und Kriegsausbruch das Gespür für eine ausgewogene Mischung. Nicht dass das Ende nicht zu fesseln vermag oder langweilig wäre. Dem ist weiß Gott nicht so. Jedoch fällt es im Vergleich zu den vorangegangenen zwei Stunden ein wenig ab und will nicht so recht zu dem humorvollen Beginn passen.

Als echter Glücksgriff erweist sich die Besetzung. Hatte ich bei Nicole Kidman während des Trailers noch Bedenken, so hat sie mich im fertigen Film eines Besseren belehrt. Ihre Wandlung von der versnobten Adeligen zur anpackenden Ranchbesitzerin ist ebenso unterhaltsam wie glaubwürdig. Und Hugh Jackman … nun, der darf die Herzen der Frauen schneller schlagen lassen und in einer frauenfreundlichen "Ich-spüle-mir-in-Zeitlupe-den-Schaum-vom-Körper-Szene" eindrucksvoll beweisen, wieso er zum Sexiest Man Alive gekürt wurde. Dass Jackman eine coole Sau ist, die auch in den Actionszenen zu überzeugen weiß, muss ich nicht erwähnen, oder?

Mein Fazit

Fast perfekte Mischung aus Abenteuerfilm, Romanze und Komödie, die über zwei Stunden lang perfekt unterhält und lediglich zum Ende hin etwas dick aufträgt. Definitiv ein Film, den man nicht nur wegen der schönen Landschaftsaufnahmen im Kino gesehen haben sollte.

Meine Wertung: 9/10

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Im Kino gesehen: Bedtime Stories

Okay, ich oute mich jetzt mal. Und zwar als Adam-Sandler-Fan. Schande über mich. Aber wisst ihr was: Es ist mir egal, was ihr jetzt über mich denkt. So! Und ganz ehrlich: Wer Sandler nach Filmen wie „Punch-Drunk Love“ oder „Die Liebe in mir“ immer noch in die Brachial-Humor-Schublade steckt, hat weitaus größere Probleme als ich … 😉

Worum geht’s

Eigentlich müsste der liebenswerte und hilfsbereite Skeeter Bronson (Adam Sandler) Hotelmanager sein, so wie es seinem Vater bei der Übernahme des Familienhotels versprochen wurde. Doch aus dem versprochenen Managerposten wurde lediglich eine Stelle als Hausmeister. Als Skeeters Schwester Wendy (Courteney Cox) für eine Woche verreisen muss, bittet sie ihn, auf ihre beiden Kinder Bobbi (Laura Ann Kesling) und Patrick (Jonathan Morgan Heit) aufzupassen. Und so kommt es, dass Skeeter den Beiden abends eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt, die damit endet, dass es Kaugummis regnet. Als es am nächsten Tag tatsächlich Kaugummis regnet, erkennt Skeeter seine große Chance und versucht, sich dieses Phänomen zunutze zu machen. Doch ist nicht er es, es sind die Kinder, die die Geschichten bestimmen …

Meine Meinung

Nach der Zotenschleuder „Leg dich nicht mit Zohan an“ schlägt Adam Sandler wieder leisere Töne an und präsentiert uns mit „Bedtime Stories“ eine kindgerechte Komödie über die Macht der Phantasie. Und an diesem Film ist wirklich alles kindgerecht. Der Verlauf der Geschichte, die Moral, der Humor – einfach alles. So brav wie in diesem Film war Sandler in einer Komödie noch nie. Natürlich ist dies nicht zwangsläufig negativ zu bewerten, aber es sorgt dafür, dass Erwachsene an diesem Stück nur bedingt Gefallen finden werden, sofern sie die Kinokarten mit den falschen Erwartungen gelöst haben.

Schlecht ist „Bedtime Stories“ freilich nicht. Gut allerdings auch nicht. Die Geschichte ist durchaus interessant, wird aber leider nicht ausgereizt. Die Gute-Nacht-Geschichten können anfangs gut unterhalten, wirken später jedoch uninspiriert und nutzen sich recht schnell ab. Das mit übergroßen Augen gesegnete Meerschweinchen Glupschi ist die ersten Male wirklich putzig, muss aber zu häufig herhalten und verliert dadurch an Reiz. Und so weiter und so weiter …

Punkten kann der Film durch seine offensichtlich hervorragend aufgelegten Darsteller, allen voran Adam Sandler, der sich ein paar köstliche Dialoge mit einer herrlich schmierigen Lucy Lawless liefert. Nicht minder schmierig: Der wie immer solide Guy Pearce, der am Ende eine faszinierend-bekloppte Varieté-Nummer vorführen darf. Und dann wären da noch die süße Keri Russell als Adam Sandlers Love Interest auf den zweiten und Teresa Palmer als Love Interest auf den ersten Blick. Wobei ich zugeben muss, dass ich bei der guten Teresa durchaus mehr als nur einen Blick riskiert habe …

Mein Fazit

Durchschnittliche Komödie, deren Geschichte durchaus über interessante Ansätze verfügt, sich aber zu schnell abnutzt. Kinder werden daran sicherlich ihren Spaß haben, für Erwachsene wird’s jedoch schnell langweilig …

Meine Wertung: 5/10

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Im Kino gesehen: Lakeview Terrace

lakeview-terrace-posterMit einem Kinomarathon von fünf Filmen habe ich mein Kinojahr 2008 gestern offiziell beendet. Wäre doch gelacht, wenn ich vor dem großen Jahresrückblick nicht noch ein paar Reviews unter’s Volk gestreut bekäme. Auf geht’s zum Endspurt …

Worum geht’s

Das junge Ehepaar Chris (Patrick Wilson) und Lisa (Kerry Washington) bezieht im ruhigen Lakeview Terrace ihr erstes eigenes Haus. Bereits am zweiten Tag lernen sie ihren Nachbarn Abel (Samuel L. Jackson) kennen, einen alleinerziehenden Polizisten, der jede Nacht durch die Nachbarschaft patrouilliert und dadurch ein entsprechend hohes Ansehen genießt. Schon bald müssen die beiden feststellen, dass Abel ein Problem mit den verschiedenen Hautfarben von Chris und Lisa hat. Was sich anfangs in ungünstig aufgestellten Scheinwerfern und versteckten Andeutungen äußert, droht nach und nach zu eskalieren …

Meine Meinung

Dass Samuel L. Jackson nicht nur ein guter Schauspieler, sondern auch einer der coolsten (kewlsten) Motherfucker (Mothafucka) on earth (on earth) ist, dürfte sich so langsam rumgesprochen haben. Und auch in „Lakeview Terrace“ besticht er wieder durch seine Gestik und vorallem durch seine Mimik. Wenn Jackson im Scheinwerferlicht seinen neuen Nachbarn angrinst, geht ein Raunen durch das Publikum – und genau so muss es auch sein, soll eine Figur bedrohlich wirken. Der langen Rede kurzer Sinn: Alleine Jacksons Performance ist den Kinobesuch wert.

lakeview-terrace-szene1Doch selbst wenn man Jackson kurz ausblendet, bietet der Film genug, um 110 Minuten lang anständig zu unterhalten. Psychoterror durch Nachbarn ist ein immer gern gesehenes Thema, vor allem, wenn der Terrorisierende ein Polizist ist. Lisas Vater bringt es in einem Krisengespräch äußerst treffend auf den Punkt, wenn er sagt, dass Abel den Vorteil der Farbe auf seiner Seite habe und diese Farbe „blau“ sei. Zum Glück nutzt Regisseur Neil LaBute diese Ausgangslage nicht für einen vordergründigen Thriller, sondern legt großen Wert auf die Authentizität der Charaktere und der Situation. Diese schaukelt sich nur gemächlich hoch, immer wieder treffen die Figuren aufeinander, reden in geordneten Bahnen miteinander und versuchen, eine Lösung für ihre Probleme zu finden. Auch ist Abel kein kranker Psychopath, sondern vielmehr ein gebrochener Mann, der unter dem nicht vollständig aufgeklärten Unfalltod seiner Frau und den ständigen Aggressionen leidet, die er in seinem Job als Straßenpolizist erfahren muss. Wer auf einen actionreichen Psychothriller gehofft hat, wird das Kino also vermutlich etwas unzufrieden verlassen, bietet doch lediglich das Ende ein wenig Action in diesem sonst sehr dialoglastigen Thriller. Wer Wert auf eine sich langsam entwickelnde Geschichte und überdurchschnittlich ausgearbeitete Charaktere legt, wird es hingegen umso zufriedener verlassen.

lakeview-terrace-szene2Mein Fazit

Solide Mischung aus Drama und Thriller, die auf vordergründige Effekte verzichtet, mit einem wie immer grandiosen Hauptdarsteller sowie mit interessanten Charakteren aufwarten kann und lediglich beim Finale ein wenig schwächelt. Sehenswert.

Meine Wertung: 7/10

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Sven Kietzke
Sven Kietzke
@svenkietzke@www.svenkietzke.de

Chroniken eines fotografierenden Filmnerds

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