Geschaut: „Prophezeiung… Liebe“ (2025)

„Die Leute denken, dass das Foto mit der Kamera gemacht wird, aber das stimmt nicht. Fotos zu machen, bedeutet Schönheit einzufangen. Egal was Schönheit fĂŒr dich ist. Wenn du ein Foto machst, fĂ€ngst du das Licht ein. PflĂŒckst es, direkt von der Sonne. Und wenn ich ein Foto mache, versuche ich, das Leuchten einzufangen von demjenigen, der vor meiner Linse sitzt. Und alle sagen immer „Mach ein Foto! Mach ein Foto!“, aber ich kann nichts machen, was noch nicht da ist. Wir mĂŒssen es gemeinsam machen. Wir erschaffen etwas, das erst entsteht, wenn beide mitmachen. Wie eine Konversation oder eine Beziehung. Ein Foto zu machen, bedeutet, einen einmaligen Moment einzufangen, sodass er fĂŒr immer lebt.“

Worum geht’s

Pia (Simone Ashley) ist fast 30, ĂŒberzeugter Single, PortrĂ€tfotografin und so gut wie pleite. Der Familienschmuck ihrer Mutter Laxmi (Sindhu Vee) könnte ihre finanzielle Rettung sein, doch diesen erhĂ€lt Pia traditionsgemĂ€ĂŸ nur, wenn sie heiratet. Als Pias jĂŒngere Schwester Sonal (Anoushka Chadha) kurz vor ihrer Hochzeit steht, engagiert die Mutter einen Guru, um die Zukunft ihrer Töchter vorherzusagen. Dieser sagt voraus, dass Pia ihren Seelenverwandten unter ihren nĂ€chsten fĂŒnf Dates finden wird – was ihre Familie dazu veranlasst, Pia möglichst schnell eben diese fĂŒnf Dates zu organisieren. Und als wĂ€re das alles nicht schon peinlich genug, trifft Pia wĂ€hrend der Hochzeitsvorbereitungen auch noch ihre Jugendliebe Charlie (Hero Fiennes Tiffin) wieder …

Meine Meinung

„Prophezeiung… Liebe“, der im Original ĂŒbrigens den wesentlich besseren Titel „Picture This“ trĂ€gt, ist kein guter Film. Er ist aber auch kein schlechter Film. Er ist solide Unterhaltung. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Die Hauptfiguren sind sympathisch, die Nebenfiguren skurril, die Dates herrlich absurd und die Dialoge erfrischend obszön. Doch, ich hatte durchaus meinen Spaß mit „Prophezeiung… Liebe“. Allerdings wird mir nichts davon in Erinnerung bleiben, da der gesamte Film nach Schema F ablĂ€uft und keinerlei eigene Akzente setzt. Der einzig erinnernswerte Moment ist der obige Monolog, ĂŒber den ich mich als Fotograf sehr gefreut habe und dem ich inhaltlich komplett zustimme. Ansonsten spult der Film einfach nur das Einmaleins der romantischen Komödien ab. Mit einem großen Manko: Obwohl von Anfang an klar ist, dass Pia und Charlie fĂŒreinander bestimmt sind, ist von deren Chemie nur wenig bis gar nichts zu spĂŒren. Deren Liebe fĂŒreinander bleibt eine pure Behauptung ohne Grundlage – schade.

Nichtsdestoweniger wurde ich schon schlechter unterhalten. Auch wenn der Film nichts Neues bietet, so trĂ€gt er sein Herz dennoch am rechten Fleck und endet zudem mit einer schönen Botschaft: Tu, was dich glĂŒcklich macht. Der Rest wird sich finden.

Meine Wertung: 6/10

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Geschaut: „Juror #2“ (2024)

Ich werde relativ oft nach meinem Lieblingsfilm gefragt. Und werde diese Frage nie beantworten können. Filme sind einfach viel zu unterschiedlich, um DEN EINEN Lieblingsfilm zu haben. Dementsprechend habe ich mehrere, wenn nicht gar viele Lieblingsfilme. Filme, von denen ich denke, dass sie jeder Mensch mal gesehen haben sollte. Einer dieser Filme ist Sidney Lumets Gerichtsdrama „Die zwölf Geschworenen“. Clint Eastwoods aktuelles Werk „Juror #2“ erinnert an vielen Stellen mehr als nur stark an diesen Klassiker. Mit einem besonderen Kniff …

Worum geht’s

Justin Kemp (Nicholas Hoult) wurde als Geschworener in einem Mordprozess geladen. Der Angeklagte James Sythe (Gabriel Basso) soll seine Freundin Kendall Carter (Francesca Eastwood) in einer regnerischen Nacht auf einer Straße brutal erschlagen und dann die Böschung heruntergeworfen haben. WĂ€hrend des Prozesses wird Justin klar, dass er in der fraglichen Nacht ebenfalls am Ort des Geschehens war. Damals hatte er auf der Straße etwas angefahren, was er fĂŒr ein Reh hielt …

Meine Meinung

Clint Eastwood ist ein PhĂ€nomen. Der Mann ist Mitte 90, dreht immer noch Filme und scheint das Wort Ruhestand einfach nicht zu kennen. So was nenne ich Leidenschaft. Und das Beste daran: Clint Eastwood liefert immer noch ab. Das Gerichtsdrama „Juror #2“ ist ein so spannender wie nachdenklich stimmender Film, der zahlreiche moralische Fragen aufwirft – sofern man sich mit der doch ziemlich konstruierten Ausgangssituation anfreunden kann. Denn sind wir mal ehrlich: Dass ausgerechnet die Person ĂŒber Schuld oder Unschuld (mit)entscheidet, die möglicherweise selbst die Verantwortung fĂŒr die Tat trĂ€gt, ist schon ziemlich unwahrscheinlich.

Andererseits ist die Frage nach der Wahrscheinlichkeit einer der zentralen Punkte des Films. Wie schon in „Die zwölf Geschworenen“, den Clint Eastwood mehr als nur einmal beinahe Wort fĂŒr Wort zitiert, mĂŒssen sich die Geschworenen auch hier die Frage stellen, ob eine hohe Wahrscheinlichkeit ausreicht, um einen Menschen zu verurteilen. Und wie neutral und objektiv wir als Menschen noch sind, sobald wir erst mal eine schlĂŒssige Theorie im Kopf haben. Die Fragen, die „Juror #2“ im Laufe der Geschichte aufwirft, sind keineswegs neu. Aber sie sind zeitlos. Und es wert, immer wieder gestellt zu werden.

Dies betrifft auch das moralische Dilemma, in dem der von Nicholas Hoult grandios gespielte Justin steckt. Soll er sagen, dass er in der fraglichen Nacht einen Unfall auf eben dieser Straße hatte, aber darauf verzichtete, die Polizei zu informieren, weil er von einem Wildunfall ausging? Vermutlich wĂŒrde diese Information den Angeklagten vor einer GefĂ€ngnisstrafe bewahren. Sie könnte aber auch dazu fĂŒhren, dass Justin selbst wegen Fahrerflucht mit Todesfolge angeklagt wird. Auch wenn gar nicht sicher ist, ob er tatsĂ€chlich etwas mit dem Tod des Opfers zu tun hat.

Aus dieser Konstellation heraus entspinnt sich eine starke Mischung aus Drama und Thriller, in der Justin verzweifelt versucht, die anderen Geschworenen zu einem Freispruch zu bewegen, ohne sich dabei selbst zu verraten. Die wohl grĂ¶ĂŸte StĂ€rke des Films dabei ist, dass es hier kein Schwarz und kein Weiß gibt. Nichts ist so einfach, wie es auf dem Papier aussieht. Und keine Figur ist so eindimensional, wie sie auf den ersten Blick wirkt. Was zwangslĂ€ufig dazu fĂŒhrt, dass man als Zuschauer von dem Film moralisch gefordert wird. Wie hĂ€tte ich mich verhalten? Wie wĂŒrde ich mich entscheiden? Was ist richtig? Was ist falsch? Allesamt Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt.

Ihr habt es hoffentlich gemerkt: Ich bin von dem Film sehr angetan. Sollte „Juror #2“ Clint Eastwoods letzte Regiearbeit sein, wĂ€re dies ein wĂŒrdiges Ende einer wahrlich beeindruckenden Karriere.

Meine Wertung: 8/10

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Warum „Cobra Kai“ genau die Serie ist, die wir derzeit brauchen

UrsprĂŒnglich wollte ich an dieser Stelle nur ein paar Worte darĂŒber verlieren, wie gut mir die finale Staffel von „Cobra Kai“ gefallen hat, und wie unfassbar dankbar ich bin, dass diese Serie ein durch und durch tolles Ende spendiert bekommen hat. Doch dann dachte ich mir, wieso nicht ein bisschen weiter ausholen – immerhin geht hier eine der besten Serien der letzten Jahre zu Ende. Doch keine Sorge: Wer mich kennt, der weiß, dass „ein bisschen weiter ausholen“ bei mir immer noch auf einen relativ kompakten Text hinauslĂ€uft. Ich bin einfach nicht der Typ fĂŒr lange Romane.

FĂŒr diejenigen unter euch, denen beim Titel „Cobra Kai“ nicht direkt ein wohliger 80er-Jahre-Nostalgie-Schauer ĂŒber den RĂŒcken lĂ€uft, hier ein kurzer Überblick: Die Serie ist die offizielle Fortsetzung der „Karate Kid“-Trilogie. Im ersten Teil dieser Trilogie wird der Außenseiter Daniel LaRusso (Ralph Macchio) von dem Schulbully Johnny Lawrence (William Zabka) schikaniert, woraufhin Daniel Karate lernt und seinen Widersacher in einem Wettkampf besiegt. Die Serie spielt Jahrzehnte spĂ€ter im Hier und Jetzt und erzĂ€hlt die Geschichte aus der Sicht von Johnny weiter. Von seiner damaligen Niederlage hat Johnny sich nie erholt, was sein Leben bis heute negativ beeinflusst. Als Johnny zufĂ€llig Zeuge wird, wie der Außenseiter Miguel (Xolo Maridueña) von mehreren MitschĂŒlern verprĂŒgelt wird, greift er ein und hilft dem Jungen. Von diesem Vorfall inspiriert, erweckt Johnny das legendĂ€re Karate-Dojo Cobra Kai wieder zum Leben – und damit auch den alten Streit mit Daniel …

Ich sag’s, wie es ist: „Cobra Kai“ ist die wohl grĂ¶ĂŸte Überraschung der letzten Jahre. Die Serie ist so viel besser, als sie sein dĂŒrfte. Und das, obwohl sie unfassbar cheesy ist. Die Figuren sind ĂŒberzogen, die Teenie-Romanzen sind kitschig und die KĂ€mpfe sind vieles, aber nicht realistisch. Das spielt aber alles keine Rolle, weil die Serie etwas hat, was modernen Produktionen viel zu oft fehlt: Herz. Und davon jede Menge.

Nicht nur, dass die Macher im Laufe der Serie so ziemlich jede bedeutende (und unbedeutende) Figur aus der ursprĂŒnglichen Trilogie extrem respektvoll zurĂŒckbringen, sie haben auch die perfekte Mischung aus 80er-Jahre-Nostalgie und aktuellem Zeitgeist gefunden – und schrecken nicht davor zurĂŒck, diesen Zeitgeist kritisch zu hinterfragen und auch mal durch den Kakao zu ziehen.

Das Beste an der Serie aber ist, und damit komme ich zum Titel dieses Beitrags, dass sie etwas vermittelt, was in unserer inzwischen doch recht zynischen Welt viel zu oft in Vergessenheit gerÀt: Hoffnung.

Es mag pathetisch klingen, aber letztlich geht es in „Cobra Kai“ darum, eine bessere Welt zu schaffen. Indem wir auf unsere Gemeinsamkeiten schauen statt auf unsere Unterschiede. Indem wir miteinander statt ĂŒbereinander reden, Indem wir nicht vorverurteilen. Indem wir Menschen nicht vorschnell abschreiben und ihnen ihre Fehler verzeihen. Indem wir uns selbstkritisch hinterfragen und uns unsere Fehler verzeihen. Indem wir voneinander lernen. Und indem wir niemals den Glauben an ein Happy End verlieren.

Ohne spoilern zu wollen: Wenn „Cobra Kai“ nach sechs Staffeln endet, zeigt die Serie eine Welt, wie sie sein sollte: nicht perfekt, aber voller Optimismus. Und Optimismus ist genau das, was wir in der heutigen Zeit brauchen.

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Geschaut: „Art of Revenge – Mein Körper gehört mir“ (2017)

Eigentlich sollte diese Review das Licht der Welt bereits am Donnerstag erblicken, aber als der Film zu Ende war, fiel mir ein, dass im ZDF der lange Wahlabend lief – und auch wenn ich mir davon keinen großen Erkenntnisgewinn versprach, sehen wollte ich ihn dann doch. Den Freitag habe ich dann ganz im Sinne des Valentinstags mit meiner großen Liebe „Cobra Kai“ verbracht und die finale Staffel durchgebingt. Und gestern war ich von diesem Serienmarathon so geschafft, dass ich kein Wort aufs Papier bzw. den Bildschirm gebracht habe. Tja, und schon haben wir Sonntag. VerrĂŒckt, wie die Zeit rast. So mĂŒssen sich Rentner fĂŒhlen. Egal, nun mal endlich zum Film. Und damit zu den ernsten und unangenehmen Themen des Lebens …

Worum geht’s

Die Kunststudentin Noelle (trĂ€gt den Film in jeder Szene: Francesca Eastwood) ist unsicher, schĂŒchtern und heimlich in ihren beliebten Kommilitonen Luke (Peter Vack) verliebt. Dementsprechend groß ist ihre Freude, als dieser sie zu einer Party einlĂ€dt. Nach einer anregenden Unterhaltung gehen die beiden auf Lukes Zimmer, wo dieser Noelle erst kĂŒsst und dann vergewaltigt. Ein paar Tage spĂ€ter möchte Noelle Luke zur Rede stellen, wobei es zu einem Streit kommt, infolgedessen Luke unglĂŒcklich stĂŒrzt und tödlich verunglĂŒckt. Durch dieses Ereignis aufgerĂŒttelt, beginnt Noelle zu recherchieren – und findet heraus, dass auf dem Campus noch mehr Vergewaltiger ihr Unwesen treiben …

Meine Meinung

„Art of Revenge – Mein Körper gehört mir“ ist eine ambitionierte und recht eigenwillige Mischung aus Vergewaltigungsdrama und Selbstjustizthriller. Zu den StĂ€rken des Films gehört zweifellos das realistische Umfeld, in dem die Geschichte spielt. WĂ€hrend andere Rape-and-Revenge-Filme oft auf einsame Gegenden, ungebildete HinterwĂ€ldler und rohe Gewalt setzen, ist es hier die junge Bildungselite, von der die Gefahr ausgeht. Und ich möchte euch warnen: Von all den Vergewaltigungen, die ich bislang in Filmen dieser Art gesehen habe, gehört diese hier zweifellos zu den unangenehmsten und ist ein echter Schlag in die Magengrube. Und das, obwohl (bzw. gerade weil) sie recht schnell vorbei ist und ohne ausufernde BrutalitĂ€t auskommt. Die erschreckend bodenstĂ€ndige Inszenierung dieser Situation hat bei mir definitiv Eindruck hinterlassen. Und dass dem Vergewaltiger danach nicht mal klar ist, was er da gerade angerichtet hat, macht es gleich doppelt widerlich. Ich kann mich nur wiederholen: unangenehm. Nach diesem verdammt gelungenen Einstieg erzĂ€hlt der Film dann gleich zwei Geschichten – und verrennt sich dabei leider ein wenig.

Zum einen wĂ€re da ein Drama, in dem Noelle versucht, mit der Situation umzugehen, aber nicht die Hilfe erhĂ€lt, die sie benötigt. Hier fließt dann auch eine gehörige Portion System- und Gesellschaftskritik mit rein. Und das zu recht. Wenn Anschuldigungen von der Polizei nicht ordentlich verfolgt oder von der UniversitĂ€t mit Blick auf die Statistiken sogar verschleiert werden, sollte das jeden von uns wĂŒtend machen. Dasselbe gilt fĂŒr den Umgang mit den Opfern, die oftmals nicht nur vom System, sondern auch von ihrem Umfeld im Stich gelassen werden. GlĂŒcklicherweise verzichtet der Film darauf, sich allzu einseitig zu positionieren. Probleme werden aufgezeigt, ebenso aber auch, dass es keine einfache Lösung dafĂŒr gibt. Es ist eine Gratwanderung, die dem Film meiner Meinung nach recht gut gelingt – auch wenn vieles leider nur oberflĂ€chlich angekratzt wird.

Der Film will aber nicht nur ein Drama sein, sondern auch ein Selbstjustizthriller, in dem Noelle als unbarmherziger Racheengel Jagd auf bislang davongekommene Vergewaltiger macht – und dadurch nicht nur an Selbstbewusstsein gewinnt, sondern auch als Kunststudentin zur Höchstform auflĂ€uft. Dieser Part ist leider nicht ganz so stark, da er sich vom realistischen Ansatz mehr oder weniger komplett verabschiedet. Wenn Noelle sich abgebrĂŒht wie ein Meisterassassine durch den Campus mordet, ist das zwar einigermaßen unterhaltsam, aber eben auch komplett ĂŒberzogen und nur leidlich spannend. Immerhin wird auch dieser Teil des Films fĂŒr Kritik genutzt und mehr als deutlich klargestellt, dass Selbstjustiz eben keine Lösung ist. Und manchmal sogar an unerwarteter Stelle Leid verursacht, das absolut vermeidbar gewesen wĂ€re.

Nein, „Art of Revenge“ ist definitiv nicht perfekt. Die Mischung aus Drama und Thriller ist zu unausgegoren, die Figuren sind zuweilen arg konstruiert und insgesamt scheint der Film sich selbst ein wenig im Weg zu stehen. Dennoch hat er mir trotz seiner SchwĂ€chen wirklich gut gefallen. Gute Laune bekommt man hier nicht. Aber eine fantastische Hauptdarstellerin und jede Menge DenkansĂ€tze zu einem komplexen Themenfeld. Und das ist mehr, als viele andere Filme von sich behaupten können.

Meine Wertung: 7/10

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Geschaut: „Salem’s Lot“ (2024)

Ich besitze inzwischen mehrere hundert Filme auf DVD und Blu-ray, die ich noch nicht kenne. Und ich habe so ziemlich jeden Streaming-Dienst abonniert, den man abonnieren kann. Man könnte also durchaus sagen, dass ich mehr als genug zu gucken habe. Was mich selbstverstĂ€ndlich nicht davon abhĂ€lt, trotzdem neue Filme zu kaufen, wenn mir danach ist. So wie heute, als ich plötzlich tierisch Lust hatte, mir die neueste Verfilmung von Stephen Kings „Brennen muss Salem“ anzuschauen. Klar hĂ€tte ich vernĂŒnftig sein und einen anderen Film schauen können. Aber wer will schon vernĂŒnftig sein …

Worum geht’s

Der Schriftsteller Ben Mears (Lewis Pullman) kehrt auf der Suche nach Inspiration fĂŒr sein neues Buch in seine Heimatstadt Jerusalem’s Lot zurĂŒck. Schon bald bemerkt Ben, dass merkwĂŒrdige Dinge in der kleinen Stadt vor sich gehen. Als die ersten Kinder verschwinden, mehren sich die Anzeichen, dass der frisch hinzugezogene Kurt Barlow (Alexander Ward) der Grund dafĂŒr sein könnte …

Meine Meinung

Die Geschichten von Stephen King sind meiner Meinung nach immer dann am stĂ€rksten, wenn sich das Grauen langsam in eine kleine Gemeinde einschleicht. „Es“, „In einer kleinen Stadt“ oder eben der Vampirhorror „Brennen muss Salem“ sind hierfĂŒr die besten Beispiele. „Salem’s Lot“ ist die nunmehr dritte Verfilmung des Stoffes und hat mir durchaus gefallen. Nicht nur, dass der Film optisch ziemlich schick geraten ist und die bislang mit Abstand hochwertigste Verfilmung des Stoffes darstellt, er erlaubt sich auch einige inhaltliche Freiheiten. Insbesondere im Finale. Ob diese Änderungen gut oder schlecht sind, muss jeder fĂŒr sich selbst beurteilen. Ich persönlich fand sie stimmig und den Film dadurch weniger vorhersehbar. Und auch sonst macht der Film vieles richtig. Die Darsteller sind solide bis gut, die Figuren sympathisch und die Kleinstadt-AtmosphĂ€re kommt ebenfalls gut zur Geltung. Allerdings leidet der Film unter seiner „kurzen“ Laufzeit. Knapp zwei Stunden sind fĂŒr diesen Stoff einfach viel zu wenig, was dazu fĂŒhrt, dass zahlreiche Figuren nur am Rande auftauchen und der Film insbesondere im letzten Drittel sehr (SEHR) gehetzt wirkt. Und das ist dann schon ein wenig schade, zumal die 2004er-Version bereits gezeigt hat, dass es auch besser geht. Diese bleibt daher auch mein Favorit und meine Empfehlung fĂŒr alle, die in die filmische Welt von Jerusalem’s Lot eintauchen wollen.

Meine Wertung: 6/10

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Geschaut: „Boy Kills World“ (2023)

Als Junge (Cameron Crovetti, Nicholas Crovetti) muss er mitansehen, wie seine Mutter und seine kleine Schwester von der Tyrannin Hilda Van Der Koy (Famke Janssen) brutal ermordet werden. Jahre spĂ€ter kehrt er als durchtrainierte Kampfmaschine (Bill SkarsgĂ„rd) zurĂŒck, um sich zu rĂ€chen und Hildas Herrschaft ein Ende zu setzen …

Ihr mögt völlig absurde Actionfilme, die absolut keinen Sinn ergeben, sich selbst nicht ernst nehmen und einfach nur Spaß machen? Herzlichen GlĂŒckwunsch, dann ist „Boy Kills World“ vermutlich genau euer Film. Im Grunde ist dieses blutige Schlachtfest ein einziges durchgeknalltes Beat ‚em up – und das nicht nur, weil die innere Stimme des taubstummen Helden aus einem ebensolchen stammt. Wie in einem Videospiel prĂŒgelt sich der Held durch unzĂ€hlige unbedeutende Schergen und bekĂ€mpft den einen oder anderen Zwischenboss, um sich dann im Finale dem großen Endgegner zu stellen. Bis kurz vor Schluss ist der Film dabei laut, bunt und komplett ĂŒberzeichnet, wird dann im Finale nach einem erfreulich unvorhersehbaren Twist aber plötzlich erstaunlich ernst und fast schon dramatisch. Der finale Kampf tut dann beim Zusehen tatsĂ€chlich weh und ist zudem erfreulich bodenstĂ€ndig inszeniert. Zumindest im Vergleich zum völlig ĂŒberdrehten Rest des Films. Zugegeben, „Boy Kills World“ erfindet das Rad nicht neu und ist definitiv kein Film fĂŒr die Ewigkeit. Unterhaltsam ist er aber allemal. Und fĂŒr solch einen Blödsinn zudem ĂŒberdurchschnittlich gut besetzt. Oder anders formuliert: Ich bin zufrieden. Sogar sehr zufrieden.

Meine Wertung: 7/10

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Erneut geschaut: „Der göttliche Andere“ (2020)

Hach, wie schön: Gestern habe ich mal wieder nachgesehen, ob die Komödie „Der göttliche Andere“ inzwischen auf Blu-ray erschienen ist. Das ist zwar leider nicht der Fall, aber dafĂŒr lĂ€sst sich der Film inzwischen bei Apple TV kaufen. Und das sogar fĂŒr schmale 4,99 Euro. Also hab ich gestern direkt zugeschlagen – und ihn eben erneut geschaut. Hach.

Worum geht’s

Gregory (Callum Turner) ist Reporter, ein hemmungsloser Zyniker und glaubt an so ziemlich nichts. Als er in Rom ĂŒber die Papstwahl berichten soll, trifft er auf die lebensfrohe Maria (Matilda De Angelis) – und verliebt sich auf den ersten Blick in sie. Dummerweise steht Maria kurz davor, ihr GelĂŒbde als Nonne abzulegen. Und dann wĂ€re da auch noch Gott persönlich, dem es so gar nicht gefĂ€llt, dass auch Maria GefĂŒhle fĂŒr Gregory entwickelt …

Meine Meinung

Ich hĂ€tte schwören können, zu diesem Film bereits eine Review geschrieben zu haben. Habe ich aber nicht. Und das ist echt eine Schande, denn 2022 gehörte „Der göttliche Andere“ fĂŒr mich zu den positivsten Überraschungen des Jahres. Und nachdem ich den Film nun erneut geschaut habe, hat sich an meiner Meinung nichts geĂ€ndert: „Der göttliche Andere“ ist einfach toll! Zum einen, weil er im Kern eine wirklich bezaubernde Liebesgeschichte erzĂ€hlt. Zum anderen, weil er so mutig ist, nebenbei auch noch ĂŒberraschend ernste Religionskritik einfließen zu lassen. Und zu guter Letzt, weil er all das mit einem unfassbar absurden Humor wĂŒrzt, den ich so nicht erwartet hatte. Was Gott sich alles einfallen lĂ€sst, nur um Gregory von Maria fernzuhalten, muss man selbst gesehen haben. Die Macher schrecken hierbei auch nicht davor zurĂŒck, die vierte Wand zu durchbrechen. Herrlich! Ach ja, und dann wĂ€re da noch Matilda De Angelis. Keine Ahnung, ob es an ihrem LĂ€cheln, ihrer generellen Mimik oder an der Stimme ihrer deutschen Synchronsprecherin liegt, aber selten konnte ich Liebe auf den ersten Blick in einem Film so gut nachvollziehen wie hier. WĂ€re dies hier kein Blog, sondern ein Podcast, wĂŒrdet ihr an dieser Stelle nun ein verliebtes Seufzen hören.

Ihr merkt es hoffentlich: Ich bin schwer begeistert. Und ein wenig traurig, dass dieser Film so völlig unter dem Radar fliegt und ihn nur die wenigsten gesehen haben dĂŒrften. Aber hey, vielleicht Ă€ndern meine Worte ja etwas daran!

Meine Wertung: 9/10

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Sven Kietzke
Sven Kietzke
@svenkietzke@www.svenkietzke.de

Chroniken eines fotografierenden Filmnerds

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