Im Kino gesehen: Der letzte Tempelritter

Dass das Fantasy-Abenteuer “Season Of The Witch” den deutschen Titel “Der letzte Tempelritter” verpasst bekommen hat, mag auf den ersten Blick unsinnig erscheinen, erweist sich im Nachhinein jedoch als äußerst passend. Mitnichten weil Nicolas Cage den letzten Tempelritter spielt, davon gibt es im Film hunderte, sondern weil der Inhalt des Films mindestens genauso unsinnig ist. Ein Ritter, der erst nach Jahren des Kampfes merkt, dass im Krieg auch Unschuldige getötet werden? Ein mächtiger Dämon, der sich als Hexe getarnt zu einem Kloster transportieren lassen muss, statt einfach flugs selbst hinzufliegen? Gut, dümmer geht’s natürlich immer. Aber nicht viel dümmer.

Wer hofft, dass zumindest die Umsetzung dieser auf Zelluloid gebannten Intelligenzbeleidung stimmt, wird bitter enttäuscht. Die Actionszenen erweisen sich als krachender Lärm, nerven nach kürzester Zeit und sind vieles, aber nicht packend. Auch die von den Machern anscheinend beabsichtigte düstere Atmosphäre mag nicht aufkommen. Unheimlich sind in diesem Film nur die mittelmäßigen bis schlechten Computereffekte. Unheimlich schlecht. Dass sich solche Effekte 2011 noch ins Kino trauen, bleibt dann auch die einzige Überraschung des Films.

Positiv bleiben mir höchstens die Szenen mit Ron Perlman als Nicolas Cages Weggefährte in Erinnerung. Für eine Laufzeit von 95 Minuten ist das aber zu wenig. Viel zu wenig.

Wertung: 3/10

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Zuletzt im Kino gesehen: The Rite – Das Ritual

Als William Friedkin 1973 “Der Exorzist” drehte, ahnte vermutlich niemand, dass er damit den auf lange lange lange Zeit besten Exorzismus-Horrorfilm abliefern würde. Selbst heute, viele Jahrzehnte und zahlreiche missglückte Versuche später, ist mir kein Film dieses Subgenres bekannt, der auch nur ansatzweise die Intensität dieses Klassikers erreicht. Und um die Spannung gleich zu Beginn zu nehmen: Auch “The Rite – Das Ritual” scheitert an dem übergroßen Vorbild. Wenn auch auf sehr hohem Niveau.

“Die Entscheidung, nicht an den Teufel zu glauben, schützt Sie nicht vor ihm.”

Die Geschichte des an seinem Glauben zweifelnden Priesteranwärters Michael Kovak (Colin O’Donoghue), dem der erfahrene Exorzist Vater Lucas Trevant (Anthony Hopkins) den rechten Weg weist, wird in höchst atmosphärischen Bildern erzählt und von guten bis sehr guten Schauspielern getragen. Neben Anthony Hopkins, der sich im Finale im wahrsten Sinne des Wortes die Seele aus dem Leib spielen darf, hat mich besonders die junge Marta Gastini als vom Dämon besessene Teenagerin beeindruckt. Während Hauptdarsteller Colin O’Donoghue nur bedingt in Erinnerung bleibt, wirken die hübsche Alice Braga und Altstar Rutger Hauer aufgrund ihrer eindimensionalen Rollen ein wenig verschwendet. Schade um das zweifellos vorhandene Talent.

Dass “The Rite – Das Ritual” sich nicht an die Spitze der Exorzisten-Filme setzen kann, ist im Übrigen der überraschungsarmen Geschichte geschuldet: Neues bekommt der Zuschauer hier nicht geboten. Da der Film auf (angeblich) wahren Begebenheiten beruht und die Geschichte sich dementsprechend an gewisse Grenzen halten muss, lasse ich dies aber gerade noch mal durchgehen.

Meine Wertung: 8/10

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Im Kino gesehen: Alles erlaubt – eine Woche ohne Regeln

Erinnert ihr euch noch an die Farrelly-Brüder? Nein? Dann vielleicht an die Komödie “Verrückt nach Mary”? Jene Komödie mit Ben Stiller und Cameron Diaz, die so herrlich frech daherkam und politisch so ziemlich alles außer korrekt war? Ja? Diese Komödie wurde von den Farrelly-Brüdern inszeniert. Und dass ihr euch dennoch nicht an die beiden Jungs erinnert, liegt vermutlich daran, dass sie seitdem nur Durchschnittware wie “Ich, beide & sie”, “Schwer verliebt” und “Nach 7 Tagen – Ausgeflittert” abgeliefert haben. Ob die Farrellys mit “Alles erlaubt – eine Woche ohne Regeln” an die Qualität ihres inzwischen 13 Jahre alten Hits anknüpfen können, erfahrt ihr hier und jetzt …

Worum geht’s

Rick (Owen Wilson) und Fred (Jason Sudeikis) sind seit Jahren mit ihren beiden Frauen Maggie (Jenna Fischer) und Grace (Christina Applegate) verheiratet. Dennoch schauen die beiden jedem Rock hinterher, dessen Trägerin attraktiv ist und “zufällig” deren Blickrichtung kreuzt. Als Rick und Fred es mal wieder übertreiben, stellen Maggie und Grace ihren Männern einen Freibrief aus: Eine Woche lang sollen die beiden alles tun, was sie sich schon immer gewünscht haben. Ohne Konsequenzen für ihre Ehe …

Meine Meinung

Die Farrelly-Brüder sind zurück! Und auch wenn ihr aktueller Film nicht ganz an “Verrückt nach Mary” heranreicht, so ist ihnen mit “Alles erlaubt – eine Woche ohne Regeln” dennoch eine größtenteils brüllend komische Komödie gelungen. Sofern ihr … tja, sofern ihr über vulgäre Sprache und Situationen weit unterhalb der Gürtellinie lachen könnt. Denn eines möchte ich an dieser Stelle ganz deutlich sagen: Die Farrelly-Brüder sind nicht für ihren subtilen Humor bekannt. Ganz und gar nicht. Stattdessen dominieren ordinäre Gespräche und Fäkalhumor der saftigsten Sorte. Was keinesfalls negativ zu verstehen ist, da die Farrellys es schaffen, ihren Humor so geschickt zu platzieren und auszuleben, dass er trotz seiner Niveaulosigkeit nie peinlich wirkt. Na ja … ein bisschen peinlich vielleicht. Aber dabei immer stets sympathisch!

Dass “Alles erlaubt – Eine Woche ohne Regeln” die Qualität ihres bislang größten Hits nicht erreicht, liegt ausschließlich daran, dass den Farrelly-Brüdern zum Ende hin ein wenig die Luft ausgeht und die Pointendichte des Films spürbar abnimmt. Bedauerlich, aber verschmerzbar.

Apropos Ende: Wer den Film vollständig sehen möchte, sollte unbedingt den kompletten Abspann abwarten: Sowohl mittendrin als auch danach kommen noch insgesamt drei Szenen, die durchaus sehenswert sind.

Meine Wertung: 8/10

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Im Kino gesehen: Rapunzel – Neu verföhnt

Weihnachtszeit = Disney-Zeit. Nach dem wunderbar altmodischen “Küss den Frosch” dürfen wir uns dieses Jahr an einer Neuinterpretation des Klassikers “Rapunzel” erfreuen. Und auch wenn es sich bei “Rapunzel – Neu verföhnt” nicht um einen Zeichentrick-, sondern um einen Animationsfilm handelt (der sogar in 3D daher kommt), beweisen die Macher, dass sie die alten Disney-Tugenden nicht vergessen haben.

Worum geht’s

Seit beinahe 18 Jahren lebt Rapunzel in einem versteckten Turm. Um sie vor der unberechenbaren und gefährlichen Außenwelt zu schützen, wie ihre Mutter Gothel stets betont. Die einzige Abwechslung in Rapunzels Leben sind Hunderte von Laternen, die einmal im Jahr aufsteigen und den Himmel leuchten lassen. Um sich vor seinen Verfolgern zu verstecken, erklimmt eines Tages der charmante Dieb Flynn Ryder den Turm. Dank ihrer enormen Haarpracht gelingt es Rapunzel, Flynn zu überwältigen und ihm seine Beute abzunehmen. Um die Beute zurück zu bekommen, soll Flynn Rapunzel zu dem Ort bringen, an dem einmal im Jahr die Laternen angezündet werden …

Meine Meinung

Wer sich nicht innerhalb der ersten Minuten in Rapunzel verliebt, muss ein Herz aus Stein haben. Oder kein Interesse an Frauen. Doch selbst dann dürfte die lebensfrohe Rapunzel zumindest ganz schnell die neue beste Freundin werden. Ähnliches gilt für den charmanten Flynn, der mit seiner eingebildeten und doch liebenswerten Art voll ins Schwarze trifft. Überhaupt ist jede Figur so gut getroffen wie schon lange nicht mehr in einem Animationsfilm. Wobei besonders die tierischen Begleiter hervorstechen. Wer “Rapunzel – Neu verföhnt” gesehen hat, weiß, wieso das putzige Chamäleon Pascal und das aufgeweckte Pferd Maximus die heimlichen Stars des Films sind. Was umso positiver zu bewerten ist, wenn man bedenkt, dass beide Figuren ohne Sprache auskommen müssen.

Die Geschichte orientiert sich lose an dem Grimmschen Klassiker. Äußerst lose. Abgesehen von dem langen Haar, dem Turm und einigen Namen hat “Rapunzel – Neu verföhnt” nicht besonders viel mit dem Märchen gemeinsam. Was beileibe nicht negativ gemeint ist. Die Macher haben die ursprüngliche Geschichte respektvoll abgewandelt und um einige interessante Handlungsstränge ergänzt. Und auch wenn das Original selbstverständlich zeitlos ist, muss man anerkennen, dass die Änderungen der Geschichte besser ins Disney-Universum und in die heutige Zeit passen.

Auch technisch ist dem Film nichts vorzuwerfen. Die von unaufdringlichen 3D-Effekten unterstützte Optik wird einem Disney-Märchen vollends gerecht und überzeugt durch tolle Landschaften und gelungene Charakteranimationen.

Mein Fazit

“Rapunzel – Neu verföhnt” ist ein zauberhafter Animationsfilm für die ganze Familie, der mit charmanten Haupt- und extrem niedlichen Nebenfiguren begeistert. Absolut sehenswert!

Meine Wertung: 8/10

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Im Kino gesehen: “22 Bullets”

Obwohl er aus Liebe zu seiner Familie vor Jahren zurückgetreten ist, wird der ehemalige Gangsterboss Charly Matteï (Jean Reno) in einem Parkhaus von vermummten Angreifern mit 22 Kugeln niedergestreckt. Wie durch ein Wunder überlebt er und begibt sich auf die Suche nach den Attentätern und den Hintermännern. Diese Suche und die darauf aufbauende Geschichte über Loyalität, Rache und Vergebung ist zwar keineswegs originell, wurde aber spannend und temporeich in Szene gesetzt. Die Regie überzeugt ebenso wie die guten bis sehr guten Darsteller – allen voran der wie immer hervorragende Jean Reno. Zart besaitete Personen seien jedoch gewarnt: In “22 Bullets” geht es nicht gerade zimperlich zur Sache. Die 18er-Freigabe ist aufgrund des Härtegrads und der Selbstjustizthematik absolut gerechtfertigt.

Meine Wertung: 7/10

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Im Kino durchlitten: “Otto’s Eleven”

De Pub Main Artwork Hauptplakat OT11Nachdem ich den Trailer zu Ottos neuem Film zum ersten Mal gesehen hatte, hegte ich noch Hoffnung auf eine einigermaßen gelungene Komödie. Natürlich hätte ich es besser wissen sollen. Aber hey, ich bin ja auch nur ein Mann. Ein Mann schlichten Gemüts, der mit Otto groß geworden und dementsprechend nostalgisch vorbelastet ist. Warum das dem Film auch nicht hilft und “Otto’s Eleven” ganz ganz großer Murks ist, lest ihr in der folgenden Review …

Worum geht’s

Otto lebt mit seinen Freunden (Mirco Nontschew, Rick Kavanian, Max Giermann und Arnd Schimkat) auf der kleinen Insel Spiegeleiland (Hinweis: dieser Name soll einen Witz darstellen). Durch ein Werbevideo für Touristen entdeckt der skrupellose Casinobesitzer und Kunstsammler Jean Du Merzac (Sky Dumont) in Ottos Haus genau das Gemälde, welches seine Sammlung komplettieren würde. Kurzerhand reist Du Merzac (übrigens soll auch dieser Name einen Witz darstellen) nach Spiegeleiland und stiehlt das Kunstwerk. Um das Gemälde wiederzubeschaffen, begeben Otto und seine Freunde sich auf eine waghalsige Mission …

De Pub Prod Photo Szenenbild_02 OT11Meine Meinung

Oh. Mein. Gott. Selten habe ich im Kino eine Komödie gesehen, die noch unlustiger ist als “Otto’s Eleven”. Hier stimmt wirklich gar nichts. Die Witze sind entweder noch älter als Otto selbst oder so primitiv, dass der eigene IQ unterhalb der aktuellen Außentemperatur liegen muss, um darüber lachen zu können. Der Humor, so man die gezeigten Peinlichkeiten denn mit viel gutem Willen als solchen bezeichnen möchte, spiegelt damit das Niveau der aktuellen deutschen TV-Landschaft wider. Ein Armutszeugnis.

De Pub Prod Photo Szenenbild_05 OT11Die Darsteller werten den Film in keiner Weise auf. Otto hüpft, jodelt und kichert wie in den Achtzigern, doch lustig ist das schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Während Rick Kavanians und Arnd Schimkats Rollen absolut belanglos sind, darf Max Giermann die Hälfte des Films als Stefan Raab Fink auftreten – was ebenfalls nicht lustig ist. Einen prominenten Menschen imitieren zu können, reicht einfach nicht, wenn die Pointen fehlen. Am schlimmsten hat es jedoch Mirco Nontschew getroffen. Als optisch verunstalteter Fitnessfreak darf dieser nur hässlich aussehen und übertriebene Grimassen ziehen. Was schon nach kurzer Zeit unheimlich nervt. Auch Sky Dumont als schmieriger Casinobesitzer und Olli Dittrich als Kultreporter Harry Hirsch bleiben trotz ihres unbestritten vorhandenen Talents einfach nur blass. Von der untalentierten Topmodel-Gewinnerin Sara Nuru, deren Gesichtsausdruck nur selten zu der jeweiligen Szene passt, fange ich lieber gar nicht erst an. Ein Armutszeugnis.

Die Tatsache, dass “Otto’s Eleven” es schafft, nicht einen einzigen Schmunzler (geschweige denn Lacher) zu erzeugen, ist durchaus beeindruckend. Der Film erobert damit mühelos den ersten Platz meiner “Unlustigste Komödie aller Zeiten”-Rangliste.

Mein Fazit

Absolut humorfreie Komödie mit verschenkten Darstellern. Wer sich davon überzeugen möchte, dass Ottos Zeiten definitiv vorbei sind, ist hier im richtigen Film.

Meine Wertung: 1/10

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Im Kino gesehen: “Saw 3D – Vollendung”

SAW 3D_Jigsaw_A4.qxpSeht her, es weihnachtet sehr. Und als wäre Schnee Anfang Dezember nicht schon grausam genug, läuft pünktlich zur kalten Jahreszeit natürlich auch wieder ein neuer “Saw”-Film im Kino. Wenig überraschend bietet dieser, wie bereits seine Vorgänger, absolut nichts Neues. Wieder einmal testet der Jigsaw-Killer verschiedene Menschen. Wieder einmal ist die Polizei ihm dicht auf den Fersen. Und wieder einmal fließt Blut. Viel Blut.  Dieses Mal sogar in 3D. Das wertet den Film zwar in keiner Weise auf, sieht aber zuweilen recht schick aus. Der Gewaltgrad wurde im Vergleich zum Vorgänger deutlich angehoben, so dass man in manchen Szenen schon fast von einem Splatterfilm reden kann. Wohlwollend betrachtet, bekommt der Zuschauer genau das, was er nach all den Jahren erwartet: Kreative Fallen, über deren Umsetzbarkeit man sich besser keine Gedanken machen sollte. Unsympathische Figuren, deren Ableben einem am Allerwertesten vorbeigehen. Viel Gewalt. Null Spannung. Und einen Schlusstwist, der so dämlich ist und an den Haaren herbeigezogen wirkt, dass sich dem intelligenten Zuschauer die Fußnägel aufrollen. Oder kurz gesagt: Einen typischen “Saw”-Film.

Meine Wertung: 6/10

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Sven Kietzke
Sven Kietzke
@svenkietzke@www.svenkietzke.de

Chroniken eines fotografierenden Filmnerds

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