Im Heimkino gesehen: The Model

Ja, es ist ruhig geworden in meinem Blog. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass ich letztes Jahr mit der Fotografie begonnen habe. Mit der Porträtfotografie, um genau zu sein. Und in dieses neue Hobby investiere ich derzeit unheimlich viel Zeit und Energie. Selbstverständlich schaue ich immer noch Filme, nur zum Schreiben komme ich derzeit eher selten. Umso schöner, dass mit dem dänischen Drama „The Model“ nun (bzw. bereits letzten Monat) ein Film erschienen ist, der meine zwei Hobbys miteinander vereint und mich dazu gebracht hat, mal wieder die Tastatur zu entstauben. Ob mir der Film gefallen hat und ob er auch für Menschen interessant ist, die mit der Fotografie oder dem Modelgeschäft nichts am Hut haben, erfahrt ihr … jetzt.

Worum geht’s

Die junge Dänin Emma (Maria Palm) träumt davon, einmal für Chanel auf der Pariser Fashion Week zu laufen. Um sich ihren Traum zu erfüllen, zieht Emma nach Paris, wo sie über eine Modelagentur die Chance erhält, mit dem angesagten und charismatischen Fotografen Shane White (Ed Skrein) zusammenzuarbeiten. Das Shooting gerät zwar zu einer mittleren Katastrophe, doch als Emma und Shane sich kurz darauf in einem Club wiedersehen, ist dies der Anfang einer Beziehung, die Emma alle Türen in Paris zu öffnen scheint. Doch die Fashion-Szene spielt nach ihren eigenen Regeln, an denen die ehrgeizige Emma mehr und mehr zugrunde geht …

Meine Meinung

Vermutlich kennt jeder von uns mindestens ein Mädchen bzw. eine junge Frau, die davon träumt, als Topmodel Karriere zu machen. Dass nicht mal Heidi Klum ihr Germany’s Next Topmodel (ja, ich tue das absichtlich so formulieren) als abschreckendes Beispiel genügt, zeigt, wie tief verwurzelt dieser Wunsch sein muss. Und wer kann es den jungen Mädchen verübeln? Ständig gibt’s neue schicke Kleidung, man ziert die Titelseiten der schönsten Magazine und verbringt jede Nacht in einem anderen Luxushotel. Die Abende bestehen durchweg aus fantastischen Feiern, die Männer (oder Frauen) liegen einem zu Füßen – wer bei solch tollen Aussichten andere berufliche Ambitionen hegt, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen.

Mads Matthiesens Drama „The Model“ zeichnet allerdings ein gänzlich anderes und zutiefst deprimierendes Bild der Modebranche. In Paris angekommen, muss Emma sich ihr winziges Zimmer mit einem zweiten Model teilen, während der schmierige Vermieter nur einen Raum weiter wohnt. Die Freundlichkeit und Anteilnahme aller Personen, die Emma im Lauf ihrer Karriere kennenlernt, wirken von Anfang an aufgesetzt – und erweisen sich letzten Endes auch als solches. Alle Beteiligten sind von Oberflächlichkeit und grenzenlosem Egoismus geprägt. Um die eigenen Ziele zu erreichen oder die Auftraggeber zufriedenzustellen, sind alle Mittel erlaubt. Rücksichtslos wird getan, was vermeintlich notwendig ist oder schlicht gefällt. Die eigene Karriere oder das eigene Vergnügen rechtfertigen alles. Und wo alle gleich ticken, sind echte Konsequenzen kaum zu befürchten. Dass an dieser Haltung Menschen zugrunde gehen, wird billigend in Kauf genommen, da sich letztendlich jeder freiwillig für diese Art zu leben entschieden hat.

Hauptdarstellerin Maria Palm, die im echten Leben tatsächlich ein Supermodel ist, spielt die anfangs naive, später labile Emma erstaunlich stark und facettenreich. Schüttelt man anfangs nach einigen ihrer Entscheidungen noch den Kopf, werden diese später durch einen kleinen Kniff des Drehbuchs in ein anderes Licht gerückt. Spätestens ab diesem Moment wird klar, wie unreif Emma ist und dass sie Unterstützung braucht, die ihr in dieser egoistischen Welt jedoch verwehrt bleibt. Dass Maria Palm es schafft, all dies glaubhaft rüberzubringen, ist mir durchaus ein Kompliment wert.

Manch einer mag vielleicht bemängeln, dass „The Model“ keine echte Spannungskurve zu bieten hat. Da der Film ein Drama und kein Thriller ist, hat mich dies jedoch absolut nicht gestört. Ganz im Gegenteil. Die ruhige, kühle Inszenierung sorgte bei mir vielmehr dafür, dass ich den Film durchweg glaubwürdig fand – und seitdem hoffe, dass das Treiben stark überspitzt dargestellt wurde und die Fashion-Szene in der Realität nicht ganz so verkommen ist.

Mein Fazit

Inhaltlich durchweg interessant, ruhig inszeniert und gut gespielt, ist „The Model“ ein Drama, das zeigt, wohin Oberflächlichkeit und purer Egoismus führen. Auch wer sich nicht für die Modewelt interessiert, darf gerne einen Blick riskieren. Und sei es nur, um vorgeführt zu bekommen, wie man selbst (hoffentlich) nie sein oder werden möchte.

Meine Wertung: 8/10

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[Kino] Ein kurzes Fazit zu „Don’t Breathe“

Die drei Kleinkriminellen Money (Daniel Zovatto), Rocky (Jane Levy) und Alex (Dylan Minnette) haben sich auf unauffällige Einbrüche spezialisiert. Als das Trio von einem blinden Mann (Stephen Lang) erfährt, der seit dem Unfalltod seiner Tochter eine Menge Geld in seinem Haus lagern soll, sieht es seinen ersten großen und zugleich letzten Coup gekommen. Im heruntergekommenen Haus eingebrochen, erwartet die drei jedoch eine Überraschung, denn der Blinde ist nicht das wehrlose Opfer, für das sie ihn gehalten haben. Von nun an kann jeder verräterische Atemzug ihr letzter sein …

Nach dem grandiosen „Evil Dead“-Remake schickt Regisseur Fede Alvarez Hauptdarstellerin Jane Levy erneut durch eine brutale Tour de Force, die sich gewaschen hat. Nach einer kurzen Einführung geht „Don’t Breathe“ unverzüglich in einen gnadenlosen Überlebenskampf über, der keine Zeit zum Durchatmen lässt und zudem mit der einen oder anderen Überraschung aufwartet. Das hohe Tempo zieht der Film bis zum Ende durch, die Figuren handeln größtenteils glaubwürdig und die Gewalt ist wohl dosiert. Ich persönlich hätte mir zwar gewünscht, dass „Don’t Breathe“ an ein oder zwei Stellen etwas konsequenter ist, aber das sind wirklich nur minimale Abzüge in der B-Note. Und wir wollen ja auch das Massenpublikum nicht verschrecken. 😉

So oder so ist „Don’t Breathe“ ein extrem düsterer und unfassbar spannender Film. Wer harte Thriller mag, kommt hier voll auf seine Kosten!

Meine Wertung: 8/10

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[Kino] Ein kurzes Fazit zum Horrorfilm „Lights Out“

Wisst ihr noch, damals? Als ihr Kinder wart, im Dunkeln Geister saht, diese jedoch verschwanden, sobald das Licht angeschaltet wurde? Genau diese Prämisse macht sich „Lights Out“ zunutze und hetzt ein im Licht zwar verschwindendes, im Dunkeln jedoch absolut tödliches Wesen auf Rebecca (Teresa Palmer) und deren kleinen Bruder Martin (Gabriel Bateman).

Regisseur David F. Sandberg spult das unheimliche Geschehen extrem flott in gerade mal 81 Minuten runter. Das lässt zwar keine Zeit für eine komplexe Geschichte oder große Charakterstudien, erstickt aber auch jegliche unnötige Länge im Keim. Und ganz ehrlich: Was ist es doch erfrischend, endlich mal wieder einen Film zu sehen, der nicht krampfhaft versucht mehr zu sein, als er ist. Einführung – kurze Recherche – Überlebenskampf – Finale – fertig! Was für eine Wohltat.

Zugegeben, inhaltlich ist „Lights Out“ nicht besonders originell. Aber da schaue ich bei dem Tempo, den vielen gelungenen Kleinigkeiten (ich sag nur „Mündungsfeuer“) und Teresa Palmer gerne drüber hinweg.

Meine Wertung: 7/10

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M. Night Shyamalans neuer Thriller „Split“ hat seinen ersten Trailer

Und dieser sieht Shyamalan-typisch verdammt vielversprechend aus. Allerdings ist meine Meinung hierbei kein echter Maßstab, haben mir doch sogar „Das Mädchen aus dem Wasser“ und „The Happening“ gefallen.

Worum es geht? Um drei entführte Mädchen. Einen Psychopathen mit 23 verschiedenen Persönlichkeiten. Und vielleicht auch im ein Monster. Man weiß es nicht. Auf jeden Fall hinterlässt der Trailer einen spannenden und unheimlichen Eindruck – meine Aufmerksamkeit hat der Film!

[youtube https://youtu.be/w3i18Jg0mgg]

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[Kino] Ein kurzes Fazit zur Krimi-Komödie „The Nice Guys“

Die schon etwas betagtere Mrs. Glenn (Lois Smith) beauftragt den Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling) mit der Suche nach ihrer Nichte, der berühmten Pornodarstellerin Misty Mountains (Murielle Telio). Dass Misty kurz zuvor bei einem Autounfall ums Leben kam, ist dabei durchaus ein Problem. Andererseits will Marchs Mandantin Misty nach deren Tod gesehen haben. Seine Suche nach der offiziell Verstorbenen führt March auf die Spur von Amelia Kuttner (Margaret Qualley), die in Mistys letztem Film mitgespielt hatte. Als Amelia merkt, dass ihr hinterhergeschnüffelt wird, beauftragt sie den Schläger Jackson Healy (Russell Crowe), um March von weiteren Ermittlungen abzuhalten. Als überraschend eine weitere Partei auftaucht, die Amelia sucht, und dabei auch vor Mord nicht zurückschreckt, müssen March und Healy erkennen, dass sie in etwas Großes hineingestolpert sind. Und den Fall nur gemeinsam lösen können …

Der ebenfalls von Regisseur und Drehbuchautor Shane Black inszenierte „Kiss Kiss Bang Bang“ mit Robert Downey Jr., Val Kilmer und Michelle Monaghan gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an „The Nice Guys“, ließen sich im Trailer doch durchaus einige Parallelen erkennen. Und jetzt bin ich unschlüssig: Lag es an diesen hohen Erwartungen, dass ich das Kino eher enttäuscht verlassen habe? Oder doch eher an dem Film selbst?

Versteht mich bitte nicht falsch: „The Nice Guys“ ist unterhaltsam. Sehr unterhaltsam. Ryan Gosling und Russell Crowe harmonieren perfekt miteinander, das 70er-Jahre-Flair kommt toll zur Geltung und das Geschehen ist schön wendungsreich und schwarzhumorig. Und doch fehlte mir im Kino etwas. Dieses sympathische i-Tüpfelchen bei den schrägen Charakteren. Der letzte Biss in den scharfzüngigen Dialogen. Der überspringende Funke in den kurzen, aber knackigen Actionszenen. Und nicht zuletzt das Aha-Erlebnis in der zwar Haken schlagenden, letztlich aber doch überraschend konventionellen Geschichte.

Ja, ich jammere hier auf recht hohem Niveau. Und ja, falls ihr euch für Krimi-Komödien interessiert, solltet ihr euch „The Nice Guys“ auf jeden Fall anschauen. Aber nein, der Film ist leider kein zweiter „Kiss Kiss Bang Bang“. Falls ihr diesen noch nicht gesehen habt: Nachholen! Jetzt!

Meine Wertung: 7/10

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[Kino] Ein kurzes Fazit zum Belagerungs-Thriller „Green Room“

Weil Geld und Benzin ausgegangen sind, stimmt die Punk-Rock-Band The Ain’t Rights einem Auftritt in einer Kneipe der rechten Szene zu. Nach dem Gig möchten Pat (Anton Yelchin) und die übrigen Band-Mitglieder nur noch schnell ihre Sachen packen und verschwinden, stolpern dabei aber unvermittelt über eine Leiche, der ein Messer im Kopf steckt. Da Pat sofort die Polizei anrufen möchte, werden er, seine Freunde und die Zeugin Amber (Imogen Poots) von den Skinheads in einen Raum gesperrt. Während diese sich unter der Führung des Kneipenbesitzers Darcy (Patrick Stewart) darauf vorbereiten, die unfreiwilligen Zeugen möglichst unauffällig zu beseitigen, sucht die eingesperrte Gruppe verzweifelt nach einer Möglichkeit, die Situation irgendwie zu überleben …

Wäre „Green Room“ vom Trash-Studio Asylum, er würde vermutlich „Punks vs Nazis“ heißen. Und langweilig sowie unfreiwillig komisch sein. Glücklicherweise ist „Green Room“ jedoch weder von Asylum, noch langweilig und erst recht nicht unfreiwillig komisch. Ganz im Gegenteil. Regisseur Jeremy Saulnier verzichtet auf jeglichen Humor und lässt die Protagonisten in eine Situation geraten, die von Anfang an dazu bestimmt ist, kein gutes Ende zu nehmen. Ein Überlebenskampf, frei von comichafter Überzeichnung oder auflockernder Ironie. „Green Room“ ist bedrückend. Spannend. Brutal. Kompromisslos. Und einfach ehrlich. Dabei ist Jeremy Saulnier hoch anzurechnen, dass die Gewalt trotz zahlreicher blutiger Szenen niemals zum Selbstzweck gerät, sondern sich stets nüchtern in das Geschehen einfügt.

Auch wenn die Charaktere letzten Endes ein wenig blass bleiben und die eine oder andere Szene eher der Spannung denn der Geschichte dient, ist „Green Room“ ein ausgezeichneter Belagerungs-Thriller für Freunde der härteren Gangart. Und als solcher definitiv eine Empfehlung wert.

Meine Wertung: 8/10

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[Kino] Ein kurzes Fazit zu „Money Monster“

60.000 Dollar hat Kyle Budwell (Jack O’Connell) auf Empfehlung des TV-Moderators und Börsenspezialisten Lee Gates (George Clooney) in die Firma IBIS Global Capital’s investiert – und die komplette Summe verloren. Da Kyle sich mit einem Computerfehler als Erklärung nicht abfinden will, verschafft er sich Zutritt zur Sendung, nimmt Lee vor laufenden Kameras als Geisel und verlangt von ihm und IBIS-CEO Walt Camby (Dominic West) eine Erklärung für den 800-Millionen-Dollar-Kursverlust. Während die Polizei nach einer Möglichkeit sucht, die Geiselnahme zu beenden, findet Regisseurin Patty Fenn (Julia Roberts) Anzeichen dafür, dass es bei dem spektakulären Kursrutsch tatsächlich nicht mit rechten Dingen zuging …

Spannend. Kurzweilig. Und bitterböse. Kaum hat der Film begonnen, befinden wir uns auch schon mitten im Geschehen. Regisseurin Jodie Foster hält sich nicht lange mit einer Vorgeschichte oder einer Einführung der Figuren auf, sondern drückt bereits nach wenigen Minuten mit voller Kraft aufs Gaspedal. Ein Nachteil ist dies freilich nicht, denn dank gut aufgelegter Darsteller entfalten sich Geschichte und Charaktere praktisch nebenbei, während die flott inszenierte Rahmenhandlung nicht nur Thrillerfans unterhält, sondern auch einige Seitenhiebe auf den Kapitalismus und unser Medienverhalten bereithält.

Zugegeben, besonders originell oder anspruchsvoll ist „Money Monster“ nicht. Doch bei dem Tempo, das der in Echtzeit ablaufende Films an den Tag legt, bleibt ohnehin keine Zeit, sich großartig Gedanken zu machen. „Money Monster“ will unterhalten. Und das tut er!

In diesem Sinne: Shut up and give them your money!

Meine Wertung: 8/10

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Im Heimkino gesehen: „I Spit on Your Grave 3: Vengeance is Mine“

Überraschung! Ja, ich lebe noch. Und nur für den Fall, dass ihr es nicht wusstet: Nicht nur ich, auch das „I Spit On Your Grave“-Franchise lebt noch. Obwohl die Fotografie inzwischen gut 90 Prozent meiner Freizeit in Anspruch nimmt, habe ich es geschafft, mir den dritten Teil der (neuen) Reihe anzuschauen. Und sogar darüber zu schreiben. Manchmal geschehen halt noch Zeichen und Wunder. Zum Glück betreibe ich dieses Blog nur als Hobby – und nicht, um damit Geld zu verdienen oder die Weltherrschaft zu übernehmen. So, genug gequatscht. Es soll hier schließlich um den Film gehen …

Worum geht’s

Nach den traumatischen Ereignissen in Louisiana lebt Jennifer (Sarah Butler) zurückgezogen und unter falschem Namen in Los Angeles. Von wiederkehrenden Gewaltphantasien gequält, meidet sie jegliche sozialen Kontakte. In einer Selbsthilfegruppe für Vergewaltigungsopfer lernt Jennifer die taffe Marla (Jennifer Landon) kennen. Es entwickelt sich eine Freundschaft, die abrupt endet, als Marla brutal ermordet wird. Vom inneren Zorn endgültig übermannt, beschließt Jennifer, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen – und startet einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen vermeintliche Vergewaltiger …

Meine Meinung

Ein kurzer Blick zurück: Der 2010er „I Spit on Your Grave“ ist ein Remake des umstrittenen Klassikers aus dem Jahr 1978. In beiden Filmen wird die Schriftstellerin Jennifer Hills Opfer einer brutalen Gruppenvergewaltigung und vermeintlich tot zurückgelassen, überlebt jedoch schwer verletzt und schlägt später brutal zurück. 2013 folgte eine Fortsetzung, die inhaltlich in keinem Zusammenhang zu den bisherigen Filmen steht, sondern schlicht dieselbe Geschichte mit neuen Figuren in einer anderen Umgebung noch mal erzählt. Handwerklich ist „I Spit on Your Grave 2“ zwar solide, bietet inhaltlich aber nichts neues und treibt die Demütigungen und Gewalt derart auf die Spitze, dass es selbst mir beim Schauen zeitweise zu viel des Guten war.

Mit „I Spit on Your Grave 3: Vengeance Is Mine“ gibt es nun eine „echte“ Fortsetzung, in der wir endlich erfahren, wie es mit Jennifer Hills weitergeht. Dabei bleibt uns eine erneute Vergewaltigung glücklicherweise erspart. Statt Jennifer zum Opfer eines weiteren Gewaltverbrechens zu machen, konzentriert sich der Film auf die tiefen seelischen Verletzungen, die Jennifer erlitten hat. Und auf deren Folgen. So ist es für Jennifer, abermals toll gespielt von Sarah Butler, nahezu unmöglich, Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen. Sie lebt isoliert, nimmt Belästigungen verstärkt wahr und leidet unter wiederkehrenden Gewaltphantasien. Auch wenn „I Spit on Your Grave 3“ kein psychologisches Drama ist, macht der Film dennoch unmissverständlich klar, wie stark Vergewaltigungsopfer (und deren Angehörige) auch Jahre nach der Tat auf unterschiedlichste Weise unter dieser zu leiden haben. So weit, so gelungen.

Da der Filmtitel aber nun mal verpflichtet, bleibt es natürlich nicht beim Aufarbeiten der Geschehnisse. Und so finden wir Jennifer alsbald in einem blutigen Rachefeldzug wieder. Ein Rachefeldzug, der zwar spannend und interessant ausfällt, aber dennoch leider nicht ganz überzeugen kann. Dass die Gewalt deutlich zurückgefahren wurde, hat mir persönlich ehrlich gesagt sehr gut gefallen, dürfte Gorehounds aber sauer aufstoßen. Trotz zwei überdurchschnittlich brutaler Szenen ist „I Spit on Your Grave 3“ eher als harter Thriller im „Ein Mann sieht rot“-Stil zu verstehen – und nicht unbedingt als weiterer Vertreter des Rape-and-Revenge-Genres.

Was mir hingegen weniger gut gefallen hat, sind die Schwächen im Drehbuch. Und die nicht genutzten Chancen. Zum Beispiel agiert die Polizei so unfähig, dass ich mich frage, wie diese jemals auch nur ein Verbrechen lösen konnte. Schließlich ist es nicht so, dass Jennifer sich bei ihren Taten bzw. beim Vertuschen der Spuren sonderlich geschickt anstellt. Bedauerlich ist außerdem, dass Jennifers Amoklauf letztlich nur tatsächlich schuldige Männer trifft. Wären auch Unschuldige unter den Opfern, würde dies dem Film gleich eine ganz andere Tiefe verleihen. Auch wenn der Film dadurch nicht ungenießbar wird, sorgt das doch für deutliche Abzüge in der B-Note.

Mein Fazit

„I Spit on Your Grave 3“ ist eine spannende Fortsetzung mit toller Hauptdarstellerin und interessanten Ansätzen, bleibt insgesamt aber leider etwas zu oberflächlich. Da wäre mehr drin gewesen. Aber auch deutlich weniger.

Meine Wertung: 7/10

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[Kino] Ein kurzes Fazit zu „Batman v Superman: Dawn of Justice“

Seit Superman (Henry Cavill) und Zod (Michael Shannon) im Kampf halb Metropolis in Schutt und Asche gelegt haben, sucht Batman (Ben Affleck) nach einer Möglichkeit, den Mann aus Stahl in seine Schranken weisen zu können. Dessen eigenmächtiges Treiben in Gotham bleibt wiederum Superman nicht verborgen, dem die Selbstjustiz der Fledermaus ein Dorn im Auge ist. Aufgestachelt von Lex Luthor (Jesse Eisenberg) und der öffentlichen Hysterie, droht der Streit zwischen den beiden ungleichen Superhelden zu eskalieren …

Respekt! Zack Snyder hat es tatsächlich geschafft, seinen bereits durchschnittlichen „Man Of Steel“ noch mal zu unterbieten. Und das deutlich. Bei „Batman v Superman“ stimmt wirklich gar nichts. Die Geschichte wirkt wie ein Flickwerk, dessen Handlungsstränge nie wirklich ineinander greifen. Völlig unkoordiniert wird von Szene zu Szene gesprungen, um die (dürftige) Handlung irgendwie voranzutreiben. Wieso, weshalb, warum etwas passiert oder Figuren etwas tun, diese Frage darf man sich als Zuschauer nicht stellen. Tut man dies aus Naivität oder alter Gewohnheit dennoch, öffnen sich Logiklöcher, die größer sind als die Ich-gucke-immer-betrübt-Furchen auf Supermans Stirn.

Immerhin wurde die Action grundsätzlich solide inszeniert, auch wenn erinnerungswürdige Momente einmal mehr komplett fehlen. Dass die Actionszenen teilweise recht hektisch und unübersichtlich geschnitten sind und sich die Action im Finale in einem CGI-Overkill entlädt, war bereits bei „Man Of Steel“ so – und dementsprechend auch hier zu erwarten. Kann man mögen. Ich tue es nicht.

Aber es gibt auch kleine Hoffnungsschimmer am Horizont: Ben Affleck macht seine Sache als leicht psychopathischer Batman verdammt gut (auch wenn ich die klobige Metallrüstung nach wie vor lächerlich finde) und Gal Gadot ist als Wonder Woman trotz nur kurzer Auftritte eine Wucht. Die geplanten Solo-Filme der beiden dürfen also gerne kommen. Zu schade, dass alle anderen Figuren komplett verschenkt wirken und Jesse Eisenberg als hippeliger Lex Luthor eine ziemliche Fehlbesetzung ist.

Meine Wertung: 3/10

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Sven Kietzke
Sven Kietzke
@svenkietzke@www.svenkietzke.de

Chroniken eines fotografierenden Filmnerds

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