Fall: Fear Reaches New Heights (2022)

Knapp ein Jahr ist vergangen, seit die Extremsportlerin Becky (Grace Caroline Currey) ihren Mann bei einem tragischen Unfall verloren hat. Um wieder ins Leben zurĂŒckzufinden und die Angst vor dem Klettern zu ĂŒberwinden, schlĂ€gt ihre Freundin Hunter (Virginia Gardner) vor, einen stillgelegten Fernsehturm in der WĂŒste zu erklimmen. Der Aufstieg gelingt, doch oben angekommen, bricht der obere Teil der Leiter weg, so dass die beiden in 600 Metern Höhe ohne Wasser und Kontakt zur Außenwelt festsitzen …

Wer Survival-Filme mag, kommt bei „Fall: Fear Reaches New Heights“ voll auf seine Kosten. Selbst ich hatte praktisch ununterbrochen schweißnasse HĂ€nde – und dabei leide ich nicht mal unter Höhenangst. Die Geschichte ist so simpel wie effektiv, die Höhe wird fĂŒr zahlreiche schwindelerregende Kameraeinstellungen genutzt und die beiden Protagonistinnen sind nicht nur menschlich und sympathisch, sondern handeln (speziell fĂŒr einen Film) ĂŒberraschend ĂŒberlegt und clever. Ideale Voraussetzungen also, um ordentlich mitzufiebern.

Bei der Laufzeit wÀre etwas weniger jedoch mehr gewesen. Echte LÀngen schleichen sich zwar nicht ein, aber gut 10 Minuten weniger wÀren auch okay gewesen. Und dann wÀre da noch ein Twist, den ich a) absolut nicht gebraucht hÀtte und der b) von jedem aufmerksamen Zuschauer recht schnell erahnt werden kann. Nicht wirklich Àrgerlich, aber unnötig.

Sei’s drum, insgesamt ist „Fall: Fear Reaches New Heights“ dennoch eine runde Sache. Auch wenn der Film das Genre erwartungsgemĂ€ĂŸ nicht neu erfindet.

Meine Wertung: 7/10

Evil Dead Rise (2023)

Als sich immer deutlicher herauskristallisierte, dass „Evil Dead Rise“ laufen wĂŒrde, kaufte ich mir gestern spontan eine Karte fĂŒr die Sneak Preview und machte mich auf den Weg zum Kino. Zwar konnte ich nur noch einen Platz in der ersten Reihe ergattern, aber hey, ich hatte Bock auf den Film, also was soll’s. Im Kinosaal angekommen, lauschte ich den GesprĂ€chen des restlichen Publikums. „Aber ein Horrorfilm wird’s doch nicht werden, oder?“ fragte eine hörbar besorgte Zuschauerin. „Nee, fĂŒr Horrorfilme haben die eine eigene Sneak. Glaube ich.“ antwortete leicht verunsichert ihre Freundin. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass ich gleich doppelt breit grinsen musste, als dann tatsĂ€chlich „Evil Dead Rise“ auf der Leinwand erschien …

Worum geht’s

Die ungeplant schwangere Beth (Lily Sullivan) besucht ihre Ă€ltere Schwester Elli (Alyssa Sutherland) und deren drei Kinder Bridget (Gabrielle Echols), Danny (Morgan Davies) und Kassie (Nell Fisher). Zu ihrer Überraschung erfĂ€hrt Beth dort nicht nur, dass Elli von ihrem Mann verlassen wurde, sondern auch, dass das GebĂ€ude, in dem sie wohnen, kurz vor dem Abriss steht, die meisten Nachbarn bereits ausgezogen sind und die junge Familie kurz vor der ZwangsrĂ€umung steht. Als ein Erdbeben einen verborgenen Tresorraum in der Tiefgarage freilegt, steigt Danny hinunter und entdeckt dort ein unheimliches Buch sowie mehrere Schallplatten, die dĂ€monische Rituale enthalten. Als Danny diese Rituale abspielt, erwacht das Böse und ergreift Besitz von Elli …

Meine Meinung

Ihr habt mal wieder Lust auf einen splattrigen Horrorfilm, der sich selbst nicht zu ernst nimmt und bei dem das Blut aus wortwörtlich jeder Pore trieft? Sehr schön, dann ist „Evil Dead Rise“ euer Film! Nach einer kurzen, aber blutig-spaßigen Eröffnungsszene nimmt sich der Film zwar erst mal etwas Zeit, um die wichtigsten Figuren vorzustellen, doch wenn es dann ab der Mitte des Films zur Sache geht, werden keine Gefangenen mehr gemacht. Wie man es von einem „Evil Dead“-Film erwartet, werden Gliedmaßen abgerissen, abgehackt und weggeschossen, dass es eine wahre Freude ist. Das Blut fließt hektoliterweise, die gute alte SelbstverstĂŒmmelung ist auch mit an Bord und zwischendrin gibt’s immer mal wieder makabere Kommentare und ein paar nette Anspielungen auf die Klassiker der Reihe, speziell auf „Evil Dead II“. Ich weiß, das klingt bis hierhin nach einem echten Volltreffer, aber …

… leider schaffte es „Evil Dead Rise“ dennoch nicht, bei mir eine echte „Evil Dead“-Stimmung aufkommen zu lassen. Und ich kann nicht mal genau erklĂ€ren, woran das eigentlich lag. Vielleicht daran, dass die Effekte zwar schön blutig gestaltet wurden, aber leider nicht komplett handgemacht, sondern teilweise am Computer entstanden sind. WĂ€hrend mir der 2013er „Evil Dead“ auch heute noch beim Anschauen weh tut, ließen mich Ă€hnliche Szenen in „Evil Dead Rise“ weitestgehend kalt. Dasselbe gilt fĂŒr die Deadites, die zwar erneut „schön“ gestaltet, letztlich aber auch relativ austauschbar sind und kaum in Erinnerung bleiben. AusdrĂŒcklich ausnehmen möchte ich hiervon Alyssa Sutherland, die sich wortwörtlich die Seele aus dem Leib spielt und als dĂ€monische Mutter alle anderen brutal an die Wand klatscht spielt

Generell zieht „Evil Dead Rise“ im direkten Vergleich zum 2013er „Evil Dead“ klar den KĂŒrzeren. Die handgemachten Effekte, die gemeineren Deadites und nicht zuletzt die audiovisuelle QualitĂ€t sprechen klar fĂŒr den VorgĂ€nger. Alleine das Finale vor dem brennenden Haus im Blutregen ist eine Szene fĂŒr die Ewigkeit – und solche Szenen fehlen in „Evil Dead Rise“ leider. In Erinnerung bleiben hier höchstens die diabolische Mutter und ein wirklich originell gefilmtes Gemetzel, welches lediglich durch einen TĂŒrspion hindurch beobachtet wird. Das Finale hingegen empfand ich als ĂŒberraschend unspektakulĂ€r inszeniert, zumal mich das Creature Design eher an einen David-Cronenberg- oder John-Carpenter-Film als an „Evil Dead“ erinnerte. Aber hierĂŒber lĂ€sst sich sicherlich streiten.

So, genug gemeckert, denn letztlich ist das alles Jammern auf hohem Niveau. Auch wenn „Evil Dead Rise“ meiner Meinung nach der bislang schwĂ€chste Teil der Reihe ist, hat er mir dennoch jede Menge Spaß bereitet und bietet letztlich all das, was Fans an der „Evil Dead“-Reihe lieben. Und fĂŒr eines muss ich die Macher ausdrĂŒcklich loben – obwohl ich genau weiß, wie falsch das jetzt gleich klingen wird: Hut ab, dass selbst Kinder hier nicht verschont bleiben. So was erlebt man in Filmen viel zu selten. 😉

Meine Wertung: 7/10

Hellraiser – Das Schloss zur Hölle (2022)

Um 6 Uhr aufwachen. Das iPad in die Hand nehmen. Freudig zur Kenntnis nehmen, dass „Hellraiser – Das Schloss zur Hölle“ bei iTunes verfĂŒgbar ist. Aufstehen. ZĂ€hne putzen. Cherry Coke einschenken. Den Film kaufen und starten. Es gibt schlimmere Arten, das Wochenende zu beginnen.

Worum geht’s

Bei einem Einbruch in eine Lagerhalle stoßen Riley (Odessa A’zion) und Trevor (Drew Starkey) auf einen Container, der lediglich einen kleinen Safe beinhaltet. In der Hoffnung auf Geld oder Wertpapiere brechen die beiden den Safe auf, mĂŒssen jedoch enttĂ€uscht feststellen, dass dieser lediglich eine kleine Puzzlebox enthĂ€lt. Als Riley spĂ€ter unter dem Einfluss von Drogen mit dieser Puzzlebox herumspielt, setzt sie damit tödliche Ereignisse in Gang …

Meine Meinung

Cliver Barkers „Hellraiser – Das Tor zur Hölle“ und dessen Fortsetzung „Hellbound: Hellraiser II“ gehören ohne Zweifel zu den besten Horrorfilmen aller Zeiten. Danach ging’s mit der Reihe leider stetig bergab, wobei ich „Hellraiser 3: Hell on Earth“ und ja, auch „Hellraiser 4 – Bloodline“ durchaus mag, auch wenn sie mit der ursprĂŒnglichen Idee nicht mehr viel zu tun haben. Über die restlichen Filme breite ich jedoch lieber den berĂŒhmten Mantel des Schweigens aus. Zwar lassen sich auch diese an einem verregneten Nachmittag durchaus mal gucken, aber puh, die spielen wirklich in einer ganz anderen Liga. Und das nicht im positiven Sinne.

David Bruckners „Hellraiser – Das Schloss zur Hölle“ orientiert sich glĂŒcklicherweise wieder mehr an den ersten beiden Teilen und stellt einen gelungenen Schritt zurĂŒck zu den Wurzeln der Reihe dar – sowohl inhaltlich als auch optisch. Dank des höheren Budgets sieht der Film stellenweise im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch aus und hat dank der gelungenen Inszenierung zudem einige erfreulich atmosphĂ€rische Szenen zu bieten. Wer das Original kennt, dĂŒrfte sich außerdem darĂŒber freuen, dass der Original Score immer mal wieder zu hören ist. Als Fan geht einem da schon ein wenig das Herz auf.

Apropos Fans: Wer mit „Hellraiser“ aufgewachsen ist und die Originale liebt, wird sich unweigerlich fragen, wie sich Jamie Clayton als Pinhead schlĂ€gt. Meine Antwort auf diese Frage lautet: passabel. Echte Akzente kann sie zwar nicht setzen, ĂŒberzeugt in der Rolle aber durchaus. Dasselbe gilt ĂŒbrigens auch fĂŒr alle anderen Darsteller.

Inhaltlich dreht sich der Film wieder einmal um grundlegende Themen wie Neugierde, Verlangen, VerfĂŒhrung, Schuld und Erlösung – was jetzt allerdings deutlich anspruchsvoller klingt, als es letztlich tatsĂ€chlich ist. Insgesamt bleibt „Hellraiser – Das Schloss zur Hölle“ leider relativ oberflĂ€chlich und lĂ€sst insbesondere bei den Charakteren einige Möglichkeiten liegen. Rileys Drogensucht zum Beispiel passt an sich perfekt zur Thematik, ist jedoch nur zu Beginn von Bedeutung und spielt im spĂ€teren Verlauf der Handlung absolut keine Rolle mehr. Schade und definitiv eine vertane Chance. Dennoch ist die Geschichte insgesamt deutlich interessanter (und vor allem in sich stimmiger) als so ziemlich alles, was nach „Hellbound: Hellraiser II“ auf die Welt losgelassen wurde.

Mein Fazit

„Hellraiser – Das Schloss zur Hölle“ ist ein mehr als solides Reboot und insbesondere fĂŒr Horrorfans definitiv einen Blick wert. „Hellraiser – Das Tor zur Hölle“ und „Hellbound: Hellraiser II“ bleiben aber weiterhin unerreicht.

Meine Wertung: 7/10

Black Panther: Wakanda Forever (2022)

Ich bin traurig. Nicht ich-könnte-heulen-traurig, aber traurig. Vom ersten Film an war ich ein riesiger Fan des MCU und konnte selbst den schwĂ€cheren BeitrĂ€gen (ja, ich schaue dich an, „Thor – The Dark Kingdom“) stets etwas abgewinnen. Phase 4 hingegen macht es mir echt nicht leicht. Keine Ahnung, ob es an der ÜbersĂ€ttigung durch Serien bei Disney+, an der nachlassenden QualitĂ€t der Produktionen, an meinem fortschreitenden Alter oder an einer Mischung aus allem liegt, aber zum ersten Mal gibt es Projekte im MCU, von denen ich mich nicht mehr gut unterhalten fĂŒhle. „Black Panther: Wakanda Forever“ ist eines dieser Projekte.

Worum geht’s

König T’Challa ist an einer Krankheit gestorben, selbst seine Schwester Shuri (Letitia Wright) konnte sein Leben nicht retten. WĂ€hrend Wakanda um seinen König trauert, verlangen die Vereinten Nationen Zugriff auf die Technologien und Ressourcen des Landes, was Königin Ramonda (Angela Bassett) jedoch vehement ablehnt. Als die USA im atlantischen Ozean Vibranium entdecken, sieht sich die von König Namor (Tenoch Huerta) gefĂŒhrte Unterwasser-Nation Talokan gezwungen einzugreifen und tötet die gesamte Besatzung des Forschungsschiffs. WĂ€hrend die USA Wakanda fĂŒr den Angriff verantwortlich machen, verschafft sich König Namor Zugang zum Land und fordert Königin Ramonda auf, zum Schutz der beiden Königreiche zusammenzuarbeiten und die Ingenieurin zu töten, die den Vibranium-Detektor entworfen hat, bevor die USA weitere Vorkommen entdecken …

Meine Meinung

Falls ihr jetzt denkt „Moment mal. Glaubt Namor ernsthaft, der Tod der Ingenieurin könnte die Erfindung des Vibranium-Detektors rĂŒckgĂ€ngig machen? Das ergibt doch gar keinen Sinn!“: Richtig, das ergibt keinen Sinn. Wie so vieles in diesem Film keinen Sinn ergibt. Wieso weigert sich Königin Ramonda so beharrlich, ihr Wissen zu teilen, obwohl ihr Sohn T’Challa doch eben dies versprochen hatte? Wieso kontrolliert Wakanda den Luftweg sogar ĂŒber einen Schutzschild, lĂ€sst den Zugang unter Wasser aber fĂŒr alle Eindringlinge offen? Und wieso kann eine Studentin ohne entsprechende Ressourcen mal so nebenbei einen Iron-Man-Anzug bauen? Fragen ĂŒber Fragen. Aber gut, wir sind hier im MCU und streng genommen ergibt hier vieles keinen echten Sinn. Das Problem daran: „Black Panther: Wakanda Forever“ bietet nichts, was von solchen LogikschwĂ€chen ablenkt.

Wenn ein Film eine packende Geschichte oder interessante Figuren bietet, schaue zumindest ich gerne gnĂ€dig ĂŒber andere SchwĂ€chen hinweg. „Black Panther: Wakanda Forever“ bietet leider nichts davon. Vom emotionalen Einstieg und dem actionreichen Finale mal abgesehen, plĂ€tschert die Geschichte relativ ereignislos vor sich hin. Inhaltlich reicht der Stoff vielleicht fĂŒr 100 bis maximal 120 Minuten, aber weil es ein Gesetz zu geben scheint, welches besagt, dass moderne Blockbuster ÜberlĂ€nge zu haben … haben, wird die Geschichte auf so unnötige wie quĂ€lende 160 Minuten aufgeblasen. Nichts, wirklich nichts in dem Film rechtfertigt diese Laufzeit. Und leider konnten mich auch die Charaktere nicht ĂŒberzeugen, da diese nicht nur nicht interessant (Namor), sondern oft auch erschreckend unsympathisch (Ramonda, Shuri) geschrieben sind. Besonders auffĂ€llig ist dies bei Neuzugang Riri aka Ironheart, einer Teenagerin, die nicht nur alles weiß und alles kann, sondern auch immer einen coolen Spruch auf den Lippen hat. Da lobe ich mir doch einen Peter Parker mit all seinen Problemen und Selbstzweifeln, der ist als Charakter wesentlich greifbarer. Und ja, ich rede hier vom „alten“ Peter Parker, nicht vom MCU-Peter-Parker. Wobei dieser jetzt ja auch in seine Spur zurĂŒckgefunden hat. Vielleicht gibt’s fĂŒr Riri also noch Hoffnung.

Den Darstellern mache ich hierbei ĂŒbrigens keinen Vorwurf, die liefern allesamt durchaus ab. Insbesondere Angela Bassett zeigt mal wieder eine tolle Performance, aber auch Letitia Wright und Danai Gurira sind mir durchaus positiv in Erinnerung geblieben. Dasselbe gilt fĂŒr die Sets, die KostĂŒme und die Effekte – rein optisch ist „Black Panther: Wakanda Forever“ definitiv gelungen. Und auch am Ton und der Musik habe ich nichts zu kritisieren. Technisch betrachtet ist der Film also durchaus einen Blick wert, was ihn fĂŒr mich gerade noch so ins Mittelmaß rettet. Von einem MCU-Film dieses Kalibers erwarte ich aber mehr als das.

Meine Wertung: 5/10

She Said (2022)

2017 berichteten die Journalistinnen Jodi Kantor und Megan Twohey in der New York Times ĂŒber VorwĂŒrfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein, der von zahlreichen Frauen des sexuellen Missbrauchs bis hin zur Vergewaltigung beschuldigt wurde. Mit ihrem Artikel brachten sie nicht nur einen der mĂ€chtigsten MĂ€nner Hollywoods zu Fall, sondern indirekt auch die #MeToo-Bewegung ins Rollen.

Letztes Jahr wurde mit „She Said“ eine Verfilmung eben dieser Ereignisse veröffentlicht, wobei Maria Schraders Drama auf dem gleichnamigen Sachbuch der beiden Journalistinnen (im Film gespielt von Zoe Kazan und Carey Mulligan) beruht und einen klassischen Journalismus-Film darstellt. Dementsprechend behandelt der Film hauptsĂ€chlich die ausfĂŒhrliche Recherche der beiden Journalistinnen bis hin zur finalen Veröffentlichung des Artikels. Ein wenig erinnert der Film dadurch an den thematisch Ă€hnlich gelagerten „Spotlight“, der mich bei Veröffentlichung allerdings deutlich stĂ€rker packen konnte und meiner Meinung nach noch mal in einer anderen Liga spielt.

Damit möchte ich allerdings keineswegs sagen, dass mir „She Said“ nicht gefallen hat. Ganz im Gegenteil, der Film ist meiner Meinung nach absolut sehenswert. Nicht nur, dass Zoe Kazan und Carey Mulligan fantastisch spielen, auch gelingt dem Film ein interessanter Einblick in die Arbeit sowie in das Innenleben der beiden Journalistinnen und zeigt einmal mehr, wie viel Zeit und Arbeit Journalisten in eine grĂŒndlichen Recherche stecken – und auch stecken sollten, wenn sie ihrer Arbeit gerecht werden möchten.

Wer sich auch nur im Ansatz fĂŒr Journalismus-Filme interessiert, macht hier definitiv nichts verkehrt. Und sollte hier jemand mitlesen, der Bedenken hat, „She Said“ könnte MĂ€nner generell als Sexisten darstellen: Keine Sorge, das tut der Film nicht. Ganz im Gegenteil, Regisseurin Maria Schrader macht speziell in einer Szene auf sehr dezente Art klar, dass selbstverstĂ€ndlich nicht alle MĂ€nner eine Bedrohung sind. DafĂŒr gibt’s noch mal einen extra Daumen nach oben!

Meine Wertung: 8/10

Bullet Train (2022)

Mir ist gerade eingefallen, dass ich euch noch meine Meinung zur Actionkomödie „Bullet Train“ schuldig bin. In dieser wird der Auftragskiller Ladybug (Brad Pitt) beauftragt, an Bord eines Hochgeschwindigkeitszugs einen Koffer mit Geld zu stehlen. An Bord muss Ladybug allerdings feststellen, dass er nicht der einzige AttentĂ€ter im Zug ist. Und dass hier noch etwas GrĂ¶ĂŸeres lĂ€uft …

Ihr mögt skurrile Figuren, völlig ĂŒberzogene Action, comichafte Gewalt und schwarzen Humor? Dann seid ihr bei „Bullet Train“ genau richtig. Der Film ist eine Aneinanderreihung absurder Momente und weckt in seinen besten Momenten Erinnerungen an die guten alten 90er, als schrĂ€ge Gangsterfilme wie „Reservoir Dogs“ Hochkonjunktur hatten. Die rasante Action hingegen erinnert eher an moderne Comicverfilmungen – kein Wunder, wenn man bedenkt, dass David Leitch auf dem Regiestuhl saß. Also der Mann, der bereits die nicht minder unterhaltsamen „Deadpool 2“ und „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ inszenierte.

Gut, echten Anspruch sucht man hier vergebens, aber hey, ich hatte verdammt viel Spaß mit diesem absurd-atemlosen Dialog- und Actionfeuerwerk. Solche Filme sind einfach viel zu selten geworden.

Meine Wertung: 8/10

Men: Was dich sucht, wird dich finden (2022)

Kurz vor Ablauf der Leihfrist habe ich es dann doch noch geschafft, mir Alex Garlands („Ex Machina“, „Auslöschung“) Horrordrama „Men: Was dich sucht, wird dich finden“ anzuschauen. Und war gleichermaßen fasziniert wie ernĂŒchtert. Aber der Reihe nach …

Worum geht’s

Um etwas Abstand zu gewinnen und sich von einem tragischen Ereignis zu erholen, mietet sich Harper (Jessie Buckley) fĂŒr zwei Wochen ein Landhaus in einem abseits gelegenen Dorf. Dort trifft Harper nicht nur auf den zwar netten, aber auch leicht schrulligen Vermieter Geoffrey (Rory Kinnear), sondern auch auf den örtlichen Priester und diverse andere mĂ€nnliche Dorfbewohner (allesamt gespielt von Rory Kinnear), die sich ebenfalls leicht merkwĂŒrdig verhalten. Als ein nackter Obdachloser (gespielt von, ihr ahnt es schon, Rory Kinnear) versucht ins Landhaus einzudringen, droht die Situation zu eskalieren …

Meine Meinung

„Men: Was dich sucht, wird dich finden“ als schrĂ€g zu bezeichnen, wĂ€re die Untertreibung des (noch jungen) Jahres. Ganz ehrlich: Ich bin mir nicht sicher, was ich von dem Film halten soll. Einerseits ist er durchaus faszinierend, andererseits hat er mich aber leider auch erschreckend kalt gelassen.

Auf den Inhalt möchte ich ehrlich gesagt gar nicht großartig eingehen. Zum einen, weil insbesondere die Frage, worum es denn nun eigentlich geht, einen großen Teil der Faszination ausmacht. Und zum anderen, weil am Ende mehr als genug Fragen offen bleiben, um das Geschehen höchst individuell interpretieren zu können. Wer seichte Hirn-aus-Unterhaltung fĂŒr einen verregneten Sonntagnachmittag sucht, ist hier definitiv beim falschen Film gelandet. Wer sich gerne mit gesellschaftskritischen Themen beschĂ€ftigt, und es liebt, im Nachgang ĂŒber Filme zu philosophieren, der dĂŒrfte an „Men“ hingegen seine Freude haben.

Worauf ich hingegen eingehen möchte, ist die Optik des Films. Denn meine GĂŒte, sieht „Men“ grandios aus! Es ist wirklich lange her, dass ich so schöne, perfekt inszenierte Bilder gesehen habe. Egal ob sattgrĂŒner Wald, spĂ€rlich beleuchteter Tunnel oder Tierkadavar, hier sieht alles auf seine ganz spezielle Art fantastisch aus. Hinzu kommt eine ebenfalls grandiose Tonarbeit, die das Geschehen perfekt untermalt. Audiovisuell ist der Film zweifellos ein echter Volltreffer. Dasselbe gilt ĂŒbrigens fĂŒr Jessie Buckley und Rory Kinnear, die beide einfach nur fantastisch spielen, wobei Rory Kinnear insbesondere durch seine verschiedenen Rollen in Erinnerung bleibt, wĂ€hrend Jessie Buckley als gleichzeitig verletzliche wie auch starke Harper ĂŒberzeugt.

Dass mich der Film trotzdem nicht vollends ĂŒberzeugen konnte, liegt einerseits an der fĂŒr meinen Geschmack etwas ĂŒberfrachteten Symbolik mit teils zweifelhafter Botschaft (zumindest nach meiner Interpretation), und andererseits daran, dass trotz atmosphĂ€rischer Bilder (und einem Finale, das mit seinem Body-Horror schon fast einem David-Cronenberg-Film entsprungen sein könnte) nie eine echte Bedrohung entsteht. Zumindest hatte ich nie das GefĂŒhl, mich um Harper sorgen zu mĂŒssen. Das mag im Kontext des Films sogar Sinn ergeben, dem Spannungsbogen wurde damit aber kein Gefallen getan.

Mein Fazit

„Men: Was dich sucht, wird dich finden“ ist ein optisch beeindruckendes Horrordrama mit grandiosen Darstellern, das zur eigenen Interpretation einlĂ€dt, spannungstechnisch aber eher auf Sparflamme vor sich hin köchelt.

Meine Wertung: 6/10

nur ein paar Rewatchesesesss …

Falls ihr euch fragen solltet, ob ich hier im Blog schon wieder zu schwĂ€cheln anfange: nein, das tue ich nicht. Irgendwie fehlen mir momentan einfach nur Ruhe und Konzentration, um mich neuen Filmen zu widmen. Dennoch habe ich in letzter Zeit selbstverstĂ€ndlich ein paar Filme geschaut – allerdings nur solche, die ich bereits kannte. Aber auch ĂŒber die kann ich ja ein paar Worte verlieren. Los geht’s:

DĂ€mon – Trau keiner Seele (1998)

Ein bestialischer Serienkiller wird hingerichtet, doch nach seinem Tod geht die Mordserie weiter. „DĂ€mon – Trau keiner Seele“ beginnt wie ein klassischer Serienkiller-Thriller, entwickelt sich mit zunehmender Laufzeit aber, der Titel verrĂ€t es bereits, zu einem erfreulich dĂŒsteren Horrorthriller. Tolle Darsteller (unter anderem Denzel Washington, John Goodman und Donald Sutherland), eine spannende Story und ein grandioses Finale – ich mag den Film unheimlich gerne!

Meine Wertung: 8/10

San Andreas (2015)

Ein Erdbeben, ein Mann wie ein Berg und ganz viel Action – „San Andreas“ ist dumm, macht aber Spaß. Letztlich kann ich hier nur das wiederholen, was ich bereits 2015 nach dem Kinobesuch geschrieben habe. Allerdings kann ich den Film inzwischen trotz (oder vielleicht auch wegen) seiner naiven Blödheit deutlich mehr genießen, sodass ich meine Wertung wohlwollend nach oben korrigiere.

Meine Wertung: 7/10

Titanic (1997)

AnlĂ€sslich des 25-jĂ€hrigen JubilĂ€ums war mal wieder ein Rewatch fĂ€llig – und meine GĂŒte, ist „Titanic“ ein guter Film. 194 Minuten perfekte Unterhaltung. Mehr gibt es hierzu nicht zu sagen.

Meine Wertung: 10/10

Westworld (1973)

Als in einem futuristischen Freizeitpark die Maschinen Amok laufen, mĂŒssen GĂ€ste und Angestellte um ihr Leben kĂ€mpfen. Ich geb’s zu: Ich hatte den Film besser in Erinnerung. Die Grundidee ist immer noch klasse, aber es dauert einfach viel zu lange, bis die Geschichte endlich Fahrt aufnimmt. DafĂŒr ist das Finale auch heute noch erfreulich spannend – wenn James Cameron hier mal nicht seine Idee fĂŒr den Terminator her hatte …

Meine Wertung 6/10

Futureworld – Das Land von Übermorgen

Fortsetzung zu „Westworld“, in der der Park unter neuen Bedingungen wieder eröffnet wird. Die vom Original deutlich abweichende Story gefĂ€llt, entwickelt sich aber zu langsam. Außerdem sind einige Szenen aus heutiger Sicht schon fast unfreiwillig komisch. DafĂŒr ĂŒberzeugen Peter Fonda und Blythe Danner als neugieriges Journalistenpaar mit viel Wortwitz und einer tollen Chemie. Wer „Westworld“ mag, sollte auch „Futureworld“ gesehen haben.

Meine Wertung: 6/10

Orphan: First Kill (2022)

Jaume Collet-Serras „Orphan – Das Waisenkind“ aus dem Jahr 2009 gehört zu den Filmen, die ich gerne empfehle, wenn mich jemand nach einem Geheimtipp fragt. Der so kleine wie fiese Thriller ist dĂŒster, spannend und bietet einen wie ich finde extrem genialen Twist, den ich in dieser Form definitiv nicht habe kommen sehen.

Das verspĂ€tete Prequel „Orphan: First Kill“ kann hier trotz guter AnsĂ€tze und schicker Optik leider nicht mithalten. Zwar bietet auch dieses wieder einen recht gelungenen Twist, doch lĂ€sst sich dieser dieses Mal leider schon recht frĂŒh erahnen. Da der grundsĂ€tzliche Ausgang der Geschichte von Anfang an feststeht, köchelt die Spannung zudem eher auf Sparflamme vor sich hin. Ausgeglichen wird dieses Manko durch eine erneut grandiose Isabelle Fuhrman und einen ausgeprĂ€gten schwarzen Humor, der insbesondere im spĂ€teren Verlauf des Films durchaus Freude bereitet.

Falls ihr euch fragt, wieso ich nichts zum Inhalt schreibe: Weil es unmöglich ist, sich hierzu zu Ă€ußern, ohne den Twist des VorgĂ€ngers zu verraten. Und das möchte ich einfach nicht tun. Stattdessen empfehle ich euch lieber, sich unverzĂŒglich „Orphan – Das Waisenkind“ anzuschauen, solltet ihr diesen tatsĂ€chlich noch nicht kennen. Danach dĂŒrft ihr dann ruhig auch einen Blick auf „Orphan: First Kill“ werfen. Solide Unterhaltung bietet der Film nĂ€mlich allemal. Und das ist fast schon mehr, als man nach dieser langen Zeit und der inhaltlichen PrĂ€misse hĂ€tte erwarten dĂŒrfen.

Meine Wertung: 6/10

Fediverse

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